Grundrisse in Herne — aus einer gemeinsamen Bauakte für eine einstige Doppelstadt

Ein bemaßter Grundriss ist in Herne selten reine Formsache. Die Stadt vereint seit 1975 zwei zuvor eigenständige Baugeschichten: das ältere Herne und die bis dahin kreisfreie Stadt Wanne-Eickel, die selbst erst 1926 aus den Ämtern Wanne und Eickel entstanden war. Wer heute eine Wohnung in Herne-Mitte, Wanne oder Eickel besitzt, trifft entsprechend auf unterschiedliche Baualtersstufen, unterschiedliche Bebauungsplansituationen und, in den beiden historischen Zentren, auf eigene Gestaltungsvorgaben. Ob ein vorhandener Plan diesen heutigen Bestand noch korrekt abbildet oder ob neu erfasst werden muss, lässt sich deshalb selten pauschal für die ganze Stadt beantworten, sondern nur objektbezogen.

Wann Sie in Herne einen neuen Grundriss brauchen

Ein Grundriss ist in Herne keine genehmigungspflichtige Leistung, aber in mehreren wiederkehrenden Situationen unverzichtbar:

  • Verkauf und Finanzierung: Bank und Notar verlangen einen aktuellen, bemaßten Plan – eine jahrzehntealte Aktenkopie reicht selten, wenn seither umgebaut wurde.
  • Fehlende oder unvollständige Bauakte: Gerade bei Gebäuden aus der Zeit vor der Städtefusion 1975 sind Unterlagen mitunter lückenhaft oder auf zwei verschiedene Archive verteilt.
  • Teilungserklärung und Aufteilungsplan: Wer eine Immobilie in Wohnungs- und Teileigentum aufteilen will, braucht einen maßstäblichen Aufteilungsplan als Grundlage der Abgeschlossenheitsbescheinigung.
  • Nachträglicher Dachgeschossausbau: Ist der Ausbau ohne zugehörige Bauakte erfolgt oder liegt er lange zurück, existiert dafür oft kein aktueller Plan.
  • Bauantrag oder Nutzungsänderung: Ein aktueller Bestandsgrundriss ist die Grundlage jeder weiteren Planung, insbesondere innerhalb der Gestaltungssatzungsgebiete Herne-Mitte und Wanne-Mitte.
Eine Behörde, zwei mögliche Quellen

Anders als bei manchen fusionierten Städten gibt es beim Fachbereich 54 selbst keine nach der alten Stadtgrenze getrennte Bauaktenstelle mehr – die Abteilung Baugenehmigung und Bauaufsicht führt die laufenden Bauakten seit 1975 einheitlich für Herne-Mitte, Wanne, Eickel und alle übrigen Stadtteile. Reicht diese laufende Akte für ein älteres Gebäude nicht aus, kann zusätzlich das Stadtarchiv Herne weiterhelfen: Es entstand 1974 im Zuge der Gebietsreform durch die Zusammenlegung des bisherigen Herner Stadtarchivs mit dem seit 1926 als eigenständiges Kommunalarchiv geführten Archiv der Stadt Wanne-Eickel, untergebracht in der ehemaligen Cranger Schule an der Dorstener Straße. Für einen Grundriss eines Gebäudes aus der Zeit vor der Fusion kann es sich deshalb lohnen, neben der laufenden Bauakte auch dort nachzufragen, statt sich allein auf den Fachbereich 54 zu verlassen.

Woher Ihr Herner Grundriss stammt

Je nach Datenlage kommt einer von drei Wegen infrage:

Aus der Bauakte des Fachbereichs 54

Existiert eine verwertbare Bauakte und stimmt sie mit dem heutigen Bestand überein, lässt sich der Grundriss daraus ableiten und bei Bedarf neu bemaßen.

Aus dem Stadtarchiv Herne

Für ältere Gebäude, insbesondere aus der Zeit vor der Städtefusion 1975, kann ein Blick in die dort verwahrten historischen Bestände der einstigen Stadt Wanne-Eickel weiterhelfen, sofern die laufende Bauakte nicht ausreicht.

Per Aufmaß vor Ort

Fehlt eine verwertbare Quelle oder weicht sie vom tatsächlichen Zustand ab – etwa nach einer Zusammenlegung, Teilung oder einem nachträglichen Ausbau –, wird die Wohnung vor Ort vermessen.

Welche Unterlagen für Ihren Herner Grundriss hilfreich sind

Je nachdem, welcher Weg zum Ziel führt, sind unterschiedliche Unterlagen relevant:

  • Bauakte mit Eigentumsnachweis

    Für die Akteneinsicht beim Fachbereich 54 werden üblicherweise ein aktueller Eigentumsnachweis und, wenn ein Dritter die Anfrage stellt, eine Vollmacht des Eigentümers verlangt.

  • Vorhandene alte Pläne oder Skizzen

    Selbst unvollständige oder veraltete Pläne sind als Ausgangspunkt hilfreich, etwa um die grundsätzliche Raumaufteilung nachzuvollziehen, bevor vor Ort nachgemessen wird.

  • Teilungserklärung und Aufteilungsplan

    Bei Eigentumswohnungen zeigt der bestehende Aufteilungsplan, welche Räume zum Sondereigentum gehören – wichtig, wenn ein neuer Grundriss mit der ursprünglichen Aufteilung abgeglichen werden muss.

  • Angaben zur Baugeschichte des Gebäudes

    Der Hinweis, ob ein Gebäude vor oder nach der Städtefusion 1975 errichtet wurde, hilft dabei, zwischen laufender Bauakte und Stadtarchiv die richtige Anlaufstelle zu wählen.

Grundrisse in Herne – Beispiele aus der Praxis

Wohnung in einem Altbau in Herne-Mitte ohne aktuellen Plan

Die laufende Bauakte beim Fachbereich 54 endet bei einem älteren Genehmigungsstand. Ein Aufmaß vor Ort erfasst den tatsächlichen, heutigen Zuschnitt der Wohnung.

Mehrfamilienhaus in Wanne aus der Zeit vor der Fusion

Für ein Gebäude aus den 1950er-Jahren in Wanne kann sich ergänzend zur Bauakte ein Blick ins Stadtarchiv Herne lohnen, das auch ältere Unterlagen der einstigen Stadt Wanne-Eickel verwahrt.

Neubauwohnung im geplanten EschparkQuartier

Sobald für die einzelnen Baufelder des Quartiers zwischen Bahnhofstraße und Eschstraße konkrete Bauunterlagen vorliegen, lässt sich der Grundriss direkt aus der digitalen Planung ableiten, ohne gesonderten Aufmaß-Termin.

Nachträglicher Dachgeschossausbau ohne zugehörige Bauakte

Wurde ein Dachgeschoss vor Jahrzehnten ausgebaut, ohne dass die Akte entsprechend fortgeschrieben wurde, existiert dafür oft kein aktueller Plan. Für Verkauf oder Finanzierung wird der Grundriss dann anhand des heutigen Bestands neu erstellt.

Ladeneinheit in Wanne-Mitte mit geplanter Fassadenänderung

Ein aktueller Grundriss ist die Grundlage, um eine spätere Anpassung der Schaufensterfront an die dort seit 2018 geltende Gestaltungssatzung überhaupt zu planen.

So läuft Ihr Grundriss in Herne ab

Fachlich ist der Ablauf bundesweit derselbe. In Herne liegt das Gewicht auf der frühen Klärung, welche der beiden möglichen Quellen für ein Gebäude überhaupt infrage kommt:

  1. Zweck und Anlass klären

    Ob der Grundriss für Verkauf, Finanzierung, eine Teilungserklärung oder eine weitere Planung gebraucht wird, bestimmt die Anforderungen an Maßstab und Detailtiefe.

  2. Bauakte beim Fachbereich 54 prüfen

    Wir klären, ob eine vollständige, zum heutigen Zustand passende Bauakte vorliegt.

  3. Bei Bedarf das Stadtarchiv Herne einbeziehen

    Für ältere Gebäude aus der Zeit vor der Städtefusion 1975 wird zusätzlich geprüft, ob dort verwertbare historische Unterlagen der einstigen Stadt Wanne-Eickel vorliegen.

  4. Fehlende Grundlagen aufmessen

    Reichen die vorhandenen Unterlagen nicht aus, wird direkt vor Ort aufgemessen.

  5. Grundriss zeichnen und übergeben

    Aus den erfassten Maßen entsteht der bemaßte Grundriss – auf Wunsch inklusive Möblierung und Architektenstempel.

Was den Aufwand eines Grundrisses in Herne beeinflusst

Der Erfassungsaufwand unterscheidet sich zwischen Herner Gebäudetypen deutlich:

  • Zustand der vorhandenen Unterlagen

    Eine aktuelle, verwertbare Bauakte beim Fachbereich 54 ist der günstigste Fall. Fehlt sie oder weicht sie vom Bestand ab, kommen eine Anfrage beim Stadtarchiv oder ein Vor-Ort-Termin hinzu.

  • Baujahr und Lage im Stadtgebiet

    Gebäude aus der Zeit vor der Städtefusion 1975 verlangen mitunter eine zusätzliche Archivrecherche gegenüber jüngeren Neubauten mit lückenloser digitaler Akte.

  • Zahl der Ebenen und Räume

    Eine einzelne Etagenwohnung ist rasch erfasst. Ein Haus mit mehreren Geschossen verlangt für jede Einheit einen eigenen Erfassungsdurchgang.

  • Anlass und Detailtiefe

    Ein reiner Nachweis für die Bauakte unterscheidet sich im Aufwand von einem vermarktungsfertigen, möblierten und bemaßten Grundriss für ein Exposé.

Alle Leistungen in Herne

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