Bemaßte Ansichten in Oberhausen — von der schlichten Reihenhausfassade bis zur Fassadengeometrie großer Sonderbauten

Eine Ansicht zeigt, was ein Grundriss nicht kann: wie ein Gebäude von außen wirkt. In Oberhausen liegen dabei zwei sehr unterschiedliche Fassadenwelten nur wenige Kilometer auseinander. In Alt-Oberhausen, Sterkrade und Osterfeld prägen schlichte, meist zweigeschossige Putz- oder Klinkerfassaden mit regelmäßiger Fensterteilung das Straßenbild – überschaubare Höhen, wenige Öffnungstypen, klare Proportionen. Am anderen Ende der Skala liegt die 24-eckige, rund 117,5 Meter hohe Stahlhülle des Gasometers auf dem Gelände der Neuen Mitte, seit 1996 als Gesamtanlage denkmalgeschützt: eine Fassadengeometrie, die mit gewöhnlichen Wohnhäusern nichts mehr gemein hat. Für den einzelnen Bauantrag verlangt beides dieselbe Verordnung – die BauPrüfVO NRW – doch der Aufwand einer bemaßten Ansicht wächst mit Höhe, Öffnungszahl und gestalterischem Detailgrad des jeweiligen Vorhabens spürbar mit.

Was eine Ansicht für Oberhausen zeigen muss

Die BauPrüfVO NRW stellt an Ansichten dieselben formalen Grundanforderungen wie an andere Bauzeichnungen, mit inhaltlichem Schwerpunkt auf der äußeren Erscheinung des Gebäudes:

  • Regelmaßstab 1:100, mit vollständiger Bemaßung von Höhen und Öffnungen auf jeder dargestellten Fassadenseite.
  • Wesentliche Bauprodukte und Bauarten müssen erkennbar sein – bei einer Fassade heißt das in der Praxis: Material, Farbe und Fensterteilung, sobald sie für die Beurteilung des Vorhabens relevant sind.
  • Zeigt die Ansicht das Vorhaben zusammen mit den unmittelbar angrenzenden Gebäuden, gilt der kleinere Maßstab 1:200 – anstelle einer gezeichneten Ansicht lässt die BauPrüfVO NRW hierfür auch ein farbiges Foto oder eine farbige Fotomontage zu.
  • Bei Änderungen an einer bestehenden Fassade müssen zu beseitigende und geplante Bauteile eindeutig unterscheidbar dargestellt werden, etwa ein neuer Fensterausschnitt gegenüber dem bestehenden Mauerwerk.
Zwei Fassadenwelten, ein Maßstab

Für ein Reihenhaus in Sterkrade oder ein Gründerzeithaus in Alt-Oberhausen reicht eine einzelne bemaßte Ansicht je betroffener Fassadenseite in aller Regel aus: überschaubare Höhen, wenige, sich wiederholende Öffnungstypen, ein einheitliches Fassadenmaterial. Wie anders eine Fassade wirken kann, zeigt rein zur Einordnung der Gasometer auf dem Gelände der Neuen Mitte – seine 24-eckige, genietete Stahlhülle mit 24 tragenden Stahlstützen erreicht rund 117,5 Meter Höhe bei knapp 68 Metern Durchmesser und steht seit 1996 als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Kein gewöhnliches Bauvorhaben erreicht diese Dimension, doch die großflächigen Sonderbauten der Neuen Mitte – etwa Verkaufs- oder Freizeitgebäude mit mehreren zusammenhängenden Fassadenabschnitten – liegen in puncto Höhe, Gliederung und Öffnungszahl deutlich näher an dieser Größenordnung als an einem Wohnhaus in den drei älteren Stadtteilen. Entsprechend braucht ein solcher Plansatz häufig mehrere abgestimmte Teilansichten statt einer einzelnen Fassadenzeichnung.

Neubau oder Bestandsfassade – zwei Ausgangslagen

Ob eine Ansicht komplett neu entsteht oder eine bestehende Fassade dokumentiert, wirkt sich in Oberhausen auf die Herangehensweise aus:

Neubau: alle Seiten aus einer Planung

Bei einem Neubau in der Neuen Mitte entstehen die Ansichten aller Fassadenseiten gemeinsam mit Grundriss und Schnitt aus derselben digitalen Entwurfsplanung – Öffnungen, Materialien und Höhen sind von vornherein aufeinander abgestimmt.

Bestand: Aufmaß der betroffenen Fassade

Bei einem Anbau, Fenstertausch oder einer Dachgaube in Alt-Oberhausen, Sterkrade oder Osterfeld braucht es zunächst ein aktuelles Aufmaß der betroffenen Fassadenseite – gerade bei Häusern aus der Wiederaufbauzeit weicht der heutige Bestand oft von einer möglicherweise noch vorhandenen alten Zeichnung ab.

Was zu einer vollständigen Ansicht in Oberhausen gehört

Eine einzelne Fassadenzeichnung reicht der Einreichung selten – gefragt ist ein auf Grundriss und Schnitt abgestimmter Satz:

  • Ansichten aller betroffenen Fassadenseiten

    Bemaßt im Regelmaßstab 1:100, mit Höhen, Öffnungen und – wo relevant – Material- und Farbangaben.

  • Abgestimmter Grundriss und Schnitt

    Damit Maße, Geschosshöhen und Öffnungspositionen zwischen den Zeichnungen des Plansatzes übereinstimmen.

  • Bestandsaufmaß bei älteren Fassaden

    Für Gebäude in den drei historischen Stadtmitten ohne durchgehend aktuelle Hausakte liefert erst ein Aufmaß die verlässliche Grundlage für die Ansicht.

Bemaßte Ansichten in Oberhausen – Beispiele aus der Praxis

Balkonanbau an einem Reihenhaus in Osterfeld

Eine einzelne bemaßte Ansicht der Hoffassade zeigt Höhe und Position des geplanten Balkons im Vergleich zum bestehenden Mauerwerk.

Fenstertausch an einem Gründerzeithaus in Alt-Oberhausen

Neue Fensteröffnungen müssen mit Rohbaumaßen und im Vergleich zum Bestand eindeutig dargestellt werden, auch wenn sich die äußeren Maße nicht ändern.

Fassadenänderung an einem Sonderbau der Neuen Mitte

Weil das Gebäude über mehrere zusammenhängende Fassadenabschnitte verfügt, entstehen mehrere abgestimmte Teilansichten statt einer einzelnen Zeichnung – im Maßstab 1:100, ergänzt um Materialangaben.

So entsteht Ihre Ansicht für Oberhausen

Von der Bestandsaufnahme bis zur einreichfertigen Zeichnung:

  1. Betroffene Fassadenseiten klären

    Welche Seiten sind vom Vorhaben überhaupt sichtbar betroffen – bei Reihenhausbebauung in den älteren Stadtteilen oft nur eine einzelne Fassade.

  2. Aufmaß oder Hausakte als Grundlage

    Vorhandene Hausakte oder ein aktuelles Aufmaß der betroffenen Fassade als Ausgangspunkt.

  3. Ansicht bemaßt erstellen

    Im Regelmaßstab 1:100, mit allen Pflichtangaben der BauPrüfVO NRW.

  4. Mit Grundriss und Schnitt abgleichen

    Damit Öffnungen, Höhen und Bauteile zwischen den Zeichnungen des Plansatzes widerspruchsfrei sind.

  5. Für das zuständige Revier zusammenstellen

    Digital aufbereitet und über das Bauportal.NRW oder auf dem Postweg beim Bereich Bauordnung im Technischen Rathaus eingereicht.

Was den Preis für eine Ansicht in Oberhausen beeinflusst

Diese Faktoren bestimmen den Aufwand für eine bemaßte Ansicht:

  • Zahl der betroffenen Fassadenseiten

    Eine einzelne Hoffassade in einem Reihenhaus ist schneller erstellt als mehrere Seiten bei einem freistehenden Gebäude.

  • Sonderbau oder gewöhnliches Wohnhaus

    Ein großflächiger Sonderbau der Neuen Mitte mit mehreren zusammenhängenden Fassadenabschnitten verlangt mehr Teilansichten als ein Wohnhaus in den älteren Stadtteilen.

  • Neubau oder Bestandsfassade

    Eine Ansicht aus laufender Neubauplanung entsteht meist zügiger als die Dokumentation einer Bestandsfassade aus der Wiederaufbauzeit.

  • Detailtiefe bei Material und Farbe

    Sobald Fassadenmaterial und Farbgebung für die Beurteilung relevant sind, braucht es zusätzliche Angaben über die reine Bemaßung hinaus.

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