Wohnflächenberechnung in Hannover — Nachkriegszeile und Südstadt-Altbau getrennt betrachtet

Hannover hat seinen Wohnungsbestand in zwei sehr ungleichen Etappen bekommen, und man merkt es jeder Wohnung an. Das meiste im inneren Stadtgebiet entstand nach 1948 in kurzer Zeit neu: sparsam geschnittene Zeilen mit knappen Raumhöhen, schmalen Balkonen und Dachräumen, die erst Jahrzehnte später ausgebaut wurden. Daneben stehen ganze Straßenzüge, die den Krieg überstanden haben — in der List und in der Südstadt vor allem, mit hohen Zimmern, tiefen Laibungen und Zuschnitten, die später vielfach geteilt worden sind. Daraus folgt eine Arbeitsteilung: Im Nachkriegsbau entscheidet meist die Behandlung der Nebenflächen über das Ergebnis, im Altbau die lichte Höhe unter der Schräge. Und weil rund 55 Prozent aller Haushalte der Landeshauptstadt Einpersonenhaushalte sind und Leibniz Universität und Hochschule Hannover zusammen über 35.000 Studierende in die Stadt bringen, wird diese Zahl hier auffallend oft neu in einen Vertrag geschrieben — und ebenso oft bestritten.

Welches Regelwerk für Ihre Immobilie in Hannover maßgeblich ist

Bevor gemessen wird, muss feststehen, wonach gerechnet wird. Diese Vorentscheidung verschiebt das Ergebnis stärker als jede Messungenauigkeit. Es zählen die Nutzung der Räume, der Anlass der Ermittlung und — bei Mietverhältnissen — der Tag der Unterschrift:

  • Wohnraum wird im Regelfall nach der Wohnflächenverordnung bewertet. Verbindlich angeordnet ist sie für den geförderten Wohnungsbau; im frei finanzierten Bestand dient sie als Auslegungsmaßstab, solange die Parteien nichts Eigenes bestimmt haben.
  • Die DIN 277 kommt ins Spiel, sobald das Gebäude selbst beschrieben werden soll: Brutto-Grundfläche, Rauminhalt, Kennwerte für Kalkulation und Bewertung. Eine Wohnfläche im Rechtssinn liefert sie nicht.
  • Für Mietverträge von vor dem 1. Januar 2004 bleibt der Maßstab der §§ 42 bis 44 der Zweiten Berechnungsverordnung maßgeblich. Es zählt das Datum der Unterschrift, nicht das Baujahr des Hauses.
  • Haben die Parteien ausdrücklich ein anderes Regelwerk vereinbart, gilt es — dann aber vollständig. Einzelne Bauteile nach der einen und den Rest nach der anderen Systematik zu behandeln, trägt nicht.
Balkon, Loggia und Dachschräge im Hannoveraner Nachkriegsbestand

Die Wiederaufbaubauten nach 1948 sind der Grund, warum in Hannover so oft über Nebenflächen gestritten wird. Ursprünglich hatten viele dieser Zeilen nur schmale, offene Austritte; bei späteren Modernisierungen wurden Balkone angebaut, vorgestellt oder verglast. § 4 Nr. 4 WoFlV nennt Balkone, Loggien, Dachgärten und Terrassen ausdrücklich und setzt sie in der Regel zu einem Viertel an, höchstens zur Hälfte. Der halbe Ansatz ist die begründungsbedürftige Ausnahme — und nicht schon deshalb gerechtfertigt, weil eine Fläche verglast wurde. Berechnungen aus der Zeit der Zweiten Berechnungsverordnung griffen hier großzügiger zu; Altangaben liegen in diesem Bestand deshalb systematisch über dem heutigen Ergebnis. Die zweite typische Position ist der spät ausgebaute Raum unter dem flachen Satteldach: Nach § 4 Nr. 1 und Nr. 2 WoFlV geht ein Raumteil erst ab zwei Metern lichter Höhe voll ein, zwischen einem und zwei Metern zur Hälfte, darunter gar nicht. Ein niedriger Drempel verschiebt diese Zonen über den ganzen Raum, eine Schleppgaube gewinnt punktuell Fläche zurück — belegbar nur mit gemessenen Höhen.

Die Berechnungsgrundlagen im Detail

Die vier Grundlagen unterscheiden sich nicht in der Sorgfalt, sondern im Gegenstand. Das erklärt, warum für dieselbe Wohnung mehrere Zahlen kursieren können, ohne dass eine davon falsch sein muss:

Wohnflächenverordnung — der Maßstab für bewohnte Räume

Sie fragt in drei Schritten: Welche Räume gehören zur Wohnung, wie groß ist ihre Grundfläche, mit welchem Anteil geht sie ein. Gemessen wird nach § 3 Abs. 1 WoFlV im lichten Maß ab Vorderkante der Bekleidung, also am fertigen Raum. Wer innen dämmt, verliert rechnerisch Fläche, obwohl der Rohbau derselbe bleibt.

DIN 277 in der Ausgabe 2021-08 — der Maßstab für das Bauwerk

Unter dem Titel Grundflächen und Rauminhalte im Hochbau ordnet die Norm Brutto-Grundfläche, Netto-Raumfläche und Nutzungsfläche. Höhenzonen sieht sie nicht vor, die Wandquerschnitte stecken in der Brutto-Grundfläche. Für dieselbe Wohnung liegt ihr Ergebnis daher regelmäßig höher.

Zweite Berechnungsverordnung — der Maßstab der Altverträge

Eine bis Ende 2003 nach den §§ 42 bis 44 der II. BV ermittelte Fläche behält Bestand, bis ein Umbau die Neuermittlung erzwingt. In Hannover betrifft das einen erheblichen Teil der Wiederaufbaubestände, deren Erstberechnung nie überarbeitet wurde.

Vereinbarter Maßstab — der Maßstab aus dem Vertrag

Miet- und Kaufvertrag dürfen etwas anderes bestimmen, etwa die längst zurückgezogene DIN 283. Wirksam ist das nur, wenn die Vereinbarung eindeutig ist und das gewählte System geschlossen angewendet wird.

Welche Unterlagen Ihre Wohnflächenberechnung in Hannover braucht

Wie viel am Objekt nachgearbeitet werden muss, entscheidet das vorhandene Material. Für Hannoveraner Bestandswohnungen tragen erfahrungsgemäß diese Angaben:

  • Grundrisse mit eingetragenen Maßen

    Verwertbar ist eine Zeichnung, aus der sich jede Wandlänge ablesen und nicht bloß abgreifen lässt. Fehlen die Maßketten, wandert die Ungenauigkeit des Papiers ungefiltert in die Endsumme.

  • Höhenangaben oder ein Schnitt durch den Dachraum

    Ohne Höhen lässt sich unter einer Schräge kein Ansatz begründen. Eingetragene Ein- und Zwei-Meter-Linien machen die Zonen für Bank, Käufer oder Gericht überprüfbar.

  • Angaben zu Balkon, Loggia und Wintergarten

    Wichtig sind Zuschnitt, Überdachung, Verglasung und — bei den später angebauten Balkonen der Nachkriegsbauten — der Zeitpunkt des Anbaus. Erst daraus ergibt sich, ob der Regelansatz oder die Ausnahme greift.

  • Teilungserklärung mit Aufteilungsplan

    Bei Eigentumswohnungen legt der Aufteilungsplan fest, welche Räume zum Sondereigentum gehören. Ein gemeinschaftlicher Trockenboden bleibt außen vor, auch wenn faktisch nur eine Partei ihn nutzt.

  • Bauakte beim Bereich Bauordnung der Landeshauptstadt

    Anders als in Städten mit bezirklicher Bauaufsicht führt in Hannover eine einzige Stelle die Akten. Üblich sind ein Eigentumsnachweis und bei Beauftragten eine Vollmacht; Gemarkung, Flur und Flurstück verkürzen die Suche spürbar.

Wohnflächenberechnungen in Hannover – Beispiele aus der Praxis

Zeilenbau der Wiederaufbaujahre mit nachgerüstetem Balkon

Die Wohnung selbst ist in wenigen Positionen erfasst — der Streit liegt an der Fassade. Aufgenommen werden Grundfläche und Ausbaugrad des Balkons, angesetzt wird er nach § 4 Nr. 4 WoFlV im Regelfall zu einem Viertel. Wer die Hälfte ansetzen will, braucht dafür einen Grund, der über die bloße Verglasung hinausgeht.

Ausgebautes Dachgeschoss über einem Südstadt-Altbau

Unter der Schräge wird raumteilweise gerechnet: voll ab zwei Metern, hälftig zwischen einem und zwei Metern, darunter nicht. Gemessen wird vom fertigen Fußboden bis zur fertigen Deckenbekleidung — jeder Zentimeter Estrich und Trittschalldämmung verschiebt die Grenzlinien in den Raum hinein.

Geteilte Altbauwohnung in der List als möbliertes Apartment

Große Gründerzeitwohnungen sind hier vielfach zerlegt worden. Zu klären ist zuerst, welche Räume ausschließlich zur jeweiligen Einheit gehören und wie ein gemeinsam genutzter Flur zu behandeln ist. Erst danach wird gemessen; die Reihenfolge umzudrehen führt zu doppelt gezählten Flächen.

Eigentumswohnung kurz vor der Beurkundung

Vor dem Notartermin sollte die Fläche stehen, nicht danach. Eine Angabe aus dem Exposé, die nicht in die Urkunde gelangt, begründet nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs regelmäßig keine Beschaffenheitsvereinbarung nach § 434 Abs. 1 Satz 1 BGB (Urteil vom 6. November 2015 – V ZR 78/14).

So läuft Ihre Wohnflächenberechnung in Hannover ab

Die fachlichen Schritte ähneln sich überall. In Hannover verschiebt sich das Gewicht auf zwei Stellen: auf die Prüfung der Nebenflächen im Nachkriegsbestand und auf die Höhenaufnahme in ausgebauten Dachgeschossen.

  1. Anlass benennen, Regelwerk festlegen

    Finanzierung, Verkauf, Mieterhöhung, Betriebskostenumlage und Erbauseinandersetzung stellen eigene Anforderungen. Daraus folgt, ob nach der Verordnung, nach der Norm oder nach beidem parallel gerechnet wird.

  2. Vorhandenes Material sichten und bewerten

    Geprüft wird, ob die Pläne schlüssig bemaßt sind und ob der gezeichnete Zustand noch dem gebauten entspricht. Bei Wohnungen aus den Fünfzigerjahren ist das selten der Fall, weil Balkonanbauten und Grundrissänderungen nie in den Altplan zurückflossen.

  3. Fehlende Maße und Höhen erheben

    Reicht das Material nicht, wird vor Ort aufgenommen: Raummaße im lichten Maß, Höhen an mehreren Punkten unter Schrägen, Nischentiefen sowie Zuschnitt und Ausbaugrad der Nebenflächen.

  4. Positionen bilden und Ansatz zuordnen

    Jede Fläche bekommt ihren Faktor: voll, hälftig, zu einem Viertel oder gar nicht. Zubehörräume wie Keller, Waschküche und Bodenraum bleiben draußen, fest eingebaute Gegenstände bleiben drin.

  5. Rechenweg dokumentieren und übergeben

    Ausgewiesen werden Maß, Faktor und Teilfläche je Position, die Zwischensumme je Raum und die Gesamtfläche, auf Wunsch mit Architektenstempel. Damit lässt sich die Einordnung in die Wohnungsgrößenklasse des Mietspiegels belegen.

Was den Preis einer Wohnflächenberechnung in Hannover beeinflusst

Zwei gleich große Wohnungen verursachen sehr verschieden viel Rechenarbeit — eine schlicht geschnittene Zeilenbauwohnung und ein geteilter Altbau mit Dachausbau liegen weit auseinander. Diese Punkte bestimmen den Aufwand:

  • Zahl der Positionen statt Zahl der Quadratmeter

    Maßgeblich ist nicht die Fläche, sondern wie viele einzeln zu bewertende Teilflächen entstehen. Ein Zimmer mit gleichbleibender Höhe ist eine Position, ein Dachzimmer mit Gaube schnell vier.

  • Umfang und Art der Nebenflächen

    Balkone, Loggien, Terrassen und Wintergärten werden einzeln beurteilt und einzeln begründet. Im Nachkriegsbestand fällt dieser Teil oft größer aus als die Berechnung der Wohnräume selbst.

  • Qualität der vorliegenden Pläne

    Aktuelle, bemaßte Zeichnungen sind der schnellste Weg. Fehlende Maßketten, überholte Stände oder eine gänzlich fehlende Zeichnung bedeuten Aktenrecherche oder einen Termin am Objekt.

  • Zahl der Einheiten im Objekt

    Für jede Wohnung entsteht ein eigener Rechenweg und eine eigene Summe. Bei Mehrfamilienhäusern kommt die Abgrenzung gegen die allen zustehenden Flächen hinzu.

  • Tiefe der gewünschten Dokumentation

    Eine reine Flächenangabe entsteht rascher als ein vollständiger Nachweis mit Ansatz je Teilfläche, Zwischensummen und Stempel, wie ihn Banken und Gerichte erwarten.

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