Grundrisse in Magdeburg — vom Typenbau in Neu-Olvenstedt bis zur verschonten Blockrandbebauung am Hasselbachplatz bemaßt erfasst

Der Luftangriff vom 16. Januar 1945 zerstörte rund 90 Prozent der historischen Bebauung rund um Magdeburgs Zentrum – ein Ausmaß, das bis heute prägt, wie selten sich in der Stadt unversehrter Vorkriegsbestand findet. Das Hasselbachplatz-Viertel mit seiner geschlossenen gründerzeitlichen Blockrandbebauung gehört zu den wenigen Ausnahmen, die den Krieg weitgehend überstanden haben. Den weitaus größeren Teil des Magdeburger Wohnungsbestands prägen dagegen die großen DDR-Neubaugebiete: Neu-Olvenstedt entstand ab 1981 als größtes Neubauprojekt der DDR, ursprünglich für 45.000 Bewohner geplant, mit werksseitig ausgestatteten WBS-70-Typenwohnungen. Für den Grundriss bedeutet diese Geschichte einen doppelten Effekt: Wo Gebäude die Zerstörung überstanden, wurde häufig auch die zugehörige Bauakte in Mitleidenschaft gezogen, während der industriell errichtete Plattenbau vergleichsweise einheitliche, gut dokumentierte Grundrisse liefert.

Wann Sie in Magdeburg einen neuen Grundriss brauchen

Ein Grundriss ist für sich genommen keine genehmigungspflichtige Leistung, wird in Magdeburg aber in mehreren wiederkehrenden Situationen zwingend vorausgesetzt:

  • Verkauf und Finanzierung: Bank und Notar verlangen einen aktuellen, bemaßten Plan – bei Wohnungen im Typenbau reicht der allgemeine Bautyp-Plan selten aus, wenn seither individuell umgebaut wurde.
  • Fehlende oder kriegsbedingt unvollständige Bauakte: Für viele Vorkriegsgebäude, die 1945 nur knapp überstanden, sind auch Teile der zugehörigen Bauunterlagen nicht mehr vorhanden.
  • Teilungserklärung und Aufteilungsplan: Wer eine Immobilie in Wohnungs- und Teileigentum aufteilt, braucht einen maßstäblichen Aufteilungsplan als Grundlage der Abgeschlossenheitsbescheinigung.
  • Individuelle Veränderung im Plattenbau: Wurde eine WBS-70-Wohnung in Neu-Olvenstedt nachträglich umgebaut oder mit der Nachbarwohnung zusammengelegt, weicht sie vom ursprünglichen Typenplan ab.
  • Umnutzung von Speicherflächen: Bei Wohnungen in umgenutzten Getreidespeichern, etwa am Wissenschaftshafen, muss der Grundriss vollständig neu erstellt werden, weil kein Wohnungsplan aus der ursprünglichen Nutzung existiert.
Stadtarchiv statt Bauordnungsamt: Wenn die Bauakte selbst zum Kriegsverlust wurde

Für laufende Bauvorgänge ist der Fachdienst Bauordnungsamt und Denkmalschutz zuständig, doch für historische Gebäude lohnt sich zusätzlich ein Blick ins separat geführte Stadtarchiv Magdeburg, das eigene Bauaktenbestände ab etwa 1830 verwahrt und laufend ergänzt. Anders als in Städten, die weitgehend unzerstört blieben, ist diese Quelle in Magdeburg allerdings selbst lückenhaft: Der Luftangriff vom 16. Januar 1945 vernichtete nicht nur rund 90 Prozent der Bebauung rund um das Zentrum, sondern in vielen Fällen auch die zugehörigen Verwaltungsunterlagen. Wer für ein älteres Gebäude, etwa am Hasselbachplatz, einen historischen Grundriss sucht, sollte deshalb von vornherein einplanen, dass weder Bauordnungsamt noch Stadtarchiv zwangsläufig fündig werden – und ein Aufmaß vor Ort oft der zuverlässigere Ausgangspunkt ist.

Woher Ihr Magdeburger Grundriss stammt

Je nach Gebäudetyp und Baujahr kommt einer von drei Wegen infrage:

Aus der Bauakte des Fachdienstes Bauordnungsamt und Denkmalschutz

Existiert eine verwertbare, aktuelle Bauakte und stimmt sie mit dem heutigen Bestand überein, lässt sich der Grundriss daraus ableiten und bei Bedarf neu bemaßen. Für historische Bestände führt ergänzend das Stadtarchiv Magdeburg eigene Unterlagen.

Per Aufmaß vor Ort

Bei Vorkriegsgebäuden mit kriegsbedingt lückenhafter Aktenlage und bei individuell veränderten Plattenbauwohnungen liefert ein Aufmaß vor Ort meist die verlässlicheren Ergebnisse.

Aus vorhandenen digitalen Plänen

Für Neubauwohnungen, etwa in den entstehenden Gebäuden am Wissenschaftshafen, liegen die Baupläne von Beginn an digital vor und lassen sich unmittelbar weiterverwenden.

Welche Unterlagen für Ihren Magdeburger Grundriss hilfreich sind

Je nachdem, welcher Weg zum Ziel führt, sind unterschiedliche Unterlagen relevant:

  • Bauakte mit Eigentumsnachweis und Vollmacht

    Für die Akteneinsicht beim Fachdienst Bauordnungsamt und Denkmalschutz werden üblicherweise ein aktueller Eigentumsnachweis und, wenn ein Dritter die Anfrage stellt, eine Vollmacht des Eigentümers verlangt. Seit Dezember 2024 lässt sich die Anfrage auch digital über das Online-Portal der Stadt stellen.

  • Vorhandene alte Pläne oder Skizzen

    Selbst unvollständige oder veraltete Pläne helfen, die ursprüngliche Raumaufteilung nachzuvollziehen, bevor vor Ort nachgemessen wird – gerade bei Typenbauten in Neu-Olvenstedt oft ein guter Ausgangspunkt.

  • Teilungserklärung und Aufteilungsplan

    Bei Eigentumswohnungen zeigt der bestehende Aufteilungsplan, welche Räume zum Sondereigentum gehören – wichtig, wenn ein neuer Grundriss mit der ursprünglichen Aufteilung abgeglichen werden muss.

  • Angaben zu individuellen Umbauten im Typenbau

    Bei einer Wohnung in Neu-Olvenstedt oder am Neustädter See hilft eine kurze Übersicht der nachträglichen Veränderungen gegenüber dem ursprünglichen WBS-70-Typenplan, um den Erfassungsaufwand vorab richtig einzuschätzen.

Grundrisse in Magdeburg – Beispiele aus der Praxis

Typenwohnung in Neu-Olvenstedt ohne individuelle Veränderung

Für eine unveränderte WBS-70-Wohnung im größten DDR-Neubauprojekt lässt sich der standardisierte Typenplan meist mit geringem Zusatzaufwand übernehmen und neu bemaßen. Wurde die Wohnung seither umgebaut, reicht der allgemeine Plan dagegen nicht mehr aus.

Gründerzeitwohnung am Hasselbachplatz mit lückenhafter Akte

Für eine der wenigen erhaltenen Blockrandwohnungen liefert die Bauakte wegen der Kriegszerstörung von 1945 oft nur unvollständige Unterlagen. Ein Aufmaß vor Ort erfasst den heutigen, tatsächlichen Zuschnitt zuverlässig.

Speicherwohnung im Wissenschaftshafen

In einem der historischen Getreidespeicher aus den 1930er-Jahren entsteht eine von mehr als hundert neuen Wohnungen mit Blick auf Elbe und Hafenbecken. Weil kein Wohnungsplan aus der Speicherzeit existiert, wird der Grundriss vollständig neu erfasst.

Zusammengelegte Plattenbauwohnung am Neustädter See

Wurden zwei benachbarte WBS-70-Wohnungen zu einer größeren Einheit zusammengelegt, reicht der ursprüngliche Typenplan nicht mehr aus. Die neue, größere Raumaufteilung wird vor Ort neu erfasst.

So läuft Ihr Grundriss in Magdeburg ab

Fachlich ist der Ablauf bundesweit derselbe. In Magdeburg liegt das Gewicht auf der frühen Klärung, ob ein Gebäude zum seltenen Vorkriegsbestand oder zu einer der großen Typenserien zählt:

  1. Zweck und Anlass klären

    Ob der Grundriss für Verkauf, Finanzierung, eine Teilungserklärung oder eine Sanierung im Typenbau gebraucht wird, bestimmt die Anforderungen an Maßstab und Detailtiefe.

  2. Vorhandene Unterlagen prüfen

    Bauakte oder alte Pläne werden auf Vollständigkeit und Übereinstimmung mit dem heutigen Bestand geprüft – bei Vorkriegsgebäuden auch mit Blick auf mögliche Kriegsverluste in der Aktenlage.

  3. Fehlende Grundlagen beschaffen oder aufmessen

    Reichen die vorhandenen Unterlagen nicht aus, wird die Bauakte beim Fachdienst Bauordnungsamt und Denkmalschutz oder im Stadtarchiv angefragt, oder es wird direkt vor Ort aufgemessen.

  4. Grundriss zeichnen und bemaßen

    Aus den erfassten Maßen entsteht der bemaßte Grundriss – auf Wunsch inklusive Möblierung und weiteren Detailgraden für die Vermarktung.

  5. Ergebnis übergeben

    Sie erhalten den fertigen Grundriss als Plandatei, auf Wunsch mit Architektenstempel – bereit für Bank, Notar oder Exposé.

Was den Aufwand eines Grundrisses in Magdeburg beeinflusst

Der Erfassungsaufwand unterscheidet sich zwischen den Magdeburger Gebäudetypen erheblich:

  • Zustand der vorhandenen Unterlagen

    Eine aktuelle, verwertbare Bauakte ist der günstigste Fall. Fehlt sie kriegsbedingt oder weicht sie vom Bestand ab, kommen Aktenrecherche oder ein Vor-Ort-Termin hinzu.

  • Gebäudetyp: Typenserie oder Vorkriegsbestand

    Eine unveränderte WBS-70-Wohnung in Neu-Olvenstedt ist meist schneller erfasst als eine individuell geschnittene Wohnung im seltenen, erhaltenen Vorkriegsbestand am Hasselbachplatz.

  • Zahl der Ebenen und Räume

    Eine einzelne Etagenwohnung ist rasch erfasst. Ein Haus mit mehreren Gebäudeteilen und Geschossen verlangt für jede Einheit einen eigenen Erfassungsdurchgang.

  • Anlass und Detailtiefe

    Ein reiner Nachweis für die Bauakte unterscheidet sich im Aufwand von einem vermarktungsfertigen, möblierten und bemaßten Grundriss für ein Exposé.

Alle Leistungen in Magdeburg

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