Aufmaß & Vermessung in Reutlingen — vom Echaz-Tal bis zu den Hanglagen am Albtrauf

Zwei völlig unterschiedliche Tätigkeiten verstecken sich in Reutlingen hinter demselben Wort Vermessung. Grundstücksgrenzen und amtliche Gebäudeumrisse fallen in die hoheitliche Zuständigkeit der städtischen Katastervermessung, die – weil Reutlingen als Große Kreisstadt diese Aufgabe für das eigene Gebiet selbst trägt – ebenfalls am Marktplatz 22 sitzt, direkt neben dem Bürgerbüro Bauen. Alles, was innerhalb der Gebäudehülle liegt, verlangt dagegen ein privat beauftragtes Bauaufmaß mit Grundrissen, Schnitten, Ansichten und einer nachvollziehbaren Flächenaufstellung für Bank, Notar oder Sachverständigen. Die Topografie macht diese Aufgabe in Reutlingen zusätzlich anspruchsvoll: Während die Kernstadt flach im Echaz-Tal liegt, klettern etliche Stadtteile bis an den Albtrauf hinauf, allen voran das flächenmäßig größte Gönningen. Hinzu kommt eine Lücke aus dem Jahr 1945: Für ein Viertel des damaligen Baubestands existiert keine geschlossene Planhistorie mehr, sodass ein frisches Aufmaß dort oft die einzige Quelle verlässlicher Maße bleibt.

In welchen Fällen ein Aufmaß in Reutlingen nötig wird

Eine feste Vorschrift kennt das Bauaufmaß nicht. Es wird immer dann gebraucht, wenn eine Fläche oder Geometrie belegt werden muss, ohne dass vorhandene Unterlagen dafür ausreichen:

  • Es existieren keine Bestandspläne, weil das ursprüngliche Gebäude 1945 zerstört und der Wiederaufbau nur lückenhaft dokumentiert wurde – oder vorhandene Pläne zeigen längst nicht mehr den heutigen Stand.
  • Vor einem Bauantrag, einer Nutzungsänderung oder einem Umbau wird ein maßhaltiger Bestand als Planungsgrundlage gebraucht, etwa bei der Umnutzung einer früheren Textilfabrik.
  • Bank oder Gutachter fordern eine Flächenangabe mit belastbarem Rechenweg, den ohne Aufmaß niemand liefern kann.
  • Wohnungseigentum entsteht neu oder wird geändert – der Aufteilungsplan nach § 7 Abs. 4 WEG muss jede Einheit eindeutig abgrenzen.
  • Ein Grundstück liegt am Hang, und Erschließung, Abstandsflächen oder Statik hängen vom tatsächlichen Geländeverlauf ab, den ein Katasterauszug allein nicht zeigt.
Katastervermessung im selben Haus, Grundbuch in Böblingen

Für Liegenschaftsvermessungen gilt landesweit dasselbe Prinzip: Zuständig ist entweder die untere Vermessungsbehörde oder ein öffentlich bestellter Vermessungsingenieur. In Reutlingen trägt die Stadt diese Aufgabe selbst, weil sie als Große Kreisstadt eine eigene untere Vermessungsbehörde führt – die städtische Katastervermessung sitzt deshalb, praktischerweise, im selben Gebäude am Marktplatz 22 wie das Bürgerbüro Bauen. Für die 24 übrigen Gemeinden des Landkreises übernimmt stattdessen das Kreisamt für Landentwicklung und Vermessung diese Rolle. Anders liegt der Fall beim Grundbuch: Im Zuge der baden-württembergischen Grundbuchamtsreform, im württembergischen Landesteil ab 2015 umgesetzt und bis 2018 abgeschlossen, wurde die Zuständigkeit zentral auf das Amtsgericht Böblingen übertragen. Für das eigentliche Bauaufmaß hat das keine praktische Bedeutung – dort zählen Innenmaße und Flächen, keine Grundstücksgrenzen oder Eigentumsfragen.

Aufmaßmethoden im Vergleich

Die passende Methode ergibt sich aus Geometrie und Zweck der späteren Unterlagen – in Reutlingen entscheidet zusätzlich die Hanglage manches Stadtteils mit:

Handaufmaß mit Laserdistanzmesser

Der Standardweg für gewöhnliche Wohnungen. Die Messgenauigkeit handelsüblicher Geräte liegt weit unterhalb jeder rechtlich relevanten Schwelle; entscheidend bleibt die saubere Übertragung in die Zeichnung.

Zusätzliche Geländeaufnahme am Hang

In Gönningen und weiteren Bereichen am Albtrauf wird das Innenaufmaß um eine Erfassung des Geländeverlaufs ergänzt, damit Geschossversätze eindeutig zuzuordnen und Abstandsflächen belastbar berechenbar sind.

3D-Laserscan mit Punktwolke

Bei verformter oder verschachtelter Bausubstanz – etwa in umgenutzten Fabrikhallen mit unregelmäßiger Tragstruktur oder älteren Gebäuden der Altstadt – liefert diese Methode die zuverlässigsten Ergebnisse.

Kontrollierte Auswertung vorhandener Pläne

§ 3 Abs. 4 WoFlV erlaubt die Ermittlung aus einer Bauzeichnung, sofern tatsächlich so gebaut wurde wie gezeichnet. Bei Wiederaufbaugebäuden mit unsicherer Planhistorie trägt diese Annahme selten bis zum Ende, weshalb häufig komplett neu vermessen wird.

Diese Ergebnisse liefert ein Aufmaß

Das Aufmaß selbst ist nur der Messvorgang – wertvoll wird es durch die daraus abgeleiteten Unterlagen:

  • Bemaßte Grundrisse jedes Geschosses

    Vom Keller bis zum Dachraum, mit durchgehender Maßkette statt einer bloßen Maßstabsangabe.

  • Schnitte und Ansichten

    Sie zeigen Geschosshöhen, Dachneigung und – an Hanggrundstücken – den Geländeverlauf, den ein Grundriss allein nicht wiedergibt.

  • Wohnflächenberechnung nach WoFlV

    Gemessen im lichten Maß ab Vorderkante der Bekleidung, also am fertigen Zustand, mit Ausweis jedes Raumes samt Maß und Anrechnungsfaktor.

  • Flächen und Kubatur nach DIN 277

    Als Grundlage für Bauvorlagen, Kalkulation und Wertermittlung – bei einer umgenutzten Fabrikhalle häufig der erste Rechenschritt der weiteren Planung.

  • Skizze, Fotodokumentation und Punktwolke

    Die Rohdaten der Erfassung bleiben Teil der Dokumentation, sodass Rückfragen keinen zweiten Termin nötig machen.

Aufmaße in Reutlingen – Beispiele aus der Praxis

Wiederaufbauhaus ohne verwertbare Bauakte

Auf einem 1945 zerstörten Grundstück in den 1950er-Jahren neu errichtet, fehlt eine durchgehende Dokumentation vollständig. Das Aufmaß erfasst deshalb den heutigen, tatsächlichen Zustand als einzig verlässliche Grundlage.

Wohnhaus am Albtrauf in Gönningen

Weil Keller- und Erdgeschoss wegen der Hangneigung auf unterschiedlichen Gebäudeseiten liegen, wird zusätzlich zum Innenaufmaß ein Geländeschnitt erstellt.

Ehemalige Fabriketage vor der Wohnungsaufteilung

Die vorhandene Bauakte zeigt nur die gewerblich genutzte Halle. Erst das Aufmaß klärt, welche Wände und Stützen tatsächlich tragend sind, bevor neue Einheiten geplant und im Aufteilungsplan nummeriert werden.

Fachwerkgebäude in der Altstadt mit mehreren Umbauphasen

Selbst eine erhaltene historische Bauakte spiegelt spätere Umbauten meist nicht wider – ein aktuelles Aufmaß ergänzt sie um den heutigen Zustand.

So läuft Ihr Aufmaß in Reutlingen ab

Der Ablauf folgt überall demselben Muster. Was ihn in Reutlingen verlängert oder verkürzt, ist die Frage nach einer verwertbaren Bauakte und nach der Hanglage des Grundstücks.

  1. Zweck und Detailtiefe abstimmen

    Ein Banknachweis, eine Bauvorlage und ein Aufteilungsplan stellen jeweils andere Anforderungen an Genauigkeit und Darstellung.

  2. Bestandsunterlagen einholen

    Für das Stadtgebiet führt das Bürgerbüro Bauen die Akte, für Grundstücke außerhalb das zuständige Amt des Landratsamts.

  3. Termin und Zugang klären

    Bei Hanglagen und mehrteiligen Gebäuden bestimmt der Zugang die Termindauer: Keller, Dachboden und jede Geschossebene müssen zugänglich sein.

  4. Vor-Ort-Erfassung

    Raum für Raum wird gemessen, mit Diagonalprüfung zur Kontrolle der Rechtwinkligkeit, ergänzt um Höhen, Nischen, Öffnungen sowie Fotos und Handskizze.

  5. Auswertung und Übergabe

    Aus den Messdaten entstehen die fertigen Zeichnungen und die Flächenberechnung samt offengelegtem Rechenweg.

Was den Preis für ein Reutlinger Aufmaß bestimmt

Angesichts der Bandbreite des Reutlinger Baubestands wäre ein Pauschalpreis wenig aussagekräftig. Maßgeblich sind:

  • Raumzahl und Zuschnitt

    Jeder weitere Raum bringt zusätzliche Maße, Höhen und Öffnungen mit sich; verwinkelte Grundrisse kosten mehr Zeit als klar geschnittene Zimmer.

  • Hanglage des Grundstücks

    Ein Gebäude am Albtrauf, wie in Gönningen häufig, macht eine zusätzliche Geländeaufnahme nötig, die auf ebenem Baugrund entfällt.

  • Gewählte Erfassungsmethode

    Handaufmaß, Geländeaufnahme und Laserscan unterscheiden sich deutlich in Geräteeinsatz, Zeitaufwand und Auswertung.

  • Zustand vorhandener Bauakten

    Fehlt eine brauchbare Bauakte – bei Wiederaufbaugebäuden keine Seltenheit –, entsteht der gesamte Bestand erst aus dem Aufmaß.

  • Umfang der Folgedokumente

    Nur bemaßte Grundrisse oder zusätzlich Schnitte, Ansichten, Kubatur und Bestandsmodell: Der Auswertungsaufwand richtet sich danach, wofür die Unterlagen später gebraucht werden.

Alle Leistungen in Reutlingen

Bauantrag, Aufmaß, Grundriss, Wohnflächenberechnung, Nutzungsänderung und Energieausweis — Übersicht für Reutlingen ansehen →

Haben Sie noch Fragen?

Lassen Sie uns anfangen!

Starten Sie Ihre Vermessung ganz einfach hier.