Bemaßte Schnittzeichnungen in Jena — von der Planetariumskuppel bis zur Plattenbau-Geschosshöhe

Grundriss und Ansicht zeigen ein Gebäude von oben und von außen; erst der Schnitt macht sichtbar, was sich dazwischen abspielt. Wie unterschiedlich das in Jena ausfallen kann, zeigt ein Blick von der Planetariumskuppel aus dem Jahr 1926 zu den Wohngeschossen der Stadt: Während die Kuppel eine geometrisch anspruchsvolle Schalenkonstruktion offenbart, geht es bei den meisten Schnittzeichnungen um die schlichtere, aber rechtlich folgenreiche Frage, wie hoch ein Geschoss tatsächlich ist. Ob ein Raum als Vollgeschoss zählt, ob ein ausgebautes Dachgeschoss überhaupt als Aufenthaltsraum gilt – all das lässt sich ausschließlich im bemaßten Schnitt belegen, nicht im Grundriss.

Welche Angaben ein Schnitt für Jena enthalten muss

Formal gelten für Schnittzeichnungen dieselben Vorgaben wie für jede andere Bauzeichnung nach der ThürBauVorlVO – inhaltlich liegt der Schwerpunkt auf der Vertikalen:

  • Der Maßstab beträgt grundsätzlich 1:100 nach § 8 ThürBauVorlVO; ein größerer Maßstab wird gewählt, wenn Details sonst nicht lesbar wären.
  • Geschosshöhen, Fußbodenaufbauten und die Dachkonstruktion müssen vollständig bemaßt sein, ebenso die dafür wesentlichen Bauprodukte und Bauarten.
  • Bei Änderungen am Bestand ist im Schnitt selbst erkennbar zu machen, welche Bauteile bleiben, welche entfernt werden und welche neu hinzukommen.
Warum die Planetariumskuppel jede Schnittkonvention sprengt

<p>Die meisten Schnitte in Jena lassen sich mit denselben Konventionen zeichnen: waagerechte Deckenlinien, eine geneigte Dachfläche, klar abgrenzbare Geschosse. Die 1926 eröffnete Kuppel des Zeiss-Planetariums folgt dieser Logik nicht. Ihre nur rund sechs Zentimeter dünne Betonschale, im Zeiss-Dywidag-Verfahren von Walther Bauersfeld und Franz Dischinger entwickelt, spannt sich über rund 25 Meter als durchgehend gekrümmte Fläche, ohne die üblichen horizontalen Bezugslinien einer Geschossdecke. Ein Schnitt durch ein solches Bauwerk muss die Krümmung der Schale selbst zum eigentlichen Thema machen, statt sie als Ausnahme neben einer sonst rechteckigen Konstruktion zu behandeln. Für die überwiegende Mehrheit der Jenaer Gebäude – von der Gründerzeitwohnung bis zur Plattenbauetage – bleibt die Fragestellung dagegen die klassische: Erreicht die lichte Höhe die gesetzlichen Schwellenwerte, und wie wirkt sich das auf die Einordnung des Geschosses aus?</p>

Drei Konstruktionstypen, drei Herangehensweisen

Wie ein Schnitt entsteht, hängt stark von der zugrunde liegenden Bauweise ab:

Regelmäßige Geschossdecken

Bei den meisten Wohngebäuden genügt ein Schnitt mit klar abgegrenzten, waagerechten Geschossebenen – der Regelfall bei Neubauten und den meisten Bestandsgebäuden.

Dachräume mit wechselnder Höhe

Unter einer Dachschräge muss der Schnitt die lichte Höhe an mehreren Stellen zeigen, weil sich die Nutzbarkeit eines Raumes hier zonenweise unterscheidet.

Gekrümmte Sonderkonstruktionen

Bei einer Schale wie der des Zeiss-Planetariums ersetzt eine an die Geometrie angepasste Darstellung die übliche Abfolge gerader Deckenlinien.

Was für einen Schnitt in Jena zusammenkommen muss

Ein einzelner Schnitt ergibt selten ein vollständiges Bild – er braucht Bezugspunkte aus den übrigen Zeichnungen:

  • Grundriss mit eingezeichneter Schnittlinie

    Zeigt, an welcher Stelle des Gebäudes der Schnitt geführt wird und wie er sich zu den Räumen darüber und darunter verhält.

  • Höhenaufmaß der betroffenen Geschosse

    Ohne belastbare Höhenwerte lässt sich weder die Vollgeschossigkeit noch die nutzbare Raumhöhe unter einer Schräge nachweisen.

  • Angaben zur Dachkonstruktion

    Neigung, Aufbau und tragende Elemente des Dachs bestimmen, wie der obere Abschluss des Schnitts korrekt dargestellt wird.

  • Zugehörige Ansicht

    First- und Traufhöhe aus der Ansicht müssen mit den im Schnitt bemaßten Werten übereinstimmen, damit der Plansatz insgesamt widerspruchsfrei bleibt.

Bemaßte Schnittzeichnungen in Jena – Beispiele aus der Praxis

Ausbau eines Dachraums in einem Gründerzeithaus

Der Schnitt weist Zone für Zone nach, wo die lichte Höhe von 2,20 Meter auf mindestens der halben Grundfläche erreicht wird und wo nicht.

Grenzfall Vollgeschoss in einem niedrigeren Nachkriegsbau

Liegt die Deckenoberkante nur knapp über dem in § 85 ThürBO genannten Schwellenwert, entscheidet der bemaßte Schnitt darüber, wie viele Vollgeschosse das Gebäude tatsächlich hat.

Erweiterung eines Typengebäudes in Neulobeda

Auch bei einer standardisierten Geschossdecke braucht die Erweiterung einen eigenen Schnitt, der den neuen Deckenanschluss zum vorhandenen Baukörper zeigt.

Sanierung im Umfeld der Planetariumskuppel

Auch angrenzende, gewöhnlich gebaute Nebengebäude erhalten einen eigenen, klassisch aufgebauten Schnitt, während nur die Kuppel selbst die angepasste Darstellung braucht.

So entsteht Ihr Schnitt für Jena

Der Weg vom Aufmaß zur fertigen Zeichnung verläuft in vier Schritten:

  1. Schnittebene festlegen

    Es wird bestimmt, an welcher Stelle des Gebäudes der Schnitt die relevanten Höhen und Bauteile am besten zeigt.

  2. Höhen und Konstruktion aufnehmen

    Fehlen verwertbare Unterlagen, werden Geschosshöhen und Dachaufbau direkt am Gebäude gemessen.

  3. Zeichnung erstellen

    Der Schnitt entsteht bemaßt im Maßstab 1:100 und wird mit Grundriss und Ansicht auf gemeinsame Höhenbezüge abgestimmt.

  4. Gegen gesetzliche Schwellenwerte prüfen

    Die ermittelten Höhen werden mit den Vorgaben zu Vollgeschossigkeit und Mindestraumhöhe abgeglichen, bevor die Zeichnung in den Plansatz eingeht.

  5. Mit Grundriss und Ansicht zusammenführen

    Der fertige Schnitt wird mit den übrigen Zeichnungen des Plansatzes abgeglichen, bevor die Unterlagen an den Fachdienst gehen.

Was den Preis für einen Schnitt in Jena beeinflusst

Der Aufwand für eine Schnittzeichnung schwankt vor allem mit diesen Punkten:

  • Geometrie des Bauwerks

    Eine gekrümmte oder ungewöhnlich geformte Konstruktion braucht eine eigens angepasste Darstellung, eine gewöhnliche Geschossdecke dagegen nicht.

  • Zahl der Schnittstellen

    Muss das Gebäude an mehreren Stellen geschnitten werden, um alle relevanten Höhen zu zeigen, steigt der Zeichenaufwand entsprechend.

  • Vorhandene Höhenangaben

    Liegen bereits belastbare Aufmaßdaten vor, entfällt eine erneute Vermessung der Geschosshöhen.

  • Prüfrelevanz der Ergebnisse

    Geht es um eine Grenzfrage wie die Vollgeschossigkeit, wird die Darstellung entsprechend sorgfältiger dokumentiert.

  • Abstimmung mit Grundriss und Ansicht

    Je mehr Anpassungen an den übrigen Zeichnungen nötig werden, um Widersprüche zu vermeiden, desto höher der Gesamtaufwand für den Plansatz.

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