Bemaßte Schnitte in Ratingen — was der Grundriss nicht zeigen kann

Ein Schnitt ist ein gedachter senkrechter Schnitt durch das Gebäude. Man sieht, was übereinanderliegt: Geschosshöhen, Deckenaufbauten, Treppenläufe, den Kniestock, die Neigung des Daches, den Verlauf des Geländes an der Wand. Damit beantwortet er genau die Fragen, an denen ein Grundriss scheitert — und es sind ausgerechnet die Fragen, die über Wohnfläche, Genehmigungsfähigkeit und Nutzbarkeit entscheiden.

Für Ratinger Gebäude ist der Schnitt aus zwei Gründen besonders wichtig. Im Denkmalbereich Ortskern stehen Fachwerkhäuser mit steilen Giebeldächern, engen Kniestöcken und Deckenbalken, die sich über Jahrhunderte gesetzt haben – ihre lichten Höhen lassen sich nicht schätzen, sondern müssen aufgenommen werden. Und in den fünf erst 1975 eingemeindeten Ortsteilen wurden über die Jahrzehnte viele Dachgeschosse ausgebaut, ohne dass diese Eingriffe in einem Plan der damaligen Gemeinden festgehalten wurden.

Diese Höhen lassen sich nicht aus Altplänen ablesen. Wir messen deshalb vor Ort und leiten den Schnitt aus dem aufgenommenen Gebäude ab.

Wann ein Schnitt in Ratingen verlangt wird

Er gehört zum Standardumfang, sobald Höhen eine Rolle spielen:

  • Bei Bauantrag und Bauvoranfrage für Neubau, Anbau oder Aufstockung.
  • Beim Ausbau eines Dachgeschosses zu Aufenthaltsräumen.
  • Beim Einbau von Gauben oder einer Dachterrasse.
  • Bei der Umnutzung von Räumen, die bisher nicht dem Aufenthalt dienten.
  • Bei Wohnflächenfragen unter Dachschrägen.
  • Bei Vorhaben nahe dem festgesetzten Überschwemmungsgebiet am Anger.
Der Kniestock im Fachwerkhaus: warum drei Zahlen alles entscheiden

Fast jede Anfrage zum Dachausbau läuft auf dieselbe Frage hinaus: Wie viel Wohnfläche entsteht dabei? Die Antwort steckt in drei Werten, die alle nur der Schnitt liefert. Der Kniestock — die Höhe der Außenwand über der Rohdecke bis zum Ansatz der Schräge — bestimmt, ab welchem Abstand von der Wand überhaupt nutzbare Höhe beginnt. Die Dachneigung entscheidet, wie schnell diese Höhe zur Raummitte hin zunimmt; bei den steilen Giebeldächern rund um den Marktplatz geschieht das spürbar rascher als bei den flacheren Nachkriegsdächern in Tiefenbroich oder Breitscheid. Und die lichte Höhe schließlich bleibt nach Fußbodenaufbau, Dämmung und Bekleidung übrig. Ausgerechnet hier liegt bei Fachwerkhäusern die größte Fehlerquelle: Sichtbare Deckenbalken haben sich über Jahrhunderte gesetzt und liegen kaum noch exakt waagerecht, wodurch die lichte Höhe innerhalb desselben Raums um mehrere Zentimeter schwankt. Die Wohnflächenverordnung staffelt danach: unter einem Meter außer Ansatz, bis zwei Meter zur Hälfte, darüber voll — Linien, deren Verlauf sich unmittelbar aus dem Schnitt ergibt und bei unregelmäßigem Deckenverlauf von Raum zu Raum wandert. Ein zweiter Aspekt betrifft die fünf 1975 eingemeindeten Ortsteile: In vielen Häusern aus Lintorf, Hösel oder Tiefenbroich wurden über Jahrzehnte Dachgeschosse ausgebaut, Zwischendecken eingezogen oder Kniestöcke erhöht — Eingriffe, die in keiner Akte der damals eigenständigen Gemeinden auftauchen. Ein Schnitt durch ein solches Haus zeigt häufig, dass Rohbaumaß und Gegenwart nicht mehr übereinstimmen, und ohne diese Darstellung bleibt jede Wohnflächenberechnung unbelegt. Wir wählen die Schnittführung deshalb bewusst — durch Treppe, Dachschräge und den kritischen Höhenwechsel — statt sie routinemäßig festzulegen. Gezeichnet wird von unseren eigenen Architekten; Standsicherheit und Brandschutz zählen nicht zu unserem Angebot.

Welche Schnitte Ihr Vorhaben braucht

Wie viele und wo geschnitten wird, hängt vom Gebäude ab:

Längsschnitt

Führt meist durch die Treppe und macht sichtbar, wie die Geschosse zusammenwirken.

Querschnitt durch die Dachschräge

Belegt Kniestock, Neigung und lichte Höhe — die entscheidende Zeichnung für jeden Dachausbau.

Schnitt mit Geländeanschluss

Bindet den gemessenen Geländeverlauf ein — nötig in der Nähe des Überschwemmungsgebiets am Anger.

Detailschnitt an kritischer Stelle

Ergänzt bei Gauben oder eingezogenen Ebenen die Gesamtansicht in größerem Maßstab.

Was für einen belastbaren Schnitt erfasst wird

Ein Teil davon ist nur zugänglich, wenn vorher daran gedacht wird:

  • Zugang zu Dachraum und Keller

    Auch nicht ausgebaute Spitzböden und Kriechkeller müssen erreichbar sein.

  • Geschoss- und Rohbauhöhen

    Gemessen von Rohdecke zu Rohdecke, ergänzt um die lichte Höhe im fertigen Zustand.

  • Angaben zu Aufbauten

    Estrich, Dämmung, abgehängte Decke und Dachaufbau erklären die Differenz zwischen Rohbau und Nutzung.

  • Treppenmaße

    Steigung, Auftritt, Laufbreite und lichte Durchgangshöhe — bei Ausbauten fast immer relevant.

  • Geländeverlauf an den Wänden

    Vor allem nahe dem Anger, wo Sockelhöhen über die Einordnung von Untergeschossen mitentscheiden.

Schnitte, die in Ratingen gebraucht werden

Dachausbau in einem Fachwerkhaus am Markt

Weil die Deckenbalken ungleichmäßig gesetzt sind, wird die lichte Höhe an mehreren Punkten im selben Raum aufgenommen.

Steiles Giebeldach an der Poststraße

Hier wächst die Höhe rasch, doch die Anrechnungsgrenzen liegen ungewöhnlich — der Schnitt liefert die verlässlichen Linien dafür.

Nachträglich erhöhter Kniestock in Lintorf

Weder in der Akte der ehemaligen Gemeinde noch anderswo dokumentiert — erst der neue Schnitt bildet den heutigen Zustand ab.

Souterrain nahe dem Anger

Höhe und Geländeanschluss entscheiden gemeinsam, ob ein Raum als Aufenthaltsraum gelten kann.

So entsteht Ihr Schnitt

Vier Schritte, meist gemeinsam mit dem Grundriss:

  1. Schnittführung festlegen

    Vorab legen wir fest, wo geschnitten wird — durch Treppe, Dachschräge oder den kritischen Höhenwechsel.

  2. Höhen vor Ort aufnehmen

    Erfasst werden Rohbau- und lichte Höhen, Treppe, Dachaufbau und bei Bedarf der Geländeverlauf.

  3. Schnitt konstruieren

    Aus dem Gebäudemodell entsteht die Zeichnung, abgeglichen mit Grundriss und Ansicht.

  4. Bemaßen und übergeben

    Höhenketten, Bezugspunkte und Aufbaubezeichnungen werden eingetragen, Übergabe als PDF und auf Wunsch als CAD-Datei.

Was den Aufwand bemaßter Schnitte in Ratingen beeinflusst

Vier Faktoren entscheiden über den Umfang:

  • Zahl der Schnitte

    Ein einzelner Längsschnitt reicht selten — wie viele Ebenen nötig sind, zeigt die Gebäudegeometrie.

  • Unregelmäßigkeit des Deckenverlaufs

    Gesetzte Fachwerkbalken bedeuten deutlich mehr Aufnahmezeit als ein gerader Neubau.

  • Zugänglichkeit der Dachräume

    Ein begehbarer Spitzboden ist schnell erfasst, ein nur über eine Luke erreichbarer Dachraum kostet zusätzliche Zeit.

  • Detaillierungsgrad

    Ein Antrag braucht den Gesamtschnitt, eine Ausbauplanung zusätzlich Detailausschnitte.

Alle Leistungen in Ratingen

Bauantrag, Aufmaß, Grundriss, Wohnflächenberechnung, Nutzungsänderung und Energieausweis — Übersicht für Ratingen ansehen →

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