Aufmaß in Oberursel — vom schiefen Fachwerkbalken bis zum denkmalgeschützten Siedlungshaus

Ein Aufmaß hält fest, was tatsächlich gebaut ist — nicht, was einmal geplant war. In Oberursel ist der Unterschied zwischen beidem oft erheblich, und das aus mehreren, ganz unterschiedlichen Gründen. Die Altstadt um Marktplatz und Epinayplatz besteht überwiegend aus Fachwerkhäusern des 17. und 18. Jahrhunderts, die seit den frühen 1970er-Jahren im Rahmen eines Sanierungsgebiets denkmalgerecht instand gesetzt wurden. Ihre Wände stehen selten im rechten Winkel, Deckenbalken liegen nicht durchgehend auf gleicher Höhe, und Obergeschosse kragen über die Straßenflucht vor.

Ein zweiter, jüngerer Bestand liegt im Norden der Stadt: das frühere Camp King, ein US-Militärstandort bis 1993, seither zu einem Wohnquartier umgebaut, in dem einzelne denkmalgeschützte Gebäude der Siedlungszeit neben Neubauten der letzten Jahrzehnte stehen. Und an den Hanglagen Richtung Oberstedten, Stierstadt und Hohemark kommt eine dritte Aufgabe hinzu: der Geländeverlauf selbst, ohne den sich Vollgeschosszahl und Höhenbezug eines Gebäudes nicht beurteilen lassen. Drei sehr unterschiedliche Bestände also, die eines gemeinsam haben: Wer sich auf vorhandene Pläne verlässt, misst am Ende doch selbst — nur später und unter Zeitdruck.

Wann Sie in Oberursel ein Aufmaß brauchen

Ein Aufmaß ist keine Pflichtunterlage, aber die Voraussetzung dafür, dass andere Unterlagen tragen:

  • Vor jeder Sanierungs- oder Umbauplanung im historischen Bestand der Altstadt.
  • Vor einem Bauantrag, weil Bestands- und Genehmigungsplanung aufeinander aufbauen müssen.
  • Vor der Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde bei geschützter Substanz.
  • Vor einer Wohnflächenberechnung, wenn Deckenhöhen, Vorkragungen oder ein Hangsouterrain eine Rolle spielen.
  • Vor der Aufteilung eines größeren Gebäudes in Eigentumswohnungen.
Warum ein Fachwerkhaus anders aufgemessen wird als ein Betonbau

Bei einem massiven Neubau genügt für die meisten Zwecke die Geometrie: Wo stehen die Wände, wie groß sind die Räume, wie hoch die Geschosse. Ein Fachwerkhaus stellt andere Anforderungen, weil sein Tragwerk sichtbar und Teil des Erscheinungsbilds ist. Die Holzständer stehen nach Jahrhunderten Standzeit selten mehr lotrecht, Gefache sind unterschiedlich stark, und Deckenbalken folgen dem historischen Bauablauf, nicht einer durchgehenden Rasterhöhe. Wo ein Obergeschoss über die Straßenflucht vorkragt, verändert sich zudem die Grundrissfläche von Geschoss zu Geschoss — eine Aufnahme, die nur das Erdgeschoss vermisst und die oberen Ebenen daraus ableitet, liegt hier systematisch daneben. Bei den denkmalgeschützten Gebäuden aus der Zeit von Camp King kommt eine andere Anforderung hinzu: Hier ist meist die äußere Erscheinung geschützt, während im Inneren über die Jahrzehnte Grundrisse verändert, Bäder ergänzt und Wände versetzt wurden. Für eine Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde muss die Aufnahme deshalb sauber zwischen der geschützten Hülle und dem veränderten Inneren unterscheiden. Ein 3D-Laserscan löst beide Aufgaben, weil er Abweichungen von der Norm — schiefe Wände, wechselnde Wandstärken, unregelmäßige Deckenhöhen — ungefiltert aufnimmt, ohne dass vor Ort schon entschieden werden muss, was später wichtig wird. Gerade bei einer Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde zahlt sich das aus, weil Nachfragen zu einzelnen Details beantwortet werden können, ohne dass ein zweiter Termin am Objekt nötig wird.

Wie in Oberursel aufgemessen wird

Die Methode richtet sich nach Substanz, Lage und Verwendungszweck:

3D-Laserscan

Bei Fachwerkhäusern und denkmalgeschützter Substanz meist die erste Wahl, weil er Unregelmäßigkeiten ungefiltert erfasst.

Laserdistanzmessung mit Tablet-Erfassung

Für Wohnungen und regelmäßig geschnittene Gebäude, etwa in den Reihenhauszeilen von Camp King.

Fassadenaufnahme mit Gliederung

Erfassung von Gefachen, Fensterformaten und Vorkragungen — erforderlich im Sanierungsgebiet der Altstadt.

Geländeaufnahme am Hang

Der Anschluss an das umgebende Gelände wird ringsum erfasst, weil er über Vollgeschosszahl und Höhenbezug entscheidet.

Was zum Termin hilfreich ist

  • Historische Pläne, soweit vorhanden

    Als Orientierung über die ursprüngliche Struktur wertvoll, auch wenn sie nicht maßhaltig sind.

  • Denkmalliste oder Schutzbescheid

    Zeigt, ob und in welchem Umfang das Gebäude geschützt ist — das bestimmt die nötige Detailtiefe.

  • Kenntnis späterer Umbauten

    Wann wurden Wände versetzt, Bäder ergänzt, Räume zusammengelegt oder Anbauten errichtet?

  • Zugang zu allen Bereichen

    Auch Dachraum und Nebengebäude, bei Fachwerkhäusern häufig mit eigener freigelegter Balkenlage.

  • Katasterauszug

    Für die Verortung im Grundstück, insbesondere an den Hanggrundstücken mit unregelmäßigem Zuschnitt.

  • Zweck der Aufnahme

    Sanierung, Bauantrag, Aufteilung oder Denkmalabstimmung — daraus folgt der Detaillierungsgrad.

Typische Oberurseler Aufmaß-Situationen

Fachwerkhaus vor der Sanierung

Ein Laserscan nimmt Schiefstellungen und Deckenversprünge auf, ohne dass vorab entschieden werden muss, welche davon später wichtig sind.

Denkmalgeschütztes Siedlungshaus in Camp King

Aufgenommen wird die geschützte äußere Hülle ebenso wie das über die Jahrzehnte veränderte Innere — beides getrennt dokumentiert.

Wohnhaus an einem Hanggrundstück in Stierstadt

Der Geländeanschluss ringsum entscheidet über die Vollgeschosszahl — er wird deshalb an allen Gebäudeseiten aufgenommen.

Umgenutztes Gebäude am Urselbach

Frühere Fabrik- und Mühlengebäude haben oft ein unregelmäßiges Stützenraster, das ein Standardaufmaß nicht abbildet.

So läuft das Aufmaß ab

  1. Objekt und Zweck klären

    Schutzstatus, Lage am Hang und geplante Verwendung bestimmen Verfahren und Detailtiefe.

  2. Termin vereinbaren

    Alle Bereiche sollten zugänglich sein, im Fachwerkhaus einschließlich freiliegender Dachkonstruktion.

  3. Aufnahme vor Ort

    Je nach Objekt per Laserscan oder Laserdistanzmessung, am Hang mit zusätzlicher Geländeaufnahme.

  4. Digitale Aufbereitung

    Aus den Messdaten entstehen maßhaltige Bestandspläne im gewünschten Format.

  5. Weiterverwendung

    Dieselbe Aufnahme trägt Sanierungsplanung, Bauantrag, Flächenberechnung und Aufteilung — ohne erneutes Messen.

Was den Aufwand eines Aufmaßes in Oberursel bestimmt

Nicht die Fläche entscheidet, sondern Baualter, Schutzstatus und Geländesituation:

  • Baualter und Bauweise

    Ein Fachwerkhaus mit schiefen Wänden und Vorkragungen erhöht die Zahl der Messpunkte gegenüber einem regelmäßigen Baukörper deutlich.

  • Schutzstatus

    Bei denkmalgeschützter Substanz ist eine höhere Detailtiefe erforderlich, weil die Gliederung Teil des Schutzgegenstands ist.

  • Geländesituation

    An den Hanglagen kommt die Aufnahme des Geländeanschlusses ringsum um das Gebäude hinzu.

  • Aufnahmeverfahren

    Ein 3D-Laserscan ist aufwendiger als eine Handaufnahme, liefert dafür eine Grundlage für alle späteren Auswertungen.

Alle Leistungen in Oberursel (Taunus)

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