Aufmaß & Vermessung in Wolfsburg — Bauaufmaß zwischen serieller Werkssiedlung und historischem Fallersleben
Der Wolfsburger Baubestand stellt an ein Aufmaß zwei sehr unterschiedliche Anforderungen. Im weit überwiegenden, seit 1938 seriell geplanten Stadtgebiet wiederholen sich Gebäudetypen über ganze Straßenzüge, was die Erfassung erleichtert – solange spätere, individuelle Umbauten sauber erkannt werden. Im eingemeindeten Fallersleben dagegen, dessen Bausubstanz bis ins Jahr 942 zurückreicht, verlangt jedes Gebäude eine eigene, unabhängige Aufnahme. Für beide Fälle gilt: Ein Blatt aus der Bauakte zeigt den einmal beantragten oder historisch überlieferten Zustand, nicht zwingend den heutigen. Ein Bauaufmaß erfasst stattdessen das Gebäude, wie es tatsächlich dasteht, und leitet daraus Zeichnungen und Flächen ab.
Wann ein Aufmaß in Wolfsburg erforderlich wird
Ein Bauaufmaß ist an keine Vorschrift geknüpft; niemand ist verpflichtet, eines beauftragen zu lassen. Nötig wird es dort, wo eine Fläche oder Geometrie nachgewiesen werden muss und die vorhandenen Unterlagen das nicht hergeben. In Wolfsburg vor allem in diesen Fällen:
- Bestandspläne fehlen ganz oder zeigen einen Stand, den spätere Umbauten überholt haben – bei Gebäuden in Fallersleben strukturell häufiger als im jüngeren, planmäßig angelegten Stadtgebiet.
- Ein Bauantrag, eine Nutzungsänderung oder ein Umbau steht an und braucht einen maßhaltigen Bestand als Ausgangspunkt der Planung.
- Eine Bank oder ein Gutachter verlangt eine Flächenangabe mit nachvollziehbarem Rechenweg.
- Wohnungseigentum wird begründet oder geändert: Der Aufteilungsplan nach § 7 WEG muss die Einheiten eindeutig abgrenzen – gerade beim Verkauf einzelner Einheiten aus den großen Nachkriegssiedlungen ein häufiger Anlass.
- Die Fläche im Miet- oder Kaufvertrag steht infrage – unterschreitet die tatsächliche Fläche die vereinbarte um mehr als zehn Prozent, ist das nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ein Mangel.
Nach § 7 Abs. 1 des Niedersächsischen Gesetzes über das amtliche Vermessungswesen (NVermG) haben Eigentümerinnen und Eigentümer auf eigene Kosten zu veranlassen, dass ein neu errichtetes Gebäude in das Liegenschaftskataster aufgenommen wird. Ausgelöst wird diese Pflicht nicht durch die Bauabnahme oder den Einzug, sondern durch die Vermessungsreife – den Zeitpunkt, an dem der Grundriss des Gebäudes feststeht. Die Verwaltungsvorschrift für Liegenschaftsvermessungen hält dafür regelmäßig einen Monat für angemessen. Ausgeführt wird die Einmessung von der Katasterbehörde der LGLN-Regionaldirektion Braunschweig-Wolfsburg oder von Öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren – wird kein Auftrag erteilt, veranlasst die Behörde die Einmessung auf Kosten der Eigentümerin oder des Eigentümers. Diese hoheitliche Leistung erbringt Planprofi24 nicht; sie hat auch einen anderen Gegenstand als das Bauaufmaß, nämlich den äußeren Gebäudeumriss für das Kataster. Innenmaße, Raumaufteilung und Wohnfläche stehen dort nirgends – dafür ist das Bauaufmaß da.
Die Aufmaßverfahren im Detail
Welches Verfahren am Objekt sinnvoll ist, ergibt sich aus der Geometrie des Gebäudes und aus dem, was mit den Unterlagen später geschehen soll:
Raumweises Handaufmaß mit Laserdistanzmessgerät
Der übliche Weg in Wohnungen und kleinen Gebäuden, sowohl in den standardisierten Wohnungen der Großwohnsiedlungen als auch in einzelnen Räumen Fallerslebens. Marktübliche Geräte erreichen eine Messgenauigkeit im Millimeterbereich; die eigentliche Fehlerquelle liegt selten im Gerät, sondern im Übertragen der Werte.
Tachymetrische Verknüpfung mehrerer Gebäudeteile
Bei größeren, aus mehreren Baukörpern bestehenden Anlagen bringt ein Passpunktnetz die Gebäudeteile in einen gemeinsamen Bezug, sodass Grundrisse und Geschosse übereinanderliegen, statt in der Zeichnung auseinanderzudriften.
3D-Laserscanning mit Punktwolke
Sinnvoll bei verformter oder unregelmäßiger Bausubstanz, wie sie in Fallersleben vorkommen kann. Aus der Punktwolke lassen sich Zeichnungen und ein Bestandsmodell ableiten, das auch Verformungen dokumentiert.
Auswertung vorhandener Pläne mit Stichprobenkontrolle
Liegt für eine Wohnung in Detmerode oder Westhagen ein Typenplan vor, wird er stichprobenartig vor Ort geprüft, bevor aus ihm gerechnet wird – die Wohnflächenverordnung lässt das in § 3 Abs. 4 zu, solange gebaut wurde wie gezeichnet.
Diese Unterlagen entstehen aus dem Aufmaß
Das Aufmaß selbst ist nur der Messvorgang. Brauchbar wird es durch das, was daraus abgeleitet und dokumentiert wird:
- Bemaßte Grundrisse aller Geschosse
Vom Keller bis zum Dachgeschoss, mit durchgehenden Maßketten statt einer bloßen Maßstabsangabe.
- Schnitte und Ansichten
Sie zeigen, was im Grundriss nicht sichtbar wird: Geschosshöhen, Dachneigung und den Verlauf über Gauben oder Kniestöcken.
- Wohnflächenberechnung nach Wohnflächenverordnung
Gemessen wird nach § 3 Abs. 1 WoFlV im lichten Maß ab Vorderkante der Bekleidung, also am fertigen Zustand.
- Flächen und Kubatur nach DIN 277
Für Bauvorlagen, Kalkulation und Bewertung – die Norm beschreibt das Bauwerk, nicht die Wohnung.
- Aufmaßskizze, Fotos und Punktwolke
Die Rohdaten bleiben Bestandteil der Dokumentation und machen nachvollziehbar, wo gemessen wurde.
Aufmaße in Wolfsburg – Beispiele aus der Praxis
Wohnung in Westhagen ohne aktuellen Plan
Die ab den frühen 1970er-Jahren errichtete Großwohnsiedlung folgt einem Typenplan, der nach mehreren Jahrzehnten Umbauten aber selten noch vollständig zutrifft. Das Aufmaß hält den heutigen Zustand fest, statt sich auf die ursprüngliche Bauzeichnung zu verlassen.
Werkssiedlungshaus auf dem Steimker Berg
Für ein Gebäude in der seit 1986 unter Erhaltungssatzung stehenden Siedlung wird der Bestand besonders sorgfältig erfasst, weil er Grundlage der denkmalrechtlichen Beurteilung ist.
Historisches Gebäude in Fallersleben ohne Bauakte
Für Gebäude im Ortskern rund um das 1551 fertiggestellte Wasserschloss liegt oft keine verwertbare Bauakte vor. Das Aufmaß erfasst Maße, Nischen und Dachaufbauten direkt vor Ort.
Aufteilung eines Mehrfamilienhauses vor dem Einzelverkauf
Vor der Begründung von Wohnungseigentum müssen alle Einheiten zeichnerisch und maßlich eindeutig abgegrenzt sein, einschließlich Keller- und Stellplatzflächen.
So läuft Ihr Aufmaß in Wolfsburg ab
Der Ablauf ist überall gleich aufgebaut. Was ihn in Wolfsburg verkürzt oder verlängert, ist die Vorarbeit: welche Unterlagen beim Bau-Bürger-Büro vorliegen und wie individuell das jeweilige Gebäude im Lauf der Jahrzehnte verändert wurde.
- Zweck und Erfassungstiefe festlegen
Ein Nachweis für die Bank, eine Bauvorlage und ein Aufteilungsplan stellen unterschiedliche Anforderungen an Detailtiefe und Darstellung.
- Bestandsunterlagen beim Bau-Bürger-Büro anfragen
Verlangt werden üblicherweise ein aktueller Eigentumsnachweis und, bei Beauftragung Dritter, eine Vollmacht des Eigentümers.
- Termin abstimmen und Zugang klären
Keller, Dachboden und Nebenräume müssen offen sein; bei vermieteten Einheiten braucht die Terminfindung entsprechenden Vorlauf.
- Erfassung vor Ort
Gemessen wird raumweise, mit Diagonalen zur Prüfung der Rechtwinkligkeit, dazu Höhen, Nischen und Öffnungen. Parallel entstehen Fotos und Skizze.
- Auswertung und Übergabe
Aus den Messdaten entstehen die Zeichnungen und die Flächenberechnung mit ausgewiesenem Rechenweg.
Was den Preis für ein Aufmaß in Wolfsburg beeinflusst
Ein Pauschalpreis wäre wenig aussagekräftig: Zwei Wohnungen gleicher Größe können sich im Messaufwand deutlich unterscheiden. Diese Punkte bestimmen den Umfang:
- Zahl und Zuschnitt der Räume
Jeder zusätzliche Raum bringt Maße, Höhen und Öffnungen mit sich.
- Serieller Typenbau oder gewachsener Bestand
Ein standardisierter Wohnungstyp in Detmerode oder Westhagen ist als Ausgangspunkt hilfreich, ein individuell gewachsenes Gebäude in Fallersleben verlangt eine vollständig eigenständige Aufnahme.
- Gewähltes Erfassungsverfahren
Handaufmaß, tachymetrische Verknüpfung und Laserscanning unterscheiden sich in Geräteeinsatz, Zeitbedarf und Auswertung.
- Zugänglichkeit des Bestands
Nicht geöffnete Kellerverschläge oder eine nur teilweise begehbare Einheit führen zu Nacharbeit.
- Umfang der abgeleiteten Unterlagen
Nur bemaßte Grundrisse oder zusätzlich Schnitte, Ansichten und Kubatur: Der Auswertungsteil wächst mit dem, was danach damit geschehen soll.
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