Bauzeichnung in Lübeck — der Plansatz nach der Bauvorlagenverordnung, zusätzlich geprüft vom Welterbe- und Gestaltungsbeirat
Für Lübeck gilt für Bauzeichnungen dieselbe Bauvorlagenverordnung Schleswig-Holstein (BauVorlVO) wie im gesamten Bundesland: mindestens Maßstab 1:100, für Kulturdenkmale 1:50, der Lageplan mindestens 1:500. Weil allein die Altstadt über eintausend einzeln geschützte Gebäude zählt, kommt die engere Vorgabe für Kulturdenkmale hier deutlich häufiger zum Tragen als in Städten mit dünnerem historischem Baubestand. Hinzu tritt eine zweite, formal von der BauVorlVO unabhängige Prüfebene: Für architektonisch oder städtebaulich bedeutsame Vorhaben in der Welterbe-Altstadt begutachtet zusätzlich der Welterbe- und Gestaltungsbeirat den Plansatz – ein fünfköpfiges Fachgremium, das seit 2007 auch einen eigenen Sitz für Denkmalpflege vorhält.
- Was die Bauvorlagenverordnung für Ihre Lübecker Bauzeichnung verlangt
- Ein koordinierter Plansatz statt einzelner Zeichnungen
- Was zu einem vollständigen Plansatz in Lübeck gehört
- Bauzeichnungen in Lübeck – Beispiele aus der Praxis
- So entsteht Ihr Plansatz für Lübeck
- Was den Preis für eine Bauzeichnung in Lübeck beeinflusst
Was die Bauvorlagenverordnung für Ihre Lübecker Bauzeichnung verlangt
Drei Anforderungen der BauVorlVO entscheiden darüber, ob eine Zeichnung bei der Bauaufsicht als vollständige Bauvorlage gilt:
- Maßstab nach unten begrenzt: 1:100 bei gewöhnlichen Zeichnungen, 1:50 bei Kulturdenkmalen, 1:500 beim Lageplan – wählen lässt sich auch ein feinerer Maßstab, sobald die Darstellung das verlangt, ein gröberer nicht.
- Jedes Blatt trägt Zahlenmaßstab und Maßstabsleiste an gleichbleibender Position nahe dem Schriftfeld, dazu vollständige Bemaßung sowie Hinweise zu den wesentlichen Bauprodukten und Bauarten.
- Wer die Zeichnung verantwortet, muss aus ihr selbst hervorgehen – erkennbar an der Angabe der bauvorlageberechtigten Person.
Die BauVorlVO selbst macht für Lübeck keine über das Landesrecht hinausgehenden inhaltlichen Vorgaben – der Maßstab 1:50 für Kulturdenkmale gilt landesweit gleichermaßen. Was Lübeck unterscheidet, ist eine zusätzliche, eigenständige Prüfebene: Für Vorhaben, die das Stadt- und Landschaftsbild der Welterbestätte durch ihre architektonische oder städtebauliche Bedeutung erheblich berühren, begutachtet der Welterbe- und Gestaltungsbeirat den Plansatz zusätzlich zur bauordnungsrechtlichen Prüfung. Das fünfköpfige, unabhängige Fachgremium wurde 2007 um eine Welterbe-Funktion erweitert; seither muss mindestens ein Mitglied aus der Denkmalpflege stammen, Geschäftsstelle ist der Bereich Stadtplanung und Bauordnung. In der Praxis bedeutet das für den Plansatz: Neben den nach BauVorlVO vorgeschriebenen Grundrissen, Schnitten und Ansichten sind bei bedeutsamen Altstadtvorhaben oft zusätzliche Darstellungen sinnvoll, etwa Ansichten, die die Wirkung auf das Stadtbild oder auf Sichtbeziehungen von der Stadtmauer aus nachvollziehbar machen.
Ein koordinierter Plansatz statt einzelner Zeichnungen
Wie der Plansatz für Lübeck entsteht, hängt davon ab, ob ein Neubau oder ein Bestandsgebäude den Ausgangspunkt bildet:
Neubau: alles aus einem Guss
Bei Vorhaben außerhalb der Altstadt kommen Grundriss, Schnitt und Ansicht meist gemeinsam aus derselben Planung – ein späterer Abgleich zwischen den Zeichnungen erübrigt sich, weil Maße und Bauteile von vornherein zusammenpassen.
Bestand und Umbau: erst der Abgleich, dann die Zeichnung
Handelt es sich um ein Kulturdenkmal, schreibt die BauVorlVO den engeren Maßstab 1:50 vor und verlangt, Bestehendes und Geplantes in der Zeichnung klar auseinanderzuhalten – ohne eine belastbare, meist neu aufgemessene Bestandsgrundlage lässt sich das kaum leisten.
Was zu einem vollständigen Plansatz in Lübeck gehört
Zur Einreichung gehört selten nur ein Blatt – gefragt ist ein untereinander abgestimmtes Zeichnungsset:
- Geschossweise bemaßte Grundrisse
Jede Ebene bekommt ein eigenes, bemaßtes Blatt – Maßstab mindestens 1:100, bei Kulturdenkmalen mindestens 1:50 – samt der von der BauVorlVO geforderten Hinweise auf Bauprodukte und Bauarten.
- Dazu passende Schnitte und Ansichten
Sie übernehmen denselben Maßstab wie die Grundrisse und werden mit ihnen abgeglichen, sodass Höhen, Öffnungen und Bauteile untereinander stimmig bleiben.
- Amtlicher Lageplan
Zeigt das Vorhaben auf dem betroffenen Flurstück im amtlichen Kartenausschnitt, einzureichen mindestens im Maßstab 1:500.
Bauzeichnungen in Lübeck – Beispiele aus der Praxis
Neubau eines Mehrfamilienhauses in St. Lorenz
Grundriss, Schnitt und Ansicht gehen unmittelbar aus der laufenden Planung hervor und bleiben durchgängig im Maßstab 1:100 – ein Denkmalbezug besteht nicht, der Welterbe- und Gestaltungsbeirat wird nicht beteiligt.
Umbau eines Kulturdenkmals in der Altstadt
Die Zeichnungen entstehen im engeren Maßstab 1:50 und müssen zu beseitigende und geplante Bauteile eindeutig unterscheiden; bei erheblicher Bedeutung für das Stadtbild begutachtet zusätzlich der Welterbe- und Gestaltungsbeirat den Plansatz.
Kleinerer Anbau ohne Denkmalbezug
Selbst ein kleines Vorhaben verlangt den vollständigen, stimmigen Plansatz statt einer einzelnen Zeichnung – der bauordnungsrechtliche Regelmaßstab von 1:100 genügt hier allerdings.
So entsteht Ihr Plansatz für Lübeck
Von der ersten Sichtung vorhandener Unterlagen bis zur einreichfertigen Datei durchläuft ein Lübecker Plansatz mehrere aufeinander aufbauende Etappen:
- Ausgangslage und Denkmalstatus einschätzen
Zunächst steht fest, ob eine laufende Neubauplanung zugrunde liegt und ob das Gebäude in der Denkmalliste geführt wird – davon hängt der anzuwendende Maßstab ab.
- Grundrisse geschossweise zeichnen
Jede Ebene bekommt ein eigenes, bemaßtes Blatt – mindestens 1:100, bei einem Kulturdenkmal mindestens 1:50.
- Schnitte und Ansichten daran ausrichten
Damit der Plansatz in sich stimmig bleibt, werden Höhen, Öffnungen und Bauteile zwischen den einzelnen Blättern gegengeprüft.
- Bestand und Neuplanung eindeutig trennen
Greift die Planung in ein bestehendes Gebäude ein, muss die Darstellung eindeutig zeigen, was erhalten bleibt und was hinzukommt.
- Plansatz für die Einreichung bündeln
Digital aufbereitet geht der Plansatz mit Lageplan und Baubeschreibung an die Bauaufsicht am Mühlendamm, bei bedeutsamen Altstadtvorhaben ergänzt um zusätzliche Darstellungen für den Welterbe- und Gestaltungsbeirat.
Was den Preis für eine Bauzeichnung in Lübeck beeinflusst
Ein fester Preis für einen Plansatz lässt sich seriös nicht nennen – diese vier Punkte bestimmen den tatsächlichen Aufwand:
- Neubau oder Kulturdenkmal
Im Regelmaßstab 1:100 entsteht ein Plansatz meist zügiger als im engeren Maßstab 1:50, der zusätzlich die Trennung von Bestand und Neuplanung verlangt.
- Vorhandene, brauchbare Altunterlagen
Fehlt eine verwertbare Bauakte, steht vor dem eigentlichen Zeichnen erst ein Aufmaß-Termin an.
- Beteiligung des Welterbe- und Gestaltungsbeirats
Bei architektonisch bedeutsamen Altstadtvorhaben kommen zusätzliche Darstellungen für die Begutachtung durch den Beirat hinzu.
- Geschosszahl und Bauteilvielfalt
Mit steigender Geschosszahl und komplexeren Bauteilen wächst auch die Zahl der Einzelblätter im fertigen Plansatz.
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