Bemaßte Ansichten in Recklinghausen — Fassaden unter der Gestaltungssatzung der Altstadt

Eine bemaßte Ansicht reduziert ein Gebäude auf das, was von der Straße aus sichtbar ist: Fassadenfläche, Fensteröffnungen, Trauf- und Firstlinie, jeweils mit eigenem Maß versehen. In der Recklinghäuser Altstadt rund um den Wallring bekommt diese Aufgabe ein zusätzliches Gewicht: Seit Mai 2014 regelt eine Gestaltungssatzung Dachlandschaft, Fassaden und Baukörper der Altstadt und der angrenzenden Wallbebauung im Detail, ergänzt um die bereits seit 1991 bestehende Erhaltungssatzung zum Schutz des mittelalterlichen Stadtgrundrisses. Wer hier eine Fassade verändert, muss in der Ansicht nicht nur Maße zeigen, sondern auch, wie sich das Vorhaben in das geschützte Straßenbild einfügt.

Was eine Ansicht für Recklinghausen zeigen muss

Formal gelten für Ansichten dieselben Grundanforderungen wie für andere Bauzeichnungen, inhaltlich liegt der Schwerpunkt auf der äußeren Erscheinung:

  • Ein geeigneter Maßstab, in der Praxis üblicherweise mindestens 1:100, mit vollständiger Bemaßung von Höhen und Öffnungen auf jeder dargestellten Fassadenseite.
  • Wesentliche Bauteile müssen erkennbar sein – bei Ansichten heißt das in der Praxis: Fassadenmaterial, Farbgebung und Fensterteilung, sobald sie für die Beurteilung des Vorhabens relevant sind.
  • Bei Änderungen an bestehenden Fassaden müssen zu beseitigende und geplante Bauteile eindeutig unterscheidbar dargestellt werden.
Warum die Altstadt eine besondere Sorgfalt verlangt

Die seit Mai 2014 geltende Gestaltungssatzung regelt Dachlandschaft, Fassaden und Baukörper der historischen Altstadt und der angrenzenden Wallbebauung im Detail. Zusammen mit der seit 1991 bestehenden Erhaltungssatzung, die Grundriss und Charakter des mittelalterlichen Stadtkerns rund um den Wallring schützt, ergibt sich eine doppelte Prüfebene: die allgemeine bauordnungsrechtliche Prüfung durch den Fachbereich 63 und die satzungsrechtliche Prüfung auf Vereinbarkeit mit dem geschützten Erscheinungsbild. Für eine Ansicht bedeutet das: Jede Veränderung an Höhe, Fassadenmaterial oder Fensterteilung muss gegen das geschützte Straßenbild geprüft werden, bevor der Plansatz eingereicht wird.

Altstadt oder übriges Stadtgebiet – zwei Ausgangslagen

Ob eine Ansicht zusätzliche satzungsrechtliche Prüfung braucht, hängt von der Lage des Gebäudes ab:

Fassade innerhalb der Altstadt am Wallring

Höhe, Traufkante und Fassadengestaltung müssen mit der Gestaltungssatzung von Mai 2014 vereinbar sein – die Ansicht muss diese Einordnung nachvollziehbar zeigen.

Fassade außerhalb der Altstadt

Ohne Satzungsbindung genügt die bemaßte Darstellung nach den allgemeinen formalen Anforderungen.

Was zu einer vollständigen Ansicht in Recklinghausen gehört

Eine einzelne Fassadenzeichnung reicht selten – gefragt ist ein auf Grundriss und Schnitt abgestimmter Satz:

  • Ansichten aller betroffenen Fassadenseiten

    Bemaßt im geeigneten Maßstab, mit Höhen, Öffnungen und, wo relevant, Material- und Farbangaben.

  • Abgestimmter Grundriss und Schnitt

    Damit Maße, Geschosshöhen und Öffnungspositionen zwischen den Zeichnungen des Plansatzes übereinstimmen.

  • Nachweis der Lage innerhalb der Altstadt

    Sofern das Gebäude innerhalb der Erhaltungs- oder Gestaltungssatzung liegt, wird dies bei der Darstellung der Fassade mitberücksichtigt.

Bemaßte Ansichten in Recklinghausen – Beispiele aus der Praxis

Vier Fälle aus der Praxis:

Fenstertausch an einem Bürgerhaus am Wallring

Neue Fensteröffnungen müssen in der Ansicht mit Rohbaumaßen und im Vergleich zum Bestand eindeutig dargestellt werden, damit die Vereinbarkeit mit der Gestaltungssatzung geprüft werden kann.

Dachgaube an einem Altstadthaus

Die von der Straße sichtbare Gaube braucht eine eigene Ansicht mit Höhen- und Breitenangaben, abgestimmt auf den zugehörigen Schnitt und die Vorgaben zur Dachlandschaft.

Balkonanbau an einem Gebäude außerhalb der Altstadt

Ohne Satzungsbindung genügt die bemaßte Darstellung nach den allgemeinen formalen Anforderungen.

Fassade eines großen Versammlungsgebäudes

Bei einem umfangreichen Umbau wie dem des Ruhrfestspielhauses zeigt die Ansicht die veränderte Gebäudehülle im Zusammenhang mit den übrigen Zeichnungen des Plansatzes.

So entsteht Ihre Ansicht für Recklinghausen

Von der Bestandsaufnahme bis zur einreichfertigen Zeichnung:

  1. Lage zur Altstadt klären

    Welche Fassadenseiten betroffen sind und ob das Gebäude innerhalb der Erhaltungs- oder Gestaltungssatzung liegt.

  2. Aufmaß oder vorhandene Unterlagen als Grundlage

    Bestehende Zeichnungen oder ein aktuelles Aufmaß der betroffenen Fassade als Ausgangspunkt.

  3. Ansicht bemaßt erstellen

    Im geeigneten Maßstab, mit allen Pflichtangaben.

  4. Mit Grundriss und Schnitt abgleichen

    Damit Öffnungen, Höhen und Bauteile zwischen den Zeichnungen des Plansatzes widerspruchsfrei sind.

  5. Bei Bedarf gegen die Gestaltungssatzung prüfen

    In der Altstadt erfolgt die Abstimmung über den Fachbereich 63, bevor der Plansatz eingereicht wird.

Was den Preis für eine Ansicht in Recklinghausen beeinflusst

Diese Faktoren bestimmen den Aufwand für eine bemaßte Ansicht:

  • Zahl der betroffenen Fassadenseiten

    Eine einzelne Straßenansicht ist schneller erstellt als mehrere Seiten bei einem freistehenden Gebäude.

  • Lage in der Altstadt

    Fassaden innerhalb der Erhaltungs- oder Gestaltungssatzung verlangen zusätzliche Abstimmung.

  • Zustand vorhandener Unterlagen

    Fehlt eine verwertbare Bestandszeichnung, kommt ein Aufmaß-Termin hinzu, bevor die Ansicht entstehen kann.

  • Komplexität der Fassadengestaltung

    Mehrere Materialien, Öffnungen und Detailelemente erhöhen den Darstellungsaufwand gegenüber einer schlichten, regelmäßigen Fassade.

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