Energieausweis in Solingen — vom unsanierten Fachwerkhaus bis zum Nachkriegsbestand ohne Fernwärme
Ob und wann ein Energieausweis vorliegen muss, regelt bundesweit dasselbe Gebäudeenergiegesetz (GEG) – eigene nordrhein-westfälische Sonderregeln gibt es dafür nicht. Prägend für die Erstellung in Solingen ist stattdessen der tatsächlich verbaute Energieträger: Anders als in Städten mit ausgedehntem Fernwärmenetz deckte Fernwärme zuletzt nur rund 3,4 Prozent der Solinger Wärmeversorgung ab, während Erdgas mit rund 62,3 Prozent den mit weitem Abstand größten Anteil stellte. Das vorhandene Netz – gespeist aus der Abwärme der Müllverbrennungsanlage und betrieben über die Technischen Betriebe Solingen – wächst zwar schrittweise, etwa im Süden der Stadt, bleibt aber vorerst die Ausnahme. Wer in Solingen den Hauptenergieträger für die Immobilienanzeige angibt, landet deshalb fast immer bei Erdgas oder einer Einzelfeuerung, nicht bei Fernwärme.
- Wann Sie in Solingen einen Energieausweis brauchen
- Bedarfsausweis oder Verbrauchsausweis für Ihr Solinger Gebäude
- Welche Unterlagen Ihr Solinger Energieausweis braucht
- Energieausweise in Solingen – Beispiele aus der Praxis
- So läuft Ihr Energieausweis in Solingen ab
- Was den Aufwand eines Energieausweises in Solingen beeinflusst
Wann Sie in Solingen einen Energieausweis brauchen
Bundesweit einheitlich legt das GEG fest, ob überhaupt ein Ausweis vorliegen muss; welcher Ausweistyp infrage kommt und wie sich der tatsächliche Energieträger auf das Ergebnis auswirkt, hängt vom jeweiligen Solinger Gebäude ab:
- Bei Verkauf, Vermietung oder Verpachtung ist der Ausweis nach § 80 GEG spätestens zur Besichtigung vorzuweisen und beim Vertragsschluss zu übergeben; für Anzeigen verlangt § 87 GEG zusätzlich Angaben zu Effizienzklasse, Ausweistyp, Baujahr und Hauptenergieträger.
- Ohne Wahlmöglichkeit bleibt der Bedarfsausweis Pflicht, sobald ein Wohngebäude weniger als fünf Einheiten hat, der Bauantrag vor dem 1. November 1977 lag und keine Modernisierung auf das damalige Wärmeschutzniveau erfolgte.
- Ab fünf Wohneinheiten oder bei einem späteren Bauantrag steht die Wahl zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweis offen – hier gibt meist die Verfügbarkeit belastbarer Verbrauchsdaten den Ausschlag.
- Für jeden Neubau gilt unabhängig von der Einheitenzahl die Pflicht zum Bedarfsausweis.
Städte mit großem Fernwärmenetz können einen erheblichen Teil ihres Bestands über einen günstigen Primärenergiefaktor abrechnen – dieser Effekt bleibt in Solingen bislang selten: Zuletzt deckte das städtische Fernwärmenetz nur rund 3,4 Prozent der Wärmeversorgung ab, gespeist über die Technischen Betriebe Solingen aus der Abwärme der Müllverbrennungsanlage, während auf Erdgas rund 62,3 Prozent des Wärmebedarfs entfielen. Für den Energieausweis heißt das konkret: Der nach § 87 GEG in jeder Immobilienanzeige zu nennende Hauptenergieträger lautet in Solingen weit überwiegend Erdgas oder eine andere fossile beziehungsweise dezentrale Quelle. Hinzu kommt eine gesetzliche Frist mit Blick nach vorn: Als Großstadt jenseits der 100.000-Einwohner-Marke musste Solingen nach dem Wärmeplanungsgesetz bis Mitte 2026 eine kommunale Wärmeplanung vorlegen, aus der hervorgeht, in welchen Quartieren künftig Fernwärme, ein Wasserstoffnetz oder dezentrale Wärmepumpen den Ton angeben sollen. Für die heutige Ausweispflicht ändert das nichts, zeigt aber, dass sich der Energieträger-Mix der Stadt in den kommenden Jahren verschieben könnte.
Bedarfsausweis oder Verbrauchsausweis für Ihr Solinger Gebäude
Beide Ausweistypen münden in eine Effizienzklasse, stützen sich aber auf grundlegend verschiedene Datenquellen:
Bedarfsausweis (§ 81 GEG)
Grundlage ist der theoretische Energiebedarf aus Bauzustand, Dämmwerten, Fenstern und Anlagentechnik, unabhängig vom tatsächlichen Heizverhalten – für unsanierte Fachwerkhäuser in Gräfrath oder Gebäude aus der Zeit vor 1977 ist er ohnehin häufig vorgeschrieben.
Verbrauchsausweis (§ 82 GEG)
Ausgewertet werden die witterungsbereinigten Verbrauchsdaten der letzten 36 Monate; günstiger in der Erstellung, aber nur möglich mit lückenloser Abrechnung – in Solingen meist die Erdgasrechnung der letzten drei Jahre.
Begrenzte Wirkung des Fernwärmeanschlusses
Anders als in Städten mit großflächiger Fernwärmeversorgung verändert ein Anschluss die ausgewiesene Effizienzklasse in Solingen bislang nur für einen kleinen Teil des Bestands spürbar – die meisten Gebäude werden über Erdgas oder eine andere Einzelfeuerung beheizt.
Welche Unterlagen Ihr Solinger Energieausweis braucht
Je nach gewähltem Ausweistyp werden unterschiedliche Angaben zusammengetragen:
- Gebäudedaten für den Bedarfsausweis
Benötigt werden unter anderem Baujahr, Wohnfläche sowie der Zustand von Fassade, Fenstern, Dach und Kellerdecke sowie die vorhandene Heiz- und Warmwassertechnik; fehlen belastbare Unterlagen, wird die Gebäudehülle vor Ort aufgenommen.
- Verbrauchsdaten für den Verbrauchsausweis
Gebraucht werden Heizkostenabrechnungen oder Ablesewerte dreier voller Abrechnungsjahre, in Solingen überwiegend Erdgasabrechnungen, seltener Fernwärmerechnungen.
- Bauakte aus Stadtarchiv oder Stadtdienst 63
Fehlen Baujahr oder Bauteilangaben, verwahrt das Stadtarchiv Solingen historische Bauakten mit einem Stand vor 1950, während jüngere Vorgänge beim Stadtdienst 63 – Bauaufsicht liegen.
- Nachweis bei Baudenkmälern
Für Gebäude in Gräfrath oder an einem der erhaltenen Schleifkotten muss zusätzlich geklärt werden, welche Abweichungen von energetischen Anforderungen im Einzelfall zulässig sind.
Energieausweise in Solingen – Beispiele aus der Praxis
Unsaniertes Fachwerkhaus im denkmalgeschützten Gräfrath
Weniger als fünf Wohneinheiten, ein Bauantrag weit vor 1977, nie grundlegend modernisiert – hier greift die Bedarfsausweispflicht ohne Ausnahme. Eine nachträgliche Außendämmung scheidet wegen der geschützten Fassade meist aus, sodass sich die Modernisierungsempfehlungen auf genehmigungsfähige Maßnahmen beschränken.
Gasbeheiztes Mehrfamilienhaus in Ohligs mit lückenloser Abrechnung
Bei durchgehenden Erdgasabrechnungen der letzten drei Jahre lässt sich hier meist ein Verbrauchsausweis ohne Ortstermin erstellen.
Wohnung mit seltenem Fernwärmeanschluss im ausgebauten Süd-Netz
Für die wenigen ans Fernwärmenetz angeschlossenen Gebäude wirkt sich der Primärenergiefaktor günstig auf die Effizienzklasse aus – anders als beim Großteil des gasbeheizten Solinger Bestands.
Neubau auf einem der Solinger Höhenrücken
Für jeden Neubau ist unabhängig von der Zahl der Wohneinheiten grundsätzlich ein Bedarfsausweis auszustellen; aktuelle Vorgaben zu erneuerbaren Energien sorgen für eine deutlich bessere Effizienzklasse als im Bestand.
So läuft Ihr Energieausweis in Solingen ab
Fachlich unterscheidet sich der Ablauf nicht von anderen Städten. In Solingen kommt es früh darauf an, welcher Ausweistyp zulässig ist und mit welchem Hauptenergieträger tatsächlich zu rechnen ist:
- Gebäudedaten aufnehmen
Erfasst werden Baujahr, Zahl der Wohneinheiten, Gebäudetyp und – sofern einschlägig – ein bestehender Denkmalschutzstatus; daraus ergibt sich, ob der Bedarfsausweis zwingend ist.
- Ausweistyp und Energieträger festlegen
Besteht Wahlfreiheit, entscheidet vor allem die Verfügbarkeit belastbarer Verbrauchsdaten der letzten drei Jahre – in Solingen meist Erdgasabrechnungen.
- Datengrundlage beschaffen
Für den Bedarfsausweis werden vorhandene Baupläne aus Stadtarchiv oder Stadtdienst 63 ausgewertet oder vor Ort erhoben; für den Verbrauchsausweis werden die Abrechnungen gesammelt.
- Effizienzklasse berechnen und Empfehlungen ableiten
Aus den erhobenen Werten ergibt sich die Klasse; beim Bedarfsausweis kommen nach § 84 GEG wirtschaftlich sinnvolle Modernisierungsvorschläge hinzu, bei geschützten Gebäuden nur solche, die mit den Auflagen vereinbar sind.
- Fertigen Ausweis übergeben
Enthalten sind sämtliche nach § 87 GEG für Immobilienanzeigen vorgeschriebenen Pflichtangaben – bereit für Exposé, Besichtigung und Vertragsabschluss.
Was den Aufwand eines Energieausweises in Solingen beeinflusst
Wie viel Arbeit ein Energieausweis macht, hängt stärker vom einzelnen Gebäude ab als von einer pauschalen Regel:
- Bedarfs- oder Verbrauchsausweis
Für den Bedarfsausweis muss die gesamte Gebäudehülle und Anlagentechnik erfasst werden, was ihn aufwendiger macht als den auf Abrechnungsdaten gestützten Verbrauchsausweis.
- Verfügbarkeit der Datengrundlage
Liegen Baupläne aus Stadtarchiv oder Stadtdienst 63 sowie lückenlose Verbrauchsdaten bereit, sinkt der Aufwand deutlich.
- Gebäudegröße und Zahl der Wohneinheiten
Ein Mehrfamilienhaus mit unterschiedlich saniertem Bestand verlangt mehr Erfassungsaufwand als eine einzelne, einheitlich instandgehaltene Eigentumswohnung.
- Denkmalschutz in Gräfrath oder an einem Kotten
Bei geschützten Gebäuden muss abgeglichen werden, welche Abweichungen mit den vorhandenen Auflagen vereinbar sind, was die Modernisierungsempfehlungen aufwendiger macht.
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