Bemaßte Ansichten in Leverkusen — Gartenstadt-Fassaden zwischen Ziegel, Putz und Fachwerk

Eine Ansicht zeigt, was ein Grundriss nicht kann: wie ein Gebäude von außen wirkt. In Leverkusen ist das an keiner Stelle so anschaulich wie in den zwischen 1895 und 1925 errichteten Bayer-Werkssiedlungen in Wiesdorf: Statt einer durchgehenden Blockrandfassade zeigen die Häuser der Kolonien II („Anna“), III („Johanna“) und Eigenheim giebelständige Baukörper mit unterschiedlichen Fassadenmaterialien, wie sie für die Gartenstadtbewegung charakteristisch sind. Weil diese Häuser unter Denkmalschutz stehen, prüft der Fachbereich 63 über seine Abteilung 631 bei jeder geplanten Fassadenänderung zusätzlich, ob Material, Farbgebung und Fensterteilung mit dem überlieferten Erscheinungsbild vereinbar bleiben.

Was eine Ansicht für Leverkusen zeigen muss

Die BauPrüfVO NRW stellt an Ansichten dieselben formalen Grundanforderungen wie an andere Bauzeichnungen, mit einem inhaltlichen Schwerpunkt auf der äußeren Erscheinung:

  • Regelmaßstab 1:100, mit vollständiger Bemaßung von Höhen und Öffnungen auf jeder dargestellten Fassadenseite.
  • Wesentliche Bauprodukte und Bauarten müssen erkennbar sein – bei einer Fassade heißt das in der Praxis: Material, Farbe und Fensterteilung.
  • Zeigt die Ansicht das Vorhaben zusammen mit den unmittelbar angrenzenden Gebäuden, gilt der kleinere Maßstab 1:200.
  • Bei Änderungen an einer bestehenden Fassade müssen zu beseitigende und geplante Bauteile eindeutig unterscheidbar dargestellt werden.
Gartenstadt-Architektur als Prüfgegenstand

Die Gartenstadtbewegung, nach deren Vorbild Bayer zwischen 1895 und 1925 seine Wiesdorfer Werkssiedlungen errichten ließ, setzte bewusst auf kleinteilige Häuser mit eigenem Garten statt auf durchgehende Blockrandbebauung – an der Kolonie II („Anna“) war maßgeblich das Essener Architekturbüro Georg Metzendorf beteiligt. Für die Ansicht bedeutet das: Statt einer einzelnen, langen Straßenfassade sind es meist mehrere kürzere, giebelständige Ansichten mit individueller Fensterteilung, die dargestellt werden müssen. Weil die Kolonien II, III und Eigenheim unter Denkmalschutz stehen, prüft die Abteilung 631 des Fachbereichs 63 bei jeder geplanten Änderung amtsintern, ob Material, Farbgebung und Fensterformate mit dem überlieferten Bild der Siedlung vereinbar bleiben – anders als bei einem gewöhnlichen, nicht geschützten Wohnhaus im übrigen Stadtgebiet.

Neubau oder Bestandsfassade – zwei unterschiedliche Ausgangslagen

Ob eine Ansicht komplett neu entsteht oder eine bestehende Fassade dokumentiert, wirkt sich auf die Herangehensweise aus:

Neubau: alle Seiten aus der Planung

Bei einem Neubau, etwa in Hitdorf am Rhein, entstehen die Ansichten aller Fassadenseiten gemeinsam mit Grundriss und Schnitt aus einer Planung.

Bestand: Aufmaß der Gartenstadt-Fassade

Bei einem Fenstertausch oder einer Fassadensanierung an einem Haus der Bayer-Werkssiedlungen braucht es zunächst ein aktuelles Aufmaß, damit sich zu beseitigende und geplante Bauteile eindeutig unterscheiden lassen.

Was zu einer vollständigen Ansicht in Leverkusen gehört

Eine einzelne Fassadenzeichnung reicht selten – gefragt ist ein auf Grundriss und Schnitt abgestimmter Satz:

  • Ansichten aller betroffenen Fassadenseiten

    Bemaßt im Maßstab 1:100, mit Höhen, Öffnungen und – wo relevant – Material- und Farbangaben.

  • Abgestimmter Grundriss und Schnitt

    Damit Maße, Geschosshöhen und Öffnungspositionen zwischen den Zeichnungen des Plansatzes übereinstimmen.

  • Hinweis auf Denkmalschutz

    Für Häuser der Bayer-Werkssiedlungen fließt der Status von Beginn an in die Darstellung der Fassade ein.

Bemaßte Ansichten in Leverkusen – Beispiele aus der Praxis

Fassadensanierung an einem Haus der Kolonie II („Anna“)

Die Ansicht dokumentiert den Bestand vor der Sanierung und zeigt, wie neue Fenster und Fassadenfarbe zum überlieferten Erscheinungsbild passen – Grundlage für die amtsinterne Abstimmung mit der Denkmalpflege.

Fenstertausch in der Kolonie Eigenheim

Neue Fensteröffnungen müssen in der Ansicht mit Rohbaumaßen und im Vergleich zum Bestand eindeutig dargestellt werden.

Dachgaube im Zuge eines Dachgeschossausbaus in Schlebusch

Die von der Straße sichtbare Gaube braucht eine eigene Ansicht mit Höhen- und Breitenangaben, abgestimmt auf den zugehörigen Schnitt.

Neubau in geschlossener Reihenbebauung in Opladen

Weil das Vorhaben zusammen mit angrenzenden Häusern dargestellt werden muss, kommt für die Ansicht der Maßstab 1:200 zum Einsatz.

Balkonanbau an einem Nachkriegshaus in Rheindorf

Ohne Denkmalschutzbindung genügt hier eine gewöhnliche Ansicht im Maßstab 1:100, die den neuen Balkon mit Höhen und Öffnungen zeigt.

Fenstertausch in einem Haus der Kolonie Eigenheim

Neue Fensteröffnungen müssen in der Ansicht mit Rohbaumaßen und im Vergleich zum überlieferten Bestand eindeutig dargestellt werden, auch wenn sich die äußeren Maße kaum ändern.

So entsteht Ihre Ansicht für Leverkusen

Von der Bestandsaufnahme bis zur einreichfertigen Zeichnung:

  1. Betroffene Fassadenseiten klären

    Welche Seiten sind vom Vorhaben sichtbar betroffen, und liegt das Gebäude in einer der denkmalgeschützten Siedlungen.

  2. Aufmaß oder Bauakte als Grundlage

    Bestehende Bauakte des Fachbereichs 63 oder ein aktuelles Aufmaß der betroffenen Fassade.

  3. Ansicht bemaßt erstellen

    Im Maßstab 1:100, bei Darstellung mit Nachbarbebauung im Maßstab 1:200.

  4. Mit Grundriss und Schnitt abgleichen

    Damit Öffnungen, Höhen und Bauteile zwischen den Zeichnungen des Plansatzes widerspruchsfrei sind.

  5. Für den Fachbereich 63 zusammenstellen

    Bei Bedarf mit den zusätzlichen Angaben für die amtsinterne Denkmalpflege-Prüfung.

Was den Preis für eine Ansicht in Leverkusen beeinflusst

Diese Faktoren bestimmen den Aufwand für eine bemaßte Ansicht:

  • Zahl der betroffenen Fassadenseiten

    Die giebelständigen Gartenstadt-Häuser haben oft mehr eigenständige Fassadenseiten als ein durchgehender Blockrandbau.

  • Neubau oder Bestandsfassade

    Eine Ansicht aus einer laufenden Neubauplanung entsteht meist zügiger als die Dokumentation einer historischen Fassade.

  • Denkmalschutz-Dokumentation

    Bei den Bayer-Werkssiedlungen braucht es oft zusätzliche Angaben zu Fassadenmaterial und Farbgebung für die Abteilung 631.

  • Zustand vorhandener Bauakten

    Fehlt eine verwertbare Bestandszeichnung, kommt ein Aufmaß-Termin hinzu.

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