Bauvoranfrage in Herne — Vorbescheid nach § 77 BauO NRW vor Gestaltungssatzung und Fliegenden Bauten

Nordrhein-Westfalen erlaubt es, eine einzelne offene Frage zu einem Vorhaben verbindlich klären zu lassen, bevor überhaupt eine vollständige Planung entsteht: den Vorbescheid nach § 77 BauO NRW. In Herne bearbeitet diesen Antrag derselbe Fachbereich 54, der später auch den eigentlichen Bauantrag entscheidet. Besonders sinnvoll ist dieser Zwischenschritt dort, wo zur gewöhnlichen bauordnungsrechtlichen Prüfung eine zweite Ebene hinzukommt – in den Gestaltungssatzungsgebieten Herne-Mitte und Wanne-Mitte, wo die Vereinbarkeit mit den örtlichen Vorgaben nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist, und auf neuen Wohnbauflächen wie dem in Planung befindlichen EschparkQuartier, dessen Bebauungsplan die endgültigen Rahmenbedingungen erst noch festlegt.

Was ein Vorbescheid nach § 77 BauO NRW leistet

Ersetzt wird der Bauantrag dadurch nicht – wohl aber das Risiko einzelner offener Fragen:

  • Beantwortet werden ausschließlich die konkret gestellten Fragen zu einem genehmigungspflichtigen Vorhaben, unabhängig vom späteren Genehmigungsverfahren.
  • Der Fachbereich 54 bleibt im nachfolgenden Bauantrag an seine Antwort gebunden – aber nur soweit sie tatsächlich gefragt und beantwortet wurde.
  • Bei rein planungsrechtlichen Fragen sieht § 77 BauO NRW eine Erleichterung vor: Auf eine bauvorlageberechtigte Zeichnung kann dann verzichtet werden.
Zwei Herner Konstellationen, die sich früh klären lassen

Drei Jahre Bindungswirkung, verlängerbar um ein weiteres Jahr – diese Zeitspanne erlaubt es, eine teure Detailplanung erst nach einer geklärten Grundsatzfrage in Auftrag zu geben. In Herne-Mitte oder Wanne-Mitte betrifft das meist die Vereinbarkeit einer geplanten Fassade oder eines Anbaus mit der seit 2016 beziehungsweise 2018 geltenden Gestaltungssatzung – eine Frage, die sich losgelöst von einem vollständigen Plansatz oft klarer beurteilen lässt. Auf einer Fläche wie dem geplanten EschparkQuartier zwischen Bahnhofstraße und Eschstraße geht es dagegen häufiger darum, ob ein bestimmtes Nutzungskonzept zum noch nicht endgültig beschlossenen Bebauungsplan passen würde.

Typische Anlässe für eine Bauvoranfrage in Herne

Drei Situationen treten in der Praxis besonders häufig auf:

Vorhaben in einem der beiden Satzungsgebiete

Bevor ein Anbau oder eine Fassadenänderung vollständig durchgeplant wird, klärt der Vorbescheid die grundsätzliche Vereinbarkeit mit der Gestaltungssatzung.

Grundstück auf einer künftigen Wohnbaufläche

Interessenten klären vor Kauf oder Detailplanung, welche Nutzung und Kubatur der entstehende Bebauungsplan voraussichtlich zulassen wird.

Größeres Vorhaben im gewachsenen Bestand

Auch außerhalb der Satzungsgebiete kann eine einzelne Frage – etwa die zulässige Geschosszahl bei einer geplanten Aufstockung – über die gesamte Genehmigungsfähigkeit entscheiden.

Was für eine Bauvoranfrage in Herne einzureichen ist

Der Umfang bleibt weit unter dem eines vollständigen Bauantrags:

  • Ausgefülltes Antragsformular

    Beim Fachbereich 54 erhältlich; wie präzise die darin formulierten Fragen ausfallen, entscheidet über den Nutzen des späteren Bescheids.

  • Aktueller Lageplan

    Katasterausschnitt mit dem betroffenen Flurstück.

  • Kurze Vorhabenbeschreibung

    Bei rein planungsrechtlichen Fragen ohne Zeichnungspflicht; liegt das Grundstück in Herne-Mitte oder Wanne-Mitte, hilft ein Hinweis auf die dortige Gestaltungssatzung.

Bauvoranfragen in Herne – Beispiele aus der Praxis

Neue Schaufensterfront in Wanne-Mitte

Bevor die vollständige Planung beauftragt wird, klärt ein Vorbescheid, ob die vorgesehene Gestaltung mit der seit 2018 dort geltenden Satzung vereinbar wäre.

Grundstück am Rand des geplanten EschparkQuartiers

Vor dem Kauf lässt sich klären, welche Nutzung und Kubatur der in Aufstellung befindliche Bebauungsplan voraussichtlich zulassen wird.

Umbau einer großen Altbauwohnung in Herne-Mitte

Ein Vorbescheid klärt vorab, ob die für den Umbau nötigen zusätzlichen Rettungswege am konkreten Gebäude überhaupt realisierbar wären.

Zusätzliches Geschoss auf einem Wohnhaus in Eickel

Statt gleich die vollständige Tragwerksplanung zu beauftragen, klärt eine Bauvoranfrage zunächst, ob die geplante Geschossigkeit planungsrechtlich überhaupt zulässig wäre.

Nebenanlage in unmittelbarer Nähe zum Rhein-Herne-Kanal

Vor der Detailplanung wird geklärt, ob wasserrechtliche oder erschließungstechnische Besonderheiten der Kanallage der vorgesehenen Nutzung entgegenstehen würden.

So läuft Ihre Bauvoranfrage in Herne ab

Der Weg folgt in Herne denselben Grundzügen wie im übrigen Nordrhein-Westfalen:

  1. Fragen präzise formulieren

    Wie genau die Fragen gestellt sind, entscheidet unmittelbar über den Wert des späteren Bescheids.

  2. Satzungs- oder Planungslage klären

    Bei einer Lage in Herne-Mitte, Wanne-Mitte oder auf einer neuen Entwicklungsfläche prüfen wir vorab, welche zusätzlichen Punkte mit aufgenommen werden sollten.

  3. Einreichung beim Fachbereich 54

    Formular, Lageplan und Kurzbeschreibung gehen an die Abteilung Baugenehmigung und Bauaufsicht im Technischen Rathaus.

  4. Prüfung durch die Behörde

    Rückfragen oder die Nachforderung weiterer Unterlagen sind möglich, bevor der Bescheid ergeht.

  5. Bescheid nutzen und bei Bedarf verlängern

    Drei Jahre bindet der positive Bescheid, danach lässt er sich jeweils um ein weiteres Jahr verlängern.

Was den Preis für eine Bauvoranfrage in Herne beeinflusst

Die behördliche Gebühr folgt der geltenden Gebührenordnung und steht getrennt von unserem Honorar für die Vorbereitung. Für den Gesamtaufwand zählen:

  • Zahl und Komplexität der Fragen

    Jede zusätzliche, verbindlich zu beantwortende Frage erhöht den Prüfaufwand beim Fachbereich.

  • Zeichnungspflicht oder nicht

    Reine Planungsfragen ohne bauvorlageberechtigte Zeichnung verursachen weniger Vorbereitungsaufwand.

  • Satzungsgebiet oder Entwicklungsfläche

    Beide Lagen bedeuten mehr Abstimmungsaufwand als ein Grundstück im gewöhnlichen Bestand.

  • Aktuelle Auslastung des Fachbereichs 54

    Wirkt sich auf die Bearbeitungsdauer aus, nicht jedoch auf die gesetzlich festgelegte Gebühr.

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