Bemaßte Ansichten in Pforzheim — drei Fassadenwelten, drei Prüfmaßstäbe

Kaum eine Stadt zeigt so klar wie Pforzheim, wie unterschiedlich eine Ansicht je nach Fassadentyp geprüft wird. Die weitaus meisten Gebäude der Innenstadt stammen aus dem Wiederaufbau nach 1948 – schlichte, funktionale Fassaden ohne Vorkriegsbezug, von denen dennoch rund 30 einzelne Bauten inzwischen selbst als Denkmal gelten, darunter die von Egon Eiermann entworfene Matthäuskirche mit ihren charakteristischen Betonwabensteinen aus Trümmerschutt. Ganz anders die beiden von der Zerstörung 1945 verschonten Quartiere: Im Rodviertel prägen reich gegliederte Gründerzeit- und Jugendstilfassaden mit Erkern und Veranden das Bild, in der zwischen 1923 und 1929 als Gartenstadt errichteten Wartberg-Siedlung dagegen historisierende, bewusst schlichte Häuserzeilen. Wer eine Ansicht bemaßt, muss deshalb zunächst wissen, in welche dieser drei Fassadenwelten das eigene Gebäude gehört.

Was eine Ansicht für Pforzheim zeigen muss

Für Ansichten gelten dieselben formalen Grundanforderungen der LBOVVO wie für den übrigen Plansatz, mit einem inhaltlichen Schwerpunkt auf der äußeren Erscheinung:

  • Maßstab üblicherweise 1:100, mit durchgehender Bemaßung von Höhen, Breiten und Öffnungen auf jeder dargestellten Fassadenseite.
  • Material und Farbgebung müssen erkennbar sein, sobald sie für die Beurteilung des Vorhabens relevant sind – bei einem Wiederaufbau-Baudenkmal etwa die charakteristische Fassadenverkleidung, im Rodviertel die historische Gliederung mit Erkern und Veranden.
  • Bei Änderungen an einer bestehenden Fassade müssen zu beseitigende und neu geplante Bauteile eindeutig unterscheidbar dargestellt werden.
Drei Denkmalarten, drei unterschiedliche Prüfmaßstäbe

Selten verlangt eine einzelne Leistung so unterschiedliche Angaben wie eine Ansicht in Pforzheim, je nachdem, welchem der drei Fassadentypen das Gebäude angehört. Bei einem der rund 30 einzeln denkmalgeschützten Wiederaufbaubauten – etwa dem Reuchlinhaus oder der Matthäuskirche – prüft die untere Denkmalschutzbehörde die konkrete bauliche Substanz des jeweiligen Einzeldenkmals, mitsamt seiner oft ungewöhnlichen Materialien wie den aus Trümmerschutt gefertigten Betonwabensteinen der Kirche. Im Rodviertel dagegen geht es nicht um ein einzelnes Gebäude, sondern um das Zusammenspiel der gesamten, seit 1994 als Ensemble geschützten Straßenzüge mit ihren Gründerzeit- und Jugendstilfassaden. Und in der Wartberg-Siedlung verlangt die seit 1995 geltende Erhaltungs- und Gestaltungssatzung sogar, dass Veränderungen die historisierende, ursprüngliche Formensprache der 1920er-Jahre-Gartenstadt wiederherstellen, statt sie nur zu bewahren. Wer eine Ansicht bemaßt, ohne diesen Unterschied mitzudenken, liefert dem Baurechtsamt eine formal vollständige Zeichnung, die aber am eigentlich entscheidenden Prüfmaßstab vorbeigeht.

Drei Ausgangslagen für die Pforzheimer Ansicht

Wie eine Ansicht entsteht, hängt davon ab, welcher der drei typischen Lagen das Gebäude zuzuordnen ist:

Einzeldenkmal aus der Wiederaufbauzeit

Die Ansicht wird so detailliert angelegt, dass sie der denkmalschutzrechtlichen Prüfung des konkreten Einzelgebäudes standhält – mit besonderem Augenmerk auf die für die 1950er- und 1960er-Jahre typischen Materialien und Konstruktionsdetails.

Ensemble-Fassade in Rodviertel oder Wartberg-Siedlung

Hier zählt zusätzlich das Verhältnis zu den Nachbargebäuden: Die Ansicht muss zeigen, wie sich eine geplante Änderung in die geschützte Gesamtwirkung der Straßenzüge einfügt.

Gewöhnliches Wiederaufbaugebäude ohne Schutzstatus

Bei einem Anbau, Fenstertausch oder einer Dachgaube an einem der zahlreichen ungeschützten Nachkriegsgebäude braucht es zunächst ein aktuelles Aufmaß, da eine durchgehende Bauakte häufig fehlt.

Was zu einer vollständigen Ansicht in Pforzheim gehört

Eine einzelne Fassadenzeichnung reicht selten – gefragt ist ein auf Grundriss und Schnitt abgestimmter Satz:

  • Ansichten aller betroffenen Fassadenseiten

    Bemaßt im Maßstab üblicherweise 1:100, mit Höhen, Öffnungen und – wo relevant – Material- und Farbangaben je Seite.

  • Abgestimmter Grundriss und Schnitt

    Damit Maße, Geschosshöhen und Öffnungspositionen zwischen den Zeichnungen des Plansatzes übereinstimmen.

  • Hinweis auf Denkmalschutz oder Erhaltungssatzung

    Liegt das Gebäude im Denkmalbuch, im Rodviertel oder in der Wartberg-Siedlung, wird dies bei der Darstellung der Fassade von vornherein mitgedacht.

Bemaßte Ansichten in Pforzheim – Beispiele aus der Praxis

Sanierung an einem Wiederaufbau-Baudenkmal

Bei einem denkmalgeschützten Gebäude der 1950er- oder 1960er-Jahre verlangt die Ansicht besondere Sorgfalt bei Material und Konstruktionsdetails, weil beide Teil der denkmalschutzrechtlichen Prüfung sind.

Balkonanbau an einer Villa im Rodviertel

Die Ansicht zeigt, wie sich der neue Balkon in die seit 1994 geschützte Fassadengliederung des Ensembles einfügt, ohne das Erscheinungsbild der Straßenzeile zu beeinträchtigen.

Rückführung eines Siedlungshauses in der Wartberg-Gartenstadt

Ein in den Jahrzehnten nach der Errichtung verändertes Fenster wird auf sein historisierendes Ursprungsformat zurückgeführt, wie es die Erhaltungs- und Gestaltungssatzung verlangt.

Fenstertausch an einem gewöhnlichen Wiederaufbaugebäude

Ohne Schutzstatus genügt eine bemaßte Ansicht mit klar unterschiedener Darstellung von Bestand und geplanter Änderung, ohne zusätzliche denkmalschutzrechtliche Prüfung.

So entsteht Ihre Ansicht für Pforzheim

Von der Bestandsaufnahme bis zur einreichfertigen Zeichnung:

  1. Fassadentyp und Schutzstatus klären

    Zunächst wird geklärt, ob das Gebäude ein Einzeldenkmal der Wiederaufbauzeit ist, im Rodviertel oder in der Wartberg-Siedlung liegt oder keinem der beiden Schutzregime unterliegt.

  2. Aufmaß oder Bauakte als Grundlage

    Bauakte des Baurechtsamts oder ein aktuelles Aufmaß der betroffenen Fassade, je nach Verfügbarkeit einer durchgehenden Planhistorie.

  3. Ansicht bemaßt erstellen

    Im Maßstab üblicherweise 1:100, mit allen Pflichtangaben der LBOVVO und, sofern relevant, den nötigen Zusatzangaben zu Material und Farbe.

  4. Mit Grundriss und Schnitt abgleichen

    Damit Öffnungen, Höhen und Bauteile zwischen den Zeichnungen des Plansatzes widerspruchsfrei bleiben.

  5. Für das Baurechtsamt zusammenstellen

    Digital über das virtuelle Bauamt Baden-Württemberg aufbereitet, bei Bedarf mit Blick auf einen bestehenden Denkmalschutz oder eine Erhaltungssatzung.

Was den Preis für eine Ansicht in Pforzheim beeinflusst

Diese Faktoren bestimmen den Aufwand für eine bemaßte Ansicht:

  • Schutzstatus des Gebäudes

    Ein Einzeldenkmal oder ein Gebäude im Rodviertel oder in der Wartberg-Siedlung verlangt zusätzliche Angaben zu Material, Farbe und historischer Gliederung, die bei einem ungeschützten Gebäude entfallen.

  • Zahl der betroffenen Fassadenseiten

    Eine einzelne Straßenansicht ist schneller erstellt als mehrere Seiten bei einem freistehenden Gebäude.

  • Zustand vorhandener Bauakten

    Fehlt eine verwertbare Bestandszeichnung – bei Wiederaufbaugebäuden keine Seltenheit –, kommt ein Aufmaß-Termin hinzu, bevor die Ansicht entstehen kann.

  • Detailtiefe bei Rückführung auf den Ursprungszustand

    In der Wartberg-Siedlung kann eine Rückführung auf das historische Erscheinungsbild zusätzliche Recherche zum Ursprungszustand verlangen.

Alle Leistungen in Pforzheim

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