Kubaturberechnung in Oldenburg — vom Bruttorauminhalt zum gebührenrelevanten Rohbauwert

Wer beim Fachdienst Bauordnung und Denkmalschutz einen Bauantrag stellt, bekommt die Gebühr dafür nicht nach Bauchgefühl berechnet, sondern nach einer festen Formel aus der Niedersächsischen Baugebührenordnung (BauGO): Ein aus dem umbauten Raum abgeleiteter Rohbauwert, multipliziert mit einer landesweit hinterlegten Preisindexzahl, bildet zusammen mit den Herstellungskosten die Bemessungsgrundlage. Kurios dabei: Für diese eine Berechnung gilt ausgerechnet nicht die heute übliche DIN 277, sondern eine deutlich ältere Fassung der Norm aus dem Jahr 1987, ergänzt um landeseigene Sonderregeln. Wer eine Kubaturberechnung für ein anderes Ziel braucht – eine Bank, ein Gutachten, eine energetische Berechnung –, rechnet dagegen nach dem aktuellen Stand. Beide Wege führen zu unterschiedlichen Zahlen für dasselbe Gebäude, und keine davon ist falsch.

Drei Zahlen, drei Zwecke

Je nachdem, wofür die Kubatur gebraucht wird, führt der Rechenweg zu unterschiedlichen Ergebnissen:

Bruttorauminhalt für Bewertung und Finanzierung

Nach der aktuellen DIN 277 umfasst der BRI das gesamte umbaute Volumen von der Außenkante der Bauteile bis zur äußeren Dachhaut, unabhängig davon, welcher Raumanteil als Wohnfläche zählt. Keller-, Dach- und Nebenräume gehen vollständig ein.

Bruttogrundfläche als Ausgangswert für weitere Kennzahlen

Die BGF summiert die Grundflächen aller Geschosse an den äußeren Bauteilkanten und dient häufig als Startpunkt für eine erste Kostenschätzung nach DIN 276 oder für die Ermittlung der Nutzfläche.

Rohbauwert nach Anlage 5 der Baugebührenordnung

Für die Genehmigungsgebühr zieht der Fachdienst weder BRI noch BGF direkt heran, sondern lässt den Rauminhalt eigens nach der DIN 277 Teil 1 in der Fassung von Juni 1987 berechnen – inklusive der abweichenden Drittel-Regel für unausgebaute Spitzböden und der Zuschläge für hohe oder besonders große Gebäude.

Was für eine Kubaturberechnung in Oldenburg gebraucht wird

Die Datengrundlage ist in beiden Fällen ähnlich, der Rechenweg unterscheidet sich erst danach:

  • Bemaßte Bestandszeichnungen oder Aufmaß

    Außenmaße und Geschosshöhen aller Ebenen, von der Kellersohle bis zum First, liefern die Ausgangsgrößen für beide Rechenwege.

  • Genaue Angaben zum Dachraum

    Insbesondere bei einem unausgebauten Spitzboden entscheidet die Bauart darüber, ob und mit welchem Anteil der Raum in den gebührenrelevanten Rohbauwert eingeht.

  • Geschosszahl und Gebäudeeinordnung

    Ob mehr als fünf Vollgeschosse oder ein Hochhaus vorliegen, entscheidet über einen Zuschlag auf den Rohbauwert nach der Baugebührenordnung.

  • Vorab geklärter Verwendungszweck

    Wird die Zahl für den Fachdienst, eine Bank oder ein Gutachten gebraucht, bestimmt das schon vor der ersten Rechnung, nach welcher DIN-Fassung überhaupt gearbeitet wird.

Kubaturberechnung in Oldenburg – Beispiele aus der Praxis

Gebühr für einen genehmigungspflichtigen Dachgeschossausbau

Der Fachdienst setzt den Rohbauwert nach Anlage 5 der BauGO an, multipliziert mit dem aktuellen, seit Oktober 2025 fortgeschriebenen Tabellenwert – Grundlage für die Genehmigungsgebühr.

Fünfgeschossiger Neubau mit Zuschlag

Weil das Gebäude mehr als fünf Vollgeschosse hat, steigt der zugrunde gelegte Rohbauwert um den in der BauGO vorgesehenen Aufschlag von 5 Prozent.

Gutachten für eine Villa im Dobbenviertel

Für die Wertermittlung zählt die aktuelle DIN 277: Die hohen Geschosse dieser Bauepoche ergeben ein BRI, das je Quadratmeter Wohnfläche deutlich über dem eines vergleichbaren Neubaus liegt.

Spitzboden über einer schmalen Hundehütte

Bleibt der Raum unter dem First unausgebaut, setzt die Gebührenberechnung nur ein Drittel seines Volumens an – ein Detail, das in einer gewöhnlichen DIN-277-Berechnung so nicht vorkommt.

Finanzierungsunterlagen für ein Mehrfamilienhaus

Die finanzierende Bank verlangt eine nachvollziehbare BGF- oder BRI-Angabe nach aktueller Norm, unabhängig davon, welchen Wert der Fachdienst für die Gebühr zugrunde legt.

So entsteht Ihre Kubaturberechnung für Oldenburg

Von der Zweckklärung bis zum fertigen Ergebnis:

  1. Zweck festlegen

    Zuerst steht fest, ob das Ergebnis für die Genehmigungsgebühr, eine Wertermittlung oder eine Finanzierung gebraucht wird – davon hängt die anzuwendende DIN-Fassung ab.

  2. Maße beschaffen

    Bauakte des Fachdienstes oder eigenes Aufmaß liefern die Außenmaße und Geschosshöhen aller Ebenen einschließlich Keller und Dachraum.

  3. Fehlende Angaben vor Ort ergänzen

    Wo die vorhandene Zeichnung nicht ausreicht, wird direkt am Gebäude nachgemessen.

  4. Rechenweg zuordnen

    Für die Gebühr gilt Anlage 5 der BauGO mit der Fassung von 1987, für alle anderen Zwecke die aktuelle DIN 277 aus dem Jahr 2021.

  5. Ergebnis übergeben

    Dokumentiert und nachvollziehbar aufbereitet für den Fachdienst, eine Bank oder ein Gutachten.

Was den Preis für eine Kubaturberechnung in Oldenburg beeinflusst

Diese Faktoren bestimmen den Aufwand:

  • Vorhandene Datengrundlage

    Eine belastbare Bauakte beschleunigt die Berechnung erheblich; fehlen verwertbare Maße, wird ein Aufmaß-Termin nötig.

  • Zahl der Ebenen und Nebenräume

    Keller, Dachraum und ein gesondert zu behandelnder Spitzboden erhöhen den Erfassungsaufwand.

  • Zwei Rechenwege statt einem

    Wird dieselbe Kubatur sowohl für die Gebühr als auch für eine Bewertung gebraucht, fallen zwei getrennte Berechnungen nach unterschiedlichen DIN-Fassungen an.

  • Zuschlagsrelevante Gebäudemerkmale

    Vollgeschosszahl und eine mögliche Einordnung als Hochhaus müssen vorab feststehen, weil sie den Rohbauwert direkt beeinflussen.

  • Komplexität des Daches

    Schrägen, Gauben und ein unausgebauter Spitzboden verlangen mehr Sorgfalt als ein einfaches Satteldach.

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