Bemaßte Ansichten in Reutlingen — vom Samenhändlerhaus in Gönningen bis zur Fabrikfassade im Stoll-Areal

Eine Ansicht zeigt, wie ein Gebäude von außen wirkt – und in Reutlingen entscheidet diese Außenwirkung an sehr unterschiedlichen Stellen der Stadt über sehr unterschiedliche Fragen. In Gönningen, dem flächengrößten Reutlinger Stadtteil am Albtrauf, zeugen aufwendig gestaltete Wohnhäuser vom einstigen Reichtum der Samenhändler, die im 19. Jahrhundert bis an den Zarenhof reisten – ihre Fassaden verlangen bei jeder Veränderung eine sorgfältige zeichnerische Erfassung. Am Stoll-Areal am Rand der Innenstadt dagegen bekommt die Fassade eines ehemaligen Fabrikgebäudes des Strickmaschinenherstellers Stoll im Zuge der Umnutzung zu Gewerbe und Wohnen ein neues Gesicht – hier zählt weniger die historische Materialität als die energetische und funktionale Neugestaltung der Außenhaut.

Was eine Ansicht in Reutlingen zeigen muss

Die LBOVVO stellt an Ansichten dieselben Mindestanforderungen wie an andere Bauzeichnungen, mit einem inhaltlichen Schwerpunkt auf der äußeren Erscheinung:

  • Maßstab üblicherweise 1:100, mit numerischer Angabe, Maßstabsleiste und vollständiger Bemaßung von Höhen und Öffnungen auf jeder dargestellten Fassadenseite.
  • Wesentliche Bauprodukte und Bauarten müssen erkennbar sein – bei Ansichten heißt das in der Praxis Fassadenmaterial, Farbgebung und Fensterteilung.
  • Bei Änderungen an bestehenden Fassaden müssen zu beseitigende und geplante Bauteile eindeutig unterscheidbar dargestellt werden, etwa ein neu ausgeschnittenes Fenster gegenüber dem bestehenden Mauerwerk.
Historische Prachtfassade oder umgenutzte Industriefassade

Im Umfeld der Oberamteistraße und an weiteren geschützten Gebäuden der Altstadt prüft das Bürgerbüro Bauen als Denkmalschutzbehörde, ob eine geplante Fassadenveränderung dem geschützten historischen Erscheinungsbild entspricht – gefragt sind hier erkennbare Materialität, Proportionen der Fensteröffnungen und die Dachform. In Gönningen liegt der Fall ähnlich, wenn auch ohne dieselbe förmliche Ensembleschutz-Systematik: Die im 19. Jahrhundert von wohlhabenden Samenhändlern errichteten Wohnhäuser tragen aufwendige Fassadengliederungen, Erker und Zierelemente, die eine Veränderung zeichnerisch besonders sorgfältig dokumentieren sollte, um den Charakter des Ortsbilds zu erhalten. Am Stoll-Areal dagegen geht es um etwas anderes: Die Fassade eines ehemaligen Fabrikgebäudes wird im Zuge der Umnutzung zu Gewerbe und Wohnen energetisch ertüchtigt und für die neue Nutzung geöffnet, etwa durch zusätzliche Fensterflächen – eine denkmalschutzrechtliche Prüfung ist hier in aller Regel nicht einschlägig, wohl aber eine sorgfältige Darstellung der neuen Öffnungen gegenüber der bestehenden Tragstruktur.

Historische Fassade oder Umnutzung einer Industriefassade

Ob eine Ansicht eine historische Fassade dokumentiert oder aus einer Umnutzungsplanung entsteht, verändert den Ausgangspunkt spürbar:

Historische Fassade in Altstadt oder Gönningen

Weil ältere Bauakten nicht immer jede spätere Veränderung zeigen, bildet ein aktuelles Aufmaß der betroffenen Fassadenseite häufig den eigentlichen Ausgangspunkt, bevor sich zu beseitigende und geplante Bauteile in der Ansicht eindeutig unterscheiden lassen.

Umnutzung einer Industriefassade im Stoll-Areal

Hier entstehen die Ansichten gemeinsam mit Grundriss und Schnitt aus der Umbauplanung. Neue Fensteröffnungen, Dämmschichten und Fassadenmaterialien werden von Beginn an mit der vorhandenen Tragstruktur abgestimmt.

Was zu einer vollständigen Ansicht in Reutlingen gehört

Eine einzelne Fassadenzeichnung reicht selten – gefragt ist ein auf Grundriss und Schnitt abgestimmter Satz:

  • Ansichten aller betroffenen Fassadenseiten

    Bemaßt im Maßstab üblicherweise 1:100, mit Höhen, Öffnungen und den für die jeweilige Lage relevanten Material- und Farbangaben.

  • Abgestimmter Grundriss und Schnitt

    Damit Maße, Geschosshöhen und Öffnungspositionen zwischen den Zeichnungen des Plansatzes übereinstimmen.

  • Hinweis auf Denkmalbezug oder Umnutzung

    Je nach Lage wird die Ansicht um Denkmalschutz-relevante Details oder um die für die neue Nutzung wesentlichen Fassadenelemente ergänzt.

Bemaßte Ansichten in Reutlingen – Beispiele aus der Praxis

Fenstertausch an einem Samenhändlerhaus in Gönningen

Die Ansicht zeigt Sprossenteilung, Rahmenmaterial und Zierelemente im Vergleich zum Bestand – erst damit lässt sich beurteilen, ob sich die neuen Fenster in das historisch geprägte Ortsbild einfügen.

Fassadenänderung im Umfeld der Oberamteistraße

Bei einem Fachwerkgebäude in unmittelbarer Nachbarschaft der geschützten Hausreihe wird die geplante Änderung mit Material- und Öffnungsangaben so dargestellt, dass das Bürgerbüro Bauen sie gegen das historische Erscheinungsbild prüfen kann.

Neue Fassadenöffnungen im Stoll-Areal

An der ehemaligen Fabrikfassade werden zusätzliche Fenster für die künftige Wohnnutzung eingeplant. Die Ansicht zeigt, wie sich die neuen Öffnungen zur bestehenden Tragstruktur verhalten.

Neubaufassade im Wohngebiet Riedwiesen

Für ein Reihenhaus entsteht die Ansicht unmittelbar aus der digitalen Neubauplanung, ohne Rücksicht auf historische Vorgaben – Material und Farbgestaltung richten sich allein nach dem gestalterischen Konzept des Baugebiets.

So entsteht Ihre Ansicht für Reutlingen

Von der Bestandsaufnahme bis zur einreichfertigen Zeichnung:

  1. Betroffene Fassadenseiten und Lage klären

    Welche Seiten sind vom Vorhaben sichtbar betroffen, und liegt das Gebäude im Umfeld eines denkmalgeschützten Ensembles oder in einem historisch geprägten Ortskern wie Gönningen.

  2. Aufmaß oder Bauakte als Grundlage

    Bestehende Bauakte des Bürgerbüro Bauen oder ein aktuelles Aufmaß der betroffenen Fassade.

  3. Ansicht bemaßt erstellen

    Im Maßstab üblicherweise 1:100, mit allen Pflichtangaben der LBOVVO.

  4. Mit Grundriss und Schnitt abgleichen

    Damit Öffnungen, Höhen und Bauteile zwischen den Zeichnungen des Plansatzes widerspruchsfrei sind.

  5. Für das Bürgerbüro Bauen zusammenstellen

    Digital über ViBa-BW aufbereitet, gegebenenfalls mit Blick auf Denkmalschutz oder die Anforderungen der neuen Nutzung.

Was den Preis für eine Ansicht in Reutlingen beeinflusst

Diese Faktoren bestimmen den Aufwand für eine bemaßte Ansicht:

  • Zahl der betroffenen Fassadenseiten

    Eine einzelne Straßenansicht ist schneller erstellt als mehrere Seiten bei einem freistehenden Gebäude.

  • Historischer Detailgrad

    Fassadendetails für ein Samenhändlerhaus in Gönningen oder ein Gebäude im Umfeld der Oberamteistraße erhöhen den Zeichenaufwand gegenüber einer einfachen Ansicht.

  • Umnutzung oder Bestandsfassade

    Eine Ansicht für die Umnutzung einer Industriefassade im Stoll-Areal verlangt eine sorgfältige Abstimmung neuer Öffnungen mit der bestehenden Tragstruktur.

  • Zustand vorhandener Bauakten

    Fehlt eine verwertbare Bestandszeichnung, kommt ein Aufmaß-Termin hinzu, bevor die Ansicht entstehen kann.

  • Zahl der Öffnungen und Zierelemente

    Eine schlichte Fassade mit wenigen Fenstern ist rascher gezeichnet als eine reich gegliederte Fassade mit mehreren Erkern und Ziergiebeln.

Alle Leistungen in Reutlingen

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