Grundrisse in Solingen — aus dem Stadtarchiv, per Aufmaß oder aus vorhandenen Plänen bemaßt erfasst

Solingens Baubestand verteilt sich auf fünf Höhenrücken, die bis 1929 eigenständige Städte waren – Solingen, Gräfrath, Höhscheid, Ohligs und Wald – und entsprechend unterschiedliche Grundrisstypen hinterlassen haben: dichte Gründerzeitbebauung in Ohligs, bergische Fachwerkhäuser im komplett denkmalgeschützten Altstadtkern von Gräfrath, kleinteilige Wohnbebauung entlang der Bachtäler und dazwischen immer wieder ein einzelner Schleifkotten. Wer für eine dieser Immobilien einen aktuellen Grundriss braucht, hat in Solingen einen Vorteil, den nicht jede Stadt bietet: Das Stadtarchiv verwahrt mehr als 14.000 historische Bauakten, überwiegend aus den Jahren 1890 bis 1945 – trotz der schweren Luftangriffe vom 4. und 5. November 1944, bei denen weite Teile der Innenstadt zerstört wurden. Ob eine solche Akte für Ihr Gebäude noch existiert und ob sie zum heutigen Bestand passt, entscheidet, ob ein Grundriss daraus abgeleitet oder neu aufgemessen werden muss.

Wann Sie in Solingen einen neuen Grundriss brauchen

Ein Grundriss ist in Solingen keine genehmigungspflichtige Leistung, aber in mehreren wiederkehrenden Situationen unverzichtbar:

  • Verkauf und Finanzierung: Bank und Notar verlangen einen aktuellen, bemaßten Plan – eine jahrzehntealte Aktenkopie reicht selten, wenn seither umgebaut wurde.
  • Fehlende oder unvollständige Bauakte: Gerade bei Gebäuden, die im November 1944 in der Nähe der Innenstadt beschädigt und später wiederaufgebaut wurden, weicht der heutige Bestand oft vom letzten dokumentierten Zustand ab.
  • Teilungserklärung und Aufteilungsplan: Wer eine Immobilie in Wohnungs- und Teileigentum aufteilen will, braucht einen maßstäblichen Aufteilungsplan als Grundlage der Abgeschlossenheitsbescheinigung.
  • Nachträglicher Dachgeschossausbau: Ist der Ausbau ohne zugehörige Bauakte erfolgt oder liegt er lange zurück, existiert dafür oft kein aktueller Plan.
  • Umbau eines Fachwerkhauses in Gräfrath: In der komplett denkmalgeschützten Altstadt verlangt bereits eine kleinere Änderung einen aktuellen, mit der Denkmalbehörde abstimmbaren Plan.
Wenn die Akte den Krieg überstanden hat, das Gebäude aber nicht mehr passt

Anders als in vielen kriegszerstörten deutschen Städten ist eine fehlende Vorkriegsakte in Solingen nicht der Regelfall: Das Stadtarchiv weist selbst mehr als 14.000 historische Bauakten aus, die überwiegend zwischen 1890 und 1945 angelegt wurden, in Teilen bis in die 1980er Jahre reichen und gegen Gebühr für Gebäude mit einem Aktenstand vor 1950 eingesehen werden können. Das bedeutet aber nicht, dass eine erhaltene Akte automatisch den heutigen Grundriss zeigt. Bei den schweren Luftangriffen auf die Innenstadt am 4. und 5. November 1944 wurden nach Auswertung des Stadtarchivs 1.609 Wohngebäude im gesamten Stadtgebiet vollständig zerstört, 529 schwer, 1.372 mittelschwer und 2.939 leicht beschädigt. Ein Gebäude, dessen Bauakte den Krieg unbeschadet überstanden hat, kann trotzdem in einer völlig anderen Form wiederaufgebaut worden sein als im letzten Vorkriegsplan dargestellt. Für den Grundriss folgt daraus: Die vorhandene Akte ist ein guter erster Anhaltspunkt, ersetzt aber den Abgleich mit dem tatsächlichen, heutigen Zustand nicht.

Woher Ihr Solinger Grundriss stammt

Je nach Baujahr und Zustand der Unterlagen kommt einer von drei Wegen infrage:

Aus dem Stadtarchiv Solingen

Für Gebäude mit einem Aktenstand vor 1950 lohnt sich zunächst die Anfrage beim Stadtarchiv, das die historischen Bauakten mit Eigentumsnachweis und gegen Gebühr herausgibt – vorausgesetzt, die Zeichnung stimmt noch mit dem heutigen Bestand überein.

Aus der laufenden Akte des Stadtdienstes 63

Für jüngere Bauvorgänge ab 1950 führt der Stadtdienst 63 – Bauaufsicht die Akte selbst weiter; die Einsicht bleibt dabei dem Eigentümer oder einem bevollmächtigten Dritten vorbehalten.

Per Aufmaß vor Ort

Fehlt eine verwertbare Akte oder weicht sie erkennbar vom heutigen Bestand ab – etwa nach Kriegsschäden, Wiederaufbau oder einem nachträglichen Umbau –, wird die Wohnung oder das Haus direkt vermessen.

Welche Unterlagen für Ihren Solinger Grundriss hilfreich sind

Je nachdem, welcher Weg zum Ziel führt, sind unterschiedliche Unterlagen relevant:

  • Baujahr und ungefährer Aktenstand

    Weil die Zuständigkeit zwischen Stadtarchiv (vor 1950) und Stadtdienst 63 (ab 1950) wechselt, hilft eine grobe Einordnung des Baujahrs, die richtige Anfrage von Anfang an zu stellen.

  • Eigentumsnachweis und gegebenenfalls Vollmacht

    Für die Aktenanfrage beim Stadtarchiv oder beim Stadtdienst 63 wird ein aktueller Eigentumsnachweis verlangt, bei Beauftragung Dritter zusätzlich eine Vollmacht.

  • Vorhandene alte Pläne oder Skizzen

    Selbst unvollständige oder veraltete Pläne sind als Ausgangspunkt hilfreich, etwa um die ursprüngliche Raumaufteilung eines Fachwerkhauses in Gräfrath nachzuvollziehen.

  • Hinweis auf Denkmalschutz

    Für Gebäude in der Altstadt Gräfrath oder an einem der erhaltenen Schleifkotten hilft die Angabe, ob und in welcher Form Denkmalschutz besteht, um Aufwand und Abstimmungsbedarf richtig einzuschätzen.

Grundrisse in Solingen – Beispiele aus der Praxis

Gründerzeithaus in Ohligs mit erhaltener Vorkriegsakte

Für ein Wohnhaus in Ohligs liegt beim Stadtarchiv eine Akte aus der Zeit vor 1950 vor. Stimmt sie mit dem heutigen Bestand überein, lässt sich der Grundriss direkt daraus ableiten und neu bemaßen.

Wiederaufgebautes Haus nahe der ehemaligen Innenstadt

Ein Gebäude im Bereich der schweren Luftangriffe vom November 1944 wurde nach dem Krieg in veränderter Form wiederaufgebaut. Maßgeblich ist ausschließlich der heutige, tatsächliche Zuschnitt, den nur ein Aufmaß vor Ort zuverlässig zeigt.

Fachwerkhaus im denkmalgeschützten Altstadtkern Gräfrath

Für ein Haus im Bereich der komplett denkmalgeschützten Gräfrather Altstadt entsteht der Grundriss meist per Aufmaß, unter besonderer Beachtung der historischen Wandkonstruktion.

Nachträglicher Dachgeschossausbau ohne zugehörige Akte

Wurde ein Dachgeschoss vor Jahrzehnten ausgebaut, ohne dass die Bauakte entsprechend fortgeschrieben wurde, existiert dafür oft kein aktueller Plan – der Grundriss wird dann anhand des heutigen Bestands neu erstellt.

So läuft Ihr Grundriss in Solingen ab

Fachlich ist der Ablauf bundesweit derselbe. In Solingen liegt das Gewicht auf der frühen Klärung, ob eine vorhandene Akte beim Stadtarchiv oder beim Stadtdienst 63 liegt und ob sie zum heutigen Bestand passt:

  1. Zweck und Baujahr klären

    Ob der Grundriss für Verkauf, Finanzierung, eine Teilungserklärung oder einen Umbau gebraucht wird, bestimmt die Anforderungen an Maßstab und Detailtiefe; das ungefähre Baujahr entscheidet, wo eine Akte zu finden ist.

  2. Vorhandene Unterlagen prüfen

    Bauakte oder alte Pläne werden auf Vollständigkeit und Übereinstimmung mit dem heutigen Bestand geprüft, besonders bei Gebäuden in ehemals kriegsbeschädigten Lagen.

  3. Fehlende Grundlagen beschaffen oder aufmessen

    Reichen die vorhandenen Unterlagen nicht aus, wird die Akte beim Stadtarchiv oder beim Stadtdienst 63 angefragt oder direkt vor Ort aufgemessen.

  4. Grundriss zeichnen und bemaßen

    Aus den erfassten Maßen entsteht der bemaßte Grundriss – auf Wunsch inklusive Möblierung und weiteren Detailgraden für die Vermarktung.

  5. Ergebnis übergeben

    Sie erhalten den fertigen Grundriss als Plandatei, auf Wunsch mit Architektenstempel – bereit für Bank, Notar, Stadtdienst 63 oder Exposé.

Was den Aufwand eines Grundrisses in Solingen beeinflusst

Der Erfassungsaufwand unterscheidet sich zwischen Solinger Gebäudetypen deutlich:

  • Zustand der vorhandenen Unterlagen

    Eine aktuelle, verwertbare Bauakte aus dem Stadtarchiv oder beim Stadtdienst 63 ist der günstigste Fall. Fehlt sie oder weicht sie vom Bestand ab, kommen Aktenrecherche oder ein Vor-Ort-Termin hinzu.

  • Gebäudetyp: Fachwerk, Gründerzeit oder Kotten

    Ein Fachwerkhaus in Gräfrath oder ein ehemaliger Schleifkotten verlangt mehr Erfassungsaufwand als ein standardisiertes Gründerzeithaus in Ohligs.

  • Zahl der Ebenen und Räume

    Eine einzelne Etagenwohnung ist rasch erfasst. Ein Haus mit mehreren Geschossen und Nebenräumen verlangt für jede Einheit einen eigenen Erfassungsdurchgang.

  • Anlass und Detailtiefe

    Ein reiner Nachweis für die Akte unterscheidet sich im Aufwand von einem vermarktungsfertigen, möblierten und bemaßten Grundriss für ein Exposé.

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