Planprofi24 in Bergisch Gladbach

Bauantrag, Aufmaß, Grundriss, Wohnflächenberechnung, Nutzungsänderung und Energieausweis für Immobilien in Bergisch Gladbach — digital beauftragt, mit Blick auf die lokalen Zuständigkeiten und Besonderheiten.

Die Geschichte der Papierherstellung an der Strunde, dem kleinen Fluss, der mitten durch die Innenstadt fließt, reicht bis ins Jahr 1582 zurück. Aus den frühen Mühlen ging 1829 unter Johann Wilhelm Zanders der Papierhersteller J. W. Zanders hervor, der von der sogenannten Gohrsmühle aus fast 200 Jahre lang das wirtschaftliche Bild der Stadt prägte – bis mehrere Insolvenzen die Produktion dort am 1. Mai 2021 endgültig beendeten. Das rund 37 Hektar große Werksgelände nahe der Innenstadt gehört seit 2017/2018 der Stadt selbst, die dort über die kommenden zwei Jahrzehnte ein neues Quartier zum Wohnen, Arbeiten und Lernen entwickeln will: eine Nutzungsänderung in einer Größenordnung, die weit über das hinausgeht, was eine Bauaufsichtsbehörde im Regelfall bearbeitet.

Mit rund 111.400 Einwohnerinnen und Einwohnern (Stand 31. Dezember 2024) zählt Bergisch Gladbach zu den kleineren deutschen Großstädten – verwaltungsrechtlich ist sie dabei keine kreisfreie Stadt, sondern schon seit 1933 Kreisstadt des Rheinisch-Bergischen Kreises, der seit der Neugliederung des Kölner Raums zum 1. Januar 1975 in seinem heutigen Zuschnitt besteht. Bei derselben Reform wuchs auch die Stadt selbst spürbar: Die bis dahin selbstständige Stadt Bensberg mit rund 42.000 Einwohnerinnen und Einwohnern sowie der bislang zu Odenthal gehörende Ortsteil Schildgen wurden eingemeindet, wodurch Bergisch Gladbach 1977 erstmals die Marke von 100.000 Einwohnern überschritt und zur Großstadt wurde. Wer hier baut, saniert oder eine Nutzungsänderung plant, hat es trotz der Kreisangehörigkeit mit einer eigenen städtischen Bauaufsicht zu tun – die ausgerechnet in einem der architektonisch bedeutendsten Rathäuser der deutschen Nachkriegszeit sitzt.

Zuständige Bauaufsichtsbehörde in Bergisch Gladbach

Anders als es die Zugehörigkeit zum Rheinisch-Bergischen Kreis vermuten lässt, entscheidet nicht die Kreisverwaltung über Bauanträge in Bergisch Gladbach. Als große kreisangehörige Stadt nimmt Bergisch Gladbach die Aufgaben der unteren Bauaufsichtsbehörde für sein eigenes Stadtgebiet selbst wahr – ebenso wie die Nachbarstädte Leichlingen, Overath, Rösrath und Wermelskirchen im selben Kreis. Nur für die drei kleineren Kreiskommunen Burscheid, Kürten und Odenthal führt stattdessen die Bauverwaltung des Rheinisch-Bergischen Kreises die untere Bauaufsicht. Zuständig für das Bergisch Gladbacher Stadtgebiet ist die Bauaufsicht der Stadt im Rathaus Bensberg, Wilhelm-Wagener-Platz 1, 51429 Bergisch Gladbach, erreichbar unter 02202/14-1281 oder [email protected]. Der Bürgerservice Bauen bietet dienstags und donnerstags von 8:30 bis 12:30 Uhr sowie donnerstags zusätzlich von 14 bis 16 Uhr offene Sprechzeiten an, außerhalb davon vermittelt die Stadt auf Anfrage einen Beratungstermin.

Ungewöhnlich ist vor allem der Sitz der Behörde selbst: Das Rathaus Bensberg entstand in den 1960er-Jahren nach Plänen des Kölner Architekten Gottfried Böhm, der dafür 1986 als bis heute einziger deutscher Architekt mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet wurde. Böhm band in seinen Sichtbeton-Neubau bewusst die Überreste der mittelalterlichen Burg Bensberg ein, darunter den fünfeckigen Bergfried aus dem 12. Jahrhundert sowie weitere Mauer- und Turmreste, und schuf damit eines der bekanntesten Bauwerke der deutschen Nachkriegsmoderne. Wer bei der städtischen Bauaufsicht vorspricht, betritt damit selbst ein Baudenkmal, das unter dem Schutz des Landschaftsverbands Rheinland steht.

Bauordnung und Besonderheiten in Bergisch Gladbach

Rechtsgrundlage für Bauvorhaben ist die Bauordnung für das Land Nordrhein-Westfalen (BauO NRW 2018), die der Landtag am 15. Juli 2026 im Rahmen des sogenannten BauCode NRW novelliert hat. Die Änderungen treten zum 1. September 2026 in Kraft und sollen vor allem Umbau und Nutzungsänderung an Bestandsgebäuden erleichtern sowie Genehmigungsverfahren weiter digitalisieren – für Bergisch Gladbach mit seiner über 400-jährigen Papiertradition an der Strunde kommt das gelegen, denn kaum ein anderes Thema beschäftigt die städtische Bauaufsicht derzeit so sehr wie die Umnutzung ehemaliger Industrieflächen.

Wie unterschiedlich das ausfallen kann, zeigen zwei Kapitel derselben Firmengeschichte: Die erstmals 1614 belegte Papiermühle Alte Dombach im Stadtteil Sand stellte die Produktion um 1900 ein; 1987 übertrug der Papierhersteller Zanders die Gebäude an den Landschaftsverband Rheinland, der dort 1999 das nach eigenen Angaben größte Papiermuseum Deutschlands eröffnete – zu sehen ist dort unter anderem eine 1889 gebaute Papiermaschine, die bis 1991 noch in der benachbarten Gohrsmühle in Betrieb war. Ganz anders liegt der Fall beim rund 37 Hektar großen Gelände der 2021 geschlossenen Gohrsmühle selbst: Dort steht die Umnutzung erst am Anfang eines auf zwei Jahrzehnte angelegten Stadtentwicklungsprojekts für Wohnen, Arbeiten und Lernen.

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