Das Wichtigste in Kürze
- Maßketten sind gestaffelt: außen das Gesamtmaß, in der Mitte die Wandabschnitte, innen die einzelnen Öffnungen.
- Rohbaumaß und Fertigmaß meinen nicht dasselbe. Der Unterschied ist der Putz- und Belagsaufbau und kann je Wandseite mehrere Zentimeter betragen.
- Ein Grundriss ohne durchgehende Bemaßung ist für Finanzierung, Genehmigung und Ausschreibung nicht verwertbar.
Die Zahlen rund um einen Grundriss wirken auf den ersten Blick redundant: Dieselbe Wand scheint gleich dreimal vermessen zu sein. Tatsächlich folgt die Bemaßung einer strengen Systematik, in der jede Kette eine andere Frage beantwortet. Wer sie kennt, findet jedes gesuchte Maß in Sekunden — und erkennt vor allem, welche Zahl für welchen Zweck die richtige ist.
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Woraus eine Maßkette besteht
Eine Maßkette setzt sich aus wenigen, klar definierten Elementen zusammen: der Maßlinie, den Maßhilfslinien, den Begrenzungen und der Maßzahl. Die Maßhilfslinien führen vom Bauteil weg nach außen, die Maßlinie verläuft parallel zur gemessenen Strecke, und an den Enden markieren Begrenzungen den Messpunkt.
In Bauzeichnungen sind diese Begrenzungen üblicherweise Schrägstriche, die die Maßlinie unter 45 Grad kreuzen — nicht die Pfeile, die man aus dem Maschinenbau kennt. Die allgemeinen Grundlagen der Maßeintragung sind in DIN 406 festgelegt.
Die Maßzahl steht über der Maßlinie und ist so orientiert, dass sie von unten oder von rechts gelesen werden kann. Bei den Einheiten gilt in der Praxis eine gemischte Schreibweise: Maße unter einem Meter werden meist in Zentimetern angegeben, größere Maße in Metern. Im Zweifel klärt das Schriftfeld, welche Einheit gilt — ein Blick, der sich lohnt, bevor man eine Zahl falsch interpretiert.
Die Staffelung: von außen nach innen ins Detail
Rund um den Grundriss liegen mehrere Maßketten parallel zueinander. Ihre Reihenfolge ist kein Zufall, sondern eine Hierarchie vom Groben zum Feinen.
Die äußerste Kette gibt das Gesamtmaß an, also die Außenkanten des Gebäudes. Die mittlere Kette gliedert dieses Gesamtmaß in die einzelnen Wandabschnitte einschließlich der Öffnungen — sie beantwortet die Frage, wo eine Wand beginnt und endet. Die innerste Kette bemaßt schließlich die Öffnungen selbst, also Fenster- und Türbreiten samt der Wandstücke dazwischen.
Für die Suche heißt das: Wer die Gebäudebreite braucht, schaut ganz außen. Wer wissen will, wie breit ein Fenster ist, geht so weit wie möglich nach innen. Zusätzlich finden sich Maße innerhalb der Räume — die lichten Raummaße zwischen den fertigen Wandoberflächen.
Rohbaumaß und Fertigmaß: der wichtigste Unterschied
Die folgenreichste Unterscheidung in der gesamten Bemaßung ist die zwischen Rohbaumaß und Fertigmaß. Das Rohbaumaß beschreibt das Bauteil im unfertigen Zustand, also die gemauerte oder betonierte Öffnung, bevor Putz, Estrich und Beläge aufgebracht sind. Das Fertigmaß ist das Maß nach Fertigstellung aller Schichten.
Der Unterschied ist keine Kleinigkeit. Ein zwei Zentimeter starker Innenputz auf beiden Seiten verkleinert eine Öffnung um vier Zentimeter. Bei einer Türöffnung entscheidet genau das darüber, ob ein Türblatt passt. Wer eine Einbauküche plant und mit Rohbaumaßen rechnet, stellt am Ende fest, dass die Zeile nicht in die Nische passt.
In Zeichnungen werden beide Maßarten deshalb kenntlich gemacht. Bei Höhenangaben ist die Konvention besonders eindeutig: Ein ausgefülltes Dreieck kennzeichnet Rohbauhöhen, ein nicht ausgefülltes Dreieck die Fertigmaße. Fehlt jede Kennzeichnung, sollten Sie nachfragen, statt zu raten.
Öffnungen: Breite, Höhe und Brüstung
An Fenstern und Türen stehen typischerweise mehrere Zahlen übereinander, und sie bedeuten Verschiedenes. Üblich ist eine Bruchschreibweise: Der Zähler nennt die Breite der Öffnung, der Nenner die Höhe.
Bei Fenstern kommt eine dritte Angabe hinzu, die Brüstungshöhe. Sie beschreibt den Abstand zwischen fertigem Fußboden und Fensterunterkante und steht meist darunter oder daneben. Diese Zahl ist praktisch relevanter, als sie wirkt: Sie entscheidet darüber, ob man sitzend hinausschauen kann, ob eine Küchenzeile unter dem Fenster durchläuft und ob eine Absturzsicherung erforderlich wird.
Türen werden zusätzlich durch die Anschlagrichtung beschrieben, die sich aus dem eingezeichneten Viertelkreis ergibt. Die Öffnungsmaße gelten dabei für das Rohbaumaß der Öffnung, nicht für das lichte Durchgangsmaß nach Einbau der Zarge — auch hier gehen ein bis zwei Zentimeter verloren.
Höhenangaben im Grundriss
Obwohl der Grundriss eine waagerechte Schnittdarstellung ist, enthält er Höheninformationen. Sie erscheinen als Höhenkoten, also als Zahlen mit vorangestelltem Plus oder Minus, bezogen auf einen Nullpunkt.
Dieser Nullpunkt ist üblicherweise die Oberkante des fertigen Fußbodens im Erdgeschoss, oft als „±0,00" bezeichnet. Alle anderen Höhen beziehen sich darauf: Ein Podest auf +1,35 liegt 1,35 Meter darüber, eine Kellersohle auf −2,60 entsprechend darunter. Die Abkürzungen OKFF und OKRF stehen für Oberkante Fertigfußboden beziehungsweise Oberkante Rohfußboden — wieder die Unterscheidung zwischen fertig und roh.
Höhenkoten im Grundriss ersetzen aber keinen Schnitt. Geschosshöhen, Dachneigungen und lichte Höhen unter Unterzügen erschließen sich erst aus der Schnittzeichnung, wie der Beitrag zu Bauzeichnungen für Bestandsgebäude zeigt.
Lichte Maße und was sie für die Planung bedeuten
Ein lichtes Maß ist der freie Abstand zwischen zwei begrenzenden Bauteilen — also das, was tatsächlich nutzbar bleibt. Bei einem Raum ist es der Abstand zwischen den fertigen Wandoberflächen, bei einer Tür die freie Durchgangsbreite.
Für alles, was in ein Gebäude hineinmuss, ist das lichte Maß die entscheidende Zahl: Möbel, Geräte, Sanitärobjekte. Auch die Frage der Barrierefreiheit hängt daran, denn Anforderungen an Bewegungsflächen und Durchgangsbreiten beziehen sich auf lichte Maße.
Die typische Verwechslung besteht darin, das Achsmaß oder das Rohbaumaß für das lichte Maß zu halten. Wer aus einer bemaßten Wandöffnung von 1,01 Meter schließt, ein 1,00-Meter-Schrank passe hindurch, übersieht Zarge und Putz — am Ende bleiben vielleicht 96 Zentimeter.
Wann eine Bemaßung nicht ausreicht
Nicht jeder Plan mit Zahlen ist ein bemaßter Plan. Verkaufsgrundrisse und Exposé-Zeichnungen tragen häufig nur Raumflächen und einzelne Raumbreiten ein. Für einen ersten Eindruck genügt das; für Finanzierung, Genehmigung oder Handwerkerangebote nicht.
Erwartet wird dort eine durchgehende, nachvollziehbare Bemaßung mit Gesamtmaßen, Wandstärken, Öffnungsmaßen und Angaben zum Maßstab. Welche Anforderungen Kreditinstitute im Einzelnen stellen und in welcher Form der Plan nachgereicht wird, behandelt der Beitrag Grundriss für Finanzierung nachreichen.
Der zweite Grund, warum eine Bemaßung nicht ausreicht, ist Alter. Pläne aus der Bauzeit geben den genehmigten Zustand wieder, nicht zwingend den gebauten und schon gar nicht den heutigen. Wurden Wände versetzt oder Öffnungen geschlossen, sind die eingetragenen Maße schlicht falsch — dann hilft nur ein neues Aufmaß.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Rohbaumaß und Fertigmaß?
Das Rohbaumaß beschreibt das Bauteil vor dem Aufbringen von Putz, Estrich und Belägen, das Fertigmaß den Zustand nach Fertigstellung. Zwischen beiden liegen die Schichtdicken: Ein beidseitiger Innenputz von je zwei Zentimetern verkleinert eine Öffnung bereits um vier Zentimeter. Bei Höhenangaben kennzeichnet ein ausgefülltes Dreieck Rohbauhöhen, ein nicht ausgefülltes Dreieck Fertigmaße.
Warum stehen an einem Fenster mehrere Zahlen?
Üblich ist eine Bruchschreibweise, bei der die obere Zahl die Breite der Öffnung angibt und die untere die Höhe. Häufig kommt die Brüstungshöhe hinzu, also der Abstand zwischen fertigem Fußboden und Fensterunterkante. Diese drei Angaben beschreiben die Öffnung vollständig.
Was bedeuten die Dreiecke bei Höhenangaben?
Höhenkoten werden mit einem Dreieckssymbol gekennzeichnet. Ein ausgefülltes Dreieck steht für Rohbauhöhen, ein nicht ausgefülltes für Fertigmaße. Der Bezugspunkt ist üblicherweise die Oberkante des fertigen Fußbodens im Erdgeschoss, die als ±0,00 gesetzt wird.
In welcher Einheit wird im Grundriss bemaßt?
In der Praxis ist eine gemischte Schreibweise üblich: Maße unter einem Meter erscheinen meist in Zentimetern, größere Maße in Metern. Welche Einheit im konkreten Plan gilt, sollte im Schriftfeld vermerkt sein. Bei fehlender Angabe hilft eine Plausibilitätsprüfung an einem bekannten Bauteil, etwa einer Standardtür.
Reicht ein unbemaßter Grundriss für die Bank?
In der Regel nicht. Kreditinstitute erwarten einen nachvollziehbar bemaßten Plan mit Gesamtmaßen, Wandstärken und Maßstabsangabe, weil er Grundlage der Wertermittlung ist. Reine Exposé- oder Verkaufsgrundrisse mit bloßen Raumflächen genügen diesem Anspruch meist nicht.
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