Bemaßte Schnittzeichnungen in Heidelberg — vom Altstadt-Dachgeschoss bis zum Geländeschnitt am Hang
Ein Schnitt zeigt, was Grundriss und Ansicht nicht können: den vertikalen Aufbau eines Gebäudes und, bei Bedarf, seiner Umgebung. In Heidelberg übernimmt diese Zeichnung zwei unterschiedliche Aufgaben. In der dicht bebauten Altstadt und der Weststadt klärt der Schnitt vor allem, ob ein bestehendes Dachgeschoss die nach § 34 der Landesbauordnung erforderliche lichte Höhe erreicht, um als Aufenthaltsraum zu gelten – eine naheliegende Möglichkeit, in einer Universitätsstadt mit hoher Wohnraumnachfrage zusätzlichen Platz zu schaffen, ohne neu zu bauen. An den Hängen von Königstuhl und Heiligenberg dagegen muss der Schnitt zusätzlich das Gelände selbst abbilden: Ohne einen Geländeschnitt lässt sich weder die tatsächliche Gebäudehöhe gegenüber der Umgebung noch die notwendige Absicherung eines Hanggrundstücks nachvollziehbar darstellen.
- Was ein Schnitt für Heidelberg zeigen muss
- Drei Ausgangslagen für den Heidelberger Schnitt
- Was zu einem vollständigen Schnitt in Heidelberg gehört
- Bemaßte Schnittzeichnungen in Heidelberg – Beispiele aus der Praxis
- So entsteht Ihr Schnitt für Heidelberg
- Wovon der Aufwand für einen Heidelberger Schnitt abhängt
Was ein Schnitt für Heidelberg zeigen muss
Für Schnittzeichnungen gelten dieselben Grundanforderungen der LBOVVO wie für den übrigen Plansatz, mit inhaltlichem Schwerpunkt auf der vertikalen Struktur:
- Üblicher Maßstab 1:100 – vollständig bemaßt sind Geschosshöhen, Dachneigung und alle für die Beurteilung wichtigen Aufbauten.
- Bauteile, die verschwinden, und solche, die neu hinzukommen, brauchen eine eindeutig unterscheidbare Darstellung – etwa eine zusätzliche Zwischendecke oder ein geänderter Dachaufbau.
- An Hanggrundstücken gehört zusätzlich ein Geländeschnitt zur vollständigen Zeichnung, der den natürlichen und den geplanten Geländeverlauf gegenüberstellt.
Ob ein ausgebauter Dachraum als Aufenthaltsraum durchgeht, entscheidet in Heidelberg dieselbe Vorschrift wie im ganzen Land: § 34 LBO verlangt für Aufenthaltsräume in der Regel 2,30 Meter lichte Höhe; unter einer Schräge reichen 2,20 Meter, solange das über mindestens der Hälfte der Grundfläche gilt, und alles unter 1,50 Meter zählt gar nicht erst mit. Sichtbar wird das ausschließlich im Schnitt, und gerade im dicht bebauten, historisch gewachsenen Dachbestand von Altstadt und Weststadt hängt an genau dieser Prüfung oft, ob ein Ausbau in der gewünschten Form überhaupt genehmigt werden kann. An den Hängen von Königstuhl und Heiligenberg kommt eine zweite, ganz andere Frage hinzu, die mit Aufenthaltsräumen nichts zu tun hat: Wie fügt sich ein Gebäude in den tatsächlichen Geländeverlauf ein, und wie lässt sich ein Hang gegen Absacken oder Erosion sichern? Diese Frage beantwortet kein Höhenzonen-Nachweis, sondern nur ein eigener Geländeschnitt, der Bestand und Planung gegenüberstellt – im ebenen Umland eine Anforderung, die praktisch nie auftaucht.
Drei Ausgangslagen für den Heidelberger Schnitt
Ob ein Schnitt vor allem die Raumhöhe oder das Gelände klären muss, hängt von der Lage des Grundstücks ab:
Dachgeschossausbau in Altstadt oder Weststadt
Vor dem Schnitt braucht es ein aktuelles Aufmaß der bestehenden Geschosshöhen und der Dachkonstruktion, damit Kniestock und Firsthöhe belastbar bemaßt werden können.
Neubau oder Anbau an einem Hanggrundstück
Zusätzlich zum Gebäudeschnitt wird ein Geländeschnitt erstellt, der natürliches und geplantes Gelände sowie die geplante Absicherung des Hangs zeigt.
Neubau auf ebener Fläche, etwa in der Bahnstadt
Geschosshöhen und Dachaufbau entstehen gemeinsam mit Grundriss und Ansicht aus einer durchgeplanten Struktur, ohne die Besonderheiten von Hanglage oder historischer Bausubstanz.
Was zu einem vollständigen Schnitt in Heidelberg gehört
Ein Schnitt steht selten allein – gefragt ist ein auf Grundriss und Ansicht abgestimmter Satz:
- Schnitt durch die maßgeblichen Gebäudebereiche
Bemaßt im üblichen Maßstab 1:100, mit sämtlichen für das Vorhaben wesentlichen Geschosshöhen, Dachneigungen und Aufbauten.
- Nachweis der Raumhöhe nach § 34 LBO
Gerade beim Dachgeschossausbau entscheiden die 2,20-Meter-Zone über der halben Grundfläche und der 1,50-Meter-Kniestock darüber, welche Bereiche tatsächlich nutzbar sind.
- Geländeschnitt bei Hanglage
Zeigt den natürlichen und den geplanten Geländeverlauf sowie die vorgesehene Absicherung des Hangs – Grundlage für die Beurteilung der Abstandsflächen.
Bemaßte Schnittzeichnungen in Heidelberg – Beispiele aus der Praxis
Dachgeschossausbau im Gründerzeitbestand der Weststadt
Der Schnitt zeigt Kniestock- und Firsthöhe sowie die nach § 34 LBO nutzbare Raumhöhe unter der Dachschräge – Grundlage für die Beurteilung durch das Amt für Baurecht und Denkmalschutz.
Neubau an einem Steilhang in Rohrbach
Ein zusätzlicher Geländeschnitt zeigt, wie sich das neue Gebäude in den bestehenden Hang einfügt und wie die Baugrube gegen den Steilhang gesichert wird.
Ausgebautes Dachgeschoss über einem Altstadthaus
Weil viele Dachräume in der Altstadt erst Jahrzehnte nach der Errichtung zu Wohnraum ausgebaut wurden, weist der Schnitt nach, welche Bereiche unter der historischen Dachkonstruktion die geforderte lichte Höhe tatsächlich erreichen.
Neubau mit klarer Geschossstruktur in der Bahnstadt
Der Schnitt entsteht direkt aus der Planung, ergänzt um die für den Passivhaus-Nachweis nötigen Angaben zum Wandaufbau.
So entsteht Ihr Schnitt für Heidelberg
Von der Bestandsaufnahme bis zur einreichfertigen Zeichnung – mit besonderem Gewicht auf Dachausbau und Hanglage:
- Schnittführung festlegen
Es wird geklärt, welcher Gebäudebereich abgebildet werden muss und ob zusätzlich ein Geländeschnitt nötig ist.
- Grundlage beschaffen
Je nach Ausgangslage dient die digitalisierte Bauakte oder ein frisches Aufmaß der betroffenen Geschosse und des Geländes als Basis.
- Schnitt zeichnen und bemaßen
Erstellt im üblichen Maßstab 1:100, mit sämtlichen LBOVVO-Pflichtangaben sowie den für § 34 LBO nötigen Höhenzonen bei Dachräumen.
- Abgleich mit Grundriss und Ansicht
Alle Maße im Plansatz müssen widerspruchsfrei zueinander passen.
- Zusammenstellung fürs Amt
Die digitale Aufbereitung erfolgt über das virtuelle Bauamt Baden-Württemberg, mit besonderer Sorgfalt bei genehmigungskritischen Dachausbauten und Hanggrundstücken.
Wovon der Aufwand für einen Heidelberger Schnitt abhängt
Diese Punkte bestimmen, wie viel Arbeit in einer bemaßten Schnittzeichnung steckt:
- Anzahl der Schnittebenen
Ein durchgehender Gebäudeschnitt ist schneller fertig als mehrere Schnitte, die unterschiedliche Bereiche desselben Hauses getrennt zeigen müssen.
- Hanglage des Grundstücks
Ein zusätzlicher Geländeschnitt an einem Steilhang in Handschuhsheim, Neuenheim oder Rohrbach erhöht den Zeichnungsaufwand gegenüber einem ebenen Grundstück.
- Ausprägung des Dachs
Gauben, Kniestöcke und mehrfache Dachschrägen beim Ausbau verlangen deutlich mehr Detailarbeit als ein durchgehendes Satteldach.
- Regelmäßigkeit der Bausubstanz
Historische Altstadt- oder Weststadtgebäude mit uneinheitlichen Geschosshöhen brauchen ein gründlicheres Aufmaß als ein neu und regelmäßig errichteter Baukörper.
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