Aufmaß & Vermessung in Recklinghausen — Innenmaße bleiben Sache des Eigentümers, nicht der Vermessungsbehörde

Zwei völlig unterschiedliche Dinge werden gerne verwechselt: die amtliche Gebäudeeinmessung fürs Liegenschaftskataster und das private Bauaufmaß für Innenräume. In Nordrhein-Westfalen ist die erste Aufgabe der Eigentümerin oder dem Eigentümer selbst zugewiesen – nach § 16 VermKatG NRW muss ein neu errichtetes oder im Grundriss verändertes Gebäude binnen drei Monaten nach Fertigstellung auf eigene Kosten unaufgefordert vermessen werden lassen. Das betrifft aber nur den äußeren Umriss, nicht Zimmer, Wände oder Wohnfläche. Wer für ein Recklinghäuser Objekt belastbare Innenmaße braucht, sei es für ein Jahrhunderte altes Haus innerhalb des Wallrings oder einen Neubau in einem der anderen Stadtteile, kommt deshalb um ein zusätzliches, eigenständiges Bauaufmaß nicht herum.

Wann ein Aufmaß in Recklinghausen erforderlich wird

Ein Bauaufmaß ist an keine Vorschrift geknüpft. Nötig wird es dort, wo eine Fläche oder Geometrie nachgewiesen werden muss und vorhandene Unterlagen das nicht hergeben:

  • Bestandspläne fehlen vollständig, oder vorhandene Zeichnungen zeigen einen längst überholten Zustand.
  • Ein Bauantrag, eine Nutzungsänderung oder ein Umbau steht an und braucht einen maßhaltigen Bestand als Planungsgrundlage.
  • Eine Bank oder ein Gutachter verlangt eine Flächenangabe mit nachvollziehbarem Rechenweg.
  • Für eine Teilungserklärung muss der Aufteilungsplan nach § 7 Abs. 4 WEG jede Einheit eindeutig abgrenzen.
Eigentümerpflicht statt behördlicher Erfassung

Seit dem 1. Juli 1972 gilt in Nordrhein-Westfalen: Nicht die staatliche Vermessungsverwaltung erfasst neu errichtete oder im Grundriss veränderte Gebäude von sich aus, sondern die Eigentümerin oder der Eigentümer muss die Einmessung nach § 16 VermKatG NRW selbst veranlassen und bezahlen, binnen drei Monaten nach Fertigstellung. Bleibt diese Meldung aus, fordert die Vermessungsbehörde sie mit einer Monatsfrist förmlich an; reagiert der Eigentümer weiterhin nicht, veranlasst die Behörde die Einmessung selbst und stellt zusätzlich Kosten in Rechnung. Diese Pflicht verjährt nicht und geht beim Verkauf eines noch nicht eingemessenen Gebäudes auf die neue Eigentümerseite über – betrifft aber ausschließlich den äußeren Umriss, nicht die Innenmaße, für die weiterhin ein gesondertes Bauaufmaß nötig bleibt.

Die Aufmaßverfahren im Detail

Welches Verfahren am Objekt sinnvoll ist, entscheidet die Geometrie des Gebäudes und der Zweck der späteren Unterlagen:

Handaufmaß mit Laserdistanzmessgerät

Der Regelweg in normalen Wohnungen. Marktübliche Geräte geben eine Messgenauigkeit von etwa ± 1,5 Millimetern an.

Tachymetrische Verknüpfung mehrerer Gebäudeteile

Bei Altstadthäusern mit rückwärtigen Anbauten oder Innenhof-Bebauung bringt ein Passpunktnetz die Gebäudeteile in einen gemeinsamen Bezug.

3D-Laserscanning mit Punktwolke

Für verformte oder stark verschachtelte Bausubstanz innerhalb des Wallrings, mit Punktgenauigkeiten im Millimeterbereich.

Auswertung vorhandener Pläne mit Stichprobenkontrolle

Die Wohnflächenverordnung lässt in § 3 Abs. 4 die Ermittlung aus einer Bauzeichnung zu, sofern gebaut wurde wie gezeichnet – geprüft wird das durch stichprobenartiges Nachmessen vor Ort.

Diese Unterlagen entstehen aus dem Aufmaß

Das Aufmaß selbst ist nur der Messvorgang. Brauchbar wird es durch das, was daraus abgeleitet und dokumentiert wird:

  • Bemaßte Grundrisse aller Geschosse

    Vom Keller bis zum Dachgeschoss, mit durchgehenden Maßketten statt einer bloßen Maßstabsangabe.

  • Schnitte und Ansichten

    Sie zeigen Geschosshöhen und den Verlauf der Dachschräge über dem Raum.

  • Wohnflächenberechnung nach Wohnflächenverordnung

    Gemessen im lichten Maß ab Vorderkante der Bekleidung, also am fertigen Zustand.

  • Aufmaßskizze, Fotos und Punktwolke

    Die Rohdaten bleiben Bestandteil der Dokumentation und ersparen bei Rückfragen einen zweiten Termin.

Aufmaße in Recklinghausen – Beispiele aus der Praxis

Vier Fälle aus der Praxis:

Über Generationen umgebautes Haus innerhalb des Wallrings

Der heutige Innenausbau weicht nach wiederholten Umbauten oft vom ursprünglichen Zuschnitt ab – das Aufmaß erfasst den tatsächlichen, engen Bestand.

Reihenhaus in einem jüngeren Wohnviertel

Regelmäßige Grundrisse verlangen meist weniger Messzeit; häufig liegen zudem noch verwertbare Bauunterlagen vor.

Dachgeschossausbau ohne Bestandsplan

Bei Dachschrägen entscheidet die lichte Höhe über die Anrechnung; die Ein- und Zwei-Meter-Linien werden im Grundriss eingezeichnet statt nur rechnerisch behauptet.

Neubau mit noch ausstehender amtlicher Einmessung

Auch wenn die Pflicht zur amtlichen Gebäudeeinmessung nach § 16 VermKatG NRW noch nicht erfüllt wurde, lässt sich ein privates Bauaufmaß für Innenmaße und Wohnfläche unabhängig davon durchführen.

So läuft Ihr Aufmaß in Recklinghausen ab

Der Ablauf ist überall gleich aufgebaut. Was ihn in Recklinghausen verkürzt oder verlängert, ist die Vorarbeit: welche Unterlagen vorliegen und wie verwinkelt das jeweilige Gebäude ist.

  1. Zweck und Erfassungstiefe festlegen

    Ein Nachweis für die Bank, eine Bauvorlage und ein Aufteilungsplan stellen unterschiedliche Anforderungen an Detailtiefe und Darstellung.

  2. Vorhandene Unterlagen sichten

    Alte Pläne oder Bauakten werden auf Vollständigkeit und Übereinstimmung mit dem heutigen Bestand geprüft.

  3. Termin abstimmen und Zugang klären

    Kellerräume, Dachboden und Nebengebäude müssen für den Termin offen sein.

  4. Erfassung vor Ort

    Gemessen wird raumweise, mit Diagonalen zur Prüfung der Rechtwinkligkeit, dazu Höhen, Nischen und Öffnungen.

  5. Auswertung und Übergabe

    Aus den Messdaten entstehen die Zeichnungen und die Flächenberechnung mit ausgewiesenem Rechenweg.

Was den Preis für ein Aufmaß in Recklinghausen beeinflusst

Zwei Wohnungen gleicher Größe können sich im Messaufwand deutlich unterscheiden. Diese Punkte bestimmen den Umfang:

  • Zahl und Zuschnitt der Räume

    Verwinkelte Grundrisse mit Nischen und Durchgangszimmern brauchen mehr Messzeit als klar geschnittene Zimmer.

  • Altstadt oder jüngere Bebauung

    Die über Generationen gewachsene Bausubstanz innerhalb des Wallrings ist meist aufwendiger zu erfassen als regelmäßig geschnittene jüngere Gebäude.

  • Gewähltes Erfassungsverfahren

    Handaufmaß, tachymetrische Verknüpfung und Laserscanning unterscheiden sich in Geräteeinsatz und Auswertung.

  • Zugänglichkeit des Bestands

    Nicht geöffnete Kellerverschläge oder verstellte Nebenräume führen zu Nacharbeit.

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