Bemaßte Schnittzeichnungen in Rostock — von der hohen Dielenhaus-Etage bis zur Plattenbau-Normgeschosshöhe

Ein Schnitt zeigt, was Grundriss und Ansicht nicht können: den vertikalen Aufbau eines Gebäudes. Geschosshöhen, Dachneigung und Deckenaufbauten sind in Rostock deshalb besonders aussagekräftig, weil der Baubestand der Stadt in dieser Hinsicht kaum unterschiedlicher sein könnte. In den historischen Dielenhäusern der Altstadt öffnen sich zum Teil hohe, über mehrere Geschosse reichende Raumfolgen – ein Erbe der hanseatischen Bauweise, bei der die Diele über Jahrhunderte zugleich Erschließung, Lagerraum und repräsentativer Zugang war. In den Großwohnsiedlungen Lütten Klein, Evershagen und Groß Klein dagegen wurde nach industriell genormten Wohnungsbauserien mit einheitlicher, wiederkehrender Geschosshöhe gebaut. Wer ein Vorhaben in einem dieser beiden Rostocker Bauwelten plant, braucht einen Schnitt, der die jeweils andere Ausgangslage sauber erfasst.

Was ein Schnitt für Rostock zeigen muss

Für Schnittzeichnungen gelten dieselben formalen Grundanforderungen der BauVorlVO M-V wie für andere Bauzeichnungen, mit inhaltlichem Schwerpunkt auf der vertikalen Struktur:

  • Maßstab: mindestens 1:100, größer, wenn er zur Darstellung der erforderlichen Eintragungen notwendig ist, mit vollständiger Bemaßung der Geschosshöhen, Dachneigung und relevanten Aufbauten.
  • Wesentliche Bauprodukte und Bauarten müssen erkennbar sein – bei Schnitten insbesondere Deckenkonstruktion und Dachaufbau.
  • Bei Änderungen an bestehenden Gebäuden müssen zu beseitigende und geplante Bauteile eindeutig unterscheidbar dargestellt werden, etwa bei einer neuen Geschossdecke in einem hohen Dielenhaus-Raum oder einem nachgerüsteten Aufzugsschacht im Plattenbau.
Vollgeschoss und vereinfachtes Verfahren: zwei Fragen, die der Schnitt beantwortet

Ob ein Geschoss als Vollgeschoss zählt, entscheidet in Mecklenburg-Vorpommern die Begriffsbestimmung des § 2 LBauO M-V – maßgeblich sind die im Mittel mehr als 1,40 Meter über die Geländeoberfläche hinausragende Deckenoberkante und eine lichte Höhe von mindestens 2,30 Metern über mindestens zwei Drittel der Grundfläche. Beide Werte lassen sich nur aus einem sauber bemaßten Schnitt ablesen, nicht aus Grundriss oder Ansicht. Für das Verfahren spielt daneben eine zweite, davon unabhängige Frage eine Rolle: Das vereinfachte Baugenehmigungsverfahren nach § 63 LBauO M-V ist auf Wohngebäude, Nebengebäude, Nebenanlagen und bauliche Anlagen, die keine Gebäude sind, beschränkt. Ein Dachgeschossausbau in einem Wohnhaus profitiert von dieser auf wenige Punkte beschränkten Prüfung, ein vergleichbarer Umbau in einem Gewerbe- oder Sonderbau landet dagegen im umfassenden Verfahren nach § 64 LBauO M-V – unabhängig davon, wie der Schnitt im Detail aussieht.

Dielenhaus oder Wohnungsbauserie – unterschiedliche Ausgangslagen für den Schnitt

Ob ein Schnitt neu entsteht oder einen Bestand dokumentiert, wirkt sich auf die Herangehensweise aus:

Dielenhaus und Altstadtbestand: unregelmäßige Raumhöhen aufnehmen

Vor dem Schnitt braucht es ein aktuelles Aufmaß der bestehenden Geschosshöhen, weil sich die für hanseatische Dielenhäuser typischen hohen, teils über mehrere Ebenen reichenden Raumfolgen selten aus einer älteren Bauakte zuverlässig ablesen lassen – zumal Teile der Altstadt nach der Zerstörung im April 1942 in unterschiedlicher Bauweise wiederhergestellt wurden.

Plattenbau-Wohnungsbauserie: Normgeschosshöhe als Ausgangspunkt

Die ursprüngliche Geschosshöhe der Wohnungsbauserie ist meist über den bekannten Typenplan dokumentiert. Der Schnitt konzentriert sich dann auf die tatsächlich vorgenommenen Eingriffe, etwa einen nachträglich eingefügten Deckendurchbruch für einen Aufzug.

Was zu einem vollständigen Schnitt in Rostock gehört

Ein Schnitt steht selten allein – gefragt ist ein auf Grundriss und Ansicht abgestimmter Satz:

  • Schnitt durch die relevanten Gebäudeteile

    Bemaßt im Maßstab mindestens 1:100, mit Geschosshöhen, Dachneigung und den wesentlichen Aufbauten.

  • Abgestimmter Grundriss und Ansicht

    Damit Geschosshöhen sowie First- und Traufhöhe zwischen den Zeichnungen des Plansatzes übereinstimmen.

  • Nachweis der Vollgeschossigkeit, wo relevant

    Insbesondere bei Dachgeschossausbauten in Altstadthäusern, wo die im Schnitt bemaßte lichte Höhe über die Einordnung nach § 2 LBauO M-V entscheidet.

Bemaßte Schnittzeichnungen in Rostock – Beispiele aus der Praxis

Zusätzliche Galerieebene in einem hohen Dielenhaus-Raum der Altstadt

Der Schnitt weist die ungewöhnlich große Raumhöhe des Bestands nach und zeigt, wie sich eine neue Zwischenebene einfügt, ohne die ursprüngliche Raumwirkung vollständig zu verdecken.

Aufzugsnachrüstung in einer Wohnungsbauserie in Evershagen

Der Schnitt zeigt den neuen Deckendurchbruch über alle betroffenen Geschosse hinweg – abgeglichen mit der ursprünglichen, im Typenplan dokumentierten Geschosshöhe.

Dachgeschossausbau in einem Giebelhaus der Kröpeliner-Tor-Vorstadt

Erst der bemaßte Schnitt zeigt, ob die lichte Höhe über zwei Drittel der Grundfläche die 2,30-Meter-Schwelle des § 2 LBauO M-V erreicht – mit Folgen für die Einordnung als Vollgeschoss.

Umbau eines Speichergebäudes an der Hafenkante

Die ursprünglich für Lagerzwecke ausgelegten, sehr hohen Geschosse verlangen einen Schnitt, der zeigt, wie eine geplante Zwischendecke die künftige Nutzung als Bürofläche ermöglicht.

So entsteht Ihr Schnitt für Rostock

Von der Bestandsaufnahme bis zur einreichfertigen Zeichnung:

  1. Relevante Schnittführung festlegen

    Welcher Gebäudebereich muss dargestellt werden, um Geschosshöhen und Dachaufbau nachvollziehbar zu zeigen.

  2. Aufmaß oder Bauakte als Grundlage

    Bestehende Bauakte beim Bauamt, Abteilung Bauordnung, oder ein aktuelles Aufmaß der betroffenen Geschosse.

  3. Schnitt bemaßt erstellen

    Im Maßstab mindestens 1:100, mit allen Pflichtangaben der Bauvorlagenverordnung M-V.

  4. Mit Grundriss und Ansicht abgleichen

    Damit Geschosshöhen und Dachmaße zwischen den Zeichnungen des Plansatzes widerspruchsfrei sind.

  5. Für das Bauamt am Holbeinplatz zusammenstellen

    Digital aufbereitet für die Einreichung über das MV-Serviceportal, insbesondere bei genehmigungskritischen Vollgeschoss-Fragen.

Was den Preis für einen Schnitt in Rostock beeinflusst

Diese Faktoren bestimmen den Aufwand für eine bemaßte Schnittzeichnung:

  • Zahl der notwendigen Schnittführungen

    Ein einfacher Gebäudeschnitt ist schneller erstellt als mehrere Schnitte durch unterschiedliche Gebäudebereiche.

  • Gebäudetyp: Dielenhaus-Bestand oder Wohnungsbauserie

    Unregelmäßige, teils mehrgeschossig wirkende Altstadt-Raumhöhen verlangen einen genaueren Erfassungsaufwand als eine bekannte, industriell genormte Plattenbau-Geschosshöhe.

  • Prüfung der Vollgeschossigkeit

    Ist die Einordnung nach § 2 LBauO M-V für das Vorhaben entscheidend, braucht der Schnitt eine besonders sorgfältige Höhenbemaßung.

  • Zustand vorhandener Bauakten

    Fehlt eine verwertbare Bestandszeichnung, kommt ein Aufmaß-Termin hinzu, bevor der Schnitt entstehen kann.

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