Bemaßte Schnittzeichnungen in Nürnberg — Wiederaufbaudecken der 1950er gegen Gründerzeithöhen in Gostenhof

Ein Grundriss zeigt die Raumaufteilung, eine Ansicht die Fassade – erst der Schnitt macht sichtbar, was dazwischenliegt: Geschosshöhe, Dachaufbau, Deckenkonstruktion. In Nürnberg treffen dabei zwei sehr unterschiedliche Bauepochen aufeinander. Hinter den nach der Gestaltungssatzung vorgeschriebenen Sandsteinfassaden der Altstadt verbirgt sich meist eine unauffällige Konstruktion aus dem Wiederaufbau der 1950er-Jahre mit vergleichsweise moderaten, standardisierten Geschosshöhen. Im echten Gründerzeitbestand außerhalb der Altstadt, etwa in Gostenhof, stehen dagegen die für diese Bauepoche typischen hohen Räume – ein Unterschied, der sich unmittelbar im Schnitt niederschlägt und sowohl die Wohnflächenberechnung als auch die bauordnungsrechtliche Einordnung beeinflusst. Hinzu kommt: Seit der BayBO-Reform 2025 ist der Ausbau eines Dachgeschosses zu Wohnzwecken verfahrensfrei, solange Dachform und Fassade unverändert bleiben – eine Erleichterung, die der Schnitt gerade deshalb besonders sorgfältig belegen muss, weil er zugleich die neue Innenraumhöhe und die unveränderte äußere Kontur zeigt.

Was ein Schnitt in Nürnberg formal und rechnerisch leisten muss

Neben den formalen Vorgaben der Bauvorlagenverordnung hängen am Schnitt in Nürnberg gleich zwei eigenständige Berechnungen:

  • Formal ist ein Mindestmaßstab von 1:100 einzuhalten, mit durchgehender Bemaßung aller Geschosshöhen, der Dachneigung und relevanter Aufbauten nach den Zeichen und Farben der Anlage 1 BauVorlV.
  • Bauordnungsrechtlich weist der Schnitt die lichte Höhe von Aufenthaltsräumen nach Art. 45 BayBO nach – 2,40 Meter im Regelfall, 2,20 Meter im Dachgeschoss über der Hälfte der Netto-Grundfläche, Raumteile unter 1,50 Meter bleiben unberücksichtigt.
  • Für die Wohnflächenberechnung liefert derselbe Schnitt die Grundlage der Anrechnung nach § 4 WoFlV – volle, hälftige oder keine Anrechnung, je nach eingetragener Höhenzone.
  • Beim verfahrensfreien Dachgeschossausbau nach der BayBO-Reform 2025 muss der Schnitt zusätzlich zeigen, dass Dachform und Fassade gegenüber dem genehmigten Bestand unangetastet bleiben.
Zwei Bauepochen, zwei Geschosshöhen

Kaum eine Zeichnung im Nürnberger Plansatz trägt so unterschiedliche Ausgangslagen wie der Schnitt. Weil die Altstadt beim Luftangriff vom 2. Januar 1945 zu rund 90 Prozent zerstört wurde, steckt hinter den heute vorgeschriebenen Sandsteinfassaden meist eine Konstruktion aus dem Wiederaufbau der 1950er-Jahre – mit den für diese Zeit typischen, eher knapp bemessenen Geschosshöhen. Ein Schnitt durch ein solches Haus zeigt entsprechend moderate Werte, die für die Anrechnung nach § 4 WoFlV und die Mindesthöhen nach Art. 45 BayBO meist knapp, aber sicher ausreichen. Ganz anders der erhaltene Gründerzeitbestand außerhalb der Altstadt, etwa in Gostenhof: Die dort üblichen hohen Geschosse eröffnen Spielräume, die ein Wiederaufbauhaus nicht bietet – etwa den nachträglichen Einbau einer Galerieebene innerhalb eines einzigen, ungewöhnlich hohen Geschosses. Welche der beiden Konstellationen tatsächlich vorliegt, lässt sich nicht am Baujahr ablesen, das bei einem wiederaufgebauten Haus ebenfalls oft auf die 1950er-Jahre verweist, sondern erst an den vor Ort gemessenen Werten.

Drei Ausgangslagen für Ihren Nürnberger Schnitt

Je nachdem, was der Schnitt zeigen und wofür er dienen soll, unterscheidet sich das Vorgehen:

Neubau mit durchgeplanter Konstruktion

Geschosshöhen und Dachaufbau entstehen zusammen mit Grundriss und Ansicht aus einer Planung und sind von Beginn an aufeinander abgestimmt.

Dachgeschossausbau am Wiederaufbau- oder Gründerzeitbestand

Vor dem Ausbau steht ein Aufmaß der vorhandenen Geschosshöhe, Kniestockhöhe und Dachneigung – Grundlage dafür, ob die Verfahrensfreiheit nach der BayBO-Reform 2025 überhaupt greift.

Schnitt allein für eine Höhenberechnung

Geht es nur um den Nachweis einer Raumhöhe für Wohnflächenberechnung oder Gebäudeklasse, genügt oft eine auf die relevante Zone reduzierte Darstellung.

Was zu einem vollständigen Schnitt in Nürnberg gehört

Ein einzelner Schnitt trägt selten allein – meist braucht es diese ergänzenden Angaben:

  • Schnittführung durch den relevanten Gebäudeteil

    Bemaßt im Maßstab mindestens 1:100, mit allen Geschosshöhen und dem vollständigen Dachaufbau.

  • Markierung der Ein- und Zwei-Meter-Grenze

    Für die Wohnflächenanrechnung nach § 4 WoFlV, damit jeder Höhenstreifen unter der Dachschräge eindeutig zugeordnet werden kann.

  • Nachweis der Mindesthöhen nach Art. 45 BayBO

    Insbesondere im Dachgeschoss, wo die Grenze von 2,20 Metern über der halben Netto-Grundfläche eingehalten werden muss.

  • Vergleich mit dem genehmigten Bestand

    Beim verfahrensfreien Dachgeschossausbau belegt der Schnitt, dass Dachform und Fassade gegenüber der bestehenden Genehmigung unverändert bleiben.

Bemaßte Schnittzeichnungen in Nürnberg – Beispiele aus der Praxis

Verfahrensfreier Dachgeschossausbau in einem Nachkriegs-Mehrfamilienhaus

Der Schnitt zeigt sowohl die unveränderte Dachform als auch die neuen Raumhöhen darunter – Voraussetzung für die seit 2025 geltende Verfahrensfreiheit.

Wiederaufbauwohnung in der Sebalder Altstadt

Hinter der Sandsteinfassade liegt eine Stahlbetondecke der 1950er-Jahre mit moderater Geschosshöhe – der Schnitt weist nach, dass die Mindesthöhe nach Art. 45 BayBO gerade noch erreicht wird.

Galerieeinbau in einer hohen Gründerzeitwohnung in Gostenhof

Die für die Bauzeit typische große Geschosshöhe erlaubt eine zusätzliche Ebene – der Schnitt weist die neu entstehenden Raumhöhen oberhalb und unterhalb der Galerie nach.

Vollgeschossprüfung für ein Staffelgeschoss auf dem AEG-Areal

Erst der bemaßte Schnitt klärt, ob die Raumhöhe des obersten Geschosses die für die Vollgeschossigkeit maßgebliche Schwelle erreicht.

So entsteht Ihr Schnitt für Nürnberg

Von der Bestandsklärung bis zur einreichfertigen Zeichnung:

  1. Bauepoche vor Ort klären

    Zuerst wird geprüft, ob hinter der Fassade Wiederaufbau- oder tatsächliche Gründerzeitsubstanz mit entsprechend anderen Geschosshöhen steckt.

  2. Bauarchiv-Akte oder Aufmaß beschaffen

    Vorhandene Unterlagen aus dem Bauarchiv der Johannesgasse oder ein aktuelles Aufmaß der betroffenen Geschosse und des Dachs bilden die Grundlage.

  3. Schnitt mit allen Pflichtangaben zeichnen

    Im Maßstab mindestens 1:100, einschließlich Ein- und Zwei-Meter-Grenze und Nachweis der Mindesthöhen nach Art. 45 BayBO.

  4. Widerspruchsfreiheit zum übrigen Plansatz herstellen

    Grundriss und Ansicht werden auf dieselben Geschosshöhen und Dachmaße abgeglichen.

  5. Für Bauordnungsbehörde oder Berechnung bereitstellen

    Je nach Zweck als Teil des vollständigen Plansatzes oder als eigenständige Grundlage für Wohnflächenberechnung und Gebäudeklasse.

Was den Preis für einen Schnitt in Nürnberg beeinflusst

Diese Faktoren bestimmen den Aufwand für eine bemaßte Schnittzeichnung:

  • Zahl der notwendigen Schnittführungen

    Ein einzelner, aussagekräftiger Schnitt ist schneller erstellt als mehrere Schnitte durch unterschiedliche Gebäudeteile.

  • Wiederaufbau- oder Gründerzeitkonstruktion

    Eine unklare Bauepoche hinter der Fassade macht ein Aufmaß vor Ort nötig, bevor die tatsächlichen Geschosshöhen feststehen.

  • Komplexität des Dachaufbaus

    Mehrere Gauben und wechselnde Neigungen bedeuten mehr Detaillierungsaufwand als ein einfaches Satteldach.

  • Nachweis für Verfahrensfreiheit oder volles Verfahren

    Der Nachweis unveränderter Dachform beim verfahrensfreien Ausbau verlangt einen anderen Detailgrad als ein Schnitt für das volle Baugenehmigungsverfahren.

  • Zustand der Bauarchiv-Akte

    Fehlt eine verwertbare Bestandszeichnung, kommt vor der eigentlichen Schnittzeichnung ein Aufmaß-Termin hinzu.

Alle Leistungen in Nürnberg

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