Planprofi24 in Siegen
Bauantrag, Aufmaß, Grundriss, Wohnflächenberechnung, Nutzungsänderung und Energieausweis für Immobilien in Siegen — digital beauftragt, mit Blick auf die lokalen Zuständigkeiten und Besonderheiten.
Ihren Beinamen Krönchenstadt verdankt Siegen der goldenen Krone auf dem Turm der Nikolaikirche am Markt – das prägendste Bauwerk der Innenstadt ist heute aber ein anderes: die Sieg selbst, die in einem breiten, offen gestalteten Flussbett zwischen Sitzstufen und Uferpromenaden mitten durch die Stadtmitte fließt. Dass der Fluss dort fast 45 Jahre lang unter einer Betonplatte und einem Parkplatz verschwunden war, ist kaum noch zu erahnen; erst ein groß angelegtes Stadtumbauprojekt holte die Sieg ab 2012 zurück ans Licht und machte die frühere Siegplatte zu einer der markantesten Rückbau- und Nutzungsänderungsgeschichten im nordrhein-westfälischen Gebäude- und Städtebaubestand.
Mit rund 102.400 Einwohnerinnen und Einwohnern (Stand: Ende 2025, bei leicht rückläufigem Trend) liegt Siegen komfortabel oberhalb der Großstadt-Schwelle von 100.000 – einen Status, den die Stadt ausgerechnet in dem Jahr erreichte, in dem sie endgültig ihre Kreisfreiheit verlor. Kreisfrei war Siegen nur von 1923 bis zur Rückgliederung in den Kreis Siegen zum 1. Juli 1966; zum 1. Januar 1975 legte das sogenannte Sauerland/Paderborn-Gesetz die bis dahin selbstständigen Städte Hüttental und Eiserfeld mit Siegen zusammen und vereinigte zugleich die Kreise Siegen und Wittgenstein zum neuen Kreis Siegen, der 1984 in Kreis Siegen-Wittgenstein umbenannt wurde und dessen Kreisstadt Siegen bis heute ist. Als Universitätsstadt mit rund 13.700 Studierenden und als historisches Zentrum des jahrhundertealten Siegerländer Eisenerzbergbaus ist Siegen wirtschaftlich bedeutender als mancher eigenständige Landkreis. Für Bauantrag, Aufmaß und Wohnflächenberechnung zählt vor allem eine andere Tatsache: Trotz der Kreisangehörigkeit unterhält die Stadt eine eigene Bauaufsichtsbehörde.
Zuständige Bauaufsichtsbehörde in Siegen
Siegen ist, wie die Nachbarstädte Kreuztal und Netphen, keine kreisfreie Stadt, sondern eine große kreisangehörige Stadt im Kreis Siegen-Wittgenstein – und führt deshalb, anders als die acht kleineren Kommunen desselben Kreises, die Aufgaben der unteren Bauaufsichtsbehörde für das eigene Stadtgebiet selbst aus. Zuständig ist die Abteilung 4/3 – Bauaufsicht im Rathaus Geisweid, Lindenplatz 7, 57078 Siegen, erreichbar über die allgemeine Rufnummer 0271 404-0 oder [email protected]; die Servicestelle Bauberatung vermittelt vorab einen ersten Ansprechpartner für Bauvoranfragen. Bauanträge lassen sich landeseinheitlich über das Bauportal.NRW digital einreichen. Ungewöhnlich am Zuschnitt der Siegener Abteilung ist, dass sie neben der Bauaufsicht im engeren Sinn zugleich die untere Denkmalbehörde führt – wer ein denkmalgeschütztes Gebäude umbauen oder umnutzen will, landet in Siegen also bei derselben Stelle wie für den eigentlichen Bauantrag.
Der Kreis Siegen-Wittgenstein spielt für Siegen dabei eine doppelte, leicht zu verwechselnde Rolle. Gegenüber den acht kleineren kreisangehörigen Kommunen ohne eigene Bauaufsicht ist die Kreisverwaltung selbst untere Bauaufsichtsbehörde. Gegenüber Siegen, Kreuztal und Netphen mit ihren eigenen Bauaufsichtsämtern nimmt derselbe Landrat, hier als untere staatliche Verwaltungsbehörde nach § 57 BauO NRW, umgekehrt die Funktion der oberen Bauaufsichtsbehörde wahr: Die eigens dafür eingerichtete Obere Bauaufsicht des Kreises prüft die baurechtlichen Entscheidungen der drei Städte im Bedarfsfall fachaufsichtlich und führt regelmäßige Geschäftsprüfungen durch. Für den Siegener Bauantrag selbst bleibt das ohne praktische Bedeutung, denn eingereicht wird er ausschließlich bei der städtischen Abteilung 4/3 – erst darüber steht, als nächsthöhere Instanz für den gesamten Kreis, die Bezirksregierung Arnsberg.
Bauordnung und Besonderheiten in Siegen
Auch am Unteren Schloss in Siegen lässt sich zeigen, was eine gelungene Nutzungsänderung leisten kann: Der auf ein spätmittelalterliches Franziskanerkloster zurückgehende und nach dem großen Stadtbrand von 1695 als Wohnsitz der reformierten Linie des Hauses Nassau-Siegen neu errichtete Bau dient der Universität Siegen nach umfangreicher Sanierung seit 2016 als Campus Unteres Schloss. Für genau solche Vorhaben ändert sich zum 1. September 2026 die Rechtsgrundlage: Der BauCode NRW, den der Landtag am 15. Juli 2026 beschlossen hat, löst die bisherige Bauordnung für das Land Nordrhein-Westfalen (BauO NRW 2018) ab und soll Umbau, Anbau und Nutzungsänderung an Bestandsgebäuden spürbar erleichtern.
Noch tiefgreifender fiel der Umbau bei der sogenannten Siegplatte aus: 1967/68 überspannte die Stadt die Sieg auf rund 250 Metern Länge mit einer Betonplatte und richtete obenauf einen Parkplatz für 230 Fahrzeuge ein – zu einer Zeit, in der eine autogerechte Innenstadt als Fortschritt galt. Erst das Strukturförderprogramm Regionale 2013 finanzierte die Kehrtwende: 2012 gestalteten rund 3.000 Schülerinnen und Schüler die Fläche unter dem Motto Platte:Kunst ein letztes Mal, bevor der Abriss begann; seit 2016 fließt die Sieg mitten durch die Stadt wieder offen zwischen neu geschaffenen Ufern. Für diese Leistung fand das Projekt Siegen – Zu neuen Ufern unter anderem beim Westfälischen Baukulturpreis 2025 Anerkennung – ein Beleg dafür, dass Rückbau und Nutzungsänderung im Bestand auch im großen Maßstab gelingen können.
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