Aufteilungspläne in Ingolstadt — aus dem Stadtarchiv rekonstruiert, wo die Luftangriffe von 1945 Lücken hinterließen

Ein Aufteilungsplan ist überall in Deutschland dieselbe Bauzeichnung mit denselben Anforderungen nach § 7 WEG. In Ingolstadt entscheidet weniger das Alter eines Gebäudes als seine genaue Lage innerhalb der Altstadt darüber, woher die Grundlage dafür stammt: Die Luftangriffe vom 1. März und 9. April 1945 zerstörten gezielt zwei Bereiche – den nordöstlichen Altstadtteil zwischen Paradeplatz und Unterem Graben sowie die südliche Altstadt um die Augustinerkirche –, während andere Straßenzüge nahezu unverändert blieben. Für ein Gebäude in einem der beiden betroffenen Bereiche findet sich deshalb häufig keine brauchbare Vorkriegsakte mehr, während benachbarte Quartiere oft eine durchgehende Aktenhistorie aufweisen.

Wann Sie in Ingolstadt einen Aufteilungsplan brauchen

Für sich genommen ist der Aufteilungsplan keine genehmigungspflichtige Leistung. Seinen Zweck erfüllt er als Grundlage für zwei andere Verfahren:

  • Für die Abgeschlossenheitsbescheinigung des Bauordnungsamts, ohne die eine Eintragung ins Wohnungsgrundbuch beim Amtsgericht Ingolstadt nicht möglich ist.
  • Für die notarielle Teilungserklärung, die bei Bestandsgebäuden mit mehr als zehn Wohnungen zusätzlich eine Umwandlungsgenehmigung nach § 250 BauGB voraussetzt.
  • Bei Neubauten lässt sich der Plan meist unmittelbar aus der seit Mai 2023 auch digital eingereichten Genehmigungsplanung ableiten, ganz ohne Archivrecherche.
Zwei konkrete Bereiche statt einer pauschalen Zerstörungsquote

Zwischen 1942 und 1945 trafen zwölf Luftangriffe Ingolstadt, blieben aber bis zum Jahreswechsel 1944/45 überwiegend folgenlos. Am 1. März 1945 gingen innerhalb von vier Minuten rund 603 Tonnen Spreng- und Brandbomben nieder und legten erstmals große Teile der historischen Innenstadt zwischen Paradeplatz und Unterem Graben in Trümmer. Am 9. April 1945 traf ein zurückkehrender Bomber beim Abwurf der restlichen Bombenlast – vermutlich unbeabsichtigt – die südliche Altstadt; in den Trümmern der Augustinerkirche starben 73 Menschen. Für den Aufteilungsplan heißt das: Die Frage, ob eine ältere Bauakte existiert, lässt sich nicht nach Baujahr oder allgemeinem Stadtviertel beantworten, sondern nur adressgenau. Für ein Gebäude im nordöstlichen oder südlichen Altstadtbereich ist eine lückenlose Vorkriegsakte eher die Ausnahme, während sie für ein Gebäude außerhalb dieser beiden Schwerpunkte oder in einem der jüngeren Stadtbezirke wie Piusviertel oder Konradviertel häufig durchgehend vorliegt.

Woher Ihr Ingolstädter Aufteilungsplan stammt

Je nach Alter des Gebäudes, seiner genauen Lage und dem Zustand der vorhandenen Unterlagen kommt einer von drei Wegen infrage:

Aus dem Stadtarchiv / Zentrum Stadtgeschichte

Untergebracht seit 1976 zusammen mit Stadtmuseum und wissenschaftlicher Stadtbücherei in der ehemaligen Festungskaserne Kavalier Hepp, verwahrt das Stadtarchiv wichtige Unterlagen der Stadtverwaltung. Eine vorherige Anfrage hilft, die Recherche gezielt vorzubereiten.

Aus der Bauakte des Bauordnungsamts

Für jüngere Vorgänge und Gebäude außerhalb der 1945 betroffenen Bereiche liegt die Akte meist direkt beim Bauordnungsamt vor, seit 2023 zunehmend digital.

Per Vor-Ort-Vermessung

Findet sich keine brauchbare Akte oder weicht der Bestand erkennbar vom Plan ab, wird das Gebäude direkt aufgenommen – der verlässlichste Weg für ein Haus im 1945 zerstörten Altstadtbereich.

Welche Unterlagen für Ihren Ingolstädter Aufteilungsplan hilfreich sind

Je nachdem, welcher der drei Wege zum Ziel führt, sind unterschiedliche Unterlagen gefragt:

  • Anfrage beim Stadtarchiv mit Eigentumsnachweis

    Für die Recherche einer historischen Bauakte hilft eine gezielte Anfrage beim Stadtarchiv / Zentrum Stadtgeschichte, möglichst mit Angabe der genauen Adresse und des mutmaßlichen Baujahrs.

  • Vorhandene Grundrisse oder Schnitte

    Schon vorhandene, bemaßte Pläne aus einem früheren Aufmaß beschleunigen die Erstellung erheblich, selbst wenn ihnen noch die Nummerierung fehlt.

  • Angaben zur gewünschten Aufteilung

    Bevor nummeriert werden kann, muss feststehen, welche Räume künftig zu welcher Einheit zählen sollen – vor allem bei Kellerräumen und Stellplätzen, die räumlich von der Wohnung getrennt liegen.

Aufteilungspläne in Ingolstadt – Beispiele aus der Praxis

Altbau zwischen Paradeplatz und Unterem Graben

Für dieses Gebäude ist wegen der Zerstörung vom 1. März 1945 keine verwertbare Vorkriegsakte auffindbar. Der heutige Bestand wird deshalb direkt vor Ort aufgenommen und daraus der Aufteilungsplan entwickelt.

Gebäude in der südlichen Altstadt nahe der Augustinerkirche

Auch hier ist wegen des Luftangriffs vom 9. April 1945 eine ältere Akte selten vollständig. Vorhandene Fragmente helfen als Ausgangspunkt, ersetzen die Vor-Ort-Vermessung aber meist nicht.

Nachkriegsbau im Piusviertel

Die Bauakte ist vollständig und aktuell, das Gebäude wurde seit der Erstgenehmigung kaum verändert. Der Aufteilungsplan lässt sich unmittelbar daraus entwickeln, ergänzt um die Nummerierung der Einheiten.

Neubauprojekt außerhalb der Altstadt

Für ein aktuelles Neubauvorhaben liegt die Genehmigungsplanung bereits digital beim Bauordnungsamt vor. Der Aufteilungsplan lässt sich unmittelbar daraus ableiten, ohne Archivrecherche.

So entsteht Ihr Aufteilungsplan in Ingolstadt

Fachlich läuft die Erstellung überall in Deutschland gleich ab. In Ingolstadt liegt der Schwerpunkt auf der frühen, adressgenauen Klärung, ob das Gebäude in einem der 1945 betroffenen Bereiche liegt:

  1. Lage zur Altstadt und Kriegsschicksal einordnen

    Zunächst wird geprüft, ob das konkrete Gebäude im nordöstlichen oder südlichen Bereich der 1945 zerstörten Altstadt liegt – das entscheidet, ob überhaupt eine ältere Akte zu erwarten ist.

  2. Stadtarchiv oder Bauordnungsamt konsultieren

    Je nach Alter des Vorgangs wird die historische Akte beim Stadtarchiv oder die Bauakte beim Bauordnungsamt geprüft.

  3. Fehlende Grundlagen vor Ort aufmessen

    Reicht die Akte nicht aus oder ist keine auffindbar, wird das Gebäude direkt vermessen.

  4. Einheiten festlegen und nummerieren

    Über alle Geschosse hinweg erhält jede Einheit eine fortlaufende Nummer, einschließlich zugehöriger Keller- und Stellplatzflächen.

  5. Plan für Bauordnungsamt und Notar übergeben

    Als fertiges Dokument bildet der Aufteilungsplan die Grundlage sowohl für die Abgeschlossenheitsbescheinigung als auch für die spätere notarielle Teilungserklärung.

Was den Aufwand eines Aufteilungsplans in Ingolstadt beeinflusst

In Ingolstadt entscheidet vor allem die genaue Lage innerhalb der Altstadt über den Aufwand, nicht allein die Gebäudegröße:

  • Lage im 1945 zerstörten Altstadtbereich

    Für ein Gebäude zwischen Paradeplatz und Unterem Graben oder in der südlichen Altstadt um die Augustinerkirche fehlt häufig eine verwertbare Vorkriegsakte, sodass eine Vor-Ort-Vermessung nötig wird.

  • Vollständigkeit der vorhandenen Akte

    Auch eine erhaltene Akte passt nicht immer lückenlos zum heutigen Bestand – jeder spätere, nicht dokumentierte Umbau erhöht den Abgleichsaufwand.

  • Anzahl und Zuschnitt der Einheiten

    Mehr Einheiten und unregelmäßig geschnittene Altbaugrundrisse bedeuten mehr Nummerierungs- und Abgrenzungsaufwand.

  • Getrennt liegende Nebenräume

    Keller- oder Stellplatzflächen, die räumlich getrennt vom Hauptgebäude liegen, müssen zusätzlich eindeutig der richtigen Einheit zugeordnet werden.

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