Grundrisse in Mainz — von der wiederauferstandenen Neustadt bis zur engen Parzelle der Südlichen Altstadt bemaßt erfasst
Am 27. Februar 1945 zerstörten 435 Bomber innerhalb von 16 Minuten rund 80 Prozent der Mainzer Innenstadt, die Einwohnerzahl sank von 154.000 im Jahr 1939 auf 76.000 bei Kriegsende, mehr als 11.000 Wohngebäude wurden zur Hälfte oder mehr beschädigt. Umso bemerkenswerter ist, dass die Ende des 19. Jahrhunderts auf dem ehemaligen „Gartenfeld“ errichtete Mainzer Neustadt trotz der Kriegsschäden bis heute das prägende gründerzeitliche Stadtbild liefert und derzeit aufwendig saniert wird. Für den Grundriss ergibt sich daraus ein differenziertes Bild: Manche Neustadt-Gebäude verfügen noch über eine weitgehend lückenlose Bauakte, andere wurden nach Kriegsschäden wiederaufgebaut oder später stark verändert. Ganz anders liegt der Fall in der Südlichen Altstadt, deren historisch besonders schmale Parzellen bis heute eine präzise Erfassung verlangen, und im Zollhafen, wo auf 30 Hektar seit 2010 rund 1.400 Wohneinheiten mit von Beginn an digitalen Plänen entstehen.
Wann Sie in Mainz einen neuen Grundriss brauchen
Ein Grundriss ist für sich genommen keine genehmigungspflichtige Leistung, wird in Mainz aber in mehreren wiederkehrenden Situationen zwingend vorausgesetzt:
- Verkauf und Finanzierung: Bank und Notar verlangen einen aktuellen, bemaßten Plan – ein Plan aus der Bauzeit reicht selten, wenn die Wohnung seither umgebaut wurde.
- Fehlende oder kriegsbedingt lückenhafte Bauakte: Nach den schweren Zerstörungen von 1945 fehlen für manche Neustadt- oder Altstadtgebäude Teile der ursprünglichen Bauunterlagen.
- Teilungserklärung und Aufteilungsplan: Wer ein Gründerzeithaus in der Neustadt in Wohnungs- und Teileigentum aufteilt, braucht einen maßstäblichen Aufteilungsplan als Grundlage der Abgeschlossenheitsbescheinigung.
- Enge Parzelle in der Südlichen Altstadt: Weicht die vorhandene Bauakte von den tatsächlichen, historisch schmalen Grundstücksgrenzen ab, wird der Grundriss anhand des heutigen Bestands neu erstellt.
- Neubau im Zollhafen: Für die seit 2010 entstehenden Wohneinheiten auf dem ehemaligen Hafenareal gehört ein bemaßter Grundriss zu den üblichen Bauvorlagen.
Kaum ein Mainzer Stadtteil zeigt den Kontrast zwischen Kriegsverlust und baulicher Kontinuität so deutlich wie die Neustadt. Ende des 19. Jahrhunderts auf dem ehemaligen „Gartenfeld“ nach den Plänen des Stadtbaumeisters Eduard Kreyßig angelegt, blieb das Viertel mit der Christuskirche als Landmarke trotz der schweren Luftangriffe von 1942 und 1945 in seiner städtebaulichen Grundstruktur überwiegend erhalten und wird seit einigen Jahren aufwendig saniert. Für den Grundriss bedeutet das: Anders als in Städten, deren historische Kernbestände nahezu vollständig verloren gingen, lässt sich in der Neustadt häufig noch auf eine vorhandene Bauakte zurückgreifen – sie muss aber sorgfältig darauf geprüft werden, ob seither Kriegsschäden, Wiederaufbaumaßnahmen oder spätere Umbauten den ursprünglichen Zuschnitt verändert haben, bevor sie als verlässliche Grundlage dient.
Woher Ihr Mainzer Grundriss stammt
Je nach Gebäude und Lage kommt einer von drei Wegen infrage:
Aus der Bauakte der Abteilung Bauaufsicht
Existiert eine verwertbare Bauakte und stimmt sie mit dem heutigen Bestand überein, lässt sich der Grundriss daraus ableiten und bei Bedarf neu bemaßen. Die Abteilung Bauaufsicht mit Sitz auf der Zitadelle ist für das gesamte, kreisfreie Stadtgebiet zentral zuständig.
Per Aufmaß vor Ort
Bei kriegsbedingt lückenhafter Aktenlage in Neustadt oder Altstadt sowie bei den historisch schmalen Parzellen der Südlichen Altstadt liefert ein Aufmaß vor Ort meist die verlässlicheren Ergebnisse.
Aus vorhandenen digitalen Plänen
Für Neubauwohnungen im Zollhafen, auf dessen 30 Hektar seit 2010 rund 1.400 Wohneinheiten entstehen, liegen die Baupläne von Beginn an digital vor und lassen sich unmittelbar weiterverwenden.
Welche Unterlagen für Ihren Mainzer Grundriss hilfreich sind
Je nachdem, welcher Weg zum Ziel führt, sind unterschiedliche Unterlagen relevant:
- Bauakte mit Eigentumsnachweis und Vollmacht
Für die Akteneinsicht bei der Abteilung Bauaufsicht werden üblicherweise ein aktueller Eigentumsnachweis und, wenn ein Dritter die Anfrage stellt, eine Vollmacht des Eigentümers verlangt. Anträge lassen sich auch über das rheinland-pfälzische Online-Portal für Baugenehmigungen stellen.
- Vorhandene alte Pläne oder Skizzen
Selbst unvollständige oder ältere Pläne helfen, die ursprüngliche Raumaufteilung nachzuvollziehen, bevor vor Ort nachgemessen wird – bei Gebäuden mit Kriegsschäden allerdings oft nur zur groben Orientierung.
- Teilungserklärung und Aufteilungsplan
Bei Eigentumswohnungen zeigt der bestehende Aufteilungsplan, welche Räume zum Sondereigentum gehören – wichtig, wenn ein neuer Grundriss mit der ursprünglichen Aufteilung abgeglichen werden muss.
- Angaben zu den Parzellengrenzen in der Südlichen Altstadt
Bei einem Gebäude auf einer der historisch schmalen Parzellen hilft eine kurze Übersicht der tatsächlichen Grundstücksgrenzen, um den Grundriss von Anfang an korrekt einzuordnen.
Grundrisse in Mainz – Beispiele aus der Praxis
Gründerzeitwohnung in der Neustadt vor dem Verkauf
Für eine Wohnung nahe der Christuskirche zeigt die Bauakte oft den Zustand vor den Kriegsschäden, während Bad und Grundriss seither erneuert wurden. Ein Aufmaß vor Ort erfasst den heutigen, tatsächlichen Zuschnitt zuverlässig.
Schmales Parzellenhaus in der Südlichen Altstadt
Für ein Gebäude auf einem historisch besonders schmal geschnittenen Grundstück reicht eine grobe, unbemaßte Skizze nicht aus. Der Grundriss wird vor Ort präzise vermessen, um die tatsächlichen Raum- und Grundstücksgrenzen sauber abzubilden.
Neubauwohnung im Zollhafenquartier
Für eine Wohnung auf dem seit 2010 entwickelten, 30 Hektar großen Hafenareal liegt der Grundriss von Anfang an als digitale Bauvorlage vor und lässt sich unmittelbar für Exposé oder Bank weiterverwenden.
Nach Kriegsschäden wiederaufgebautes Neustadthaus
Wurde ein Gebäude nach 1945 mit verändertem Grundriss wiederaufgebaut, ohne dass die historische Bauakte entsprechend fortgeschrieben wurde, ist ausschließlich der heutige, tatsächliche Bestand für einen aktuellen Grundriss maßgeblich.
So läuft Ihr Grundriss in Mainz ab
Fachlich ist der Ablauf bundesweit derselbe. In Mainz liegt das Gewicht auf der frühen Klärung, ob eine vorhandene Bauakte Kriegsschäden und spätere Umbauten überhaupt vollständig abbildet:
- Zweck und Anlass klären
Ob der Grundriss für Verkauf, Finanzierung, eine Teilungserklärung oder einen Neubau gebraucht wird, bestimmt die Anforderungen an Maßstab und Detailtiefe.
- Vorhandene Unterlagen prüfen
Bauakte oder alte Pläne werden auf Vollständigkeit und Übereinstimmung mit dem heutigen Bestand geprüft – gerade in Neustadt und Altstadt auch mit Blick auf mögliche Kriegsschäden und Wiederaufbau.
- Fehlende Grundlagen beschaffen oder aufmessen
Reichen die vorhandenen Unterlagen nicht aus, wird die Bauakte bei der Abteilung Bauaufsicht angefragt oder direkt vor Ort aufgemessen.
- Grundriss zeichnen und bemaßen
Aus den erfassten Maßen entsteht der bemaßte Grundriss – auf Wunsch inklusive Möblierung und weiteren Detailgraden für die Vermarktung.
- Ergebnis übergeben
Sie erhalten den fertigen Grundriss als Plandatei, auf Wunsch mit Architektenstempel – bereit für Bank, Notar oder Exposé.
Was den Aufwand eines Grundrisses in Mainz beeinflusst
Der Erfassungsaufwand unterscheidet sich zwischen den Mainzer Gebäudetypen deutlich:
- Zustand der vorhandenen Unterlagen
Eine aktuelle, verwertbare Bauakte ist der günstigste Fall. Fehlt sie kriegsbedingt oder weicht sie vom Bestand ab, kommen Aktenrecherche bei der Abteilung Bauaufsicht oder ein Vor-Ort-Termin hinzu.
- Lage: Neustadt, Südliche Altstadt oder Zollhafen
Die historisch schmalen Parzellen der Südlichen Altstadt verlangen mehr Sorgfalt bei der Erfassung als eine reguläre Neubauwohnung im Zollhafen mit digital vorliegenden Plänen.
- Zahl der Ebenen und Räume
Eine einzelne Etagenwohnung ist rasch erfasst. Ein Haus mit mehreren Gebäudeteilen und Geschossen verlangt für jede Einheit einen eigenen Erfassungsdurchgang.
- Anlass und Detailtiefe
Ein reiner Nachweis für die Bauakte unterscheidet sich im Aufwand von einem vermarktungsfertigen, möblierten und bemaßten Grundriss für ein Exposé.
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