Verformungsgerechtes Aufmaß
Ein verformungsgerechtes Aufmaß erfasst ein Gebäude in den höchsten Genauigkeitsstufen der Bauaufnahme und zeichnet Schiefwinkligkeit, geneigte Wände, durchgebogene Balken und Krümmungen so auf, wie sie tatsächlich vorliegen.
Das übliche Handaufmaß arbeitet mit der stillschweigenden Annahme rechter Winkel und gerader Wände und begradigt das Gebäude damit zu einem Idealzustand, den es so nicht gibt. Beim verformungsgerechten Aufmaß wird diese Annahme aufgegeben: Eckpunkte werden einzeln eingemessen, Wände über mehrere Höhen aufgenommen, Abweichungen bleiben im Plan sichtbar.
Nötig wird das vor allem bei Fachwerk, historischem Mauerwerk und Baudenkmälern — also genau bei den Objekten, für die Eigentümer selten brauchbare Bestandspläne besitzen. Denkmalbehörden verlangen die verformungsgerechte Darstellung häufig als Grundlage für Sanierungs- und Genehmigungsanträge. Der deutlich höhere Messaufwand erklärt, warum ein Altbau-Aufmaß teurer ausfällt als das Aufmaß eines Neubaus.
Ein Beispiel: Weicht eine Fachwerkwand über zehn Meter spürbar aus der Senkrechten ab, ergibt der begradigte Plan Flächen, die es am Gebäude nicht gibt, und eine geplante Innentreppe passt später nicht. Bei einem geraden, rechtwinkligen Wohnhaus ist derselbe Aufwand dagegen unnötig.
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