Grundrisse in Würzburg — wenn der historische Plan überlebt hat, das Gebäude aber nicht
In Würzburg kann ein alter Bauplan zuverlässig erhalten sein und trotzdem nichts über den heutigen Grundriss aussagen. Vor dem Luftangriff vom 16. März 1945 ließ der damalige Stadtoberamtmann Urban Krimmel einen Teil der städtischen Unterlagen vorausschauend in sichere Lagerorte im Taubertal und in der Rhön auslagern – dadurch blieben etliche historische Akten erhalten, während nicht ausgelagerte Bestände verloren gingen. Das Problem liegt deshalb seltener in fehlenden Papieren als im Gebäude selbst: Weil rund 90 Prozent der Altstadt zerstört und in den folgenden Jahrzehnten neu errichtet wurden, zeigt ein überlieferter Vorkriegsplan häufig ein Haus, das es in dieser Form nicht mehr gibt.
Wann Sie in Würzburg einen neuen Grundriss brauchen
Ein Grundriss ist in Würzburg keine genehmigungspflichtige Leistung, aber in mehreren wiederkehrenden Situationen unverzichtbar:
- Verkauf und Finanzierung: Bank und Notar verlangen einen aktuellen, bemaßten Plan – eine historische Bauakte allein reicht selten, wenn das Gebäude seither wiederaufgebaut oder umgebaut wurde.
- Fehlende oder abweichende Bauakte: Gerade bei Gebäuden im Ensemble Altstadt zeigt eine überlieferte Zeichnung häufig den Zustand vor 1945, nicht den heutigen Wiederaufbau.
- Teilungserklärung und Aufteilungsplan: Wer eine Immobilie in Wohnungs- und Teileigentum aufteilen will, braucht einen maßstäblichen Aufteilungsplan als Grundlage der Abgeschlossenheitsbescheinigung.
- Denkmalschutzrechtliche Abstimmung: An einem der 727 Baudenkmäler oder im Ensemble Altstadt verlangt eine geplante Veränderung einen aktuellen Grundriss für die Abstimmung mit der Fachabteilung Bauaufsicht in ihrer Rolle als Denkmalschutzbehörde.
Dass ein Bauplan die Zeiten überdauert hat, heißt in Würzburg nicht automatisch, dass er noch zum Gebäude passt. Weil der Luftangriff vom 16. März 1945 die Altstadt zu rund 90 Prozent zerstörte, wurden viele Häuser in den folgenden Jahrzehnten – bei der Residenz bis 1987 – von Grund auf neu errichtet, oft mit vereinfachter oder anders geschnittener Innenaufteilung als vor dem Krieg. Ein im Stadtarchiv erhaltener Vorkriegsplan zeigt dann zuverlässig ein Gebäude, das im heutigen Grundriss nicht mehr existiert. Maßgeblich für Verkauf, Finanzierung oder eine Teilungserklärung ist deshalb ausschließlich der tatsächliche, aktuelle Bestand – nicht das, was eine historisch interessante, aber überholte Zeichnung zeigt.
Woher Ihr Würzburger Grundriss stammt
Je nach Baujahr und Quellenlage kommt einer von drei Wegen infrage:
Aus dem Bauaktenarchiv der Fachabteilung Bauaufsicht
Für Gebäude, die nach dem Wiederaufbau errichtet oder seither genehmigungspflichtig verändert wurden, führt das laufende Bauaktenarchiv in der Veitshöchheimer Straße die entsprechenden Unterlagen.
Aus dem Stadtarchiv Würzburg
Für ältere oder nicht mehr bestehende Gebäude lohnt sich der Blick ins Stadtarchiv – mit dem Hinweis, dass auch ein dort erhaltener Plan gegen den heutigen Bestand geprüft werden muss, falls das Gebäude 1945 beschädigt oder zerstört wurde.
Per Aufmaß vor Ort
Ist keine verwertbare Akte auffindbar oder weicht der Bestand erkennbar vom Plan ab, wird das Gebäude direkt aufgenommen – der zuverlässigste Weg bei einem Großteil der wiederaufgebauten Altstadthäuser.
Welche Unterlagen für Ihren Würzburger Grundriss hilfreich sind
Je nachdem, welcher Weg zum Ziel führt, sind unterschiedliche Unterlagen relevant:
- Bauakte mit Eigentumsnachweis
Für die Anfrage beim Bauaktenarchiv oder beim Stadtarchiv wird üblicherweise ein aktueller Eigentumsnachweis verlangt, bei Beauftragung Dritter zusätzlich eine Vollmacht.
- Vorhandene alte Pläne oder Skizzen
Auch ein Vorkriegsplan hilft als Ausgangspunkt, etwa um die ursprüngliche Parzellengröße nachzuvollziehen, bevor vor Ort nachgemessen wird.
- Teilungserklärung und Aufteilungsplan
Bei Eigentumswohnungen zeigt der bestehende Aufteilungsplan, welche Räume zum Sondereigentum gehören.
- Angaben zum Denkmalschutzstatus
Liegt das Gebäude im Ensemble Altstadt oder ist es als Baudenkmal eingetragen, hilft eine kurze Übersicht über bereits erteilte Genehmigungen, um den neuen Grundriss korrekt einzuordnen.
Grundrisse in Würzburg – Beispiele aus der Praxis
Bürgerhaus im Ensemble Altstadt mit erhaltenem Vorkriegsplan
Der im Stadtarchiv gefundene Plan zeigt ein Gebäude, das beim Luftangriff 1945 ausbrannte und danach mit veränderter Raumaufteilung neu errichtet wurde. Maßgeblich ist ausschließlich der heutige, per Aufmaß erfasste Zustand.
Nachkriegsbau ohne erhaltene Vorkriegsakte
Für ein Gebäude, das erst nach 1945 auf einer freigeräumten Parzelle entstand, existiert keine ältere Bauakte – hier liefert das laufende Bauaktenarchiv der Fachabteilung die relevanten Unterlagen.
Dachgeschossausbau ohne zugehörigen Plan
Wurde ein Dachgeschoss vor Jahrzehnten ausgebaut, ohne dass die Bauakte entsprechend fortgeschrieben wurde, existiert dafür oft kein aktueller Plan – der Grundriss wird anhand des heutigen Bestands neu erstellt.
Teilungserklärung mit veraltetem Aufteilungsplan
Weicht der bestehende Aufteilungsplan vom heutigen Bestand ab, braucht die Abgeschlossenheitsbescheinigung bei der Fachabteilung Bauaufsicht einen konsistenten, aktuellen Plan.
So läuft Ihr Grundriss in Würzburg ab
Fachlich ist der Ablauf bundesweit derselbe. In Würzburg liegt das Gewicht auf der frühen Klärung, ob eine vorhandene Bauakte überhaupt zum heutigen, möglicherweise wiederaufgebauten Bestand passt:
- Zweck und Anlass klären
Ob der Grundriss für Verkauf, Finanzierung, eine Teilungserklärung oder eine denkmalschutzrechtliche Abstimmung gebraucht wird, bestimmt Maßstab und Detailtiefe.
- Vorhandene Unterlagen prüfen
Bauaktenarchiv oder Stadtarchiv werden auf Vollständigkeit und Übereinstimmung mit dem heutigen Bestand geprüft.
- Fehlende Grundlagen beschaffen oder aufmessen
Reichen die vorhandenen Unterlagen nicht aus, wird direkt vor Ort aufgemessen.
- Grundriss zeichnen und bemaßen
Aus den erfassten Maßen entsteht der bemaßte Grundriss – auf Wunsch inklusive Möblierung für die Vermarktung.
- Ergebnis übergeben
Sie erhalten den fertigen Grundriss als Plandatei, auf Wunsch mit Architektenstempel – bereit für Bank, Notar, Fachabteilung oder Exposé.
Was den Aufwand eines Grundrisses in Würzburg beeinflusst
Der Erfassungsaufwand unterscheidet sich zwischen wiederaufgebautem Altstadtbestand und jüngerem Baubestand deutlich:
- Zustand und Aktualität der vorhandenen Unterlagen
Eine aktuelle, verwertbare Bauakte ist der günstigste Fall. Zeigt sie einen Vorkriegszustand, der nicht mehr existiert, wird ein Aufmaß nötig.
- Lage im Ensemble Altstadt
Bei einem Gebäude im Ensemble oder an einem Baudenkmal kommt die Abstimmung mit der Fachabteilung als Denkmalschutzbehörde hinzu.
- Zahl der Ebenen und Räume
Eine einzelne Etagenwohnung ist rasch erfasst; ein Haus mit mehreren Geschossen verlangt für jede Ebene einen eigenen Erfassungsdurchgang.
- Anlass und Detailtiefe
Ein reiner Nachweis für die Bauakte unterscheidet sich im Aufwand von einem vermarktungsfertigen, möblierten und bemaßten Grundriss für ein Exposé.
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