Aufmaß & Vermessung in Solingen — zwischen fünf Höhenrücken und sechs Bachtälern

Solingen liegt nicht in einem einzigen Tal, sondern auf fünf weitgehend parallel verlaufenden Höhenrücken, getrennt von sechs tief eingeschnittenen Bachtälern, die zur Wupper oder zur Itter entwässern. Für ein Aufmaß bedeutet das: Anders als im benachbarten Wuppertal, wo ein Gebäude häufig selbst über mehrere versetzte Ebenen dem Hang folgt, liegen die meisten Solinger Wohngebäude auf einem vergleichsweise ebenen Rücken – kritisch wird die Geländeform vor allem am Übergang zu einem der Bachtäler, wo Grundstücke abfallen und historische Schleifkotten direkt am Wasserlauf stehen. Wer für ein solches Objekt belastbare Maße braucht, kommt mit einer einzelnen alten Zeichnung selten aus, zumal die Bauakten je nach Baujahr zwischen dem Stadtarchiv und dem Stadtdienst 63 – Bauaufsicht aufgeteilt sind. Ein Bauaufmaß erfasst stattdessen den tatsächlichen, heutigen Zustand und übersetzt ihn in bemaßte Grundrisse, Schnitte, Ansichten und eine nachvollziehbare Flächenberechnung.

Wann ein Aufmaß in Solingen erforderlich wird

Ein Bauaufmaß ist an keine Vorschrift geknüpft; niemand ist verpflichtet, eines beauftragen zu lassen. Nötig wird es dort, wo eine Fläche oder Geometrie nachgewiesen werden muss und die vorhandenen Unterlagen das nicht hergeben. In Solingen vor allem in diesen Fällen:

  • Bestandspläne fehlen ganz, oder die beim Stadtarchiv beziehungsweise beim Stadtdienst 63 vorhandene Akte zeigt einen Stand, den spätere Umbauten oder der Wiederaufbau nach 1944 überholt haben.
  • Ein Bauantrag, eine Nutzungsänderung oder ein Umbau steht an und braucht einen maßhaltigen Bestand als Ausgangspunkt der Planung.
  • Eine Bank oder ein Gutachter verlangt eine Flächenangabe mit nachvollziehbarem Rechenweg – ohne Aufmaß fehlt dafür die Datengrundlage.
  • Wohnungseigentum wird begründet oder geändert: Der Aufteilungsplan nach § 7 WEG muss die Einheiten eindeutig abgrenzen.
  • Ein Schleifkotten oder ein anderes Gebäude an einem der Bachtäler soll umgebaut werden – hier zeigt oft erst das Aufmaß, welche der historischen Wände tatsächlich tragend sind.
Gebäudeeinmessung nach dem Vermessungs- und Katastergesetz NRW – und was ein Bauaufmaß davon unterscheidet

Nordrhein-Westfalen kennt eine echte Gebäudeeinmessungspflicht: Nach § 16 Abs. 2 VermKatG NRW haben Eigentümer und Erbbauberechtigte ein neu errichtetes Gebäude oder eine Veränderung seines Grundrisses auf eigene Kosten einmessen zu lassen, durch die Katasterbehörde oder durch einen Öffentlich bestellten Vermessungsingenieur. Diese hoheitliche Aufgabe erbringt Planprofi24 ausdrücklich nicht – ebenso wenig, wie sie Auskunft über das gibt, was innerhalb der Außenwände liegt. Der amtliche Gebäudenachweis im Kataster entsteht durch senkrechte Projektion der grundrissrelevanten Bauteile auf die Erdoberfläche und bleibt zweidimensional. Für einen Schleifkotten an einem der Solinger Bachläufe, dessen Grundriss sich über Jahrhunderte an den Verlauf des Wassers angepasst hat, sagt dieser Umriss wenig darüber aus, wie die Innenräume tatsächlich geschnitten sind oder welche Wand die Dachkonstruktion trägt. Genau diese Lücke füllt das Bauaufmaß: Es erfasst Innenmaße, Raumaufteilung und Wohnfläche dort, wo der Katasternachweis endet.

Die Aufmaßverfahren im Detail

Welches Verfahren am Objekt sinnvoll ist, entscheidet weniger das Budget als die Geometrie des Gebäudes und der Zweck der späteren Unterlagen:

Handaufmaß mit Laserdistanzmessgerät

Der Regelweg in normalen Wohnungen und Häusern auf einem der fünf Solinger Höhenrücken. Marktübliche Geräte geben eine Messgenauigkeit von etwa ± 1,5 Millimetern an – weit unterhalb jeder rechtlich erheblichen Schwelle.

Erfassung historischer Fachwerk- und Kottenkonstruktionen

Bei bergischen Fachwerkhäusern in Gräfrath oder umgebauten Schleifkotten an den Bachtälern sind Wandstärken und Winkel selten regelmäßig; Kontrolldiagonalen und eine sorgfältige Dokumentation von Nischen und Vormauerungen sind hier wichtiger als in einem rechtwinkligen Neubau.

3D-Laserscanning mit Punktwolke

Für verformte oder stark verschachtelte Bausubstanz, wie sie an manchen historischen Gebäuden entlang der Bachtäler vorkommt. Übliche Scanner erreichen Punktgenauigkeiten im Millimeterbereich; die Punktwolke trägt zugleich ein Bestandsmodell.

Auswertung vorhandener Pläne mit Stichprobenkontrolle

Die Wohnflächenverordnung lässt in § 3 Abs. 4 die Ermittlung aus einer Bauzeichnung zu – aber nur, solange gebaut wurde wie gezeichnet. Vorhandene Akten aus Stadtarchiv oder Stadtdienst 63 werden deshalb vor Ort stichprobenartig geprüft, bevor aus ihnen gerechnet wird.

Diese Unterlagen entstehen aus dem Aufmaß

Das Aufmaß selbst ist nur der Messvorgang. Brauchbar wird es durch das, was daraus abgeleitet und dokumentiert wird:

  • Bemaßte Grundrisse aller Geschosse

    Vom Keller bis zum Dachgeschoss, mit durchgehenden Maßketten statt einer bloßen Maßstabsangabe.

  • Schnitte und Ansichten

    Sie zeigen, was im Grundriss nicht sichtbar wird: Geschosshöhen, den Verlauf historischer Dachstühle und den Anschluss an ein abfallendes Gelände zum Bachtal hin.

  • Wohnflächenberechnung nach Wohnflächenverordnung

    Gemessen wird nach § 3 Abs. 1 WoFlV im lichten Maß ab Vorderkante der Bekleidung, also am fertigen Zustand. Ausgewiesen wird jeder Raum einzeln, mit Maß und Anrechnungsfaktor.

  • Aufmaßskizze, Fotos und Punktwolke

    Die Rohdaten bleiben Bestandteil der Dokumentation. Sie machen nachvollziehbar, wo gemessen wurde, und ersparen bei Rückfragen einen zweiten Termin.

Aufmaße in Solingen – Beispiele aus der Praxis

Gründerzeithaus in Ohligs mit klarem Grundriss

Auf ebenem Baugrund lässt sich ein regelmäßig geschnittenes Gründerzeithaus zügig aufmessen, insbesondere wenn eine Bauakte aus dem Stadtarchiv als Ausgangspunkt vorliegt.

Fachwerkhaus im denkmalgeschützten Gräfrath

Unregelmäßige Wandstärken und ein niedrigerer historischer Dachstuhl verlangen ein besonders sorgfältiges Aufmaß, bevor sich daraus ein bemaßter Grundriss und eine belastbare Wohnflächenberechnung ableiten lassen.

Umgebauter Schleifkotten an einem Bachtal

Der Grundriss folgt dem historischen Verlauf des Wasserlaufs und weicht deutlich vom rechten Winkel ab. Erfasst werden zusätzlich zu den Innenmaßen die tragenden Wände, bevor ein geplanter Umbau geplant werden kann.

Aufteilung eines Mehrfamilienhauses in Wohnungseigentum

Vor der Begründung von Wohnungseigentum müssen alle Einheiten zeichnerisch und maßlich eindeutig abgegrenzt sein, einschließlich Kellerräumen und Nebenflächen – das Aufmaß liefert die dafür nötige Zeichnungsgrundlage.

So läuft Ihr Aufmaß in Solingen ab

Der Ablauf ist überall gleich aufgebaut. In Solingen entscheidet vor allem, welche Aktenquelle infrage kommt und wie regelmäßig das Gebäude tatsächlich geschnitten ist:

  1. Zweck und Erfassungstiefe festlegen

    Ein Nachweis für die Bank, eine Bauvorlage und ein Aufteilungsplan stellen unterschiedliche Anforderungen an Detailtiefe und Darstellung.

  2. Bestandsunterlagen anfragen und prüfen

    Je nach ungefährem Baujahr wird beim Stadtarchiv Solingen oder beim Stadtdienst 63 – Bauaufsicht geklärt, ob eine verwertbare Akte vorliegt und ob sie zum heutigen Bestand passt.

  3. Termin abstimmen und Zugang klären

    Bei Gebäuden an einem Bachtal oder in Hanglage entscheidet der Zugang über die Termindauer – Keller, Dachboden und Nebenräume müssen offen sein.

  4. Erfassung vor Ort

    Gemessen wird raumweise, mit Diagonalen zur Prüfung der Rechtwinkligkeit, dazu Höhen, Nischen, Vormauerungen und Öffnungen. Parallel entstehen Fotos und Skizze.

  5. Auswertung und Übergabe

    Aus den Messdaten entstehen die Zeichnungen und die Flächenberechnung mit ausgewiesenem Rechenweg.

Was den Preis für ein Aufmaß in Solingen beeinflusst

Ein Pauschalpreis wäre im vielseitigen Solinger Bestand eine Fiktion: Zwei Gebäude gleicher Größe können sich im Messaufwand um ein Vielfaches unterscheiden. Diese Punkte bestimmen den Umfang:

  • Zahl und Zuschnitt der Räume

    Jeder zusätzliche Raum bringt Maße, Höhen und Öffnungen mit sich. Verwinkelte Grundrisse mit Nischen brauchen mehr Messzeit als klar geschnittene Zimmer.

  • Baustil und Alter des Gebäudes

    Ein Fachwerkhaus in Gräfrath oder ein Schleifkotten an einem der Bachtäler verlangt wegen unregelmäßiger Wandstärken mehr Sorgfalt als ein rechtwinkliges Gründerzeithaus.

  • Gewähltes Erfassungsverfahren

    Handaufmaß und Laserscanning unterscheiden sich in Geräteeinsatz, Zeitbedarf und Auswertung. Ein Scan lohnt dort, wo Verformung und historische Konstruktion dokumentiert werden sollen.

  • Zugänglichkeit des Bestands

    Nicht geöffnete Kellerverschläge, verstellte Bodenkammern oder eine nur teilweise begehbare Einheit führen zu Nacharbeit. Was am Termin zugänglich ist, wird in einem Durchgang erledigt.

Alle Leistungen in Solingen

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