Bemaßte Schnittzeichnungen in Herne — Geschosshöhen quer durch zwei Baugeschichten
Kniestockhöhe, Firstpunkt, Deckenaufbau: All das lässt sich weder im Grundriss noch in der Fassadenansicht ablesen, sondern erst im Schnitt durch das Gebäude. Für Herne ist das mehr als eine technische Formalie, denn die Stadt vereint über die Städtefusion von 1975 hinweg zwei ursprünglich getrennte Baugeschichten – ältere Substanz in Herne-Mitte und Wanne trifft auf jüngeren Wiederaufbau in Eickel und Sodingen, mit entsprechend unterschiedlichen Geschosshöhen. Wer einen Dachraum ausbauen möchte, findet gerade in dieser Zeichnung heraus, ob das Vorhaben in der geplanten Form überhaupt genehmigungsfähig ist.
Diese Angaben verlangt der Schnitt nach der BauPrüfVO NRW
Formal gelten für den Schnitt dieselben Grundregeln wie für jede andere Bauzeichnung – inhaltlich rückt dabei die Vertikale in den Mittelpunkt:
- Mindestmaßstab 1:100, durchgehend bemaßt bei Geschosshöhen, Dachneigung und sonstigen relevanten Aufbauten.
- Deckenkonstruktion und Dachaufbau müssen anhand der verwendeten Bauprodukte und Bauarten erkennbar sein.
- Bestand und geplante Änderung – etwa eine neue Geschossdecke oder ein umgebauter Dachstuhl – sind eindeutig voneinander abzugrenzen.
Ob in den Altbauquartieren von Herne-Mitte oder im Wiederaufbaubestand von Wanne und Eickel: Teilweise ungenutzte oder nur halb ausgebaute Dachgeschosse gehören in Herne wie in den meisten Ruhrgebietsstädten zum üblichen Bestand. Sobald ein solcher Raum zu Wohnzwecken hergerichtet werden soll, prüft der Fachbereich 54 anhand des Schnitts, ob Kniestock und lichte Höhe unter der Schräge den planungsrechtlichen Vorgaben genügen – häufig der Punkt, an dem ein Vorhaben steht oder fällt. Denselben Zeichnungsnachweis braucht es, um zu klären, ob der ausgebaute Raum als Vollgeschoss zählt; ohne bemaßten Schnitt lässt sich diese Frage nicht beantworten.
Woraus der Schnitt entsteht: Planung oder Bestand
Zwei Ausgangssituationen kommen in Herne vor:
Bei einem Neubauvorhaben
Für die einzelnen Baufelder eines Projekts wie dem geplanten EschparkQuartier fällt der Schnitt gemeinsam mit Grundriss und Ansicht aus derselben Entwurfsplanung – alle drei Zeichnungen stimmen von Beginn an überein.
Bei Umbau oder Dachgeschossausbau
Hier steht am Anfang ein Aufmaß der vorhandenen Geschosshöhen und der Dachkonstruktion. Erst darauf aufbauend lässt sich im Schnitt zeigen, was erhalten bleibt und was sich ändert.
Was zusammen mit dem Schnitt eingereicht wird
Isoliert betrachtet, sagt ein Schnitt wenig aus – erst im Zusammenspiel ergibt sich das vollständige Bild:
- Der eigentliche Schnitt
Durch die maßgeblichen Gebäudeteile geführt, mindestens im Maßstab 1:100, mit allen Höhen und Aufbauten.
- Passender Grundriss und passende Ansicht
Nur wenn Geschosshöhen sowie First- und Traufmaße zwischen allen drei Zeichnungen übereinstimmen, akzeptiert der Fachbereich 54 den Plansatz als Einheit.
- Belastbarer Höhennachweis im Dachraum
Gerade beim Ausbau entscheidet dieser Nachweis darüber, welche Bereiche unter der Schräge überhaupt als Aufenthaltsraum zählen.
- Angaben zur bestehenden Deckenbauart
Vor allem bei älteren Gebäuden wichtig, wenn eine geplante Nutzung zusätzliche Lasten auf eine vorhandene Decke bringt.
Schnittzeichnungen aus dem Herner Alltag
Ausbau eines Dachraums in Herne-Mitte
Kniestock- und Firsthöhe sowie die nutzbare Fläche unter der Schräge gehen aus dem Schnitt hervor – die Grundlage, auf der der Fachbereich 54 über das Vorhaben entscheidet.
Neue Gaube an einem Haus in Wanne
Der Schnitt durch die Gaube macht sichtbar, wie sie sich in die vorhandene Dachneigung einpasst, und wird direkt gegen die zugehörige Fassadenansicht geprüft.
Reihenhauszeile im geplanten EschparkQuartier
Sämtliche Häuser eines Bauabschnitts erhalten identische Geschosshöhen und einen einheitlichen Dachaufbau, abgeleitet aus der Genehmigungsplanung des zuständigen Investors.
Staffelgeschoss in Sodingen
Erst der bemaßte Schnitt beantwortet, ob die oberste Ebene die für ein Vollgeschoss nötige Raumhöhe erreicht – und damit, wie viele Geschosse das Gebäude planungsrechtlich zählt.
Kellerumbau in Herne-Mitte
Vorhandene Deckenhöhe und Bodenaufbau werden im Schnitt festgehalten, bevor über eine Nutzung des Kellers als Wohn- oder Arbeitsraum entschieden wird.
Von der Bestandsaufnahme zur fertigen Schnittzeichnung
Fünf Schritte führen in Herne zum einreichfertigen Schnitt:
- Schnittführung festlegen
Zunächst steht fest, an welcher Stelle des Gebäudes geschnitten werden muss, damit Geschosshöhen und Dachaufbau nachvollziehbar werden.
- Grundlage beschaffen
Je nach Fall dient die beim Fachbereich 54 geführte Bauakte oder ein frisches Aufmaß als Basis für die weitere Zeichnung.
- Zeichnung anfertigen
Der Schnitt entsteht mindestens im Maßstab 1:100 mit sämtlichen nach § 4 BauPrüfVO NRW geforderten Angaben.
- Gegen Grundriss und Ansicht abgleichen
Widersprüche zwischen den Zeichnungen des Plansatzes werden vor der Einreichung ausgeräumt.
- An den Fachbereich 54 übergeben
Digital aufbereitet, mit besonderer Sorgfalt bei genehmigungskritischen Dachgeschossausbauten.
Preisfaktoren für eine Schnittzeichnung in Herne
Vier Aspekte bestimmen im Wesentlichen, wie aufwendig ein Schnitt wird:
- Anzahl der Schnittführungen
Ein Gebäude mit unterschiedlich hohen Gebäudeteilen braucht unter Umständen mehrere Schnitte statt eines einzelnen.
- Planungsstand
Aus einer laufenden Neubauplanung lässt sich ein Schnitt zügiger ableiten als aus einem unklaren Altbestand.
- Dachgeometrie
Gauben, Schrägen und Kniestöcke verlangen deutlich mehr Detailarbeit als ein einfaches Satteldach.
- Verfügbarkeit brauchbarer Bauakten
Fehlt eine verwertbare Bestandszeichnung, wird ein Aufmaß-Termin fällig; bei Gebäuden von vor 1975 hilft mitunter zusätzlich das Stadtarchiv Herne weiter.
Alle Leistungen in Herne
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