Aufmaß in Oranienburg — vom Barockgrundriss bis zum Havelufer
Ein Aufmaß beantwortet eine einzige Frage: Wie sieht dieses Gebäude tatsächlich aus? In Oranienburg fällt die Antwort ungewöhnlich unterschiedlich aus, je nachdem, in welchem Teil der Stadt gemessen wird. In der barocken Altstadt und der im 18. und 19. Jahrhundert gewachsenen Mittelstadt stehen Gebäude, die mehrfach umgebaut, unterteilt und wieder zusammengelegt wurden. In den Ortsteilen wie Lehnitz am See oder dem ländlicher geprägten Wensickendorf dominieren Einfamilienhäuser aus verschiedenen Jahrzehnten mit eigenen, oft nachträglichen Anbauten. Und am Stadtrand, etwa im Ortsteil Malz, entstehen derzeit neue Wohnquartiere, deren Baupläne aktuell, aber nicht immer mit der Ausführung deckungsgleich sind.
Hinzu kommt eine Eigenheit, die für Oranienburg spezifisch ist: Weite Teile des Stadtgebiets liegen in der Niederung der Havel, mit wechselnden, stellenweise wenig tragfähigen Böden. Wo ein Anbau oder ein Keller geplant wird, gehört der Geländeanschluss mit in die Aufnahme, weil er über Gründung und Feuchtigkeitsschutz mitentscheidet. Und weil die Stadt im Zweiten Weltkrieg als Rüstungsstandort schwer bombardiert wurde, beginnt so manches Bauvorhaben ohnehin erst mit der Klärung der Kampfmittelfreiheit — das Aufmaß liefert dafür zumindest die genaue Lage des geplanten Eingriffs im Grundstück.
Wer in Oranienburg baut, verkauft oder aufteilt, kommt am eigenen Aufmaß deshalb selten vorbei — nicht aus Vorsicht, sondern weil der Bestand es verlangt.
Wann sich eine Aufnahme lohnt
Ein Aufmaß steht selten für sich, sondern am Anfang von etwas anderem:
- Vor einem Verkauf, wenn die Flächenangabe im Exposé stimmen muss.
- Vor einem Bauantrag, weil die Bauvorlagen zum tatsächlichen Gebäude passen müssen.
- Vor der Aufteilung in Wohnungseigentum, für Aufteilungsplan und Miteigentumsanteile.
- Vor einer Nutzungsänderung, etwa beim Umbau einer ehemaligen Gewerbefläche in Wohnraum.
- Bei einem geplanten Anbau in der Havelniederung, weil der Geländeanschluss die Gründung mitbestimmt.
- Nach einem Erbfall, wenn niemand mehr genau weiß, was wann verändert wurde.
In der Oranienburger Kernstadt trifft ein Aufmaß auf eine besondere Kombination aus Alter und Regelwerk. Die barocke Altstadt westlich der Havel und die historische Mittelstadt stehen seit 1994 unter einer städtebaulichen Erhaltungssatzung, die 2006 um das ehemalige Kasernenareal nordwestlich des Schlosses erweitert wurde. In diesem Bereich sind bauliche Veränderungen genehmigungspflichtig, auch wenn ein einzelnes Gebäude selbst kein Baudenkmal ist — beurteilt wird die Wirkung auf das Ortsbild. Für eine Sanierung, eine Fassadenänderung oder einen Dachausbau in diesem Gebiet muss die Aufnahme deshalb genauer sein als anderswo: Fenstergrößen, Fassadengliederung und Dachneigung gehören mit in die Zeichnung, weil sie später Teil der Genehmigungsunterlagen sind. Am Stadtrand, etwa im wachsenden Ortsteil Malz, stellt sich eine andere Herausforderung: Dort ist der Bestand jung, aber die Nachfrage hoch. Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser aus den vergangenen Jahren werden schon jetzt weiterverkauft oder aufgeteilt, und ihre ursprünglichen Baupläne stimmen nicht immer exakt mit der Ausführung überein — kleine Abweichungen bei Innenwänden oder Terrassenmaßen, die erst beim Verkauf auffallen. Zwischen beiden Polen liegen die Ortsteile mit ihrem gewachsenen Einfamilienhausbestand, in dem über Jahrzehnte angebaut wurde, oft ohne dass jede Erweiterung in einer neuen Bauakte landete. Drei völlig unterschiedliche Ausgangslagen, ein gemeinsamer Nenner: Nur eine Aufnahme vor Ort zeigt, was tatsächlich steht.
Wie aufgenommen wird
Das Verfahren richtet sich nach dem Gebäude und dem Zweck der Aufnahme:
Handaufmaß mit Laserdistanzmessung
Der Regelfall für Wohnungen und Einfamilienhäuser. Raum für Raum, mit Kontrollmaßen über die Gesamtlänge, damit sich Einzelfehler nicht aufsummieren.
Aufnahme mit Geländeanschluss
Auf Grundstücken in der Havelniederung wird zusätzlich die Höhenlage des Geländes erfasst — Grundlage für Gründung und Kellerplanung.
Fassaden- und Dachaufnahme in der Erhaltungssatzung
In der historischen Innenstadt werden Fensteröffnungen, Fassadengliederung und Dachneigung zusätzlich dokumentiert, weil sie Teil der Genehmigungsunterlagen werden.
Übernahme vorhandener Daten
Liegt bereits ein aktueller Neubauplan vor, etwa aus einem der wachsenden Ortsteile, prüfen wir ihn gegen den Bestand, statt komplett neu zu messen.
Was wir vorab brauchen und was Sie erhalten
Hilfreich vor dem Termin, verbindlich danach:
- Vorhandene Pläne, auch alte
Selbst ein unvollständiger Plan aus der Bauakte zeigt, wo Veränderungen zu erwarten sind, und spart Zeit beim Ortstermin.
- Zugang zu allen Räumen
Auch Keller, Dachgeschoss, Nebengebäude und verschlossene Abstellräume — ein nicht betretener Raum bleibt eine Lücke.
- Bemaßte Grundrisse als Ergebnis
Maßstäblich gezeichnet, mit Raumbezeichnungen, Einzelflächen und den für die weitere Verwendung nötigen Maßketten.
- Schnitte und Ansichten auf Wunsch
Aus derselben Aufnahme abgeleitet — insbesondere sinnvoll, wenn ein Bauantrag im Bereich der Erhaltungssatzung folgt.
- Datei in weiterverwendbarem Format
Neben dem PDF auf Wunsch eine CAD-Datei, mit der Fachplanungen ohne erneutes Nachzeichnen weiterarbeiten können.
Typische Oranienburger Aufnahmen
Altbauwohnung in der historischen Mittelstadt
Zwei frühere Wohnungen wurden vor Jahren zusammengelegt, ohne dass die Bauakte fortgeschrieben wurde. Die Aufnahme trennt und dokumentiert den heutigen Zuschnitt.
Einfamilienhaus mit Anbau in einem Ortsteil
Ein Wintergarten aus den Neunzigerjahren fehlt im Altplan. Wandstärken und Anschlüsse werden vor Ort neu erfasst.
Reihenhaus im Neubaugebiet Malz
Der ursprüngliche Bauplan weicht in Details von der Ausführung ab — ein häufiger Befund bei jungen, aber schon wieder verkauften Objekten.
Grundstück in der Havelniederung vor einem Anbau
Der Geländeanschluss entscheidet über die Gründungstiefe. Ohne Höhenaufnahme lässt sich der Anbau nicht sinnvoll planen.
Vom Termin zur Zeichnung
Vier Schritte, meist innerhalb weniger Arbeitstage abgeschlossen:
- Zweck klären
Verkauf, Bauantrag, Aufteilung oder Nutzungsänderung — davon hängt ab, welche Maße in welcher Genauigkeit erhoben werden.
- Vor Ort aufnehmen
Raummaße, Höhen, Öffnungen, Wandstärken und, wo nötig, der Geländeanschluss oder die Fassade werden erfasst.
- Zeichnen und prüfen
Aus den Feldaufnahmen entstehen die Zeichnungen; Kontrollmaße und Gesamtabmessungen werden gegengerechnet, bevor etwas herausgeht.
- Ergebnisse übergeben
Sie erhalten die vereinbarten Unterlagen digital. Weitere Leistungen aus derselben Aufnahme sind später ohne neuen Termin möglich.
Was den Aufwand einer Aufnahme in Oranienburg bestimmt
Vier Faktoren erklären den Umfang eines Termins:
- Lage in der historischen Innenstadt
Innerhalb der Erhaltungssatzung kommen Fassaden- und Dachaufnahme zusätzlich zur reinen Grundrissmessung hinzu.
- Baujahr und Umbauhistorie
Ein über Jahrzehnte gewachsenes Gebäude hat mehr Bauphasen, mehr abweichende Wandstärken und mehr Klärungsbedarf als ein junger Neubau.
- Geländeanschluss und Bodenverhältnisse
Auf Grundstücken in der Havelniederung erhöht die zusätzliche Höhenaufnahme den Aufwand, ist für die Gründungsplanung aber unverzichtbar.
- Gewünschte Ergebnisse
Nur Grundrisse oder zusätzlich Schnitte, Ansichten, Flächenberechnung und CAD-Datei: Der Ortstermin bleibt derselbe, die Nachbearbeitung nicht.
Alle Leistungen in Oranienburg
Bauantrag, Aufmaß, Grundriss, Wohnflächenberechnung, Nutzungsänderung und Energieausweis — Übersicht für Oranienburg ansehen →
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