Ringanker
Ein Ringanker ist ein umlaufendes Zugband aus Stahlbeton oder bewehrtem Mauerwerk in Höhe der Geschossdecke, das die Außen- und tragenden Innenwände eines Geschosses zu einer aussteifenden Einheit zusammenbindet.
Er hält die Wände zusammen, statt zusätzliche Lasten zu tragen: Der Ringanker nimmt Zugkräfte auf, die etwa aus Wind, ungleichmäßigen Setzungen oder dem Deckenschub entstehen. Genau darin liegt die Abgrenzung zum Ringbalken — dieser trägt darüber hinaus Lasten ab, wird deshalb auf Biegung bemessen und kommt dort zum Einsatz, wo eine Wand keine aussteifende Decke, aber Dach- oder Deckenlasten aufzunehmen hat.
In älteren Gebäuden fehlt ein Ringanker häufig. Formulierungen wie „kein Ringanker vorhanden“ finden sich regelmäßig in Altbaugutachten und Standsicherheitsnachweisen. Für Eigentümer ist das keine Randnotiz, sondern ein Kostenpunkt: Sobald aufgestockt, das Dach umgebaut oder ein größerer Wanddurchbruch geplant wird, verlangt der Tragwerksplaner den nachträglichen Einbau.
Beispiel: Bei der Aufstockung eines Zweifamilienhauses aus den 1920er-Jahren zeigt sich, dass die Wandköpfe nicht gefasst sind. Der Ringanker muss dann abschnittsweise in das Mauerwerk eingebaut werden — ein Eingriff, der bis in Fassade und Dachanschluss reicht und die Aufstockung unabhängig von der Dachkonstruktion verteuert.
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