Grundrisse in Hannover — vom Wiederaufbau-Zeilenhaus bis zur Gründerzeitvilla in der List bemaßt erfasst

Kaum eine deutsche Großstadt musste nach 1945 so vollständig neu gebaut werden wie Hannover: Die Innenstadt lag zu rund 90 Prozent in Trümmern, das gesamte Stadtgebiet zu etwa der Hälfte. Der rasche Wiederaufbau der 1950er-Jahre hinterließ einen breiten Bestand einfacher Zeilenbauten, deren Grundrisse sich zwischen den einzelnen Aufgängen ähneln, aber selten identisch sind. Wo die Zerstörung geringer ausfiel, blieben einzelne gründerzeitliche Straßenzüge erhalten, etwa in der List oder im traditionsreichen Arbeiterviertel Linden. Und im Osten der Stadt entsteht mit Kronsrode auf dem Erbe der Expo 2000 aktuell eines der größten Neubaugebiete Hannovers. Welcher Weg zu Ihrem Grundriss führt, hängt entscheidend davon ab, in welche dieser Kategorien Ihre Immobilie fällt.

Wann Sie in Hannover einen neuen Grundriss brauchen

Auch in Hannover ist ein Grundriss für sich genommen keine genehmigungspflichtige Leistung, wird aber in mehreren wiederkehrenden Situationen gebraucht:

  • Verkauf und Finanzierung: Bank und Notar verlangen einen aktuellen, bemaßten Plan – ein einfacher Wiederaufbauplan aus den 1950er-Jahren reicht dafür meist nicht mehr.
  • Uneinheitlich veränderte Wiederaufbau-Wohnzeilen: Auch wenn ganze Zeilen nach demselben Grundtyp errichtet wurden, wurden einzelne Wohnungen seither unterschiedlich umgebaut, ohne dass die Akte das durchgängig zeigt.
  • Mehrfach veränderte Gründerzeitwohnung: In der List oder in Linden wurde so manche erhaltene Altbauwohnung im Lauf der Jahrzehnte geteilt, zusammengelegt oder im Dachgeschoss erweitert.
  • Teilungserklärung und Aufteilungsplan: Wer eine Immobilie in Wohnungs- und Teileigentum aufteilen will, braucht einen maßstäblichen Aufteilungsplan als Grundlage der Abgeschlossenheitsbescheinigung.
  • Digitale Einreichung: Seit dem 1. Januar 2024 müssen Bauanträge in Hannover verpflichtend digital eingereicht werden – wer Aufmaß- oder Grundrissunterlagen beibringt, sollte sie von Beginn an in digital verwertbarer Form vorliegen haben.
Der Wiederaufbau als Grundrissfrage: ähnlich, aber nicht gleich

Der unter Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht organisierte Wiederaufbau der 1950er-Jahre prägt bis heute große Teile des Hannoveraner Stadtbilds, oft in Form ganzer Zeilen mit auf den ersten Blick identischen Häusern. Die ursprüngliche Bauakte zeigt dabei meist nur einen einzigen Typengrundriss für die gesamte Zeile. Über die folgenden Jahrzehnte wurden einzelne Wohnungen jedoch unterschiedlich verändert – eine Wand versetzt, ein Bad vergrößert, ein Balkon verglast –, ohne dass diese Anpassungen durchgängig in die Akte übernommen wurden. Wer sich beim Verkauf oder einer Finanzierung auf den historischen Typenplan verlässt, riskiert deshalb, dass der tatsächliche Zuschnitt der eigenen Wohnung davon abweicht. Ein Vor-Ort-Aufmaß schafft hier Klarheit über den heutigen, individuellen Bestand.

Woher Ihr Hannoveraner Grundriss stammt

Je nach Gebäude und Datenlage kommt einer von drei Wegen infrage:

Aus der zentralen Bauakte der Landeshauptstadt

Ist eine verwertbare Bauakte vorhanden und deckt sie sich mit dem heutigen Bestand, lässt sich der Grundriss daraus ableiten. Zuständig ist für das gesamte Stadtgebiet der Fachbereich Planen und Stadtentwicklung – eine Aufteilung nach Stadtteilen gibt es nicht.

Per Aufmaß vor Ort

Weicht die Akte vom tatsächlichen Zustand ab – etwa bei individuell veränderten Wiederaufbauwohnungen oder mehrfach umgebauten Gründerzeithäusern in List oder Linden –, wird direkt vermessen.

Aus vorhandenen digitalen Plänen

Für Neubauwohnungen im Stadtteil Kronsrode liegen die Bauunterlagen von Beginn an digital vor und lassen sich direkt für die Grundrisserstellung weiterverwenden – hier fällt der Erfassungsaufwand am geringsten aus.

Welche Unterlagen für Ihren Hannoveraner Grundriss hilfreich sind

Je nachdem, welcher Weg zum Ziel führt, sind unterschiedliche Unterlagen relevant:

  • Bauakte mit Eigentumsnachweis und Vollmacht

    Für die Einsicht beim Fachbereich Planen und Stadtentwicklung werden üblicherweise ein aktueller Eigentumsnachweis und, wenn ein Dritter die Anfrage stellt, eine Vollmacht des Eigentümers verlangt – die Anfrage läuft über das virtuelle Bauamt.

  • Vorhandene alte Pläne oder Skizzen

    Auch ein historischer Wiederaufbauplan mit nur einem Typengrundriss für die ganze Zeile ist als Ausgangspunkt hilfreich, um die grundsätzliche Raumaufteilung nachzuvollziehen.

  • Teilungserklärung und Aufteilungsplan

    Bei Eigentumswohnungen zeigt der bestehende Aufteilungsplan, welche Räume zum Sondereigentum gehören – wichtig, wenn ein neuer Grundriss mit der ursprünglichen Aufteilung abgeglichen werden muss.

  • Digital verwertbare Unterlagen

    Da Bauanträge in Hannover verpflichtend digital eingereicht werden, sollten auch Grundriss- und Aufmaßunterlagen von Beginn an in einem digital weiterverarbeitbaren Format vorliegen.

Grundrisse in Hannover – Beispiele aus der Praxis

Wiederaufbau-Wohnzeile mit unterschiedlich veränderten Einheiten

Die Bauakte zeigt für die gesamte Zeile nur einen einzigen ursprünglichen Typengrundriss aus den 1950er-Jahren. Da einzelne Wohnungen seither unterschiedlich umgebaut wurden, braucht jede Einheit eine eigene Vor-Ort-Erfassung.

Geteiltes Gründerzeithaus in der List

Eine ursprünglich großzügige Altbauwohnung wurde im Lauf der Jahrzehnte in mehrere kleinere Einheiten geteilt. Die historische Akte zeigt noch den ursprünglichen, einheitlichen Zuschnitt – für die einzelnen Wohnungen braucht es dagegen jeweils einen eigenen, aktuellen Grundriss.

Arbeiterwohnhaus in Linden mit gewachsener Bausubstanz

Für ein Haus aus der frühen Industriezeit Lindens rund um die Hanomag-Werke existiert oft nur eine grobe historische Skizze. Ein Aufmaß vor Ort erfasst den tatsächlichen, über Generationen veränderten Zuschnitt.

Neubauwohnung in Kronsrode

Für eine Wohnung im neu entstehenden Stadtteil auf dem Expo-Gelände liegt der Grundriss von Beginn an digital vor und lässt sich unmittelbar für Bank oder Exposé weiterverwenden.

So läuft Ihr Grundriss in Hannover ab

Fachlich unterscheidet sich der Ablauf nicht von anderen Städten. In Hannover kommt es besonders darauf an, früh zu klären, ob der historische Typengrundriss einer Wiederaufbauzeile noch zur individuellen Wohnung passt:

  1. Zweck und Baualter klären

    Ob der Grundriss für Verkauf, Finanzierung oder eine Teilungserklärung gebraucht wird, bestimmt Maßstab und Detailtiefe – bei Wiederaufbauwohnungen kommt die Frage nach individuellen Veränderungen gegenüber dem Typenplan hinzu.

  2. Aktenlage prüfen

    Bauakte oder alte Pläne werden darauf geprüft, ob sie den heutigen Zustand noch abbilden. Bei Wiederaufbauzeilen zeigt die Akte häufig nur den ursprünglichen, längst nicht mehr überall gültigen Typengrundriss.

  3. Fehlende Grundlagen beschaffen oder aufmessen

    Reichen die vorhandenen Unterlagen nicht aus, wird die Bauakte über das virtuelle Bauamt angefragt oder das Gebäude direkt vor Ort vermessen.

  4. Grundriss zeichnen und bemaßen

    Aus den erfassten Maßen entsteht der bemaßte Grundriss – auf Wunsch inklusive Möblierung und weiteren Detailgraden für die Vermarktung.

  5. Ergebnis übergeben

    Sie erhalten den fertigen Grundriss als digitale Plandatei, auf Wunsch mit Architektenstempel – bereit für Bank, Notar oder den Fachbereich Planen und Stadtentwicklung.

Was den Aufwand eines Grundrisses in Hannover beeinflusst

Der Erfassungsaufwand unterscheidet sich zwischen den Hannoveraner Gebäudetypen deutlich:

  • Zustand der vorhandenen Bauakte

    Eine aktuelle, verwertbare Akte ist der günstigste Fall. Zeigt sie nur einen historischen Typengrundriss oder fehlt sie ganz, kommen Aktenrecherche über das virtuelle Bauamt oder ein Vor-Ort-Termin hinzu.

  • Individuelle Abweichung vom Wiederaufbau-Typenplan

    Je stärker eine einzelne Wohnung vom ursprünglichen Typengrundriss ihrer Zeile abweicht, desto mehr Sorgfalt verlangt die Vor-Ort-Erfassung.

  • Gebäudetyp: Wiederaufbau oder Gründerzeit

    Die selten erhaltenen Gründerzeithäuser in List oder Linden verlangen wegen individueller Umbauten über die Jahrzehnte oft mehr Aufwand als ein unverändertes Wiederaufbauhaus.

  • Zahl der Ebenen und Einheiten

    Eine einzelne Etagenwohnung ist rasch erfasst. Ein Haus mit mehreren Geschossen und Einheiten verlangt für jede Wohnung einen eigenen Erfassungsdurchgang.

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