Bemaßte Schnittzeichnungen in Mainz — Geschosshöhen und Dachausbau in Neustadt und Altstadt nachgewiesen
Während Grundriss und Ansicht die Fläche und die Fassade eines Gebäudes zeigen, beantwortet erst der Schnitt die Frage nach der Höhe: Wie hoch ist ein Geschoss tatsächlich, wie weit reicht der Kniestock, wo lässt die Dachschräge noch aufrechtes Stehen zu? Für Mainz ist das keine akademische Frage. Der große Bestand ungenutzter oder nur teilweise ausgebauter Dachgeschosse in der gründerzeitlichen Neustadt macht den Ausbau zu einem der häufigsten Bauvorhaben der Stadt, und in der Südlichen Altstadt kommen historisch schmale, unregelmäßig geschnittene Dachstühle hinzu. Ob ein solches Geschoss am Ende als Vollgeschoss zählt – mit unmittelbaren Folgen für die zulässige Geschosszahl nach dem jeweiligen Planungsrecht –, lässt sich ausschließlich anhand der im Schnitt nachgewiesenen Raumhöhe klären.
Anforderungen der BauuntPrüfVO an den Schnitt
Für den Schnitt gelten dieselben Grundregeln wie für Grundriss und Ansicht, angewendet auf die vertikale Struktur des Gebäudes:
- Mindestmaßstab 1:50, mit numerischer Maßstabsangabe, Maßstabsleiste und vollständiger Bemaßung der Geschosshöhen und der Dachneigung.
- Deckenkonstruktion und Dachaufbau müssen als wesentliche Bauprodukte und Bauarten erkennbar dargestellt sein.
- Bestand und Planung müssen bei Umbauten klar auseinandergehalten werden – zu beseitigende und neue Bauteile in eindeutig unterscheidbarer Darstellung.
In kaum einem anderen Vorhabentyp entscheidet eine einzelne Zeichnung so unmittelbar über die Genehmigungsfähigkeit wie beim Dachgeschossausbau. Der große, teils ungenutzte Dachbestand der Neustadt und die kleinteiligen Dachstühle der Südlichen Altstadt bringen es mit sich, dass gerade hier häufig knapp kalkuliert wird: Reicht die Raumhöhe unter der Schräge, um den Bereich überhaupt als nutzbaren Raum anzurechnen? Und liegt die Höhe des Geschosses insgesamt über der Schwelle, ab der es als Vollgeschoss zählt? Beide Fragen beantwortet ausschließlich der bemaßte Schnitt – die Schwelle selbst ergibt sich aus der Vollgeschossdefinition der Landesbauordnung und wird vom Entwurfs- oder Tragwerksplaner im Einzelfall angewendet.
Unterschiedliche Ausgangslagen für Neubau und Bestand
Woher der Schnitt seine Maße bezieht, hängt vom Gebäudetyp ab:
Neubau im Zollhafen: durchgeplante Struktur
Geschosshöhen und Dachaufbau entstehen zusammen mit Grundriss und Ansicht aus derselben Planung – alle Maße stimmen von Anfang an überein.
Bestand in Neustadt oder Altstadt: Aufmaß vor der Zeichnung
Ein aktuelles Aufmaß der bestehenden Geschosshöhen und der Dachkonstruktion geht dem Schnitt voraus. Bei Gründerzeithäusern bedeutet das oft ungewöhnlich große Raumhöhen, bei Fachwerkbauten der Altstadt zusätzlich eine über Jahrhunderte verzogene, schiefwinklige Geometrie, die sich nur durch genaues Nachmessen erfassen lässt.
Bestandteile eines vollständigen Schnitts für Mainz
Ein einzelner Schnitt reicht selten aus – Teil eines abgestimmten Plansatzes sind:
- Schnitt durch die maßgeblichen Gebäudeteile
Im Maßstab mindestens 1:50, mit Geschosshöhen, Dachneigung und den relevanten Aufbauten.
- Abgestimmte Grundriss- und Ansichtszeichnungen
Damit Geschosshöhen sowie First- und Traufhöhe innerhalb des Plansatzes widerspruchsfrei bleiben.
- Raumhöhennachweis für Dachbereiche
Insbesondere beim Dachgeschossausbau, wo die Höhe unter der Schräge über Nutzbarkeit und Vollgeschossigkeit entscheidet.
Bemaßte Schnittzeichnungen in Mainz – Beispiele aus der Praxis
Dachausbau eines Neustadt-Gründerzeithauses
Kniestock- und Firsthöhe sowie die nutzbare Raumhöhe unter der Schräge werden im Schnitt nachgewiesen – Grundlage für die Prüfung durch die Abteilung Bauaufsicht.
Zusätzliche Galerieebene in einem hohen Altbau-Geschoss
Die für Gründerzeitbauten typischen großen Raumhöhen schaffen Platz für eine Zwischenebene, deren neue Höhenverhältnisse der Schnitt oben und unten belegt.
Dachausbau an einem Fachwerkhaus in der Südlichen Altstadt
Schräge Balkendecken und wechselnde Raumhöhen verlangen einen Schnitt, der die tatsächliche, historisch gewachsene Geometrie abbildet – Grundlage ist ein entsprechend präzises Aufmaß.
Neubau im Zollhafenquartier
Geschosshöhen und Dachform entstehen als aufeinander abgestimmter Satz direkt aus der Planung, ohne vorherige Bestandsaufnahme.
Wie Ihr Schnitt für Mainz entsteht
Von der ersten Erfassung bis zur einreichfertigen Zeichnung:
- Schnittführung festlegen
Welcher Gebäudebereich muss dargestellt werden, damit Geschosshöhen und Dachaufbau vollständig nachvollziehbar sind.
- Bestandsdaten beschaffen
Vorhandene Bauakte oder ein aktuelles Aufmaß, in der Altstadt gegebenenfalls ergänzt um Diagonalmessungen für schiefwinklige Bausubstanz.
- Schnitt zeichnen und bemaßen
Im Maßstab mindestens 1:50, unter Berücksichtigung aller Pflichtangaben der BauuntPrüfVO.
- Abgleich mit Grundriss und Ansicht
Alle Höhenmaße im Plansatz müssen widerspruchsfrei zueinander passen.
- Übergabe an die Abteilung Bauaufsicht
Digital aufbereitet, insbesondere bei genehmigungskritischen Dachgeschossausbauten.
Was den Aufwand für einen Schnitt in Mainz beeinflusst
Diese Faktoren bestimmen, wie zeitaufwendig eine Schnittzeichnung wird:
- Anzahl notwendiger Schnittführungen
Ein durchgehender Gebäudeschnitt ist rascher fertig als mehrere Schnitte durch verschiedene Gebäudeteile.
- Neubau oder gewachsene Bausubstanz
Zollhafen-Neubauten mit laufender Planung sind schneller zu bearbeiten als unklare Bestandskonstruktionen in Neustadt oder Altstadt.
- Aufwand des Dachaufbaus
Gauben, Schrägen und Kniestöcke bei einem Dachgeschossausbau verlangen mehr Detaillierung als ein schlichtes Satteldach.
- Grad der Verformung historischer Bausubstanz
Verzogene Fachwerkkonstruktionen in der Südlichen Altstadt brauchen eine genauere Vermessung als ein rechtwinklig geschnittener Neubau.
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