Bauzeichnung in Ulm — Plansatz nach LBOVVO, zwischen Wiederaufbau-Raster und Fischerviertel-Gassen

Als die Ulmer Altstadt 1944 fast vollständig zerstört war, folgte der Wiederaufbau der 1950er-Jahre dem Leitbild der autogerechten Stadt – sichtbarstes Zeugnis ist die 1954 fertiggestellte Neue Straße, eine vierspurige Achse quer durch das Zentrum. Für den Plansatz aus Grundriss, Schnitt, Ansicht und Lageplan bringt dieses regelmäßige Nachkriegsraster meist eine unkomplizierte Ausgangslage mit sich. Ganz anders präsentiert sich nur wenige Gehminuten entfernt das Fischerviertel an der Blau, mit schmalen, historisch gewachsenen Gassen und unregelmäßigen Grundstücksformen. Die inhaltlichen Vorgaben selbst folgen dagegen einem landesweit einheitlichen Regelwerk: der Verfahrensverordnung zur Landesbauordnung (LBOVVO), die der Landtag am 28. Juni 2025 zusammen mit der übrigen Bauordnung reformiert hat.

Was die LBOVVO für Ihre Bauzeichnung verlangt

Drei Punkte entscheiden in Baden-Württemberg, ob eine Bauzeichnung als vollständige Bauvorlage gilt:

  • Der Maßstab: bei Grundrissen, Schnitten und Ansichten in der Regel 1:100, beim zeichnerischen Teil des Lageplans nach § 4 LBOVVO 1:500.
  • Abweichungen bleiben möglich: Braucht eine Eintragung mehr Raum, akzeptiert der Bürgerservice Bauen einen größeren Maßstab; genügt ein kleinerer zur Beurteilung, ist auch das in Ordnung.
  • Klar erkennbare Verantwortung: Der Plansatz muss zeigen, welche bauvorlageberechtigte Person als Entwurfsverfasser dahintersteht.
Zwei Stadtbilder, zwei Anforderungen an den Plansatz

Baut jemand heute in der Ulmer Innenstadt, trifft er meist auf ein regelmäßiges Raster – das Erbe des Wiederaufbaus der 1950er-Jahre mit seinem Leitbild der autogerechten Stadt, verkörpert durch die 1954 eröffnete Neue Straße zwischen Postgasse und Donaustraße. Grundstücksgrenzen und Gebäudekanten liegen dort überwiegend rechtwinklig, was Grundriss und Lageplan meist unkompliziert macht. Nur wenige hundert Meter weiter zeigt das Fischerviertel an der Blau das genaue Gegenteil: Schmale, historisch gewachsene Gassen und unregelmäßig geschnittene Parzellen lassen sich selten auf ein einfaches Rechteck reduzieren und verlangen bei Lageplan und Ansichten spürbar mehr Aufwand. Eine dritte, eigenständige Herausforderung betrifft Grundstücke unmittelbar an der Donau: Weil der Fluss hier die Grenze zu Bayern zieht, muss der Lageplan zweifelsfrei nachweisen, dass ein Grundstück tatsächlich auf Ulmer Seite liegt, bevor überhaupt die LBOVVO statt der bayerischen Vorschriften angewendet werden kann.

Wie der Plansatz entsteht: Neubau oder Bestand

Ob neu gebaut oder umgebaut wird, verändert den Startpunkt deutlich:

Neubau: alles entsteht aus einer Hand

Bei einem Neubau leiten sich Grundriss, Schnitt und Ansicht direkt aus derselben Planung ab, Maße und Bauteile passen daher von Beginn an zusammen – etwa bei einer Wohneinheit im entstehenden Quartier Am Weinberg am Eselsberg.

Bestand und Umbau: erst der Abgleich, dann die Zeichnung

Bei einem Eingriff in ein bestehendes Gebäude müssen wegfallende und neu geplante Bauteile klar unterscheidbar sein. Weil zahlreiche Ulmer Bauakten den Angriff von 1944 überstanden, lässt sich der heutige Bestand bei Nachkriegsgebäuden oft direkt aus dem Archiv rekonstruieren – außer das Gebäude selbst wurde damals zerstört und später abweichend wiederaufgebaut.

Was zu einem vollständigen Plansatz in Ulm gehört

Für die digitale Einreichung reicht ein einzelnes Blatt nicht:

  • Grundrisse aller Geschosse

    Bemaßt, üblicherweise im Maßstab 1:100, mit sämtlichen von der LBOVVO verlangten Angaben je Geschoss.

  • Schnitte und Ansichten

    Im gleichen Maßstab wie die Grundrisse und mit ihnen abgestimmt; bei Gebäuden im Fischerviertel zusätzlich mit sorgfältig erfassten, oft unregelmäßigen Fassadenverläufen.

  • Lageplan im Maßstab 1:500

    Zeichnerisch nach § 4 LBOVVO, mit der tatsächlichen Grundstücksform – bei Donau-Nähe zusätzlich mit eindeutigem Beleg für die Zugehörigkeit zur baden-württembergischen Flussseite.

Bauzeichnungen in Ulm – Beispiele aus der Praxis

Neubau im regelmäßigen Nachkriegsraster der Innenstadt

Ein Vorhaben nahe der Neuen Straße liegt auf einem überwiegend rechtwinkligen Grundstück – Lageplan und Ansichten entstehen hier vergleichsweise zügig.

Umbau eines Fachwerkhauses im Fischerviertel

Die neuen Zeichnungen müssen wegfallende und geplante Bauteile eindeutig trennen, während die unregelmäßige, historisch gewachsene Parzellenform besondere Sorgfalt bei Lageplan und Fassadendarstellung verlangt.

Grundstück nahe der Landesgrenze zu Neu-Ulm

Der Lageplan muss zweifelsfrei belegen, dass das Grundstück auf baden-württembergischer Seite liegt, bevor die LBOVVO überhaupt als Grundlage für den weiteren Plansatz dient.

Neubauquartier am Eselsberg

Grundriss, Schnitt und Ansicht entstehen als abgestimmter Satz unmittelbar aus der Planung des Quartiers Am Weinberg, auf regelmäßig geschnittenem Grundstück, ohne die Eigenheiten historisch gewachsener Bereiche.

So entsteht Ihr Plansatz für Ulm

Bis der Plansatz einreichfertig ist, durchläuft er mehrere aufeinander abgestimmte Schritte:

  1. Bestand und Grundstücksform klären

    Bauakte oder eigenes Aufmaß liefern die Grundlage; bei Donau-Nähe kommt die Prüfung hinzu, auf welcher Seite der Landesgrenze das Grundstück tatsächlich liegt.

  2. Grundrisse zeichnen

    Bemaßt im Maßstab 1:100, mit sämtlichen von der LBOVVO geforderten Pflichtangaben.

  3. Schnitte und Ansichten abstimmen

    Bezogen auf die Grundrisse, mit besonderer Sorgfalt überall dort, wo ein Gebäude nicht auf ein regelmäßiges Nachkriegsraster trifft.

  4. Lageplan zeichnen

    Im Maßstab 1:500 nach § 4 LBOVVO, mit exakter Wiedergabe der tatsächlichen Grundstücksform.

  5. Plansatz zusammenstellen und einreichen

    Digital über ViBa-BW, ergänzt um Baubeschreibung und die je nach Vorhaben zusätzlich nötigen Nachweise.

Was den Preis für eine Bauzeichnung in Ulm beeinflusst

Ein pauschaler Preis lässt sich für einen Plansatz seriös nicht nennen – ausschlaggebend sind:

  • Neubau oder Bestand

    Ein abgestimmter Plansatz entsteht aus einer laufenden Planung heraus meist schneller als aus der nachträglichen Anpassung an einen unklaren Altbestand.

  • Regelmäßiger oder gewachsener Grundstückszuschnitt

    Eine Parzelle im Fischerviertel verlangt bei Lageplan und Abstandsflächen deutlich mehr Sorgfalt als ein rechteckiges Grundstück im Nachkriegsraster der Innenstadt.

  • Zustand der vorhandenen Unterlagen

    Passt die Bauakte nicht zum heutigen Zustand, wird vorher ein Aufmaß-Termin nötig, bevor überhaupt gezeichnet werden kann.

  • Größe und Komplexität des Vorhabens

    Mit der Zahl der Geschosse und der Vielfalt der Bauteile wächst auch die Zahl der Einzelzeichnungen im fertigen Plansatz.

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