Bemaßte Schnittzeichnungen in München — Geschosshöhen zwischen Wohnflächenberechnung und Gebäudeklasse

Grundriss und Ansicht zeigen ein Gebäude von oben und von außen – erst der Schnitt macht sichtbar, was dazwischenliegt: Geschosshöhen, Dachneigung, Kniestock und Deckenaufbauten. Für München trägt diese Zeichnung ungewöhnlich viel Gewicht, weil zwei völlig getrennte Berechnungen auf dieselben Höhenangaben zugreifen. Die Wohnflächenverordnung staffelt die Anrechnung von Raumteilen unter Dachschrägen nach genau den Linien, die im Schnitt eingetragen werden, und die Bayerische Bauordnung zieht aus derselben Zeichnung die Höhe des höchstgelegenen Aufenthaltsraums heran, um die Gebäudeklasse eines Vorhabens zu bestimmen. Bei einem Baubestand, in dem der Ausbau vorhandener Dachgeschosse zu den regelmäßigsten Bauvorhaben überhaupt zählt, entscheidet der Schnitt damit häufig über mehr als nur die eigene Darstellung.

Was ein Schnitt für München formal leisten muss

Auch für Schnittzeichnungen gelten dieselben Grundanforderungen der Bauvorlagenverordnung wie für den übrigen Plansatz:

  • Maßstab von mindestens 1:100, mit Zahlenangabe, Maßstabsleiste und durchgehender Bemaßung aller Geschosshöhen, der Dachneigung sowie relevanter Aufbauten.
  • Kennzeichnung der Bauteile nach Anlage 1 der Bauvorlagenverordnung, damit Deckenkonstruktion und Dachaufbau ohne Rückfrage erkennbar sind.
  • Bei einer Änderung am Bestand sind neue und wegfallende Bauteile im Schnitt klar voneinander zu trennen, etwa eine veränderte Dachkonstruktion gegenüber der ursprünglichen.
Zwei Berechnungen hängen an derselben Höhenlinie

Selten trägt eine einzelne Zeichnung im Münchner Plansatz so viel Gewicht wie der Schnitt. Für die Wohnflächenberechnung markiert er nach § 4 WoFlV die entscheidenden Grenzen: volle Anrechnung ab zwei Metern lichter Höhe, halbe zwischen einem und zwei Metern, keine darunter – bewertet wird jeder Höhenstreifen für sich, nicht der Raum als Ganzes. Für die baurechtliche Seite entnimmt die Lokalbaukommission derselben Zeichnung die Höhe des höchstgelegenen Aufenthaltsraums, ein nach Art. 2 Abs. 4 BayBO maßgebliches Kriterium für die Gebäudeklasse, neben der Zahl der Nutzungseinheiten und weiteren Merkmalen. Und ganz grundsätzlich, unabhängig vom konkreten Bundesland, gilt im deutschen Planungsrecht: Ob ein Geschoss als Vollgeschoss zählt, hängt unter anderem von der im Schnitt bemaßten Raumhöhe ab – mit Auswirkungen auf die insgesamt zulässige Zahl der Geschosse. Eine Ungenauigkeit an dieser einen Zeichnung wirkt sich damit potenziell an mehreren Stellen zugleich aus.

Drei Ausgangslagen für Ihren Münchner Schnitt

Je nachdem, was der Schnitt zeigen und wofür er dienen soll, unterscheidet sich die Vorgehensweise:

Neubau: Höhen aus einer durchgeplanten Konstruktion

Bei einem Neubau entwickeln sich Geschosshöhen und Dachaufbau gemeinsam mit Grundriss und Ansicht aus derselben Planung – die Angaben sind von Beginn an aufeinander abgestimmt, bevor sie digital eingereicht werden.

Dachgeschossausbau: Aufmaß der vorhandenen Substanz

Vor dem Ausbau eines bestehenden Dachgeschosses braucht es zunächst ein aktuelles Aufmaß der vorhandenen Geschosshöhen, der Dachneigung und der Kniestockhöhe, damit sich neue und bestehende Bauteile im Schnitt sauber trennen lassen.

Schnitt allein für eine Berechnung

Geht es nur um den Nachweis einer Raumhöhe für die Wohnflächenberechnung oder die Gebäudeklasse, ohne dass ein Bauantrag ansteht, reicht häufig eine reduzierte Darstellung mit Fokus auf die relevante Zone.

Was ein vollständiger Münchner Schnitt enthält

Ein einzelner Schnitt wirkt selten für sich – meist braucht es zusätzlich diese Angaben:

  • Schnittführung durch den relevanten Gebäudeteil

    Bemaßt im Maßstab mindestens 1:100, mit allen Geschosshöhen und dem vollständigen Dachaufbau.

  • Markierung der Ein- und Zwei-Meter-Grenze

    Für die Wohnflächenberechnung eingezeichnet, damit jeder Höhenstreifen unter der Dachschräge eindeutig zugeordnet werden kann.

  • Vermerk zur Höhe des höchstgelegenen Aufenthaltsraums

    Als Grundlage für die Bestimmung der Gebäudeklasse nach Art. 2 Abs. 4 BayBO.

Bemaßte Schnittzeichnungen in München – Beispiele aus der Praxis

Dachgeschossausbau über einer Altbauwohnung in der Isarvorstadt

Kniestockhöhe und die Lage jeder Gaube werden bemaßt in den Schnitt übertragen – daraus ergibt sich zugleich, wie viel der neu gewonnenen Fläche später überhaupt als Wohnfläche zählt.

Anfrage zur Gebäudeklasse vor einer Aufstockung in Neuhausen

Bevor die Tragwerksplanung beginnt, liest die Lokalbaukommission aus dem Schnitt die Höhe des höchstgelegenen Aufenthaltsraums ab und klärt so, ob das Vorhaben in der bisherigen Gebäudeklasse bleibt.

Zusätzliche Ebene in einem hohen Altbaugeschoss in Schwabing

Die für Gründerzeitbauten typisch große Geschosshöhe erlaubt den Einbau einer Galerie – der Schnitt weist die neu entstehenden Raumhöhen oberhalb und unterhalb der Ebene nach.

Gaubenanbau im Rahmen eines Dachausbaus in Haidhausen

Ein eigener Schnitt durch die Gaube dokumentiert, wie sie sich in die bestehende Dachneigung einfügt – abgestimmt auf die zugehörige Ansicht der Fassade.

Klärung der Vollgeschossigkeit eines Staffelgeschosses in Bogenhausen

Erst der bemaßte Schnitt zeigt, ob die Raumhöhe des obersten Geschosses die maßgebliche Schwelle erreicht – ausschlaggebend für die nach Planungsrecht zulässige Geschosszahl.

So entsteht Ihr Schnitt für München

Von der Bestandsaufnahme bis zur verwendungsfertigen Zeichnung:

  1. Erforderliche Schnittführung bestimmen

    Welcher Teil des Gebäudes muss dargestellt werden, damit Geschosshöhen und Dachaufbau nachvollziehbar werden.

  2. Bestand über Zentralregistratur oder Aufmaß erfassen

    Bestehende Bauakte oder aktuelles Aufmaß der betroffenen Geschosse und des Dachs als Ausgangspunkt.

  3. Schnitt mit allen Pflichtangaben zeichnen

    Im Maßstab mindestens 1:100, einschließlich Ein- und Zwei-Meter-Grenze und Höhe des höchstgelegenen Aufenthaltsraums.

  4. Widerspruchsfreiheit zum übrigen Plansatz herstellen

    Grundriss und Ansicht werden auf dieselben Geschosshöhen und Dachmaße abgeglichen.

  5. Für den jeweiligen Zweck bereitstellen

    Digital für die Lokalbaukommission oder als eigenständige Grundlage für eine Berechnung, je nach Anlass.

Was den Preis für einen Schnitt in München beeinflusst

Diese Faktoren bestimmen den Aufwand für eine bemaßte Schnittzeichnung:

  • Zahl der erforderlichen Schnittführungen

    Ein einzelner, aussagekräftiger Schnitt ist schneller erstellt als mehrere Schnitte durch unterschiedliche Gebäudeteile.

  • Neubau oder vorhandene Bausubstanz

    Höhen aus einer laufenden Neubauplanung liegen meist bereits vor; eine unklare Bestandskonstruktion braucht zusätzliches Aufmaß.

  • Ausprägung des Dachaufbaus

    Mehrere Gauben und wechselnde Neigungen bedeuten mehr Detaillierungsaufwand als ein einfaches Satteldach.

  • Verfügbarkeit der Zentralregistratur-Akte

    Fehlt eine verwertbare Bestandszeichnung, kommt vor der eigentlichen Schnittzeichnung ein Aufmaß-Termin hinzu.

  • Gewünschter Verwendungszweck

    Ein Schnitt für den vollständigen Bauantrag verlangt mehr Detailtiefe als eine reduzierte Fassung allein für die Wohnflächenberechnung.

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