Bemaßte Schnittzeichnungen in Reutlingen — von der knappen Nachkriegshöhe bis zur hohen Fabrikhalle
Grundriss und Ansicht zeigen Fläche und Fassade – erst der Schnitt legt offen, wie hoch ein Haus innen tatsächlich ist. In Reutlingen fällt diese Antwort je nach Baujahr komplett unterschiedlich aus. Wer nach 1945 wirtschaftlich wiederaufbaute, sparte häufig auch bei der Geschosshöhe; wer im 19. Jahrhundert als wohlhabender Samenhändler in Gönningen ein Wohnhaus errichten ließ, baute dagegen eher großzügig. Noch eine Stufe darüber liegen die ehemaligen Textilfabriken, etwa im Stoll-Areal: Ihre für den Maschinenbetrieb ausgelegten Hallen erreichen Geschosshöhen, die bei einer Umnutzung sogar das Einziehen einer zusätzlichen Ebene erlauben können. Ob ein Dachraum oder ein neu geschaffenes Geschoss überhaupt als Aufenthaltsraum zählt, entscheidet in jedem dieser drei Fälle § 34 der Landesbauordnung über die lichte Höhe – und diese lässt sich ausschließlich im Schnitt nachweisen.
Was ein Reutlinger Schnitt zeigen muss
Für Schnittzeichnungen gilt dasselbe LBOVVO-Grundgerüst wie für den restlichen Plansatz, inhaltlich liegt der Fokus jedoch auf der vertikalen Struktur:
- Üblicher Maßstab ist 1:100, vollständig bemaßt werden Geschosshöhen, Dachneigung und alle prüfrelevanten Aufbauten.
- Beim Ausbau eines bestehenden Geschosses müssen Deckenkonstruktion und Dachaufbau eindeutig erkennbar bleiben.
- Wegfallende und neu hinzukommende Bauteile brauchen eine klar unterscheidbare Darstellung – etwa eine zusätzliche Zwischendecke in einer ehemaligen Fabrikhalle.
Ob ein ausgebauter Dachraum oder ein neu geschaffenes Geschoss in Reutlingen als Aufenthaltsraum durchgeht, hängt allein von der im Schnitt bemaßten lichten Höhe ab: in der Regel 2,30 Meter, unter einer Dachschräge 2,20 Meter über mindestens der halben Grundfläche, während Flächen unter 1,50 Meter gar nicht mitzählen. Nach der Zerstörung von 1945 sparsam wiederaufgebaute Gebäude bringen dafür oft nur knappe Reserven mit – ein nachträglicher Dachausbau stößt hier schneller an die gesetzliche Grenze. Bei den im 19. Jahrhundert von wohlhabenden Samenhändlern errichteten Häusern in Gönningen sieht die Ausgangslage meist deutlich komfortabler aus, weil großzügigere Raumhöhen mehr Spielraum lassen. Am üppigsten fällt die Reserve in ehemaligen Fabrikgebäuden aus, etwa im Stoll-Areal: Für den Maschinenbetrieb ausgelegte Hallen erreichen mitunter Geschosshöhen, die bei einer Umnutzung zu Wohnraum sogar den Einbau einer zusätzlichen Zwischenebene zulassen – vorausgesetzt, jede der neu entstehenden Ebenen erreicht für sich die Mindesthöhe nach § 34 LBO.
Drei Ausgangslagen für den Schnitt
Wie ein Schnitt entsteht, richtet sich danach, welcher Baugeneration das jeweilige Gebäude angehört:
Neubau aus einer geschlossenen Planung
Im Wohngebiet Riedwiesen etwa entstehen Geschosshöhen und Dachaufbau gemeinsam mit Grundriss und Ansicht und passen von vornherein zueinander.
Dachausbau im Wiederaufbaubestand
Vor dem eigentlichen Schnitt braucht es ein aktuelles Aufmaß der vorhandenen Geschosshöhen und der Dachkonstruktion – bei knapp bemessenen Nachkriegsgebäuden entscheidet die exakte Vermessung häufig darüber, ob die Mindesthöhe überhaupt erreicht wird.
Umnutzung einer Fabrikhalle
Ein Aufmaß der industriellen Struktur zeigt regelmäßig deutlich größere Geschosshöhen als im Wohnungsbau üblich – Grundlage für die Prüfung, ob sich eine zusätzliche Zwischenebene einziehen lässt.
Was zu einem vollständigen Reutlinger Schnitt gehört
Ein Schnitt steht selten allein – verlangt wird ein mit Grundriss und Ansicht abgestimmter Satz:
- Schnitt durch die relevanten Gebäudebereiche
Bemaßt im üblichen Maßstab 1:100, mit allen für das Vorhaben wichtigen Geschosshöhen, Dachneigungen und Aufbauten.
- Übereinstimmung mit Grundriss und Ansicht
Geschosshöhen sowie First- und Traufhöhe müssen über den gesamten Plansatz hinweg zueinander passen, sonst gibt es Rückfragen vom Bürgerbüro Bauen.
- Nachweis der Raumhöhe nach § 34 LBO
Beim Dachgeschossausbau in einem knapp bemessenen Nachkriegsgebäude entscheiden die 2,20-Meter-Zone über der halben Grundfläche und der 1,50-Meter-Kniestock, welche Bereiche tatsächlich nutzbar sind.
- Vor-Ort-Aufmaß bei historischer oder industrieller Substanz
An Samenhändlerhäusern in Gönningen oder ehemaligen Fabrikgebäuden ersetzt eine tatsächliche Vermessung die oft vereinfachte Bauaktenzeichnung.
Bemaßte Schnittzeichnungen in Reutlingen – Beispiele aus der Praxis
Dachausbau in einem Wiederaufbaugebäude der Innenstadt
Der Schnitt weist Kniestock- und Firsthöhe eines nach 1945 errichteten Hauses sowie die nach § 34 LBO nutzbare Raumhöhe unter der Dachschräge nach – wegen der knappen Nachkriegskonstruktion oft der entscheidende Punkt für die Genehmigung.
Ausgebautes Dachgeschoss über einem Samenhändlerhaus in Gönningen
Die großzügigeren historischen Geschosshöhen lassen deutlich mehr Ausbauspielraum als ein knapp bemessener Nachkriegsbau – der Schnitt zeigt, wie viel Fläche die geforderte lichte Höhe tatsächlich erreicht.
Einbau einer Zwischenebene in einer ehemaligen Fabrikhalle im Stoll-Areal
Die ursprünglich für Produktionszwecke ausgelegte Geschosshöhe erlaubt eine zusätzliche Ebene, sofern beide neu entstehenden Räume die Mindesthöhe nach § 34 LBO einhalten.
Neubau mit klarer Geschossstruktur im Wohngebiet Riedwiesen
Auf der neu erschlossenen Fläche in Bronnweiler entsteht der Schnitt unmittelbar aus der Planung, ohne die Rücksichten auf historische oder knapp bemessene Nachkriegssubstanz, die bei Innenstadtobjekten regelmäßig hinzukommen.
Von der Bauepoche zur fertigen Schnittzeichnung
Der Weg zum fertigen Schnitt hängt in Reutlingen stark davon ab, welcher Baugeneration ein Gebäude angehört:
- Relevanten Gebäudebereich festlegen
Bevor gezeichnet wird, steht fest, welcher Ausschnitt des Hauses Geschosshöhen und Dachaufbau eindeutig sichtbar machen muss.
- Grundlage sichern
Je nach Ausgangslage liefert die Bauakte des Bürgerbüro Bauen oder eine frische Vermessung der betroffenen Geschosse die Datenbasis – bei knapper Nachkriegssubstanz oder industriellen Hallen unverzichtbar.
- Höhenzonen bemaßen
Im Maßstab 1:100 werden neben den LBOVVO-Pflichtangaben auch die nach § 34 LBO relevanten Höhengrenzen für Dachräume oder neue Zwischenebenen eingetragen.
- Plansatz gegenprüfen
Sämtliche Maße müssen sich widerspruchsfrei in Grundriss und Ansicht wiederfinden.
- Digitale Einreichung vorbereiten
Über das Landesportal ViBa-BW gelangt der geprüfte Schnitt zum Bürgerbüro Bauen, mit besonderer Sorgfalt bei genehmigungskritischen Ausbauvorhaben.
Preisfaktoren für eine Reutlinger Schnittzeichnung
Folgende Punkte bestimmen den Arbeitsaufwand maßgeblich:
- Anzahl benötigter Schnittansichten
Ein einziger, durchgehender Schnitt ist schneller erstellt als mehrere Teilschnitte für unterschiedliche Gebäudebereiche.
- Datenherkunft
Eine laufende Neubauplanung liefert die Ausgangsdaten deutlich schneller als die nachträgliche Dokumentation einer knappen Nachkriegskonstruktion oder gewachsener historischer Substanz.
- Komplexität von Dach oder Industriestruktur
Mehrere Gauben und Dachschrägen erfordern ebenso zusätzliche Detailarbeit wie die Prüfung einer Fabrikhallenkonstruktion auf eine mögliche Zwischenebene.
- Einheitlichkeit der Bausubstanz
Ungleichmäßige Geschosshöhen in historischen oder industriellen Gebäuden verlangen ein gründlicheres Aufmaß als ein gleichmäßig durchgeplanter Neubau.
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