Planprofi24 in Garbsen
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Garbsen gibt es in seiner heutigen Form erst seit 1974, und man sieht es dem Stadtgebiet bis heute an. Zum 1. Januar 1967 schlossen sich die Gemeinden Garbsen und Havelse mit dem eigens neu errichteten Stadtteil Auf der Horst zusammen; 1968 erhielt die junge Gemeinde die Stadtrechte. Die eigentliche Gebietsreform folgte am 1. März 1974, als mit Schloß Ricklingen, Horst, Meyenfeld, Frielingen, Osterwald Oberende und Unterende, Stelingen, Berenbostel und Heitlingen acht weitere, teils jahrhundertealte Gemeinden hinzukamen. Aus diesem Zusammenschluss von einst eigenständigen Dörfern ist keine Stadt mit einem Zentrum geworden, sondern eine mit 13 Stadtteilen und ebenso vielen baulichen Prägungen – bis heute die wohl wichtigste Voraussetzung dafür, ein Garbsener Gebäude richtig einzuordnen.
Wie groß die Spannweite ist, zeigt sich am deutlichsten zwischen zwei Orten, die keine fünf Kilometer trennen. Schloß Ricklingen im Westen ist urkundlich bereits 1225 belegt, benannt nach einer Wasserburg an der Leine, die zeitweise als Sitz eines wegen Raubrittertums berüchtigten Adelsgeschlechts diente – der älteste Stadtteil Garbsens. Auf der Horst dagegen entstand erst Mitte der 1960er-Jahre auf einer bis dahin kaum besiedelten Schafweide: eine komplett neu geplante Großwohnsiedlung für rund 10.000 Menschen, mit dreigeschossigen Flachdachzeilen, Flachdachbungalows und einem eigenen Zentrum, 1968 fertiggestellt und seit 2006 Sanierungsgebiet im Städtebauförderprogramm Soziale Stadt. Dazwischen liegt Berenbostel, mit rund 15.000 Einwohnerinnen und Einwohnern der bevölkerungsreichste Stadtteil, wo seit einem Grenzänderungsvertrag von 1971 die einstigen Fachwerkhöfe zunehmend Geschäftsgebäuden gewichen sind.
Zur historischen Vielfalt kommt eine wissenschaftliche und wirtschaftliche Schicht hinzu. Seit 2004 verlagert die Leibniz Universität Hannover ihre Fakultät für Maschinenbau schrittweise an den Campus Maschinenbau in Garbsen; mit der zweiten Ausbaustufe zogen bis 2018 alle 17 Institute der Fakultät dort ein – das größte Hochschulbauprojekt Niedersachsens. Direkt am Campus entstand 2019 ein Wohnheim mit möblierten Apartments für Studierende. Nur wenige Kilometer entfernt reihen sich entlang der A2 und der B6 Gewerbeflächen, auf denen unter anderem der Laserspezialist LPKF seinen Hauptsitz hat; mit dem neuen, rund 14 Hektar großen Gewerbegebiet Nördlich Koppelknechtsdamm wächst diese Kulisse weiter. Landschaftlich liegt Garbsen dabei in der Moorgeest zwischen Leine und der weiteren Steinhuder-Meer-Niederung, mit eigenen Naturschutzgebieten wie dem Schwarzen Moor und den Brandmoorwiesen.
Zuständige Bauaufsichtsbehörde in Garbsen
Garbsen ist mit rund 63.000 Einwohnerinnen und Einwohnern nach der Landeshauptstadt die zweitgrößte Stadt der Region Hannover und nimmt die Aufgaben der unteren Bauaufsichtsbehörde für ihr gesamtes, 79,3 Quadratkilometer großes Stadtgebiet selbst wahr. Grundlage ist § 164 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes (NKomVG), wonach regionsangehörige Gemeinden mit mehr als 30.000 Einwohnerinnen und Einwohnern diese Aufgabe im übertragenen Wirkungskreis übernehmen. Bauanträge, Bauvoranfragen und Nutzungsänderungen für alle 13 Stadtteile – von Schloß Ricklingen im äußersten Westen bis Heitlingen im Osten – gehen deshalb an die Bauverwaltung der Stadt am Rathausplatz, nicht an eine übergeordnete Kreis- oder Regionsbehörde.
Eine Ebene darüber liegt gleichwohl die Region Hannover, allerdings nicht als Bauaufsicht für das Garbsener Stadtgebiet, sondern als Aufsichtsinstanz über die städtische Bauaufsicht selbst: Das Team Baurecht und Fachaufsicht im Fachbereich Bauen der Region ist unter anderem für die Fachaufsicht über die Bauverwaltungen der regionsangehörigen Kommunen mit eigener Bauaufsicht zuständig, zu denen auch Garbsen zählt, und bearbeitet Widersprüche gegen deren Entscheidungen. Wer sich über einen Garbsener Bauaufsichtsbescheid beschweren will, wendet sich damit an eine andere Stelle als für die eigentliche Antragstellung.
Für die Einreichung selbst betreibt die Stadt ein eigenes elektronisches Bauportal. Landesweit gilt seit dem 1. Januar 2024 ohnehin die Pflicht zur elektronischen Antragstellung nach § 3a NBauO, mit Authentifizierung über die BundID; Garbsen setzt das über sein eigenes Portal um, statt auf ein zentrales Regionsverfahren zurückzugreifen. Wer Bauvorlagen einreicht, sollte sie deshalb von Beginn an in einer für dieses Portal geeigneten digitalen Form vorhalten.
Bauordnung und Besonderheiten in Garbsen
Rechtsgrundlage ist die Niedersächsische Bauordnung (NBauO) in der Fassung des Änderungsgesetzes vom 25. Juni 2025, das zum 1. Juli 2025 in Kraft trat. Sie unterscheidet vier Verfahrensstufen: Verfahrensfreie Bauvorhaben nach § 60 NBauO benötigen weder Anzeige noch Genehmigung; die Genehmigungsfreistellung nach § 62 NBauO gilt für Wohngebäude und vergleichbare Vorhaben im Geltungsbereich eines Bebauungsplans; das vereinfachte Baugenehmigungsverfahren nach § 63 NBauO erfasst die meisten übrigen Wohn- und Nichtsonderbauten; und das reguläre Baugenehmigungsverfahren nach § 64 NBauO bleibt Sonderbauten wie größeren Verkaufs-, Versammlungs- oder Beherbergungsstätten vorbehalten. Für Wohnbauten im vereinfachten Verfahren gilt seit der Novelle zudem eine Genehmigungsfiktion: Entscheidet die Bauaufsicht nicht innerhalb von drei Monaten, gilt die Genehmigung als erteilt. Der erweiterte Katalog verfahrensfreier Maßnahmen erfasst unter anderem nachträgliche Balkonverglasungen – eine Erleichterung, die im dicht mit dreigeschossigen Zeilenbauten bebauten Auf der Horst spürbar mehr Vorhaben betrifft als in den dörflich geprägten Stadtteilen.
Die eigentliche Garbsener Besonderheit liegt aber nicht im Verfahrensrecht, sondern im Nebeneinander sehr unterschiedlicher Bebauung auf engem Raum. Im ältesten Stadtteil Schloß Ricklingen prägt der historische Ortskern rund um das namensgebende Wasserschloss das Bild; Eingriffe an solcher Bausubstanz können nach dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz (NDSchG) zusätzlich zur Baugenehmigung abzustimmen sein, insbesondere wenn sie das äußere Erscheinungsbild betreffen. Im Kontrast dazu steht Auf der Horst: ein komplett durchgeplantes Siedlungsgebiet der 1960er-Jahre mit weitgehend einheitlicher Flachdach-Architektur, das seit 2006 als Sanierungsgebiet im Programm Soziale Stadt schrittweise modernisiert wird – mit absehbarem Ende der Förderperiode 2026.
Eine dritte Schicht bildet der Bereich rund um den Campus Maschinenbau und die angrenzenden Gewerbegebiete entlang A2 und B6. Hier entstehen fortlaufend Institutsgebäude, Hallen und Erweiterungen etablierter Betriebe, deren Bauvorhaben regelmäßig über das vereinfachte oder – bei größeren Werkhallen mit entsprechender Nutzung – über das reguläre Verfahren laufen. Wer in Garbsen baut, sollte deshalb zuerst klären, in welche dieser drei baulichen Welten das eigene Grundstück fällt, bevor er sich auf ein bestimmtes Verfahren oder einen bestimmten Nachweisumfang festlegt.
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