Bemaßte Ansichten in Kassel — Fassaden zwischen nüchterner Nachkriegsmoderne und seltenem Vorkriegsbestand
Während ein vollständiger Plansatz für Kassel Grundriss, Schnitt und Ansicht als koordiniertes Ganzes verlangt, rückt die Ansicht selbst nur eines in den Mittelpunkt: das äußere Erscheinungsbild eines Gebäudes. Genau darin liegt in Kassel ein bemerkenswerter Kontrast. Der weit überwiegende Teil der Innenstadt entstand nach dem Luftangriff vom 22. Oktober 1943 neu, in der schlichten, funktional geprägten Formensprache der Nachkriegsmoderne – glatte Putzfassaden, regelmäßige Fensterachsen, kaum Fassadenschmuck. Wer dort eine Ansicht zeichnet, dokumentiert vor allem Proportionen und Höhenlinien, seltener aufwendige Gliederungselemente. Anders im Vorderen Westen und in Teilen von Bad Wilhelmshöhe: Dort haben einzelne Gründerzeit- und Jugendstilgebäude den Wiederaufbau überstanden, mit Erkern, Stuck und historischen Fensterformen, die eine Ansicht deutlich genauer erfassen muss – nicht zuletzt, weil dort regelmäßig Denkmalschutz greift.
Was eine Ansicht für Kassel zeigen muss
Der Bauvorlagenerlass stellt an Ansichten dieselben formalen Grundanforderungen wie an die übrigen Zeichnungen des Plansatzes:
- Ein durchgängiger Maßstab, üblicherweise 1:100, mit vollständiger Bemaßung von Höhen und Öffnungen auf jeder dargestellten Fassadenseite; mit Begründung sind auch 1:50 oder 1:200 zulässig.
- Erkennbare Angaben zu Fassadenmaterial und -farbe, sobald sie für die Beurteilung des Vorhabens relevant sind – bei einem Nachkriegsmoderne-Gebäude meist knapp, bei einer historischen Fassade entsprechend ausführlicher.
- Bei Änderungen an bestehenden Fassaden eine eindeutige Unterscheidung zwischen zu beseitigenden und neu entstehenden Bauteilen.
- Eine erkennbare Bauvorlageberechtigung, damit Abteilung 632 die Ansicht als vollständige Bauvorlage annimmt.
Für den weit überwiegenden Teil der Kasseler Innenstadt bedeutet eine Ansicht in erster Linie: Fensterachsen, Traufhöhe und die glatte, meist ungegliederte Putzfläche eines Gebäudes aus den 1950er- oder 1960er-Jahren nachvollziehbar darstellen. Bauschmuck im klassischen Sinn gibt es an dieser Architektur kaum, entsprechend konzentriert sich die Zeichnung auf Maße und Materialangaben. Ganz anders liegt der Fall bei den wenigen erhaltenen Gründerzeit- und Jugendstilgebäuden im Vorderen Westen und in Teilen von Bad Wilhelmshöhe. Stehen sie unter Denkmalschutz, nimmt Abteilung 633 im Amt 63 im Zuge des Bauantrags Stellung – ausdrücklich einschließlich Fassadenfarben und Fenstern, nicht nur des eigentlichen baulichen Eingriffs. Die Ansicht muss in diesen Fällen Erker, Fensterform und Fassadengliederung so genau zeigen, dass sich der geplante Eingriff denkmalrechtlich beurteilen lässt – ein deutlich höherer Detaillierungsgrad als bei einem funktional geprägten Nachkriegsgebäude.
Zwei Ausgangslagen für eine Kasseler Ansicht
Je nachdem, aus welcher Bauepoche ein Gebäude stammt, unterscheidet sich der Erfassungsaufwand deutlich:
Nachkriegsmoderne-Bestand oder -Neubau
Für ein Gebäude aus der Wiederaufbauzeit oder einen heutigen Neubau lässt sich die Ansicht meist zügig erstellen – regelmäßige Fensterachsen und schlichte Fassadenflächen ohne aufwendige Gliederung verlangen keine besonders feine Detaildarstellung, wohl aber eine verlässliche Bestandsgrundlage, wenn die alte Bauakte spätere Umbauten nicht zeigt.
Denkmalgeschützte Altbaufassade im Vorderen Westen oder in Bad Wilhelmshöhe
Hier braucht die Ansicht eine genaue Erfassung von Erkern, Fensterform und Fassadenschmuck, damit Abteilung 633 den geplanten Eingriff beurteilen kann. Vorhandene Bestandsunterlagen reichen dafür selten aus – ein Aufmaß der betroffenen Fassade ist meist der verlässlichere Weg.
Was zu einem vollständigen Ansichten-Satz in Kassel gehört
Eine einzelne Fassadenzeichnung reicht für die Einreichung selten aus:
- Ansichten aller betroffenen Fassadenseiten
Bemaßt im üblichen Maßstab 1:100, mit Höhen, Öffnungen und – wo relevant – Material- und Farbangaben.
- Abgestimmter Grundriss und Schnitt
Damit Maße und Öffnungspositionen zwischen den Zeichnungen des Plansatzes widerspruchsfrei sind, den Abteilung 632 als Ganzes prüft.
- Hinweis auf Denkmalstatus
Liegt das Gebäude im Vorderen Westen oder in Bad Wilhelmshöhe unter Denkmalschutz, kommt der Hinweis auf die Beteiligung von Abteilung 633 hinzu.
Bemaßte Ansichten in Kassel – Beispiele aus der Praxis
Fenstertausch an einem Wiederaufbau-Mehrfamilienhaus
Die Ansicht zeigt die regelmäßigen Fensterachsen des Gebäudes von 1959 und die geplanten neuen Fensterformate im direkten Vergleich zum Bestand – ohne besonderen gestalterischen Aufwand, weil die Fassade selbst schlicht gehalten ist.
Balkonanbau an einer Gründerzeitfassade im Vorderen Westen
Weil das Gebäude unter Denkmalschutz steht, muss die Ansicht zeigen, wie sich der neue Balkon in die vorhandene Fassadengliederung mit Erker und Fensterschmuck einfügt – Grundlage für die Stellungnahme von Abteilung 633.
Dachaufstockung an einem Nachkriegsgebäude
Die vorhandene Bauakte zeigt den Zustand von 1961, nicht aber spätere kleinere Veränderungen. Die Ansicht entsteht deshalb auf Basis eines aktuellen Aufmaßes der bestehenden Fassade.
So entsteht Ihre Ansicht für Kassel
Von der Bestandsaufnahme bis zur einreichfertigen Zeichnung:
- Betroffene Fassadenseiten und Baujahr klären
Welche Seiten sind vom Vorhaben sichtbar betroffen, und stammt das Gebäude aus der Nachkriegszeit oder gehört es zu den seltenen erhaltenen Altbauten?
- Bauakte prüfen oder Fassade aufmessen
Für Nachkriegsgebäude meist die Bauakte bei Amt 63, für denkmalgeschützte Altbauten häufiger ein direktes Aufmaß vor Ort.
- Ansicht bemaßt erstellen
Im üblichen Maßstab 1:100, mit allen Pflichtangaben des Bauvorlagenerlasses.
- Mit Grundriss und Schnitt abgleichen
Damit Öffnungen und Höhen zwischen den Zeichnungen des Plansatzes übereinstimmen.
- An Abteilung 632 übergeben
Digital über das Bauportal Hessen, bei Denkmalschutz mit Blick auf eine Stellungnahme von Abteilung 633.
Was den Aufwand einer Ansicht in Kassel beeinflusst
Diese Faktoren bestimmen den Erfassungs- und Zeichenaufwand:
- Bauepoche des Gebäudes
Eine schlichte Nachkriegsmoderne-Fassade lässt sich rascher zeichnen als eine gegliederte Altbaufassade mit Erkern und Fassadenschmuck.
- Denkmalschutz des Gebäudes
Im Vorderen Westen oder in Bad Wilhelmshöhe verlangt die Beteiligung von Abteilung 633 zusätzliche Detailtreue bei Material- und Farbangaben.
- Zahl der betroffenen Fassadenseiten
Eine einzelne Straßenansicht ist rascher erstellt als mehrere Seiten bei einem freistehenden Gebäude.
- Verlässlichkeit der Bauakte
Zeigt sie spätere Umbauten nicht, wird vor dem eigentlichen Zeichnen erst aufgemessen – bei Wiederaufbaugebäuden ein häufiger Fall.
Alle Leistungen in Kassel
Bauantrag, Aufmaß, Grundriss, Wohnflächenberechnung, Nutzungsänderung und Energieausweis — Übersicht für Kassel ansehen →
Haben Sie noch Fragen?
Lassen Sie uns anfangen!
Starten Sie die Erstellung Ihrer bemaßten Ansichten ganz einfach hier.
