Aufmaß & Vermessung in Ingolstadt — Bauaufmaß zwischen Festungsmauern und Nachkriegs-Stadtbezirken

Wer ein Gebäude im Ingolstädter Festungsring vermisst, trifft auf massive, historisch gewachsene Umfassungsmauern und Raumzuschnitte, die sich über Jahrhunderte mehrfach verändert haben – ein spürbarer Unterschied zu den standardisierten Grundrissen in jüngeren Stadtbezirken wie Piusviertel oder Konradviertel. Amtlich vermessen darf in Bayern ohnehin nur eine staatliche Stelle: das Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Ingolstadt, das als einzige Behörde für das Liegenschaftskataster der Stadt zuständig ist. Ein Bauaufmaß ist davon unabhängig und liefert genau das, was das Kataster nicht kennt: Innenmaße, Raumaufteilung und eine belastbare Flächenberechnung.

Wann ein Aufmaß in Ingolstadt erforderlich wird

Ein Bauaufmaß ist an keine Vorschrift geknüpft – niemand muss eines beauftragen. Gebraucht wird es dort, wo jemand eine Fläche oder eine Geometrie belegt sehen will und die vorhandenen Papiere das nicht hergeben. In Ingolstadt vor allem in diesen Lagen:

  • Für das Objekt existiert kein verwertbarer Bestandsplan, oder die vorhandene Zeichnung zeigt einen Stand vor einem späteren Umbau oder Dachgeschossausbau.
  • Ein Umbau, eine Nutzungsänderung oder ein Bauantrag steht an: Die Planung setzt einen maßhaltigen Bestand voraus.
  • Bank oder Sachverständiger verlangen eine Flächenangabe mit nachvollziehbarem Rechenweg.
  • Wohnungseigentum soll begründet oder geändert werden: Für die Abgeschlossenheitsbescheinigung müssen die Räume eines Sondereigentums dauerhaft räumlich getrennt und frei zugänglich sein.
  • Das Objekt liegt im Festungsring oder einem Altstadt-Sanierungsgebiet: Beurteilt wird eine bauliche Änderung dort am dokumentierten Ausgangszustand.
Gebäudeeinmessung von Amts wegen – und wofür das ADBV Ingolstadt nicht zuständig ist

Bayern geht bei der Katastervermessung einen eigenen Weg. Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure, die anderswo die Gebäudeeinmessung im Auftrag des Eigentümers erledigen, gibt es hier nicht. Hoheitlich vermessen dürfen allein die staatlichen Ämter für Digitalisierung, Breitband und Vermessung; für das Ingolstädter Stadtgebiet ist das ADBV Ingolstadt in der Rechbergstraße zuständig, das darüber hinaus auch Teile des Umlands betreut, etwa über eine Außenstelle in Eichstätt. Nach Art. 12 des bayerischen Vermessungs- und Katastergesetzes wird ein neu errichtetes Gebäude von Amts wegen eingemessen – es gibt keinen Antrag, den man versäumen könnte, die Kosten weist das Gesetz gleichwohl dem Gebäudeeigentümer zu. Nach Art. 13 müssen Eigentümer und Nutzungsberechtigte dulden, dass die beauftragten Vermessungskräfte das Grundstück betreten; Wohnungen dürfen nur mit Zustimmung des Wohnungsinhabers und nach vorheriger Ankündigung betreten werden. Was das Kataster liefert, ist damit klar begrenzt: Lage und äußerer Umriss des Gebäudes. Innenmaße, Raumaufteilung und Wohnfläche – gerade bei den dicken Umfassungsmauern und verschachtelten Grundrissen im Festungsring – sind dort nirgends verzeichnet. Dafür ist das Bauaufmaß da.

Die Aufmaßverfahren im Detail

Welches Verfahren am Objekt trägt, ergibt sich aus der Geometrie des Gebäudes und dem Zweck der späteren Unterlagen:

Handaufmaß mit Laserdistanzmessgerät

Der Regelweg in Wohnungen und überschaubaren Häusern. Die Messgenauigkeit marktüblicher Geräte liegt weit unterhalb jeder rechtlich erheblichen Schwelle; Fehler entstehen eher beim Übertragen der Werte oder wenn nicht am fertigen Bauteil gemessen wurde.

Kontrollmaße bei historischer Bausubstanz

In Häusern im Festungsring mit dicken, ungleichmäßig gewachsenen Umfassungsmauern reichen einfache Wandlängen oft nicht: Zusätzliche Diagonalen und Wandstärken sichern die Geometrie, bevor der Grundriss gezeichnet wird.

3D-Laserscanning mit Punktwolke

Für stark verschachtelte oder verformte Substanz, wie sie ältere Gebäude nach mehreren Umbauphasen mitbringen können. Der Scan hält Setzungen und Schiefstellungen fest, statt sie zu begradigen.

Prüfung vorhandener Genehmigungspläne

Manchmal genügt es, einen Plan aus der Bauakte zu verifizieren. Halten Stichproben zu Achsmaßen und Raumhöhen nicht stand, wird neu aufgenommen.

Diese Unterlagen entstehen aus dem Aufmaß

Der Messvorgang für sich genommen nützt niemandem. Verwertbar wird er durch das, was daraus gezeichnet und dokumentiert wird:

  • Bemaßte Grundrisse jeder Ebene

    Vom Keller bis zum Dachraum, mit durchgehenden Maßketten statt einer bloßen Maßstabsangabe.

  • Schnitte und Ansichten

    Sie zeigen, was der Grundriss nicht abbilden kann: Geschosshöhen, Deckenaufbauten und den Verlauf der Dachschräge über dem Raum.

  • Flächen nach Wohnflächenverordnung oder DIN 277

    Für Wohnraum wird jeder Raum einzeln ausgewiesen, mit Maß, Höhenzone und Anrechnungsfaktor. Bei gemischt genutzten Häusern stehen beide Angaben nebeneinander.

  • Messdaten, Skizze und Fotodokumentation

    Die Rohdaten bleiben Teil der Übergabe und machen nachprüfbar, an welcher Stelle welches Maß genommen wurde.

Aufmaße in Ingolstadt – Beispiele aus der Praxis

Altbau im Festungsring mit unregelmäßigen Wandstärken

Historisch gewachsene Umfassungsmauern und mehrfach veränderte Raumzuschnitte verlangen zusätzliche Kontrollmaße, bevor sich der Grundriss beim Zeichnen schließt.

Standardwohnung im Piusviertel oder Konradviertel

In diesen im Rahmen der Städtebauförderung entwickelten Stadtteilen ist der Grundriss meist regelmäßig geschnitten – ein Handaufmaß mit Laserdistanzmessgerät genügt in der Regel.

Dachgeschossausbau ohne Bestandsplan

Unter der Schräge entscheidet die lichte Höhe über die Anrechnung. Gemessen wird vom fertigen Boden bis zur fertigen Deckenbekleidung, die Ein- und Zwei-Meter-Linien werden anschließend im Grundriss eingetragen.

Umbau in einem Altstadt-Sanierungsgebiet

Eine geplante Veränderung wird am dokumentierten Ausgangszustand geprüft. Ein vor dem Eingriff erstelltes Aufmaß liefert dafür die Grundlage, ersetzt die Erlaubnis des Stadtplanungsamts aber nicht.

So läuft Ihr Aufmaß in Ingolstadt ab

Der Ablauf folgt überall demselben Muster. Was ihn in Ingolstadt verkürzt oder verlängert, sind zwei Dinge: was sich in der Bauakte findet und wie zugänglich das Gebäude am Termin ist.

  1. Zweck und Erfassungstiefe festlegen

    Ein Flächennachweis für die Bank, eine Planungsgrundlage für den Umbau und ein Aufteilungsplan stellen unterschiedliche Anforderungen an Detailtiefe und Darstellung.

  2. Bauakte anfragen

    Je nach Alter des Vorgangs liegt die Akte beim Stadtarchiv / Zentrum Stadtgeschichte oder beim Bauordnungsamt; für den amtlichen Lageplan ist das ADBV Ingolstadt zuständig.

  3. Termin abstimmen und Zugang sichern

    Über die Dauer entscheidet, was aufgeschlossen ist: Keller, Speicher und Nebenräume gehören dazu.

  4. Erfassung vor Ort

    Gemessen wird raumweise, mit Kontrollmaßen zur Prüfung der Winkel, dazu lichte Höhen, Stufen, Nischen und Öffnungen. Parallel entstehen Skizze und Fotos.

  5. Auswertung und Übergabe

    Aus den Messdaten werden Zeichnungen und Flächenberechnung mit ausgewiesenem Rechenweg erstellt – gemeinsame Grundlage für Bank, Käufer und, wo eine Schutzzone greift, für das Stadtplanungsamt.

Was den Preis für ein Aufmaß in Ingolstadt beeinflusst

Zwei gleich große Wohnungen können sich im Messaufwand um ein Mehrfaches unterscheiden. Den Umfang bestimmen vor allem diese Punkte:

  • Zahl und Zuschnitt der Räume

    Jeder zusätzliche Raum bringt Längen, Höhen und Öffnungen mit sich. Nischen und schiefwinklige Zuschnitte kosten mehr Messzeit als klar geschnittene Zimmer gleicher Fläche.

  • Alter und Bausubstanz

    Ein Gebäude im Festungsring mit dicken, unregelmäßigen Umfassungsmauern verlangt zusätzliche Kontrollmaße gegenüber einem standardisierten Nachkriegsbau.

  • Anteil der Dachgeschossfläche

    Ein ausgebautes Dachgeschoss verlangt Höhenaufnahmen je Zone und einen Schnitt – mehr Arbeit als eine Etagenwohnung derselben Größe mit durchgehender Raumhöhe.

  • Gewähltes Erfassungsverfahren

    Handaufmaß und Laserscanning unterscheiden sich in Geräteeinsatz, Dauer vor Ort und Auswertungstiefe.

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