Bemaßte Ansichten in Bergisch Gladbach — Fassaden zwischen Sichtbeton-Rathaus und Altstadt-Zuschnitt

Eine Ansicht zeigt, anders als der Grundriss, die äußere Erscheinung eines Gebäudes: Höhenlinien, Fensterteilung, Material und Farbe der Fassade. Kein Bergisch Gladbacher Gebäude macht diesen Unterschied so anschaulich wie das Rathaus Bensberg selbst, dessen markante Sichtbeton-Fassade Reste der mittelalterlichen Burg Bensberg sichtbar in den Neubau der 1960er-Jahre integriert – eine Fassadengestaltung, die weit über eine gewöhnliche Wohnhausansicht hinausgeht. Die meisten bemaßten Ansichten in Bergisch Gladbach betreffen deutlich gewöhnlichere Vorhaben: Anbauten, Fenstertausch und Fassadendämmung an Wohnhäusern in den älteren Ortskernen ebenso wie in den jüngeren Wohngebieten der Stadt.

Was eine Ansicht für Bergisch Gladbach zeigen muss

Für Ansichten gelten dieselben formalen Grundanforderungen der Bauprüfverordnung NRW wie für andere Bauzeichnungen, inhaltlich jedoch mit Schwerpunkt auf der äußeren Erscheinung des Gebäudes:

  • Regelmaßstab 1:100, mit vollständiger Bemaßung von Höhen und Öffnungen auf jeder dargestellten Fassadenseite.
  • Wesentliche Bauprodukte und Bauarten müssen erkennbar sein – bei einer Fassade heißt das in der Praxis Material, Farbe und Fensterteilung, sobald sie für die Beurteilung des Vorhabens relevant sind.
  • Für die Darstellung der Umgebungsbebauung lässt die Bauprüfverordnung NRW alternativ auch einen kleineren Maßstab oder eine Farbfotografie beziehungsweise Fotomontage zu.
  • Bei Änderungen an einer bestehenden Fassade müssen zu beseitigende und geplante Bauteile eindeutig unterscheidbar dargestellt werden.
Eine Fassade als Denkmal: das Rathaus Bensberg

Die meisten bemaßten Ansichten in Bergisch Gladbach betreffen gewöhnliche Wohnhäuser. Das Rathaus Bensberg zeigt aber, wie anspruchsvoll eine Ansicht werden kann, wenn historische und moderne Bausubstanz in einer einzigen Fassade zusammenkommen: Gottfried Böhm integrierte beim Neubau in den 1960er-Jahren Reste der mittelalterlichen Burg Bensberg, darunter den Bergfried aus dem 12. Jahrhundert, sichtbar in seinen Sichtbeton-Neubau. Eine Ansicht eines solchen Gebäudes müsste historisches Bruchsteinmauerwerk und modernen Sichtbeton als zwei unterschiedliche Materialarten in derselben Zeichnung ausweisen. Für die meisten privaten Bauvorhaben in Bergisch Gladbach stellt sich diese Frage nicht in dieser Schärfe – wohl aber die einfachere Version desselben Grundproblems: Bei älteren Häusern rund um Gladbach und Bensberg zeigt eine alte Fassadenzeichnung oft nur den ursprünglichen Zustand, nicht nachträglich veränderte Fenster oder eine spätere Verkleidung.

Neubau oder Bestandsfassade — zwei Ausgangslagen für die Ansicht

Je nachdem, woher die darzustellende Fassade stammt, unterscheidet sich der Weg zur fertigen Zeichnung:

Neubau: alle Fassadenseiten aus einer Planung

Bei einem Neubau in einem der jüngeren Wohngebiete entstehen die Ansichten aller Fassadenseiten gemeinsam mit Grundriss und Schnitt aus derselben Planung.

Bestandsfassade im älteren Ortskern

Für ein Wohnhaus rund um Gladbach oder Bensberg beginnt die Ansicht mit einem Aufmaß der vorhandenen Fassade, weil ältere Zeichnungen nachträgliche Veränderungen oft nicht zeigen.

Was zu einer vollständigen Ansicht in Bergisch Gladbach gehört

Eine einzelne Fassadenzeichnung reicht der Bauaufsicht selten – gefragt ist ein auf Grundriss und Schnitt abgestimmter Satz:

  • Ansichten aller betroffenen Fassadenseiten

    Bemaßt im Maßstab 1:100, mit Höhen, Öffnungen und – wo relevant – Angaben zu Material und Farbe.

  • Ansicht mit Nachbarbebauung im kleineren Maßstab

    Wird das Vorhaben zusammen mit angrenzenden Gebäuden dargestellt, genügt alternativ ein Farbfoto oder eine Fotomontage.

  • Abgestimmter Grundriss und Schnitt

    Damit Maße, Geschosshöhen und Öffnungspositionen zwischen den Zeichnungen des Plansatzes übereinstimmen.

Bemaßte Ansichten in Bergisch Gladbach – Beispiele aus der Praxis

Fenstertausch an einem älteren Wohnhaus im Ortskern von Gladbach

Die neue Ansicht bildet die tatsächliche, heutige Fassade ab, statt eine ältere Zeichnung mit inzwischen überholten Fensterformaten fortzuschreiben.

Dachgaube im Zuge eines Dachgeschossausbaus in Bensberg

Die von der Straße sichtbare Gaube braucht eine eigene, bemaßte Ansicht mit Höhen- und Breitenangaben, abgestimmt auf den zugehörigen Schnitt.

Anbau an ein Reihenhaus in Schildgen

Weil solche Häuser oft in geschlossener Reihe stehen, zeigt die Ansicht zusätzlich, wie sich der Anbau zu den angrenzenden Gebäudeteilen verhält.

Fassadendämmung an einem Wohnhaus in Refrath

Die energetische Fassadendämmung wird in der Ansicht mit den neuen Maßen der Außenwand nachgewiesen.

Neubau eines Doppelhauses in Herkenrath

Für beide Haushälften entstehen die Ansichten aus derselben Planung, mit identischem Maßstab und übereinstimmenden Höhenlinien an der gemeinsamen Grenzwand.

So entsteht Ihre Ansicht für Bergisch Gladbach

Von der Bestandsaufnahme bis zur einreichfertigen Zeichnung:

  1. Betroffene Fassadenseiten klären

    Welche Seiten sind vom Vorhaben sichtbar betroffen und wie ist die Lage zur Nachbarbebauung.

  2. Aufmaß oder Bauakte als Grundlage

    Bestehende Bauakte der Bauaufsicht der Stadt oder ein aktuelles Aufmaß der betroffenen Fassade.

  3. Ansicht bemaßt erstellen

    Im Maßstab 1:100, bei Darstellung mit Nachbarbebauung alternativ als kleinerer Maßstab oder Fotomontage.

  4. Mit Grundriss und Schnitt abgleichen

    Damit Öffnungen, Höhen und Bauteile zwischen den Zeichnungen des Plansatzes widerspruchsfrei sind.

  5. Für die Bauaufsicht der Stadt zusammenstellen

    Aufbereitet für die Einreichung im Rathaus Bensberg.

Was den Preis für eine Ansicht in Bergisch Gladbach beeinflusst

Diese Faktoren bestimmen den Aufwand für eine bemaßte Ansicht:

  • Zahl der betroffenen Fassadenseiten

    Eine einzelne Straßenansicht ist schneller erstellt als mehrere Seiten bei einem freistehenden Gebäude.

  • Neubau oder Bestandsfassade

    Eine Ansicht aus einer laufenden Neubauplanung entsteht meist zügiger als die Dokumentation einer unklaren Bestandsfassade.

  • Alter und Lage des Gebäudes

    Rund um die historischen Ortskerne ist häufiger ein Aufmaß nötig als bei jüngerem Baubestand.

  • Zustand vorhandener Bauakten

    Fehlt eine verwertbare Bestandszeichnung, kommt ein Aufmaß-Termin hinzu, bevor die Ansicht entstehen kann.

  • Detailgrad der Materialangaben

    Eine einfache Strichzeichnung ist rascher erstellt als eine Ansicht mit ausführlichen Angaben zu Fassadenmaterial, Farbe und Fensterteilung.

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