Grundrisse in Oberursel — drei Baugenerationen, drei verschiedene Aufgaben

Auf einen Grundriss stützen sich später alle Beteiligten: Käuferseite, Bank, Handwerksbetriebe, Behörde. Ob er das aushält, entscheidet sich an einer einzigen Frage — zeigt er das Gebäude, wie es heute tatsächlich ist, oder wie es einmal geplant war? In Oberursel fällt die Antwort je nach Baugeneration sehr unterschiedlich aus.

Am ältesten ist der Bestand rund um Marktplatz und Epinayplatz: Fachwerkhäuser des 17. und 18. Jahrhunderts mit vorkragenden Obergeschossen, deren Pläne — sofern überhaupt vorhanden — meist einen Zustand vor der Altstadtsanierung der 1970er-Jahre zeigen. Eine zweite Schicht bildet der über Jahrzehnte gewachsene Wohnungsbau in den 1972 eingemeindeten Ortsteilen Oberstedten, Stierstadt und Weißkirchen, individuell erweitert und oft mehrfach umgebaut. Die dritte, jüngste Schicht liegt im Norden der Stadt: Im Wohnquartier Camp King entstanden seit den späten 1990er-Jahren auf dem Gelände des ehemaligen US-Militärstandorts neue Häuser — planmäßig errichtet, inzwischen aber ebenfalls mit eigenmächtig ergänzten Details.

Wofür Sie in Oberursel einen Grundriss brauchen

Der jeweilige Anlass bestimmt vor allem die geforderte Genauigkeit:

  • Als Teil der Bauvorlagen bei Bauantrag und Bauvoranfrage.
  • Für Exposé und Portalinserat bei der Vermarktung.
  • Wenn eine Bank oder ein Gutachter das Objekt bewerten soll.
  • Als Grundlage jeder Wohnflächenberechnung.
  • Als Ausgangsmaterial für die Aufteilung in Wohnungseigentum.
  • Für Fachplanung und Handwerksbetriebe bei Sanierung und Ausbau.
Warum sich der obere Stock eines Fachwerkhauses nicht aus dem Erdgeschoss ableiten lässt

Bei einem Reihenhaus in Camp King oder einem klassischen Nachkriegsbau in den Ortsteilen lassen sich die oberen Geschosse meist gut aus dem Erdgeschoss herleiten, weil solche Häuser mit gleichbleibendem Grundriss über alle Ebenen geplant wurden. Bei einem Oberurseler Fachwerkhaus trifft diese Annahme nicht zu. Weil Obergeschosse über die Straßenflucht vorkragen, ist ihre Grundfläche größer als die des darunterliegenden Geschosses — mitunter auf mehreren Gebäudeseiten gleichzeitig und mit unterschiedlichem Auskragmaß. Hinzu kommt, dass die tragenden Holzständer nach Jahrhunderten selten mehr exakt lotrecht stehen und Zwischenwände häufig nicht dort sitzen, wo ein regelmäßiges Raster sie erwarten ließe. Wer den Grundriss der oberen Etagen einfach aus dem Erdgeschoss ableitet, erzeugt eine Zeichnung, die überzeugend wirkt, aber nicht zutrifft. Jedes Geschoss eines Fachwerkhauses muss deshalb für sich vermessen werden; die Ebenen werden anschließend rechnerisch zueinander in Beziehung gesetzt, damit sich beim Übereinanderlegen ein stimmiges Bild ergibt. Die Verschiebung, die dabei zwischen den Etagen sichtbar wird, ist kein Messfehler, den man glätten sollte — sie gehört als reale Eigenschaft des Gebäudes in den fertigen Plan. Für die spätere Sanierungsplanung ist genau dieser Versatz häufig der erste Hinweis darauf, an welcher Stelle das Tragwerk im Lauf der Jahrhunderte bereits verändert wurde.

Welche Grundrissarten unterschieden werden

Dieselbe Geometrie, angepasst an unterschiedliche Empfänger:

Bestandsgrundriss

Bildet den heutigen Zustand mit Maßketten, Wandstärken und Raumbezeichnungen ab — Grundlage für alles Weitere.

Bauvorlagengrundriss

Zugeschnitten auf die Einreichung: festgelegter Maßstab, vorgeschriebene Darstellung, Eingriff eindeutig gekennzeichnet.

Vermarktungsgrundriss

Auf rasche Lesbarkeit ausgelegt — erkennbare Aufteilung, Flächenangaben, auf Wunsch möbliert.

Aufteilungsgrundriss

Kennzeichnet Einheiten fortlaufend und trennt Sondereigentum sichtbar von Gemeinschaftseigentum.

Was für die Erstellung gebraucht wird

  • Aufnahme des aktuellen Zustands

    Vorhandene Zeichnungen ersetzen sie nur, wenn belegt ist, dass sich seither nichts verändert hat.

  • Ältere Pläne, gleich welchen Zustands

    Selbst unvollständige Bauakten zeigen die ursprüngliche Struktur und lassen spätere Eingriffe erkennen.

  • Angabe des Verwendungszwecks

    Behörde, Bank, Vermarktung oder Aufteilung bestimmen Maßstab, Detailtiefe und Beschriftung.

  • Hinweise auf nicht dokumentierte Ergänzungen

    In den Ortsteilen meist ein ausgebauter Spitzboden, ein verglaster Balkon oder ein Kelleranbau.

  • Denkmalstatus, sofern einschlägig

    In der Altstadt und in Teilen von Camp King entscheidet er über die nötige Detailtiefe.

  • Bestehende Teilungsunterlagen bei Wohnungseigentum

    Vorhandene Aufteilungspläne müssen bekannt sein, damit die Nummerierung der Einheiten korrekt fortgeführt wird.

Typische Oberurseler Aufgaben

Fachwerkhaus mit vorkragendem Obergeschoss

Jede Ebene wird einzeln vermessen und rechnerisch in Bezug gesetzt, bevor die Zeichnung entsteht.

Einfamilienhaus in Stierstadt nach mehreren Umbauten

Der vorhandene Ursprungsplan stimmt nicht mehr — aufgenommen wird der heutige Zuschnitt samt nachgerüsteter Bäder.

Reihenhaus im Quartier Camp King

Ein Abgleich vor Ort reicht meist aus; neu vermessen wird nur, was die Eigentümer später selbst ergänzt haben.

Umgenutztes Gebäude am Urselbach

Frühere Mühlen- und Fabrikgrundrisse mit unregelmäßigem Stützenraster werden vollständig neu erfasst.

Wohnung in einem denkmalgeschützten Siedlungshaus in Camp King

Der Grundriss dokumentiert zugleich den geschützten Bestand und die im Lauf der Zeit ergänzten Änderungen im Inneren.

So entsteht der Grundriss

  1. Verwendungszweck klären

    Wohin der Plan geht, bestimmt Maßstab und Inhalt — diese Frage steht am Anfang der Arbeit.

  2. Vor Ort vermessen

    Raumgeometrie, Wandstärken und Öffnungen werden erfasst, im Fachwerkhaus je Geschoss getrennt.

  3. In die Zeichnung übertragen

    Aus den Messdaten entsteht die maßstäbliche Darstellung in der jeweils verlangten Form.

  4. Gegenrechnen

    Der Plan wird gegen die Aufnahme geprüft, Flächenangaben gegen die tatsächliche Geometrie.

  5. Übergabe

    Als PDF im festgelegten Maßstab, auf Wunsch zusätzlich als bearbeitbare Zeichnungsdatei.

Was den Aufwand eines Grundrisses in Oberursel beeinflusst

Wie unregelmäßig das Gebäude gebaut ist und wohin die Zeichnung geht:

  • Baugeneration und Bauweise

    Ein Fachwerkhaus mit Vorkragungen verlangt deutlich mehr Aufnahmearbeit als ein planmäßig errichtetes Reihenhaus.

  • Umfang des Gebäudes

    Jede Ebene braucht ein eigenes Blatt — bei mehreren Wohneinheiten summiert sich das rasch.

  • Anspruch der Ausgabe

    Was zur Behörde geht, unterliegt strengeren Vorgaben als eine Zeichnung fürs Exposé.

  • Verwertbarkeit vorhandener Pläne

    Ein brauchbarer aktueller Bestandsplan spart den Ortstermin; ohne ihn beginnt die Arbeit dort.

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