Bemaßte Schnittzeichnungen in Lübeck — die offene Diele zwischen zwei Brandwänden

Ein Schnitt zeigt, was Grundriss und Ansicht nicht können: den vertikalen Aufbau eines Gebäudes. In vielen Städten fällt diese Aufgabe vergleichsweise gleichförmig aus, weil sich Geschosshöhen innerhalb eines Hauses kaum unterscheiden. Im Lübecker Kaufmannshaus der Backsteingotik liegt der Fall anders: Zwischen den beiden seitlichen Brandwänden spannt sich oft eine offene, zwei- oder sogar dreigeschossige Diele auf, umlaufend gesäumt von niedrigeren Kammern und Galerieebenen, die von der Diele aus einsehbar bleiben. Ein und dasselbe Gebäude vereint damit sehr unterschiedliche Raumhöhen unter einem Dach – eine Struktur, die sich ausschließlich im Schnitt nachvollziehen lässt, nicht im Grundriss.

Was ein Schnitt für Lübeck zeigen muss

Für Schnittzeichnungen gelten dieselben formalen Grundanforderungen der BauVorlVO wie für andere Bauzeichnungen, mit inhaltlichem Schwerpunkt auf der vertikalen Struktur:

  • Maßstab mindestens 1:100, bei Kulturdenkmalen mindestens 1:50, mit numerischer Angabe, Maßstabsleiste an fester Stelle und vollständiger Bemaßung der Geschosshöhen, Dachneigung und relevanten Aufbauten.
  • Wesentliche Bauprodukte und Bauarten müssen erkennbar sein – bei Schnitten insbesondere Balkenlage, Deckenkonstruktion und Dachaufbau.
  • Bei Änderungen an bestehenden Gebäuden müssen zu beseitigende und geplante Bauteile eindeutig unterscheidbar dargestellt werden, etwa eine später eingezogene Zwischendecke gegenüber der ursprünglichen offenen Raumhöhe.
Die offene Diele im Schnitt

Anders als bei einem regelmäßig geschossenen Neubau lässt sich die Struktur eines Kaufmannshauses erst im Schnitt vollständig erfassen. Die namensgebende Diele bildet meist den zentralen, offenen Raum über zwei oder mehr Geschosse hinweg, während seitlich angeordnete Kammern und umlaufende Galerien deutlich niedrigere, eigenständige Raumhöhen aufweisen – sichtbar von der Diele aus, aber konstruktiv unabhängig davon. Für den Schnitt bedeutet das: Es genügt nicht, eine einzelne Geschosshöhe für das gesamte Gebäude anzugeben. Stattdessen muss die Zeichnung nachvollziehbar machen, auf welcher Höhe die Galerieebenen ansetzen, wie hoch die offene Diele tatsächlich reicht und wo die seitlichen Brandwände die einzelnen Raumbereiche voneinander trennen. Wurden im Lauf der Nutzungsgeschichte Zwischendecken eingezogen, um zusätzliche Nutzfläche zu gewinnen, verschleiert das die ursprüngliche Raumstruktur zusätzlich – ein aktuelles Aufmaß ist dann meist unumgänglich, bevor sich Bestand und geplante Veränderung im Schnitt eindeutig trennen lassen.

Zwei sehr unterschiedliche Ausgangslagen für den Lübecker Schnitt

Ob ein Schnitt neu entsteht oder eine gewachsene Struktur dokumentiert, wirkt sich erheblich auf den Aufwand aus:

Neubau außerhalb der Altstadt

Bei einem regelmäßig geschossenen Gebäude in St. Lorenz oder Travemünde entstehen Geschosshöhen und Dachaufbau gemeinsam mit Grundriss und Ansicht aus derselben Planung – ein späterer Abgleich erübrigt sich.

Kaufmannshaus mit offener Diele

Vor dem Schnitt braucht es ein aktuelles Aufmaß, das Galerieebenen, Kammerhöhen und die Lage nachträglicher Zwischendecken erfasst – bei einem Kulturdenkmal zusätzlich im engeren Maßstab 1:50 und mit klarer Trennung von Bestand und Neuplanung.

Was zu einem vollständigen Schnitt in Lübeck gehört

Ein Schnitt steht selten allein – gefragt ist ein auf Grundriss und Ansicht abgestimmter Satz:

  • Schnitt durch die relevanten Gebäudeteile

    Bemaßt im Maßstab mindestens 1:100, bei Kulturdenkmalen mindestens 1:50, mit Geschosshöhen, Dachneigung und den wesentlichen Aufbauten.

  • Abgestimmter Grundriss und Ansicht

    Damit Geschosshöhen und Öffnungspositionen zwischen den Zeichnungen des Plansatzes übereinstimmen, den die Bauaufsicht am Mühlendamm als Ganzes prüft.

  • Nachweis der Raumhöhe nach § 47 LBO

    Insbesondere beim Dachgeschossausbau, wo die 2,30- beziehungsweise 2,20-Meter-Schwelle über die Zulässigkeit als Aufenthaltsraum entscheidet.

  • Darstellung von Diele, Galerie und Kammerhöhen

    Bei Kaufmannshäusern zusätzlich mit eindeutiger Zuordnung, welche Raumhöhe zu welchem Gebäudeteil gehört – Grundlage für die Beurteilung durch die Denkmalschutzbehörde.

Bemaßte Schnittzeichnungen in Lübeck – Beispiele aus der Praxis

Umbau eines Kaufmannshauses mit offener Diele

Der Schnitt weist nach, auf welcher Höhe die umlaufende Galerieebene ansetzt und wie sich die offene Diele zwischen den beiden Brandwänden über mehrere Geschosse erstreckt – Grundlage für die denkmalrechtliche Beurteilung eines geplanten Einbaus.

Dachgeschossausbau in St. Jürgen

Der Schnitt zeigt Kniestockhöhe und die nach § 47 LBO nutzbare Raumhöhe unter der Dachschräge – oft der Punkt, an dem sich die Genehmigungsfähigkeit des Ausbaus entscheidet.

Rückbau einer nachträglichen Zwischendecke

Um die ursprüngliche Raumhöhe der Diele wiederherzustellen, muss der Schnitt zunächst den heutigen Zustand mit eingezogener Decke und danach den geplanten, wieder offenen Zustand eindeutig unterscheidbar zeigen.

Neubau eines Mehrfamilienhauses in Travemünde

Ohne Denkmalbezug entsteht der Schnitt direkt aus der laufenden Planung im Regelmaßstab 1:100, mit durchgehend gleichmäßigen Geschosshöhen.

So entsteht Ihr Schnitt für Lübeck

Von der Bestandsaufnahme bis zur einreichfertigen Zeichnung:

  1. Relevante Schnittführung festlegen

    Welcher Gebäudebereich muss dargestellt werden, um Geschosshöhen, Dachaufbau oder – bei einem Kaufmannshaus – das Verhältnis von Diele und Galerieebenen nachvollziehbar zu zeigen.

  2. Aufmaß oder Bauakte als Grundlage

    Reicht die Bauakte, wie bei vielen Altstadtgebäuden üblich, nicht bis vor 1945 zurück, wird vor Ort aufgemessen, insbesondere dort, wo spätere Zwischendecken die ursprüngliche Raumhöhe verändert haben.

  3. Schnitt bemaßt erstellen

    Im Maßstab mindestens 1:100, bei Kulturdenkmalen mindestens 1:50, mit allen Pflichtangaben der BauVorlVO und, bei Dachräumen, den Höhenlinien nach § 47 LBO.

  4. Mit Grundriss und Ansicht abgleichen

    Damit Geschosshöhen und Dachmaße zwischen den Zeichnungen des Plansatzes widerspruchsfrei sind.

  5. Für Bauaufsicht und gegebenenfalls Denkmalschutzbehörde zusammenstellen

    Digital aufbereitet für die Einreichung am Mühlendamm, bei Kulturdenkmalen ergänzt um die für § 12 DSchG SH nötige Detailtiefe.

Was den Preis für einen Schnitt in Lübeck beeinflusst

Diese Faktoren bestimmen den Aufwand für eine bemaßte Schnittzeichnung:

  • Zahl der notwendigen Schnittführungen

    Ein einfacher Gebäudeschnitt ist schneller erstellt als mehrere Schnitte durch unterschiedliche Gebäudebereiche, etwa bei einem Kaufmannshaus mit Galerieebenen.

  • Kaufmannshaus oder regelmäßiger Neubau

    Die unterschiedlichen Raumhöhen von Diele, Kammern und Galerie verlangen deutlich mehr Erfassungsaufwand als ein gleichförmig geschossenes Gebäude.

  • Nachträgliche Umbauten im Bestand

    Eingezogene Zwischendecken oder andere spätere Veränderungen müssen zunächst erfasst werden, bevor sich Bestand und Neuplanung eindeutig trennen lassen.

  • Zustand vorhandener Bauakten

    Reicht die Akte nicht bis vor 1945 zurück oder fehlt sie ganz, kommt vor dem eigentlichen Zeichnen ein Aufmaß-Termin hinzu.

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