💡 Tipp: Sie benötigen eine bemaßte Schnittzeichnung für Bauantrag, Dachausbau oder Aufstockung, haben aber keine aktuellen Pläne zur Hand? Wir erstellen sie aus vorhandenen Unterlagen oder einer Vor-Ort-Vermessung – einzeln oder direkt zusammen mit Ihrem Grundriss. Schnittzeichnung anfragen →
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Schnittzeichnung ist ein senkrechter, gedachter Schnitt durch das Gebäude – sie zeigt Höhen, die der Grundriss als waagerechter Schnitt nicht abbilden kann.
- Schnittebene und Blickrichtung werden im zugehörigen Grundriss mit einer strichpunktierten Linie und Pfeilen markiert, oft beschriftet als Schnitt A-A.
- Von der Schnittebene tatsächlich getroffene Bauteile erscheinen kräftig umrandet und meist schraffiert, nur sichtbare Bauteile dahinter dünner gezeichnet.
- Zentrale Angaben sind Geschosshöhen, Rohbau- und Fertigmaß, Dachneigung in Grad, First- und Traufhöhe, Kellersohle und OK Fertigfußboden.
- In der Regel genügt ein aussagekräftiger Schnitt; bei unterschiedlichen Geschosshöhen oder komplexem Baukörper sind mehrere Schnitt-Varianten sinnvoll.
- Gebraucht wird der Schnitt vor allem bei Bauantrag, Dachausbau, Aufstockung sowie für Treppen- und Abstandsflächenberechnung.
- Ansicht, Grundriss und Schnitt ergänzen sich: Fassade von außen, Raumaufteilung horizontal, Höhen vertikal – erst zusammen ergeben sie ein vollständiges Bild.
Eine Schnittzeichnung zeigt, was ein Grundriss grundsätzlich nicht zeigen kann: den vertikalen Aufbau eines Gebäudes. Entlang einer gedachten senkrechten Schnittebene werden Geschosshöhen, Dachneigung, First- und Traufhöhe sowie Aufbauten wie Gauben oder Kniestock mit exakten Maßen dargestellt statt geschätzt. Der Grundriss allein reicht dafür nicht aus: Er ist selbst nur ein Schnitt, allerdings ein waagerechter, etwa einen Meter über dem Fußboden – Höhen, Dachneigungen und lichte Maße unter Unterzügen oder über Treppen erschließen sich daraus nicht.
Schnittlinie, Blickrichtung, Schraffur: Wie Sie eine Schnittzeichnung lesen
Der Ausgangspunkt jeder Schnittzeichnung liegt im zugehörigen Grundriss: Dort ist die Lage der Schnittebene als strichpunktierte Linie eingezeichnet, ergänzt um zwei Pfeile, die die Blickrichtung angeben. Existieren mehrere Schnitte durch dasselbe Gebäude, wird die Linie zusätzlich mit Großbuchstaben beschriftet, etwa Schnitt A-A und Schnitt B-B, damit jede Zeichnung eindeutig zuzuordnen ist.
In der Schnittzeichnung selbst gilt dieselbe Logik wie im Grundriss, nur senkrecht gedacht: Bauteile, die von der Schnittebene tatsächlich durchschnitten werden – Außen- und Innenwände, Geschossdecken, das Dachtragwerk – werden kräftig umrandet und zur besseren Lesbarkeit häufig schraffiert. Bauteile, die nicht von der Schnittebene getroffen werden, aber in Blickrichtung dahinter sichtbar sind, etwa eine weiter hinten liegende Tür oder ein Treppenlauf, erscheinen dünner und ohne Schraffur. Verdeckte oder nicht mehr vorhandene Bauteile, etwa bei einer Gegenüberstellung von Bestand und Planung, werden gestrichelt dargestellt.
Höhen werden im Schnitt über Höhenkoten angegeben: eine Zahl an einer senkrechten Linie, markiert mit einem Dreieckssymbol. Bezugspunkt ist meist die Oberkante des fertigen Erdgeschossfußbodens, als ±0,00 notiert – alle weiteren Höhen werden relativ dazu angegeben, eine Kellersohle also beispielsweise mit einem Minuswert. Ein ausgefülltes Dreieck kennzeichnet dabei eine Rohbauhöhe, ein nicht ausgefülltes eine Fertigmaß-Höhe.
Welche Maße und Höhenangaben in eine bemaßte Schnittzeichnung gehören
Die wichtigste Angabe ist die Geschosshöhe: der Abstand zwischen den fertigen Fußböden zweier aufeinanderfolgender Geschosse. Sie ist nicht identisch mit der lichten Raumhöhe, also dem freien Abstand vom Fertigfußboden bis zur Unterkante der Decke oder eines Unterzugs – dazwischen liegt die Deckenkonstruktion. Beide Werte werden für unterschiedliche Zwecke gebraucht: Die Geschosshöhe bestimmt zum Beispiel das Steigungsverhältnis einer Treppe, weil sich die Stufenzahl aus Geschosshöhe geteilt durch die einzelne Steigung ergibt. Die lichte Raumhöhe entscheidet dagegen über Kopffreiheit und Aufenthaltsqualität.
Wie im Grundriss wird auch im Schnitt zwischen Rohbaumaß und Fertigmaß unterschieden: Rohbaumaße gelten für den unverputzten, unfertigen Zustand, Fertigmaße für das Bauteil nach Estrich, Putz und Bodenbelag. Bei Höhenangaben macht das oft mehrere Zentimeter aus und wird über das bereits erwähnte Dreieckssymbol kenntlich gemacht.
Für das Dach gehören Dachneigung, First- und Traufhöhe in jede bemaßte Schnittzeichnung. Die Dachneigung wird als Winkel in Grad gegenüber der Waagerechten angegeben, die Firsthöhe markiert den höchsten Punkt des Dachs, die Traufhöhe den Punkt, an dem die Dachfläche auf die Außenwand trifft. Weil die genauen Bezugspunkte für First- und Traufhöhe je nach Landesbauordnung unterschiedlich definiert sind, sollte die Zeichnung immer eindeutig ausweisen, an welcher Kante gemessen wurde. Ergänzt werden diese Angaben meist durch Kellersohle und OK Fertigfußboden der einzelnen Geschosse, oft abgekürzt als OKFF beziehungsweise OKRF für die Rohfußboden-Variante.
Wann Sie eine Schnittzeichnung brauchen
Am häufigsten wird eine bemaßte Schnittzeichnung für den Bauantrag verlangt. Sobald sich Geschosshöhen, Dachform oder First- und Traufhöhe gegenüber dem genehmigten Bestand ändern, gehört der Schnitt zu den Bauvorlagen, die Bauaufsichtsbehörden zur Prüfung erwarten.
Besonders relevant ist er bei Dachausbau, Aufstockung oder einer Änderung der Dachform: Kniestockhöhe, Dachneigung und First- beziehungsweise Traufhöhe bestimmen, wie viel des Dachgeschosses später als Wohnfläche nutzbar ist – Angaben, die ausschließlich aus dem Schnitt hervorgehen, nicht aus dem Grundriss.
Auch für die Abstandsflächenberechnung ist der Schnitt eine typische Grundlage: Die dafür benötigte Wandhöhe wird ausgehend von der Geländeoberfläche ermittelt, wie genau, regeln die Landesbauordnungen im Detail unterschiedlich. Und selbst außerhalb des Bauantrags wird der Schnitt gebraucht, etwa für die Statik, die Treppenberechnung oder wenn eine Bank oder ein Architekt neben dem Grundriss ein vollständiges Bild des Gebäudes benötigt.
Wie viele Schnitte ein Gebäude tatsächlich braucht
Für die meisten Ein- und Zweifamilienhäuser genügt ein einziger, aussagekräftiger Schnitt. Er wird so gelegt, dass er möglichst viel auf einmal zeigt: die Treppe, unterschiedliche Geschosshöhen und die Dachkonstruktion im First- oder Kniestockbereich. In der Praxis ist das meist ein Querschnitt, der zugleich das Treppenhaus mitnimmt.
Bei komplexeren Baukörpern reicht ein Schnitt dagegen oft nicht aus – etwa wenn einzelne Gebäudeteile unterschiedliche Geschosshöhen haben, ein Anbau eine eigene Traufhöhe besitzt oder Dachflächen versetzt zueinander liegen. Hier sind zwei oder mehr Schnitt-Varianten sinnvoll, häufig ein Längs- und ein Querschnitt, damit jeder relevante Gebäudebereich einmal erfasst ist. Eine pauschale Regel wie ein Schnitt pro Geschoss gibt es nicht; entscheidend ist, welche Bauteile und Höhen tatsächlich nachgewiesen werden müssen.
Tipp: Höhenangaben aus dem Schnitt fließen auch in die Kubaturberechnung (BRI/BGF) ein – mehr dazu in unserem Grundlagenartikel.
Schnitt, Ansicht und Grundriss: Wo der Unterschied liegt
Die drei Zeichnungsarten beantworten unterschiedliche Fragen und ersetzen sich nicht gegenseitig. Die Ansicht zeigt die Fassade von außen, ohne Schnittebene – Fensterteilung, Material und die äußere Erscheinung des Dachs, aber keine Innenmaße. Der Grundriss ist ein waagerechter Schnitt und zeigt die Raumaufteilung eines Geschosses, jedoch keine Höhen. Die Schnittzeichnung ist der senkrechte Gegenpart: Sie zeigt Höhen und den vertikalen Aufbau, aber keine vollständige Raumaufteilung – nur das, was entlang der gewählten Schnittlinie liegt.
Für Bauantrag, Finanzierung oder eine architektonische Prüfung werden deshalb in der Regel alle drei Unterlagen zusammen verlangt. Erst Grundriss, Ansicht und Schnitt gemeinsam ergeben ein vollständiges, nachvollziehbares Bild des Gebäudes.
Häufige Fragen
Was ist eine Schnittzeichnung und was zeigt sie?
Eine Schnittzeichnung ist ein senkrechter, gedachter Schnitt durch das Gebäude entlang einer im Grundriss markierten Schnittlinie. Sie zeigt den vertikalen Aufbau: Geschosshöhen, Dachneigung, First- und Traufhöhe sowie Aufbauten wie Kniestock oder Gauben. Anders als der Grundriss macht sie damit Höhen und lichte Maße nachvollziehbar, die sich in der Draufsicht nicht darstellen lassen.
Warum reicht der Grundriss für einen Bauantrag nicht aus?
Der Grundriss ist selbst ein Schnitt, allerdings ein waagerechter, etwa einen Meter über dem Fußboden. Er zeigt Wände, Türen und Raumaufteilung, aber keine Geschosshöhen, keine Dachneigung und keine lichten Höhen unter Unterzügen oder über Treppen. Für Vorhaben, bei denen Höhen eine Rolle spielen, etwa Dachausbau oder Aufstockung, verlangen Bauaufsichtsbehörden deshalb zusätzlich eine bemaßte Schnittzeichnung.
Wie erkenne ich, wo im Gebäude der Schnitt verläuft?
Die Lage der Schnittebene wird im zugehörigen Grundriss mit einer strichpunktierten Linie markiert, ergänzt um Pfeile, die die Blickrichtung anzeigen. Häufig ist die Schnittlinie zusätzlich mit Großbuchstaben beschriftet, etwa Schnitt A-A, wenn mehrere Schnitte durch dasselbe Gebäude existieren. Bauteile, die von der Schnittebene tatsächlich getroffen werden, sind kräftig umrandet und oft schraffiert, nur von dort aus sichtbare Bauteile dahinter erscheinen dünner.
Wie viele Schnitte benötigt ein normales Wohngebäude?
In den meisten Fällen genügt ein aussagekräftiger Schnitt, der Treppe, Geschosshöhen und Dachkonstruktion in einem Bild zusammenführt. Bei komplexeren Baukörpern mit unterschiedlichen Geschosshöhen in einzelnen Gebäudeteilen, Anbauten oder versetzten Dachflächen reicht ein einzelner Schnitt oft nicht aus. Dann sind zwei oder mehr Schnitt-Varianten sinnvoll, meist ein Längs- und ein Querschnitt.
Was ist der Unterschied zwischen Rohbaumaß und Fertigmaß bei Höhenangaben im Schnitt?
Das Rohbaumaß beschreibt ein Bauteil im unfertigen Zustand, etwa die Rohdecke vor Estrich und Bodenbelag, das Fertigmaß gilt nach Abschluss aller Schichten. Im Schnitt wird das über das Höhenkotensymbol unterschieden: Ein ausgefülltes Dreieck steht für Rohbauhöhen, ein nicht ausgefülltes für Fertigmaße. Bezugspunkt ist meist die Oberkante des fertigen Erdgeschossfußbodens, angegeben als ±0,00 – weitere Höhen wie eine Kellersohle werden relativ dazu angegeben.
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