Bemaßte Schnittzeichnungen in Kiel — von der gestaffelten Terrassenwohnung zur Förde bis zum Wiederaufbau-Zeilenbau

Ein Schnitt zeigt, was Grundriss und Ansicht nicht können: den vertikalen Aufbau eines Gebäudes. In vielen deutschen Großstädten prägen dabei hohe Gründerzeit-Geschosse den Schnittalltag – in Kiel ist das anders. Weil rund 80 Prozent der Bausubstanz im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, besteht der Baubestand überwiegend aus Wiederaufbau-Zeilenbauten mit vergleichsweise einheitlichen, niedrigeren Geschosshöhen. Interessant wird der Schnitt in Kiel deshalb woanders: bei den zur Förde gestaffelten Terrassenbauten, die Geschossversprünge und Geländeanschluss brauchen, und beim Dachgeschossausbau, bei dem § 47 der Landesbauordnung Schleswig-Holstein die zulässige Raumhöhe im Detail regelt.

Was ein Schnitt für Kiel zeigen muss

Für Schnittzeichnungen gelten dieselben formalen Grundanforderungen der BauVorlVO wie für andere Bauzeichnungen, mit inhaltlichem Schwerpunkt auf der vertikalen Struktur:

  • Maßstab mindestens 1:100, mit numerischer Angabe, Maßstabsleiste an fester Stelle nahe dem Schriftfeld und vollständiger Bemaßung der Geschosshöhen, Dachneigung und relevanten Aufbauten.
  • Wesentliche Bauprodukte und Bauarten müssen erkennbar sein – bei Schnitten insbesondere Deckenkonstruktion und Dachaufbau.
  • Bei Änderungen an bestehenden Gebäuden müssen zu beseitigende und geplante Bauteile eindeutig unterscheidbar dargestellt werden, etwa bei einer neuen Geschossdecke oder einer veränderten Dachkonstruktion.
§ 47 LBO Schleswig-Holstein: die Raumhöhe im Dachgeschoss

Für Aufenthaltsräume verlangt § 47 der Landesbauordnung Schleswig-Holstein grundsätzlich eine lichte Raumhöhe von mindestens 2,30 Metern. Im Dachraum genügen 2,20 Meter, sofern diese Höhe über mindestens der Hälfte der Netto-Raumfläche erreicht wird; Raumteile mit weniger als 1,50 Metern Höhe bleiben bei dieser Flächenermittlung außer Betracht. Ob ein Kieler Dachgeschossausbau diese Vorgaben einhält, lässt sich erst anhand eines bemaßten Schnitts mit eingetragenen Höhenlinien nachvollziehen – reine Grundrissangaben genügen dafür nicht. Gerade bei Wiederaufbau-Gebäuden ohne durchgehend fortgeschriebene Bauakte ist der Schnitt deshalb oft die entscheidende Zeichnung für die Genehmigungsfähigkeit eines Ausbauvorhabens.

Zwei Ausgangslagen für den Kieler Schnitt

Ob ein Schnitt neu entsteht oder einen Bestand dokumentiert, wirkt sich auf die Herangehensweise aus:

Neubau und gestaffelte Bebauung an der Förde

Bei Neubauten in Konversionsgebieten wie Hörn oder Gaarden ebenso wie bei zur Förde gestaffelten Baukörpern entstehen Geschosshöhen und Versprünge gemeinsam mit Grundriss und Ansicht aus einer Planung – bei gestaffelten Ebenen braucht der Schnitt zusätzlich einen durchgehenden Höhenbezug über mehrere Baukörperteile hinweg.

Dachgeschossausbau und Umbau im Wiederaufbau-Bestand

Vor dem Schnitt braucht es ein aktuelles Aufmaß der bestehenden Geschosshöhen und der Dachkonstruktion, damit sich Bestand und geplante Änderung eindeutig unterscheiden lassen – bei vielen Zeilenbauten liegt dafür oft nur ein Typenplan der ganzen Baureihe vor, nicht die Zeichnung der einzelnen Einheit.

Was zu einem vollständigen Schnitt in Kiel gehört

Ein Schnitt steht selten allein – gefragt ist ein auf Grundriss und Ansicht abgestimmter Satz:

  • Schnitt durch die relevanten Gebäudeteile

    Bemaßt im Maßstab mindestens 1:100, mit Geschosshöhen, Dachneigung und den wesentlichen Aufbauten.

  • Abgestimmter Grundriss und Ansicht

    Damit Geschosshöhen, First- und Traufhöhe zwischen den Zeichnungen des Plansatzes übereinstimmen.

  • Nachweis der Raumhöhe nach § 47 LBO

    Insbesondere beim Dachgeschossausbau, wo die 2,30- beziehungsweise 2,20-Meter-Schwelle über die Zulässigkeit als Aufenthaltsraum entscheidet.

  • Höhenbezug bei gestaffelten Ebenen

    Für Baukörper, die sich am Hang zur Förde staffeln, ein durchgehender Bezug der Geschossversprünge zueinander, nicht nur je Einzelgeschoss.

Bemaßte Schnittzeichnungen in Kiel – Beispiele aus der Praxis

Terrassenwohnung im Olympiazentrum Schilksee

Das für die Segelwettbewerbe der Olympischen Spiele 1972 errichtete Ensemble staffelt seine Wohnungen zur Förde. Der Schnitt weist die Höhenversprünge zwischen den Ebenen nach und zeigt, wie sich die vorgelagerten Freiflächen zueinander verhalten.

Dachgeschossausbau in einem Zeilenbau in Mettenhof

Der Schnitt zeigt Kniestockhöhe und die nach § 47 LBO nutzbare Raumhöhe unter der Dachschräge – oft der Punkt, an dem sich die Genehmigungsfähigkeit des Ausbaus entscheidet, da der vorhandene Typenplan die einzelne Wohnung nicht mehr abbildet.

Neubau mit Hangversatz nahe der Kiellinie

Ein Wohngebäude, das dem Geländeverlauf zur Förde folgt, braucht im Schnitt einen durchgehenden Höhenbezug über mehrere Ebenen, damit der Anschluss an das natürliche Gelände nachvollziehbar bleibt.

Nachträgliche Dachgaube an einem Wiederaufbau-Mehrfamilienhaus

Der Schnitt durch die Gaube zeigt, wie sich die neue Konstruktion in die bestehende Dachneigung einfügt, abgestimmt auf die zugehörige Ansicht.

So entsteht Ihr Schnitt für Kiel

Von der Bestandsaufnahme bis zur einreichfertigen Zeichnung:

  1. Relevante Schnittführung festlegen

    Welcher Gebäudebereich muss dargestellt werden, um Geschosshöhen, Dachaufbau oder – bei gestaffelter Bebauung – Geschossversprünge nachvollziehbar zu zeigen.

  2. Aufmaß oder Bauakte als Grundlage

    Bestehende Bauakte aus dem Bauaktenarchiv am Fleethörn oder ein aktuelles Aufmaß der betroffenen Geschosse und des Dachs.

  3. Schnitt bemaßt erstellen

    Im Maßstab mindestens 1:100, mit allen Pflichtangaben der BauVorlVO und, bei Dachräumen, den Höhenlinien nach § 47 LBO.

  4. Mit Grundriss und Ansicht abgleichen

    Damit Geschosshöhen und Dachmaße zwischen den Zeichnungen des Plansatzes widerspruchsfrei sind.

  5. Für das Amt für Bauordnung zusammenstellen

    Digital aufbereitet für die Einreichung am Fleethörn, insbesondere bei genehmigungskritischen Dachgeschossausbauten.

Was den Preis für einen Schnitt in Kiel beeinflusst

Diese Faktoren bestimmen den Aufwand für eine bemaßte Schnittzeichnung:

  • Zahl der notwendigen Schnittführungen

    Ein einfacher Gebäudeschnitt ist schneller erstellt als mehrere Schnitte durch unterschiedliche Gebäudebereiche, etwa bei einem gestaffelten Baukörper.

  • Gestaffelte oder ebene Bebauung

    Ein Baukörper, der sich am Hang zur Förde staffelt, verlangt zusätzliche Höhenbezüge über die Geschossversprünge hinweg – bei einem gewöhnlichen Zeilenbau entfällt dieser Aufwand.

  • Komplexität des Dachaufbaus

    Gauben, Dachschrägen und Kniestöcke beim Dachgeschossausbau erhöhen den Detaillierungsaufwand gegenüber einem einfachen Satteldach.

  • Zustand vorhandener Bauakten

    Fehlt eine verwertbare Bestandszeichnung im Bauaktenarchiv am Fleethörn, kommt ein Aufmaß-Termin hinzu, bevor der Schnitt entstehen kann.

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