Aufmaß & Vermessung in Leipzig — wenn die Bauakte vor der Sanierung endet
Das Leipziger Bauaktenarchiv verwahrt einen großen, wenn auch nicht lückenlosen Bestand; die ältesten Akten stammen aus der Zeit um 1850. Nur beantwortet es die Frage, um die es beim Aufmaß geht, meistens nicht: Was in den Mappen liegt, endet in aller Regel vor dem Einschnitt, der den Leipziger Wohnungsbestand geprägt hat. Zwischen 1990 und heute wurden Häuser entkernt, Grundrisse neu geschnitten, Bäder eingezogen, Dachböden ausgebaut, Balkone an die Hofseite gesetzt und Aufzüge eingebaut. Eine Zeichnung von 1898 zeigt davon nichts. Ein Bauaufmaß nimmt deshalb den tatsächlich vorhandenen Zustand auf und übersetzt ihn in bemaßte Grundrisse, Schnitte, Ansichten und eine nachvollziehbare Flächenberechnung. Es beantwortet damit eine andere Frage als die Gebäudeeinmessung in das Liegenschaftskataster, die in Sachsen eigenen gesetzlichen Regeln folgt.
Wann in Leipzig ein Aufmaß gebraucht wird
Zu einem Bauaufmaß verpflichtet niemanden eine Vorschrift. Gebraucht wird es, sobald eine Fläche oder eine Geometrie belegt werden muss und die vorhandenen Blätter das nicht hergeben. Im Leipziger Bestand vor allem hier:
- Die Akte zeigt den Zustand vor der Sanierung, und was seither entstand – neue Wohnungszuschnitte, ausgebaute Dachräume, zusammengelegte Einheiten – findet sich in keiner Zeichnung.
- Ein Umbau, eine Aufstockung oder ein weiterer Dachausbau steht an und braucht einen maßhaltigen Bestand als Ausgangspunkt der Planung.
- Eine Bank oder ein Sachverständiger verlangt Flächen mit nachvollziehbarem Rechenweg; ohne aufgenommene Maße fehlt dafür jede Grundlage.
- Ein Haus soll in Wohnungseigentum aufgeteilt werden: Die Abgeschlossenheitsbescheinigung nach § 7 Abs. 4 WEG setzt einen Aufteilungsplan voraus, der die Einheiten eindeutig abgrenzt.
- Eine Flächenangabe aus Vertrag oder Exposé soll überprüft werden: Bleibt die wirkliche Größe um über zehn Prozent hinter der vereinbarten zurück, sieht der Bundesgerichtshof darin einen Mangel der Mietsache, ohne dass eine Beeinträchtigung gesondert darzulegen wäre.
Sachsen kennt eine gesetzliche Einmessungspflicht des Eigentümers, und sie knüpft an ein Datum an: Wurde ein Gebäude nach dem 24. Juni 1991 abgebrochen, neu errichtet oder in seinen Außenmaßen wesentlich verändert, hat der Eigentümer auf eigene Kosten zu veranlassen, dass der veränderte Zustand in das Liegenschaftskataster übernommen wird (§ 6 Abs. 3 des Sächsischen Vermessungs- und Katastergesetzes). Für Leipzig hat dieser Stichtag besondere Tragweite, weil er unmittelbar vor dem Beginn der großen Bestandssanierung liegt. Nahezu jede Maßnahme, die den Umriss eines Hauses seither verändert hat, fällt darunter – ein Hofanbau, ein Wintergarten, ein neu gesetzter Treppen- oder Aufzugsturm ebenso wie der Abbruch eines nicht mehr zu rettenden Hintergebäudes. Als wesentlich gilt eine Veränderung der Grundfläche um mehr als zehn Quadratmeter. Was den Umriss unberührt lässt, löst die Pflicht dagegen nie aus: Ein Grundrisstausch oder ein Dachausbau innerhalb der bestehenden Kubatur bleibt für das Kataster unsichtbar. Ausgeführt wird die Katastervermessung von einem Öffentlich bestellten Vermessungsingenieur; die Übernahme besorgt in Leipzig das Amt für Geoinformation und Bodenordnung. Diese hoheitliche Leistung erbringt Planprofi24 nicht – wie die Räume hinter der Außenwand geschnitten sind, steht ohnehin in keinem Katasternachweis.
Die Aufmaßverfahren im Detail
Welches Verfahren passt, ergibt sich aus dem Zustand des Gebäudes und daraus, wofür die Unterlagen danach gebraucht werden:
Raumweises Handaufmaß mit direkter digitaler Erfassung
Der Regelweg in bewohnten Wohnungen. Die Genauigkeit eines Laserdistanzmessgeräts liegt im Raummaß weit unterhalb jeder rechtlich erheblichen Schwelle – die eigentliche Fehlerquelle sitzt hinter dem Gerät. Werte unmittelbar in eine Aufmaß-Anwendung zu übernehmen, spart den Umweg über Notizzettel.
Aufnahme im entkernten Rohbau
In Leipzig kommt dieser Fall häufiger vor als anderswo: Ein Haus steht offen, weil es gerade saniert oder von einer Baugruppe selbst ausgebaut wird. Sichtbar sind dann Tragwerk, Wandstärken und Öffnungen. Das Ergebnis ist allerdings ein Rohbaumaß – für die Wohnfläche zählt der Zustand nach Putz und Estrich.
3D-Laserscanning mit Punktwolke
Angebracht bei verformter, schiefwinkliger oder stark gegliederter Substanz und dort, wo ein Bestandsmodell weiterverwendet werden soll. Die Zahl auf dem Datenblatt beschreibt nur den Einzelpunkt; was das Projekt erreicht, entsteht aus Standpunktnetz, Zielmarken und der Registrierung der Einzelscans.
Abgleich einer Aktenzeichnung gegen den heutigen Zustand
§ 3 Abs. 4 WoFlV erlaubt es, die Grundfläche aus einer Bauzeichnung abzuleiten – aber nur, wenn gebaut wurde wie gezeichnet. Bei einem Leipziger Blatt aus der Zeit vor der Sanierung trifft das fast nie zu. Vorhandene Pläne werden deshalb am Objekt gegen Kontrollmaße gehalten.
Das entsteht aus dem Aufmaß
Der Messvorgang allein bringt niemanden weiter. Brauchbar wird er durch das, was daraus gezeichnet, gerechnet und dokumentiert wird:
- Bemaßte Grundrisse jedes Geschosses
Vom Kellergeschoss bis unter den First, mit durchgehenden Maßketten statt einer bloßen Maßstabsangabe. Türen, Fenster, Nischen und Vormauerungen werden einzeln aufgenommen.
- Schnitte, Ansichten und Höhenbezüge
Was der Grundriss verschweigt, zeigt erst der Schnitt: Geschosshöhen, Fußbodenaufbauten, Ebenensprünge zwischen Vorderhaus und Hofgebäude sowie den Verlauf des Dachs darüber.
- Wohnflächenberechnung nach Wohnflächenverordnung
Raumweise aufgeschlüsselt, jede Position mit Maß und angesetztem Anteil, Balkone und Dachterrassen eingeschlossen. Bezugsgröße ist das lichte Maß am fertig ausgebauten Raum.
- Flächen und Rauminhalte nach DIN 277
Gebraucht für Bauvorlagen, Kostenermittlung und Bewertung. Weil die Norm das Bauwerk beschreibt und keine Wohnfläche kennt, stehen ihre Werte neben der Berechnung nach Wohnflächenverordnung, nicht an deren Stelle.
- Zeichnungsgrundlage für den Aufteilungsplan
Alle Einheiten einschließlich Keller- und Bodenräumen müssen eindeutig abgegrenzt sein. Für Flächen außerhalb des Gebäudes – Terrassen, erdgeschossige Balkone, Stellplätze, Carports – bescheinigt die Leipziger Behörde die Abgeschlossenheit nur, wenn sie im Plan durch Maßangaben bestimmt sind.
- Messdokumentation mit Skizze und Fotos
Die Rohdaten bleiben Teil der Lieferung. Sie belegen, wo welcher Wert entstanden ist, und machen Rückfragen ohne einen zweiten Termin beantwortbar.
Aufmaße in Leipzig – Beispiele aus der Praxis
Saniertes Gründerzeithaus, dessen Akte vor dem Krieg endet
Die überlieferten Blätter zeigen die ursprüngliche Aufteilung mit Kammern, Küchen und einem Abort im Treppenhaus. Nach der Entkernung stimmt davon fast nichts mehr. Aufgenommen wird geschossweise neu, einschließlich der Wandstärken – erst aus ihnen ergibt sich, wie die heutigen Wohnungen übereinanderliegen.
Baugruppe vor dem Selbstausbau
Kaufen mehrere Haushalte gemeinsam ein unsaniertes Haus, wird das Aufmaß zweimal gebraucht: im Rohbau als Planungsgrundlage und zur Verteilung der Flächen unter den Beteiligten, nach dem Ausbau erneut für die Wohnflächen, die in Teilungserklärung und Finanzierung eingehen.
Aufteilung eines Mehrfamilienhauses in Eigentumswohnungen
Den Aufteilungsplan bringt der Antragsteller selbst bei; die Behörde prüft die Abgeschlossenheit und siegelt, zeichnet aber nicht. In Leipzig ist der Antrag zweifach einzureichen, dazu ein Grundbuchauszug, der nicht älter als sechs Monate sein darf.
Hofanbau an einem Wohnhaus in Lindenau
Ein Anbau verändert die Außenmaße und kann damit die sächsische Einmessungspflicht auslösen. Das Bauaufmaß liefert Innenmaße, Zeichnungen und die neue Wohnfläche; die Aufnahme des veränderten Umrisses in das Kataster bleibt Sache eines Öffentlich bestellten Vermessungsingenieurs.
So läuft Ihr Aufmaß in Leipzig ab
Der fachliche Ablauf ist überall gleich aufgebaut. Verkürzt oder verlängert wird er durch zwei Leipziger Eigenheiten: die Terminlage im Bauaktenarchiv und die Zahl der Einheiten, die am Messtag offen stehen.
- Zweck und Erfassungstiefe abstimmen
Ein Flächennachweis für die Finanzierung, eine Umbauplanung und ein Aufteilungsplan verlangen unterschiedliche Detailtiefe. Daraus folgt, welches Messverfahren gewählt wird und welche Bauteile aufzunehmen sind.
- Bauakteneinsicht organisieren
Termine im Bauaktenarchiv werden ausschließlich online vergeben und dauern höchstens neunzig Minuten; mitkommen darf höchstens eine weitere Person. Beim Buchen ist ein Eigentumsnachweis hochzuladen – ein Grundbuchauszug oder eine Katasterbescheinigung mit Eigentümerangabe, nicht älter als sechs Monate.
- Termin abstimmen und Zugang sichern
Über die Dauer vor Ort entscheidet, was geöffnet ist: Kellerabteile, Bodenkammern, Nebenräume und bei vermieteten Häusern jede einzelne Wohnung. Wo eine Hausverwaltung dazwischensteht, braucht die Ankündigung Vorlauf.
- Aufnahme am Objekt
Gemessen wird raumweise, ergänzt um Diagonalen, damit rechte Winkel nicht stillschweigend unterstellt werden, dazu Höhen, Öffnungen, Nischen und Vorsprünge. Skizze und Fotos entstehen parallel, damit jeder Wert einer Stelle im Gebäude zugeordnet bleibt.
- Auswertung und Übergabe
Aus den Messdaten werden Zeichnungen und Flächenaufstellung mit ausgewiesenem Rechenweg erarbeitet. Steht das Haus unter Denkmalschutz oder in einem Satzungsgebiet, ist der dokumentierte Bestand zugleich der Maßstab, an dem die Stadt eine spätere Veränderung misst.
Was den Preis für ein Aufmaß in Leipzig beeinflusst
Zwei gleich große Wohnungen können sich im Messaufwand um ein Vielfaches unterscheiden – ein pauschaler Preis würde das verdecken. Diese Punkte bestimmen den Umfang:
- Fläche, Raumzahl und Zahl der Einheiten
Mit jedem Raum kommen Längen, Höhen und Öffnungen hinzu. Ein einzelnes Sondereigentum ist rasch aufgenommen; ein ganzes Mietshaus verlangt für jede Wohnung eine eigene Aufnahme und Auswertung.
- Zustand des Gebäudes am Messtag
Ein offener Rohbau lässt sich zügig und vollständig erfassen. In einer bewohnten, möblierten Wohnung sind Nischen, Einbauten und verstellte Wandabschnitte einzeln aufzunehmen, was spürbar mehr Zeit kostet.
- Winkeltreue und Gliederung des Bestands
Wo Wände nicht parallel stehen, Erker vorspringen und Ebenen springen, sind zusätzliche Kontrollmaße nötig. Ein klar geschnittener Grundriss gleicher Größe ist schneller erfasst.
- Gewähltes Messverfahren
Handaufmaß und Laserscanning unterscheiden sich in Ausrüstung, Zeit vor Ort und Nachbearbeitung. Ein Scan rechnet sich dort, wo Verformungen selbst Teil des Ergebnisses sein sollen.
- Umfang der abgeleiteten Unterlagen
Nur Grundrisse oder zusätzlich Schnitte, Ansichten, Kubatur und ein Bestandsmodell: Der Auswertungsteil wächst mit dem, was später damit geschehen soll.
Alle Leistungen in Leipzig
Bauantrag, Aufmaß, Grundriss, Wohnflächenberechnung, Nutzungsänderung und Energieausweis — Übersicht für Leipzig ansehen →
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