Bemaßte Schnitte in Siegen — der Höhenunterschied zwischen Unter- und Oberstadt in einer Zeichnung

Kein anderes Blatt im Plansatz leistet, was der Schnitt kann: Er macht sichtbar, was zwischen Keller und First eines Gebäudes tatsächlich passiert. In Siegen fällt diesem Blatt an vielen Grundstücken eine zusätzliche Aufgabe zu, die aus der Topografie folgt – zwischen Unter- und Oberstadt liegt ein Höhenunterschied, der sich über die gesamte Tiefe eines Hauses erstrecken kann und sonst in keiner anderen Zeichnung erfasst wird. Bei einem Vorhaben nahe der Nikolaikirche oder dem Oberen Schloss dient derselbe Schnitt zusätzlich dem Nachweis, dass First- und Traufhöhe zum historischen Umfeld passen. Und bei einem Dachausbau nahe der Universität entscheidet die im Schnitt bemaßte Raumhöhe darüber, ob die neue Fläche überhaupt als vollwertiger Wohnraum zählt.

Was ein Schnitt für Siegen zeigen muss

Formal gelten für Schnitte dieselben Grundregeln wie für Grundriss und Ansicht, inhaltlich liegt der Schwerpunkt auf der vertikalen Struktur:

  • Maßstab grundsätzlich 1:100, größer, wenn es die Darstellung erfordert.
  • Deckenkonstruktion, Dachaufbau, Gründung und Höhenbezugspunkte müssen erkennbar dargestellt sein.
  • Bei Umbauten müssen bestehende und neu geplante Bauteile eindeutig unterscheidbar bleiben, etwa bei einer neuen Zwischendecke.
Ein Blatt für zwei ganz unterschiedliche Fragen

An den steilen Straßenzügen zwischen Unter- und Oberstadt entscheidet selten der Dachaufbau über die Schwierigkeit eines Schnitts, sondern das Gelände selbst: Talseitig kann ein Gebäude ein zusätzliches, voll ausgebautes Geschoss zeigen, das sich bergseitig bereits unter der Geländeoberkante befindet. Damit die Abteilung 4/3 sowohl die tatsächliche Geschosszahl als auch die Gründungssituation nachvollziehen kann, muss der Schnitt diesen Verlauf lückenlos über die gesamte Gebäudetiefe abbilden. Liegt das Vorhaben zusätzlich nahe einem Baudenkmal, übernimmt derselbe Schnitt eine zweite Rolle: Er weist First- und Traufhöhe im Vergleich zur Umgebung nach – die Grundlage, auf der die Abteilung 4/3 als untere Denkmalbehörde ihr Einvernehmen erteilt. Unabhängig von Hanglage oder Denkmalnähe bleibt der Schnitt außerdem die Zeichnung, die bei jedem Dachgeschossausbau die entscheidende lichte Raumhöhe dokumentiert. Wer diese drei Funktionen – Geländenachweis, Denkmalprüfung und Raumhöhennachweis – von Anfang an mitdenkt, spart sich eine spätere Ergänzung des ohnehin schon angefertigten Blatts.

Neubau oder Dachgeschossausbau – unterschiedliche Ausgangslagen für den Schnitt

Ob ein Schnitt neu entsteht oder eine bestehende Konstruktion dokumentiert, wirkt sich unmittelbar auf die Vorarbeit aus:

Neubau mit durchgeplanter Struktur

Geschosshöhen, Dachaufbau und Geländeverlauf entstehen zusammen mit Grundriss und Ansicht aus einer einzigen Planung.

Dachgeschossausbau im Altbau

Vor dem Schnitt braucht es ein aktuelles Aufmaß der bestehenden Geschosshöhen und der Dachkonstruktion, weil ältere Bauaktenzeichnungen den heutigen Zustand selten vollständig zeigen. Häufig zeigt sich erst beim Nachmessen, wie viel Kniestockhöhe für den geplanten Ausbau tatsächlich zur Verfügung steht.

Was zu einem vollständigen Schnitt in Siegen gehört

Ein Schnitt steht selten allein – gefragt ist ein mit Grundriss und Ansicht abgestimmter Satz:

  • Schnitt durch die relevanten Gebäudeteile

    Bemaßt im vorgeschriebenen Maßstab, mit Geschosshöhen, Dachneigung und wesentlichen Aufbauten.

  • Abgestimmter Grundriss und Ansicht

    Damit Geschosshöhen sowie First- und Traufhöhe zwischen den Zeichnungen übereinstimmen.

  • Nachweis der Raumhöhe im Dach

    Entscheidet über die anrechenbare Fläche eines ausgebauten Dachgeschosses nahe der Universität.

  • Durchgängiger Höhenbezug bei Hanglage

    Zeigt den Geländeverlauf über die gesamte Gebäudetiefe – Grundlage für die Prüfung durch die Abteilung 4/3.

  • Angaben zu Gründung und Kellerwänden

    Bei Hanggrundstücken relevant für den Tragwerksplaner, der auf Basis des Schnitts die Standsicherheit nachweist.

Bemaßte Schnitte in Siegen – Beispiele aus der Praxis

Wohnhaus zwischen Unter- und Oberstadt

Der Schnitt zeigt den Geländeabfall von der Straße zur rückwärtigen Grundstücksgrenze und weist nach, dass das talseitig sichtbare Geschoss bergseitig unter der Geländeoberkante liegt.

Erweiterung nahe dem Oberen Schloss

Der Schnitt weist die geplante Firsthöhe im Verhältnis zur Umgebung nach – Grundlage für das denkmalschutzrechtliche Einvernehmen.

Dachgeschossausbau nahe der Universität

Kniestock- und Firsthöhe sowie die nutzbare Raumhöhe unter der Schräge werden bemaßt nachgewiesen, entscheidend für die neue Wohneinheit.

Anbau mit Kellergeschoss an einem Hanggrundstück

Derselbe Schnitt, der den Geländeverlauf für die Bauaufsicht dokumentiert, dient dem Tragwerksplaner zugleich als Grundlage für Gründung und Kellerwände.

So entsteht Ihr Schnitt für Siegen

Jeder Schritt baut auf dem vorherigen auf:

  1. Schnittführung festlegen

    Welcher Gebäudebereich muss dargestellt werden, um Geschosshöhen, Dachaufbau und Geländeverlauf nachvollziehbar zu zeigen.

  2. Grundlage sichern

    Bauakte der Abteilung 4/3 oder aktuelles Aufmaß der betroffenen Geschosse und des Geländes.

  3. Schnitt bemaßt anlegen

    Im vorgeschriebenen Maßstab, mit allen erforderlichen Angaben zu Geschosshöhen und Dachaufbau.

  4. Höhenbezug ergänzen

    Bei Hanglage oder Denkmalnähe als Grundlage für die Prüfung durch die Abteilung 4/3.

  5. Mit Grundriss und Ansicht abgleichen

    Damit alle Zeichnungen des Plansatzes widerspruchsfrei zueinander passen.

  6. An Statik und Denkmalprüfung übergeben

    Enthält der Schnitt Gründungsangaben oder zusätzliche Höhenbezüge, geht er nicht nur an die Bauaufsicht, sondern bei Bedarf auch an Tragwerksplaner oder untere Denkmalbehörde weiter.

Was den Preis für einen Schnitt in Siegen beeinflusst

Die Gebäudebreite allein sagt wenig über den Aufwand aus. Entscheidender sind:

  • Hanglage des Grundstücks

    Der durchgängige Höhenbezug über die gesamte Gebäudetiefe erhöht den Aufwand deutlich gegenüber ebenem Gelände.

  • Nähe zu einem Baudenkmal

    Der zusätzliche Höhenbezug zur Umgebung erhöht den Aufwand gegenüber einem Vorhaben ohne Denkmalbezug.

  • Komplexität des Dachaufbaus

    Gauben, Kniestöcke und mehrere Dachschrägen erhöhen den Detaillierungsaufwand gegenüber einem einfachen Satteldach.

  • Verfügbarkeit brauchbarer Bauakten

    Fehlt eine verwertbare Bestandszeichnung, wird zunächst ein Aufmaß-Termin nötig.

  • Zusätzliche Angaben für die Statik

    Soll derselbe Schnitt auch als Grundlage für den Standsicherheitsnachweis dienen, kommen Angaben zu Gründung und Kellerwänden hinzu.

  • Zahl der notwendigen Schnittführungen

    Ein einfacher Gebäudeschnitt ist schneller erstellt als mehrere Schnitte durch unterschiedliche Gebäudebereiche.

Alle Leistungen in Siegen

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