Bemaßte Ansichten in Magdeburg — vom Zuckerbäckerstil der Ernst-Reuter-Allee bis zur glatten Plattenbaufassade

Eine Ansicht zeigt, was ein Grundriss verschweigt: die Fassade selbst, mit ihren Öffnungen, Höhenlinien und – wo relevant – Material und Farbe. In kaum einer anderen deutschen Landeshauptstadt liegen dabei so unterschiedliche Fassadentypen so nah beieinander wie in Magdeburg. Die Ernst-Reuter-Allee, bis 1956 nach dem ersten DDR-Präsidenten Wilhelm-Pieck-Allee genannt, wurde ab 1953 im sogenannten Zuckerbäckerstil errichtet – mehrgeschossige Blockrandbauten mit aufwendig gegliederten, an Klassizismus und Barock angelehnten Schaufassaden. Nur wenige Jahre und Straßenzüge weiter dominiert die glatte, industriell gefertigte Betonfertigteilfassade der WBS-70-Wohnblöcke, wie sie ab 1981 in Neu-Olvenstedt entstanden. Für eine bemaßte Ansicht bedeutet das: Dieselbe Bauvorlagenverordnung gilt für zwei Fassaden, die in Gliederung, Material und Entstehungslogik kaum unterschiedlicher sein könnten.

Was eine Ansicht für Magdeburg zeigen muss

Für Ansichten gelten dieselben formalen Grundanforderungen der Bauvorlagenverordnung (BauVorlVO) wie für andere Bauzeichnungen des Plansatzes, mit inhaltlichem Schwerpunkt auf der äußeren Erscheinung:

  • Maßstab: mindestens 1:100 nach § 8 BauVorlVO, mit vollständiger Bemaßung von Höhen und Öffnungen auf jeder dargestellten Fassadenseite; größer, wenn die geforderten Eintragungen es verlangen.
  • Wesentliche Bauprodukte und Bauarten müssen erkennbar sein – bei den Fassaden der Ernst-Reuter-Allee betrifft das insbesondere Putzgliederung, Gesimse und Fensterachsen, bei einer Plattenbaufassade dagegen vor allem das Fugenraster der Betonfertigteile.
  • Bei Änderungen an bestehenden Fassaden müssen zu beseitigende und geplante Bauteile eindeutig unterscheidbar dargestellt werden – etwa ein neuer Fensterausschnitt in einer Plattenbau-Außenwand oder ein verändertes Erdgeschoss an der Ernst-Reuter-Allee.
Zuckerbäckerstil ist kein Wiederaufbau im engeren Sinn

Wer für Magdeburg von Wiederaufbau spricht, meint häufig zwei unterschiedliche Dinge zugleich, und für die bemaßte Ansicht lohnt sich die Unterscheidung. Der Luftangriff vom 16. Januar 1945 zerstörte rund 90 Prozent der Bebauung rund um das heutige Zentrum – anders als etwa in Dresden oder Frankfurt am Main entstand daraus in Magdeburg jedoch keine originalgetreue Rekonstruktion der verlorenen Vorkriegsfassaden. Die junge DDR errichtete ab 1953 entlang der heutigen Ernst-Reuter-Allee, zunächst Stalinallee und ab 1956 nach dem ersten Präsidenten Wilhelm-Pieck-Allee genannt, mehrgeschossige Blockrandbauten im sogenannten Zuckerbäckerstil: aufwendig gegliederte Fassaden mit klassizistischen und barockisierenden Formelementen, die bewusst an ein nationales architektonisches Erbe anknüpften, ohne ein konkretes Vorkriegsgebäude nachzubilden. Für die bemaßte Ansicht bedeutet das eine eigenständige Fassadensprache mit Gesimsen, Pilastern und durchgehenden Fensterachsen, die exakt erfasst werden muss, bevor ein Eingriff – etwa ein neuer Balkon oder ein verändertes Ladengeschäft im Erdgeschoss – geplant wird. Mit der Entstalinisierung ab Mitte der 1950er-Jahre verschwand dieser Stil rasch zugunsten einer schlichteren, an der industriellen Bauweise orientierten Architektur, die schließlich in die Plattenbauserien der 1970er- und 1980er-Jahre mündete. Wer heute eine Fassade an der Ernst-Reuter-Allee bemaßt, dokumentiert damit ein architektonisches Zwischenkapitel der Stadtgeschichte, das weder Vorkriegsbestand noch später Plattenbau ist.

Drei Fassadentypen, drei unterschiedliche Ausgangslagen

Welche Herangehensweise für eine Ansicht in Magdeburg passt, hängt stark davon ab, welchem der drei prägenden Fassadentypen das Gebäude zuzuordnen ist:

Zuckerbäcker-Fassade an einer Magistrale

Gesimshöhen, Fensterachsen und plastischer Schmuck müssen einzeln aufgemessen werden, weil kein standardisierter Typenplan existiert – jedes dieser Gebäude wurde individuell geplant, auch wenn sie einer gemeinsamen städtebaulichen Konzeption folgten.

Serielle Plattenbaufassade in einer Typenserie

Das Fugenraster der Betonfertigteile und die standardisierten Fensteröffnungen einer Bauserie wie WBS 70 lassen sich aus dem Typenplan ableiten, sofern die Fassade seither nicht nachträglich gedämmt oder mit anderen Fenstern versehen wurde.

Gründerzeitliche Blockrandfassade am Hasselbachplatz

Für die wenigen erhaltenen Vorkriegsfassaden ist ein Aufmaß vor Ort meist unumgänglich, weil die zugehörige Bauakte kriegsbedingt häufig lückenhaft ist und Stuckdekor sowie Erker individuell erfasst werden müssen.

Was zu einer vollständigen Ansicht in Magdeburg gehört

Eine einzelne Fassadenzeichnung reicht für die Einreichung beim Fachdienst selten – gefragt ist ein auf Grundriss und Schnitt abgestimmter Satz:

  • Ansichten aller betroffenen Fassadenseiten

    Bemaßt im Maßstab mindestens 1:100, mit Höhen, Öffnungen und – wo relevant – Material- und Farbangaben.

  • Abgestimmter Grundriss und Schnitt

    Damit Maße, Geschosshöhen und Öffnungspositionen zwischen den Zeichnungen des Plansatzes übereinstimmen.

  • Bestandsaufnahme der Fassadengliederung

    Bei Zuckerbäcker- und Gründerzeitfassaden Gesimse, Pilaster und Fensterachsen; bei Plattenbaufassaden das Fugenraster der Betonfertigteile.

Bemaßte Ansichten in Magdeburg – Beispiele aus der Praxis

Neues Ladengeschäft im Erdgeschoss an der Ernst-Reuter-Allee

Der veränderte Schaufensterausschnitt muss in der Ansicht gegenüber der bestehenden, klassizistisch gegliederten Fassade eindeutig als geplante Änderung ausgewiesen werden – die übrigen Geschosse bleiben unverändert dargestellt.

Balkonanbau an einer WBS-70-Fassade in Neu-Olvenstedt

Die Ansicht zeigt, wie sich der neue Balkon in das serielle Fugen- und Fensterraster der Betonfertigteilfassade einfügt, abgestimmt auf den zugehörigen Schnitt.

Fenstersanierung an einer erhaltenen Gründerzeitfassade am Hasselbachplatz

Weil kein verwertbarer Bestandsplan vorliegt, wird die Fassade zunächst vor Ort aufgemessen, bevor die neuen Fensteröffnungen im Vergleich zum historischen Bestand dargestellt werden können.

So entsteht Ihre Ansicht für Magdeburg

Von der Bestandsaufnahme bis zur einreichfertigen Zeichnung:

  1. Fassadentyp und betroffene Seiten klären

    Ob eine Zuckerbäcker-, Plattenbau- oder Gründerzeitfassade vorliegt, bestimmt die weitere Herangehensweise.

  2. Aufmaß oder Typenplan als Grundlage

    Bei Typenbauten der vorhandene Typenplan, sonst ein aktuelles Aufmaß der betroffenen Fassadenseite.

  3. Ansicht bemaßt erstellen

    Im Maßstab mindestens 1:100, mit allen Pflichtangaben der Bauvorlagenverordnung.

  4. Mit Grundriss und Schnitt abgleichen

    Damit Öffnungen, Höhen und Bauteile zwischen den Zeichnungen des Plansatzes widerspruchsfrei sind.

  5. Für den Fachdienst zusammenstellen

    Digital aufbereitet für die Einreichung beim Fachdienst Bauordnungsamt und Denkmalschutz.

Was den Preis für eine Ansicht in Magdeburg beeinflusst

Diese Faktoren bestimmen den Aufwand für eine bemaßte Ansicht:

  • Fassadentyp

    Eine individuell gegliederte Zuckerbäcker- oder Gründerzeitfassade verlangt mehr Erfassungsaufwand als eine standardisierte Plattenbaufassade mit vorhandenem Typenplan.

  • Zustand vorhandener Unterlagen

    Fehlt ein verwertbarer Bestandsplan, kommt ein Aufmaß-Termin hinzu, bevor die Ansicht entstehen kann.

  • Zahl der betroffenen Fassadenseiten

    Eine einzelne Straßenansicht ist schneller erstellt als mehrere Seiten bei einem freistehenden Gebäude.

  • Detailtiefe bei Material und Gliederung

    Aufwendige Stuck- oder Putzgliederung an historischen Fassaden erhöht den Darstellungsaufwand gegenüber einer glatten Betonfassade.

Alle Leistungen in Magdeburg

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