Grundrisse in Siegen — zwischen dem Luftangriff von 1944 und der Nachfrage der Universitätsstadt bemaßt erfasst

Wer für eine Siegener Immobilie einen aktuellen Grundriss braucht, stößt in der Innenstadt gelegentlich auf eine Besonderheit, die mit der jüngeren Stadtgeschichte zusammenhängt: Ein schwerer Luftangriff traf Siegen am 16. Dezember 1944 binnen weniger Minuten und zerstörte weite Teile der Innenstadt rund um die Kölner Straße fast vollständig; ein weiterer Angriff folgte am 1. Februar 1945. Für Gebäude, die seither neu errichtet oder grundlegend verändert wieder aufgebaut wurden, zeigt eine ältere Bauakte deshalb häufig einen Zustand, den es heute nicht mehr gibt. Die Stadt Siegen trägt dieser Zweiteilung mit ihrer Aktenorganisation Rechnung: Unterlagen zu bestehenden Gebäuden führt die Abteilung 4/3 – Bauaufsicht in ihrer eigenen Registratur, während das Stadtarchiv Siegen nur die Bauakten von Gebäuden verwahrt, die es nicht mehr gibt. Wer einen Grundriss braucht, findet die richtige Quelle also nicht allein über das Baujahr, sondern über die Frage, ob das ursprüngliche Gebäude den Krieg überstanden hat.

Wann Sie in Siegen einen neuen Grundriss brauchen

Ein Grundriss ist für sich genommen keine genehmigungspflichtige Leistung, wird in Siegen aber regelmäßig in folgenden Situationen zwingend gebraucht:

  • Verkauf und Finanzierung: Bank und Notar erwarten einen aktuellen, bemaßten Plan – eine jahrzehntealte Aktenkopie genügt selten, wenn seither umgebaut oder wiederaufgebaut wurde.
  • Gebäude mit unklarer Kriegsgeschichte: Bei Adressen in der Innenstadt lohnt sich vor jeder Verwendung einer historischen Akte die Prüfung, ob sie überhaupt zum heutigen Gebäude passt.
  • Teilungserklärung und Aufteilungsplan: Wer eine Immobilie in Wohnungs- und Teileigentum aufteilen will, braucht einen maßstäblichen Plan als Grundlage der Abgeschlossenheitsbescheinigung.
  • Umbau zur Studenten-WG nahe der Universität: Wird eine Altbauwohnung in einzeln vermietete Zimmer aufgeteilt, braucht die neue Raumaufteilung einen eigenen, aktuellen Grundriss mit Flächenausweis.
Zwei Archive, zwei Aufgaben

Für ein Gebäude in Siegen nach dem richtigen Plan zu suchen bedeutet zuerst, die richtige Stelle zu finden. Die Abteilung 4/3 – Bauaufsicht führt in ihrer eigenen Registratur die Bauakten aller heute bestehenden Gebäude im Stadtgebiet und ist damit für den weit überwiegenden Teil aller Anfragen die richtige Adresse. Das separat organisierte Stadtarchiv Siegen übernimmt dagegen ausschließlich die Unterlagen von Gebäuden, die nicht mehr existieren – etwa weil sie beim Luftangriff vom 16. Dezember 1944 zerstört und nicht in derselben Form wiederaufgebaut wurden. Wer für eine Innenstadtadresse zunächst beim Stadtarchiv nachfragt, obwohl das heutige Gebäude längst eine eigene, aktuelle Akte bei der Bauaufsicht hat, verliert unnötig Zeit. Umgekehrt hilft eine Anfrage bei der Bauaufsicht wenig, wenn das ursprüngliche Gebäude an dieser Adresse dem Krieg zum Opfer fiel und nur das Stadtarchiv den historischen Zustand dokumentiert. Am Ende zählt für den Grundriss ohnehin nur der tatsächliche, heute vorgefundene Bestand – eine gefundene Akte ist dafür bestenfalls ein Ausgangspunkt, kein Ersatz für die Prüfung vor Ort.

Woher Ihr Siegener Grundriss stammt

Je nach Gebäude und Aktenlage kommt einer von drei Wegen infrage:

Aus dem Bauaktenarchiv der Abteilung 4/3

Für Gebäude, die den Krieg überstanden haben oder danach im selben Zuschnitt wiederaufgebaut wurden, führt die städtische Bauaufsicht die zuständige, laufend fortgeschriebene Akte.

Aus dem Stadtarchiv Siegen

Für Gebäude, die zerstört wurden oder deren älteste Unterlagen nicht mehr bei der Bauaufsicht liegen, kann das Stadtarchiv weiterhelfen – mit der Einschränkung, dass ein dort gefundener Plan meist nur den Vorkriegszustand zeigt.

Per Vor-Ort-Aufmaß

Weicht der heutige Zuschnitt erkennbar vom gefundenen Plan ab oder ist keine verwertbare Akte auffindbar, wird das Gebäude direkt aufgenommen – bei Innenstadtadressen mit bewegter Vorgeschichte häufig der zuverlässigere Weg.

Welche Unterlagen für Ihren Siegener Grundriss hilfreich sind

Je nachdem, welcher Weg zum Ziel führt, sind unterschiedliche Unterlagen relevant:

  • Bauakten-Anfrage mit Eigentumsnachweis

    Für die Einsicht im Bauaktenarchiv der Abteilung 4/3 oder beim Stadtarchiv Siegen wird üblicherweise ein aktueller Eigentumsnachweis verlangt, bei Anfragen durch Dritte zusätzlich eine Vollmacht.

  • Vorhandene alte Pläne oder Skizzen

    Selbst ein Plan aus der unmittelbaren Nachkriegszeit hilft, den ursprünglichen Wiederaufbau-Zuschnitt nachzuvollziehen, bevor vor Ort nachgemessen wird.

  • Teilungserklärung und Aufteilungsplan

    Bei Eigentumswohnungen zeigt der bestehende Aufteilungsplan, welche Räume zum Sondereigentum gehören – wichtig, wenn ein neuer Grundriss mit der ursprünglichen Aufteilung abgeglichen werden muss.

  • Angaben zur künftigen Zimmervermietung

    Wird eine Wohnung nahe der Universität in einzeln vermietete Zimmer aufgeteilt, wird zusätzlich erfasst, welche Flächen gemeinschaftlich und welche individuell genutzt werden.

Grundrisse in Siegen – Beispiele aus der Praxis

Vier Konstellationen, wie sie im Siegener Bestand wiederkehren:

Innenstadtgebäude mit unklarer Kriegsgeschichte

Eine im Stadtarchiv gefundene Vorkriegsakte zeigt ein Gebäude, das dem Luftangriff vom 16. Dezember 1944 zum Opfer fiel. Das heutige Haus an derselben Adresse entstand danach mit anderem Grundriss und wird deshalb komplett neu per Vor-Ort-Aufmaß erfasst.

Wohnhaus außerhalb des unmittelbaren Kriegsschadensgebiets

Für ein Gebäude, das die Angriffe von 1944/45 unbeschadet überstand, liegt bei der Abteilung 4/3 eine Akte vor, die noch zum heutigen Bestand passt – der Grundriss lässt sich direkt daraus ableiten.

Umbau einer Altbauwohnung nahe der Universität zur WG

Bei anhaltender Nachfrage durch Studierende wird eine größere Wohnung in mehrere Zimmer aufgeteilt. Für jede neue Einheit braucht es einen eigenen, aktuellen Grundriss mit klarer Flächenzuordnung.

Neubauwohnung mit vollständiger digitaler Genehmigungsplanung

Für ein neu errichtetes Mehrfamilienhaus liegen die Bauunterlagen von Beginn an digital vor. Der Grundriss lässt sich unmittelbar daraus ableiten, ohne Archivrecherche oder erneute Vermessung.

So läuft Ihr Grundriss in Siegen ab

Der fachliche Ablauf ist bundesweit derselbe. In Siegen liegt das Gewicht früh darauf, die richtige Aktenquelle zu finden und zu prüfen, ob sie zum tatsächlichen Bestand passt:

  1. Verwendungszweck festlegen

    Ob der Grundriss für Verkauf, Finanzierung, eine Teilungserklärung oder die Aufteilung in WG-Zimmer gebraucht wird, bestimmt Anforderungen an Maßstab und Detailtiefe.

  2. Bauaktenarchiv der Abteilung 4/3 prüfen

    Wir klären, ob eine vollständige, zum heutigen Gebäude passende Akte bei der städtischen Bauaufsicht vorliegt.

  3. Bei Bedarf das Stadtarchiv Siegen einbeziehen

    Für Gebäude ohne laufende Akte oder mit unklarer Kriegsgeschichte prüfen wir, ob das Stadtarchiv historische Unterlagen zum Vorkriegszustand führt.

  4. Fehlende Grundlage vor Ort aufnehmen

    Passt keine der beiden Quellen zum tatsächlichen Bestand, wird das Gebäude direkt vermessen – als vollwertiger Ersatz, nicht nur als Ergänzung.

  5. Bemaßten Plan erstellen und liefern

    Sie erhalten den fertigen Grundriss als Plandatei, auf Wunsch mit Architektenstempel – bereit für Bank, Notar oder Exposé.

Was den Aufwand eines Grundrisses in Siegen beeinflusst

In Siegen entscheidet vor allem, ob eine gefundene Quelle noch zum heutigen Bestand passt – nicht allein die Gebäudegröße:

  • Übereinstimmung von Akte und heutigem Bestand

    Passt eine vorhandene Akte tatsächlich zum heutigen Gebäude, ist das der günstigste Fall. Zeigt sie einen durch Kriegszerstörung oder Wiederaufbau überholten Zustand, wird eine Vor-Ort-Vermessung nötig.

  • Ob eine Recherche im Stadtarchiv Siegen nötig wird

    Bei sehr alten oder im Krieg beschädigten Innenstadtgebäuden lohnt sich manchmal der zusätzliche Weg über das Stadtarchiv – das kostet Zeit, kann eine vollständige Neuvermessung aber ersparen.

  • Anzahl und Zuschnitt der Einheiten

    Mehr Einheiten und unregelmäßig geschnittene Grundrisse bedeuten mehr Nummerierungs- und Abgrenzungsaufwand, etwa bei mehrfach geteilten Studentenwohnungen.

  • Gewünschte Ausarbeitungstiefe

    Ein reiner Nachweis für die Bauakte unterscheidet sich im Aufwand von einem vermarktungsfertigen, möblierten und bemaßten Grundriss für ein Exposé.

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